Holly Goldberg Sloan — Elefantensommer

19.März 2023

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Hol­ly Gold­berg Slo­an hat mit “Ele­fan­ten­som­mer: Ein 2 12 Ton­nen schwe­rer Grund, mor­gens auf­zu­ste­hen” einen ganz wun­der­ba­ren Roman geschrie­ben, der ein jun­ges Mäd­chen in den Mit­tel­punkt stellt, das trau­rig ist, weil es ihre Mut­ter ver­misst, die schon seit län­ge­rer Zeit im Aus­land mit den Behör­den kämpft und nicht zurück­rei­sen darf. Als Sila jedoch den ein­sa­men Lot­to-Mil­lio­när Gio, die alte Ele­fan­ten­da­me Veda und den autis­ti­schen Mateo näher ken­nen­lernt, wird ihr gan­zer Som­mer plötz­lich auf den Kopf gestellt. Eine warm­her­zig erzähl­te Geschich­te über Freund­schaft, einen ganz beson­de­ren Ele­fan­ten, Mut und Mit­ge­fühl und dem Glück, das völ­lig uner­war­tet daher­kommt. Ein Wohl­fühl­ro­man, der ein­fach rich­tig Spaß zu lesen macht! Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Schon seit 15 Jah­ren leben Silas Eltern in Ore­gon. Ursprüng­lich stam­men sie aus der Tür­kei. Doch als Silas Mut­ter ihren Job ver­liert, bekommt sie Pro­ble­me mit den Behör­den. Weil ihr Visum abge­lau­fen ist, muss sie zurück in ihr Hei­mat­land rei­sen und eini­ge For­ma­li­tä­ten klä­ren. “Ihre Mut­ter war in die Tür­kei zurück­ge­kehrt. Sie hat­te in War­te­schlan­gen gestan­den. Sie hat­te mit Beam­ten tele­fo­niert. Sie hat­te ihre Akte wie­der und wie­der und wie­der vor­ge­legt, und man hat­te ihr gesagt, es sei eben ein Pro­zess, der Zeit brau­che.” (Zitat aus “Ele­fan­ten­som­mer” S.12) Eigent­lich woll­te sie in acht Tagen wie­der zurück sein. Doch nun sind es schon acht Mona­te, die sie weg ist. Sila, die mit ihrem Vater Alp zusam­men­wohnt, ist äußerst trau­rig. Ohne ihre Mut­ter macht das Leben kei­nen Sinn mehr. “Tage und dann Wochen und schließ­lich Mona­te ver­gin­gen, und Sila traf sich kaum noch mit ihren Freun­den. Sie ging nun jeden Tag direkt von der Schu­le nach Hau­se und blieb in ihrem Zim­mer, mit dem Fami­li­en-Lap­top als ihrem ein­zi­gen Gefähr­ten. Sila ver­lor die Lust an vie­len Din­gen, die ihr frü­her Spaß gemacht hat­ten, und klam­mer­te sich an eine immer glei­che Rou­ti­ne.” (Zitat S.12ff) Ihr All­tag wird ein wenig durch­ein­an­der­ge­wir­belt, als Silas Vater sie mit zu einem Repa­ra­tur­auf­trag mit­nimmt. Er ist Auto­me­cha­ni­ker und hat die Auf­ga­be bekom­men den Pick-up eines alten Man­nes, namens Gio, wie­der flott­zu­ma­chen. Gio wohnt ziem­lich weit drau­ßen. “Alp fuhr an, und vor ihnen erschien ein gro­ßes, altes rosa­far­be­nes Farm­haus mit einer ver­wit­ter­ten Scheu­ne und einer alten Wind­müh­le. Die Wind­müh­le hat­te wahr­schein­lich frü­her ein­mal Was­ser geför­dert, war heu­te aber nur noch ein Denk­mal aus einer ande­ren Zeit. Die Veran­da vor dem Farm­haus war von aus­ge­fal­le­nen, wild wuchern­den Pflan­zen umge­ben.” (Zitat S.19) Gio ist eben­falls nicht beson­ders glück­lich. Denn er hat zwar einen gro­ßen Lot­to­ge­winn gemacht und sich das Farm­haus mit dem gro­ßen Stück Land und einer hohen Stein­mau­er dar­um her­um gekauft, aber sei­ne Frau ist ver­stor­ben. “Jetzt war er nur noch ein Lot­to­ge­win­ner ohne Geld­sor­gen, ohne Frau, mit schmer­zen­dem Kör­per und viel Zeit. Die Begeis­te­rung für das dicke Bank­kon­to war ver­flo­gen. Nie­mand war­te­te dar­auf, dass er zur Arbeit erschien — nie­mand erwar­te­te ihn zum Abend­essen oder woll­te dar­über reden, was abends im Fern­se­hen kam. Gio war in das Loch gefal­len, das sich auf­tun kann, wenn ein Mensch das Gefühl hat, nicht mehr gebraucht zu wer­den.” (Zitat S.37ff) Doch als Gio und Sila auf­ein­an­der­tref­fen, wird etwas in Gang gesetzt, das sie bei­de für immer ver­än­dern wird. Denn auch Gio spürt, dass Sila unglück­lich ist. Zudem muss er fest­stel­len, dass Sila sogar sei­ne ver­stor­be­ne Frau kann­te! “Sie hat mich in der 2.Klasse unter­rich­tet!” “Im Ernst?” “Sie war mei­ne Lieb­lings­leh­re­rin!” Ohne groß nach­zu­den­ken, beug­te sich Sila hin­über und leg­te ihre Hand auf Gios. “Ich den­ke ganz oft an sie.” Als sie Gio ansah, bemerk­te sie, wie sei­ne Augen wäss­rig wur­den.” (Zitat S.30) Als dann noch eine Ele­fan­ten­da­me plötz­lich in ihrem Leben auf­taucht, von der Sila rest­los begeis­tert ist (ihre Lieb­lings­tie­re sind Ele­fan­ten) und die Gio kur­zer­hand kauft, wird ihr aller Leben völ­lig auf den Kopf gestellt. Denn so ein Ele­fant bedeu­tet jede Men­ge Herausforderungen…

