“Ich glaub euch kein Wort” ist ein Roman der deutschen Autorin Henriette Wich und ist bei “Carlsen Clips” erschienen, eine Reihe leicht lesbarer Texte für Jugendliche mit nicht allzu vielen Seiten, die sich mit sehr aktuellen und wichtigen Themen beschäftigen. In ihrem aktuellen Werk setzt sich die Autorin mit Verschwörungstheorien auseinander und wie leicht es manchmal sein kann sich falsch beeinflussen zu lassen. Als Simons Schule wegen Schimmel geschlossen wird, wuchert bald nicht nur der “angebliche” Schimmel, sondern auch die Gerüchteküche. Gibt es wirklich Schimmel oder hat die Schulleitung das nur vorgeschoben? Und sind das tatsächlich Kameras, die im Flur angebracht wurden, um die Schüler:innen zu überwachen? Simon, der im Unterricht nicht gerade der Überflieger ist, wird von Jan und seiner Clique eingeladen, sich ihren Protestaktionen anzuschließen. Die Jugendlichen wollen sich nichts gefallen lassen. Doch bald geraten die Aktionen immer mehr außer Kontrolle und Simon ist sich nicht mehr sicher, ob er sich nicht der falschen Gruppe angeschlossen hat. Kurzweilig, eindringlich und mitreißend erzählt. Für Jugendliche ab 13 Jahren.
Simon liebt das Bouldern. Und er geht mit seinen besten Freund:innen Rea und Ömer in die 7.Klasse einer Realschule. Doch nach den Osterferien wird dort plötzlich verkündet, dass die Schule für längere Zeit geschlossen werden wird. Wegen Schimmel. “Ausnahmezustand. Notfallprogramm. Schon wieder! Erst Corona, dann Krieg, Klimakrise sowieso. Und jetzt Schimmel!? Auf so was Verrücktes wäre ich nicht mal im Traum gekommen. Schimmel klebte an meinem Pausenbrot, wenn ich es mal in der Schultasche vergaß. Und nun hatte das pelzig grüne Zeug unsere Schule befallen? Das klang wie in einem schlechten Science-Fiction-Film.” (Zitat aus “Ich glaub euch kein Wort” S.11) Simon kann es nicht fassen. Vor allem dürfen alle anderen
Klassen vorübergehend an einem anderen Ort unterrichtet werden, nur die 7. und 8.Klassen müssen ins Homeschooling. Das kann er schon seit Corona überhaupt nicht mehr ausstehen. Seine Eltern sind den ganzen Tag nicht zu Hause, seine Freunde wohnen zu weit weg, sodass er sie nur am Wochenende sehen kann. Nur Schule und daheim rumsitzen, das gefällt Simon gar nicht. Sogar der Sportunterrricht wurde gestrichen. Als er eines Tages zum Bouldern geht, um sich vom Schulfrust und seinen schlechten Noten abzulenken, trifft er dort auf Jan. Der und seine Clique haben eine ganz eigene Theorie, warum die Schule geschlossen wurde. An Schimmel glauben sie nicht. Außerdem haben sie Beobachtungen gemacht, dass in der Schule heimlich Kameras installiert wurden. “Die haben doch schon mit Corona versucht, uns kleinzuhalten! Haben uns alles Mögliche verboten, und wer sich gewehrt hat, den haben sie als Verschwörer abgestempelt. Jetzt geht es weiter, jetzt wird es ganz konkret. Die wollen unsere Schüler und Schülerinnen überwachen! Wollen genau mitkriegen, worüber wir reden, wo wir uns aufhalten, was wir machen.” (Zitat S.36) Jan und seine Clique nehmen Simon bei sich auf, planen mit ihm
weitere Aktionen. Eine Demo ist da erst der Anfang. Bald weiß Jan nicht mehr, ob er der Clique wirklich trauen kann. Doch dann wird er verdächtigt, Geld gestohlen zu haben und alles gerät außer Kontrolle…
