Holly Goldberg Sloan & Meg Wolitzer — An Nachteule von Sternhai

22.Juli 2019

Für den Roman “An Nacht­eu­le von Stern­hai” haben sich zwei groß­ar­ti­ge, ame­ri­ka­ni­sche Autorin­nen zusam­men­ge­tan: Hol­ly Gold­berg Slo­an und Meg Wolit­zer. Her­aus­ge­kom­men ist dabei eine wun­der­ba­re, warm­her­zig erzähl­te Freund­schafts- und Fami­li­en­ge­schich­te über zwei Mäd­chen, die eigent­lich auf kei­nen Fall mit­ein­an­der befreun­det sein wol­len und genau das Gegen­teil errei­chen. Ein aus­ge­spro­chen schö­nes Lese­ver­gnü­gen!! Eine Geschich­te, die ein­fach Spaß zu lesen macht und ein gutes Gefühl hin­ter­lässt. Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren (super auch noch für 12-jäh­ri­ge!) und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 12-jäh­ri­ge Avery, die in New York lebt, intro­ver­tiert und äußerst klug ist, erhält eines Tages eine höchst selt­sa­me E‑Mail. Von einem Mäd­chen namens Bett, die weit ent­fernt von ihr wohnt, in Kali­for­ni­en und ihre Adres­se über das Inter­net her­aus­ge­fun­den hat. Betreff: “du kennst mich nicht”. Und dar­in ver­kün­det sie, dass ihre jewei­li­gen Väter, mit denen die bei­den Mäd­chen allei­ne woh­nen, ein­an­der wohl auf einer Bau­mes­se in Chi­ca­go ken­nen­ge­lernt haben. “Ich erklä­re dir jetzt nicht, woher ich das weiß, aber jeden­falls SIND DIE BEIDEN SEITDEM EIN PAAR. Was mich eigent­lich nichts angeht, nur dass es mich plötz­lich DOCH WAS ANGEHT, weil mein Vater aus hei­te­rem Him­mel auf die Idee gekom­men istKasimira, mich im Som­mer auf ein Feri­en­la­ger zu schi­cken, das CIGI heißt. […]  ein Stre­ber­camp für Schü­ler zwi­schen 10 und 15 in der Pam­pa von Michi­gan. Kann sein, dass ich dich bis jetzt zu Tode gelang­weilt habe, aber weißt du was? DICH wol­len sie auch DAHIN SCHICKEN.” (Zitat S.9) Avery glaubt zunächst an eine Ver­wechs­lung. Klar, das Camp ist ihr bekannt, dort ist sie auch ange­mel­det und freut sich schon dar­auf, aber dass ihr Vater eine Bezie­hung zu einem ande­ren Mann hat und ihr nichts davon erzählt, das kann sie sich über­haupt nicht vor­stel­len. “Hier liegt offen­bar eine Ver­wechs­lung vor. Falls mein Vater wirk­lich eine Bezie­hung mit dei­nem Vater hät­te, wüss­te ich garan­tiert davon. Dad und ich ste­hen uns sehr nah und […] er erzählt mir alles.” (Zitat S.10) Doch die drauf­gän­ge­ri­sche, aben­teu­er­li­che, extro­ver­tier­te Bett schafft es Avery vom Gegen­teil zu über­zeu­gen, bis ihr Vater ihr schließ­lich alles gesteht. Das ändert jedoch nichts an der Tat­sa­che, dass die bei­den Väter eine gro­ße Rei­se nach Chi­na zusam­men geplant haben und ihre Töch­ter Kasimirasolan­ge in das Wis­sen­schafts-Feri­en­camp schi­cken wol­len. Und am bes­ten sol­len die bei­den auch noch die bes­ten Freun­din­nen wer­den, damit ihre Fami­lie sich rasch ver­grö­ßern kann. Das wol­len Avery und Bett sich jedoch auf kei­nen Fall gefal­len las­sen und kor­re­spon­die­ren bald nur noch per E‑Mail mit­ein­an­der. Dabei kom­men sie sich dann aller­dings doch näher, als eigent­lich geplant…