Das Cover ist bild­hübsch und wird hof­fent­lich vie­le Leser*innen dazu anre­gen, das Buch in die Hand zu neh­men! Der Roman ist von einem all­wis­sen­den Erzäh­ler geschrie­ben, der sich nicht nur in Sila, Gio und ande­re Figu­ren hin­ein­zu­ver­set­zen mag, son­dern sogar die Sicht von Ele­fan­ten­da­me Veda schil­dert. Die Cha­rak­te­re in “Ele­fan­ten­som­mer” sind wun­der­bar getrof­fen — bezau­bern­de Figu­ren, die man ein­fach sofort Kasimirains Herz schließt. Allen vor­an Sila: “Papa, ich wür­de mit einem Lot­to­ge­winn […] den Bür­ger­steig vor unse­rem Haus repa­rie­ren las­sen. Die Leu­te stol­pern da stän­dig.” (Zitat S.33) und Gio mit sei­ner zitro­nen­gel­ben Jacke und den Leder­pu­schen. Hol­ly Gold­berg Slo­an ver­wen­det manch­mal (hät­te ruhig noch mehr sein kön­nen!) eine schön bild­haf­te Spra­che: “Die Stim­me des alten Herrn war so robust wie der Schot­ter auf dem Feld­weg, der zu sei­nem Haus führ­te, dach­te Sila. Die Wor­te roll­ten und rat­ter­ten wie kan­ti­ge Kie­sel aus sei­nem Mund.” (Zitat S.21) Auch Mateo, der spä­ter noch auf­taucht, ein autis­ti­scher Mit­schü­ler, mit dem Sila sich anfreu­det, zeigt mit sei­nen Ecken und Kan­ten, dass Anders­sein völ­lig in Ord­nung ist. Es sind auch jede Men­ge Fak­ten in den Roman mit ein­ge­baut, man lernt etwas über Ele­fan­ten (sogar über deren Aus­schei­dung und was dar­aus alles ent­ste­hen kann;-)), aber auch über Bären und Fla­min­gos. “Ele­fan­ten kön­nen stun­den­lang bei­na­he voll­stän­dig still ste­hen. KasimiraDann ver­brau­chen sie fast kei­ne Ener­gie. Das klingt ver­rückt, stimmt aber. Es hat mit ihrem Kör­per­bau zu tun — wo die Kno­chen sind und so! Ele­fan­ten schla­fen auch fast nur im Ste­hen. Ich wet­te, das wuss­tet ihr nicht.” Sila sah ihn direkt an: “Ich wuss­te es.” (Zitat S.49) Sila und Mateo möch­ten unbe­dingt Ver­ant­wor­tung über­neh­men wol­len sich in den Som­mer­fe­ri­en regel­mä­ßig um Ele­fan­ten­da­me Veda und deren Ver­sor­gung küm­mern, auch wenn sie erst ein­mal eine Men­ge Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten müs­sen. Im Mit­tel­teil hät­te der Span­nungs­bo­gen noch etwas spit­zer gezeich­net wer­den kön­nen, die Geschich­te — auch wenn sie nach wie vor fas­zi­ne­rend und inter­es­sant ist — ver­liert hier zuwei­len etwas an Fahrt. Was mir aber immer sehr gut an Hol­ly Gold­berg Slo­ans Roma­nen gefällt, ist die Tat­sa­che, wie sie das Schick­sal spie­len lässt und eine Ket­ten­re­ak­ti­on von Ereig­nis­sen mit­ein­an­der ver­knüpft, die etwas Posi­ti­ves erge­ben“Mit einem Mal lös­te sich der Kno­ten, und er konn­te spü­ren, wie ihn eine tie­fe Ruhe erfass­te, die ihm mit Lili­ans Tod abhan­den­ge­kom­men war. Viel­leicht hat­te sein Lebens­weg ihn genau hier­hin füh­ren sol­len: Ein Mann, der nicht viel zu tun, aber Unmen­gen Geld hat, trifft auf einen Ele­fan­ten, der seit Jah­ren in einem LKW her­um­ge­fah­ren wird. Gefan­gen. Allein. Pass­te das nicht per­fekt?” (Zitat S.50ff) Denn Gio ver­mu­tet genau das: dass er des­halb den Lot­to­ge­winn haben soll­te, dass er des­halb das gro­ße Grund­stück mit den Unmen­gen Hekt­ar Land gekauft hat­te und dass er zufäl­lig sogar die Visi­ten­kar­te eines Auto­me­cha­ni­kers drei Jah­re lang auf­be­wahrt und dann Silas Vater beauf­tragt hat­te sei­nen Pick-up zu repa­rie­re, um das Mäd­chen ken­nen­zu­ler­nen. Am Ende löst sich natür­lich alles in Wohl­ge­fal­len auf und der Aus­gang der Geschich­te rührt bei­na­he zu Tränen!