“Ich glaub euch kein Wort” wird durchgängig aus Simons Sicht in der Ich-Periospektive erzählt. Ab und zu schreibt er auch in Tagebuchform, welches in kursivem Schriftbild abgedruckt wird. Ganz ohne großes Vorgeplänkel ist man zu Beginn bereits mitten in der Szene, in der Simon und der Rest der Schule die Schließung eben jener verkündet bekommen. Die Sprache des Roman ist recht einfach und der Erzählstil sehr flüssig. Simons Gedanken kann man meist gut nachempfinden. “Was ging hier ab? Ich las den Artikel noch mal. Ob es stimmte, was da drin stand? Als ich im Internet nachforschte, stieß ich auf zwei Berichte kurz nach der Sanierung. Überall wurde betont, wie gründlich und erfolgreich die Arbeiten gewesen seien. Durften Journalisten einfach so Lügen verbreiten?” (Zitat S.21) Der Roman behandelt Zweifel, Schulfrust, die Entstehung von Verschwörungstheorien, aber auch das Thema
Fake News. Gerade Simons Unsicherheiten zu Beginn, als er noch nicht recht weiß, ob er Jan und seiner Clique wirklich glauben kann, werden authentisch beschrieben. “Kaum stand ich zu Hause in der leeren Wohnung […] wurde ich wieder unsicher. Ich hatte zu schnell Ja gesagt. Hatte mich mitreißen lassen von Jan, Amelie und Tarik und mich sofort in die Chatgruppe aufnehmen lassen. Dabei kannte ich die Clique doch gar nicht. Wusste nicht, wie die tickten. Ob da wirklich was dran war an dieser Überwachung, von der die drei voll überzeugt waren? Es konnten ja auch irgendwelche anderen Geräte statt Videokameras…Überhaupt waren da ziemlich viele Fragen offen.” (Zitat S.39) Doch dann passiert eine Sache nach der anderen und schließlich beginnt Simon immer mehr Teil der Gruppe zu werden. Sich einzulassen auf Jans immer ausgefallenere Aktionen. Die Wut auf einen Lehrer, die plötzliche Gefahr sitzen zu bleiben und die Tatsache, dass er fälschlicherweise für einen Dieb gehalten wird, befeuern seine Teilnahme. “Ich bin ein Versager! Die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen. Aber ich lasse nicht mehr länger zu, dass die anderen mich fertigmachen. Ich lasse mir das nicht mehr gefallen. Es reicht! Ihr werdet euch noch wundern.” (Zitat S.56) Erst gegen Ende des Buchs wird Simon klar, wie weit er gegangen ist, was wirklich passiert ist und er versucht den Schaden zu begrenzen. Das Ende ist passend, wenn auch in manchen Aspekten ein wenig schöngemalt.
DIr gefällt der Erzählstil von Henriette Wich? Für Jugendliche hat sie noch einige andere Bücher geschrieben. “Alles zu viel” und “Immer on” (beide ebenfalls in der Carlsen Clips-Reihe erschienen). Außerdem veröffentlichte sie “Europa im Rucksack: Ein Interrail-Roman” und “Lost in Australien: Ein Work-Travel-Roman”. Dich interessieren Verschwörungstheorien im Jugendbuch? Hier wäre “Shelter” von Ursula Poznanski ideal oder “Sein Reich” von Martin Schäuble. Empfehlen kann ich von letzerem Autoren auch “Cleanland”, das sich mit der Corona-Pandemie indirekt auseinandersetzt. Eine sehr passende Lesealternative ist vor allem “Y‑Game: Sie stecken alle mit drin” von Christian Linker, das sehr spannend und aktuell gemacht ist.
Bibliografische Angaben:Verlag: Carlsen ISBN: 978-3-551-32185-5 Erscheinungsdatum: 28.November 2024 Einbandart: Taschenbuch Preis: 5,99€ Seitenzahl: 128
Kasimira auf Instagram:
Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-32185-5
Erscheinungsdatum: 28.November 2024
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 5,99€
Seitenzahl: 128