Bevor ich “Von Nacht­eu­le an Stern­hai” gele­sen habe, war ich eigent­lich gar kein gro­ßer Fan von E‑Mail-Roma­nen, muss ich geste­hen. Aber der Roman hat mich defi­ni­tiv eines Bes­se­ren belehrt! Hol­ly Gold­berg Slo­an und Meg Wolit­zer haben ein­fach eine zau­ber­haf­te Geschich­te geschrie­ben, die vor allem durch ihre lie­be­voll gezeich­ne­ten Cha­rak­te­re Avery und Bett, aber auch vie­le Neben­fi­gu­ren, die eine Rol­le spie­len, her­vor­sticht. Das Buch wird tat­säch­lich aus­schließ­lich in Brie­fen und E‑Mails erzählt, die man aber auf­grund der Betreff­zei­le und dem “Von:…” und “An…” immer sofort zuord­nen kann. “Nacht­eu­le” so bezeich­net sich Avery, da sie schlecht Kasimiraein­schla­fen kann und die aben­teu­er­lie­ben­de Bett nennt sich “Stern­hai”. Die Sym­bo­le die­ser Tie­re — wie sie auch schon auf dem wirk­lich schön gestal­te­ten Cover (im Ver­gleich zum Eng­li­schen, sie­he unten) zu sehen sind — wer­den auch im Text immer wie­der abge­druckt und lei­ten die E‑Mails der bei­den 12-jäh­ri­gen Mäd­chen jeweils ein. Wäh­rend das Nach­fra­gen nach per­sön­li­chen Din­gen am Anfang teil­wei­se noch etwas künst­lich wirkt (wel­chen Lip­gloss nimmst du; magst du lie­ber Hun­de oder Kat­zen; hat­test du schon dei­ne Tage), tau­schen die bei­den Mäd­chen bald unge­wollt immer mehr aus. Das, obwohl sie eigent­lich Fol­gen­des vor­hat­ten: PS: Mögen wir uns nie­mals per­sön­lich begeg­nen.” (Zitat S.15). Selbst als sie im Feri­en­la­ger lan­den, wol­len sie NICHT mit­ein­an­der spre­chen: “Wir sehen uns mor­gen, auch wenn wir natür­lich nicht mit­ein­an­der spre­chen. Hier sind ja genug Leu­te, also kann jede von uns ihre eige­nen Freun­din­nen fin­den. Falls wir zufäl­lig bei­de mit den glei­chen Leu­ten her­um­ste­hen, soll­te eine von uns ein­fach davon­schlen­dern und so tun, als wür­de sie sich für die Pflan­zen am Weg­rand inter­es­sie­ren oder so etwas.” (Zitat S.46) Dass dann natür­lich doch eine Freund­schaft all­mäh­lich zwi­schen ihnen ent­steht, ist nicht nur anrüh­rend und unter­halt­sam, son­dern zuwei­len auch recht tur­bu­lent und sehr spa­ßig. Am Ende bin ich in einer Hin­sicht tat­säch­lich noch etwas über­rascht wor­den!

Fazit: Eine Geschich­te fürs Herz mit tol­len Cha­rak­te­ren, amü­san­ten Gegen­sätz­lich­kei­ten und der Bot­schaft, dass Freund­schaft und Fami­lie manch­mal ganz nah lie­gen!

Wenn dir der Erzähl­stil der bei­den Autorin­nen gefal­len hat, dann greif unbe­dingt noch zu ihren ande­ren Büchern. Hol­ly Gold­berg Slo­an hat noch drei ande­re Roma­ne geschrie­ben: “Sam und Emi­ly: Klei­ne Geschich­te vom Glück des Zufalls” (tol­les Buch!), “Glück ist eine Glei­chung mit 7” und “Short: Manch­mal wächst man über sich hin­aus”Meg Wolit­zer hat — neben vie­len Roma­nen für Erwach­se­ne — erst ein Jugend­buch zuvor ver­öf­fent­licht: “Was uns bleibt ist jetzt” — ein großaLesealternativenrtig geschrie­be­nes Werk! Du magst Bücher, in denen sich alles zum Posi­ti­ven wen­det und die so rich­tig schön gute Lau­ne machen? In die­sem Fall könn­ten “Das Blub­bern von Glück” von Bar­ry Jons­berg, “Wun­der” von Raquel J.Palacio, “Love Simon” von Becky Albertal­ly und “Wohin mei­ne Flos­sen mich tra­gen” von Kate Gor­don etwas für dich sein. Toll ist auch die Neu­erschei­nung (als Taschen­buch) “Die Köni­gin­nen der Würst­chen” von Clé­men­ti­ne Beau­vais. Eine beson­de­re Fami­li­en­ge­schich­te ist zudem “Eine Insel zwi­schen Him­mel und Meer” von Lau­ren Wolk, aktu­ell nomi­niert für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis. Zwei Fami­li­en, aus denen plötz­lich eine zu wer­den droht? Das fin­dest du in so eini­gen Büchern: “Kicher­erb­sen mit Scho­ko­la­de” von Jana Frey (Rei­he), “Alles easy: Patch­work für Anfän­ger” von Anja Fröh­lich, “Best fri­ends fore­ver: Luca & Vanes­sa” von Hor­ten­se Ull­rich (Rei­he), “Plötz­lich Schwes­tern” von Bet­ti­na Obrecht, “Tau­sche Schwes­ter gegen Zim­mer” von Juma Klie­ben­stein, “Böse Mäd­chen” von Mar­ti­na Dierks und “Glück­lich für Anfän­ger” von Sus­in Niel­sen. Du willst noch mehr Brief- oder E‑Mail-Roma­ne? Dann schau dir mal fol­gen­de Titel genau­er an: “Anna & Anna” von Char­lot­te Inden, “Hal­lo Opa — Lie­be Mir­jam. Eine Geschich­te in E‑Mails” von Peter Härt­ling, “Alles Lie­be, dei­ne Lise” von Bri­git­te von Aken“Real life sucks. Außer uns sind alle bescheu­ert” von Alli­son Ras­kin, Gaby Dunn und die Vor­rei­ter-Rei­he “PinkMuffin@BerryBlue” von Hor­ten­se Ull­rich und Joa­chim Fried­rich.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-26432-8
Erscheinungsdatum: 22.Juli 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 288
Übersetzer: Sophie Zeitz
Originaltitel: "From night owl to dogfish"
Originalverlag: Dial Books

Amerikanisches Originalcover:












Trailer (auf Englisch):
 

Die zwei Autorinnen im Interview (auf Englisch):

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Meg Wolitzer

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