Wenn dir der Erzähl­stil von Hol­ly Gold­berg Slo­an gefal­len hat, dann greif unbe­dingt noch zu ihren ande­ren Büchern: “Sam und Emi­ly: Klei­ne Geschich­te vom Glück des Zufalls” (tol­lesLesealternativen Buch!) und die Fort­set­zung “Sam & Emi­ly: Bis zum Ende des Som­mers”, “Glück ist eine Glei­chung mit 7”, “Short: Manch­mal wächst man über sich hin­aus” und “An Nacht­eu­le von Stern­hai”, wel­ches sie zusam­men mit Meg Wolit­zer geschrie­ben hat und das auch rich­tig loh­nens­wert ist! Du magst Bücher, in denen sich alles zum Posi­ti­ven wen­det und die so rich­tig schön gute Lau­ne machen? In die­sem Fall könn­ten “Das Blub­bern von Glück” von Bar­ry Jons­berg, “Wun­der” von Raquel J.Palacio und “Wohin mei­ne Flos­sen mich tra­gen” von Kate Gor­don etwas für dich sein. Oder greif zu “Out of my mind: Mit Wor­ten kann ich flie­gen” von Sharon M.Draper und “Bird und ich und der Som­mer, in dem ich flie­gen lern­te” von Chan Crys­tal. Gut könn­te ich mir auch als Lese­al­ter­na­ti­ve Roma­ne der Autorin­nen Kate diCa­mil­lo (zum Bei­spiel “Der Ele­fant des Magi­ers”), Lyn­da Mulla­ly Hunt (“Wie ein Fisch im Baum”) und Sara Pen­ny­pa­cker (“Der Som­mer der Eulen­fal­ter” oder “Hier im ech­ten Leben”) vor­stel­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-27596-6
Erscheinungsdatum: 20.März 2023
Einbandart: Hanser
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 240
Übersetzer: Katharina von Savigny
Originaltitel: "The Elephant in the Room"
Originalverlag: Rocky Pond Books

Amerikanisches Originalcover:










Trailer (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Holly Goldberg Sloan

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