Henriette Wich — Ich glaub euch kein Wort

31.Januar 2025

“Ich glaub euch kein Wort” ist ein Roman der deut­schen Autorin Hen­ri­et­te Wich und ist bei “Carlsen Clips” erschie­nen, eine Rei­he leicht les­ba­rer Tex­te für Jugend­li­che mit nicht all­zu vie­len Sei­ten, die sich mit sehr aktu­el­len und wich­ti­gen The­men beschäf­ti­gen. In ihrem aktu­el­len Werk setzt sich die Autorin mit Ver­schwö­rungs­theo­rien aus­ein­an­der und wie leicht es manch­mal sein kann sich falsch beein­flus­sen zu las­sen. Als Simons Schu­le wegen Schim­mel geschlos­sen wird, wuchert bald nicht nur der “angeb­li­che” Schim­mel, son­dern auch die Gerüch­te­kü­che. Gibt es wirk­lich Schim­mel oder hat die Schul­lei­tung das nur vor­ge­scho­ben? Und sind das tat­säch­lich Kame­ras, die im Flur ange­bracht wur­den, um die Schüler:innen zu über­wa­chen? Simon, der im Unter­richt nicht gera­de der Über­flie­ger ist, wird von Jan und sei­ner Cli­que ein­ge­la­den, sich ihren Pro­test­ak­tio­nen anzu­schlie­ßen. Die Jugend­li­chen wol­len sich nichts gefal­len las­sen. Doch bald gera­ten die Aktio­nen immer mehr außer Kon­trol­le und Simon ist sich nicht mehr sicher, ob er sich nicht der fal­schen Grup­pe ange­schlos­sen hat. Kurz­wei­lig, ein­dring­lich und mit­rei­ßend erzählt. Für Jugend­li­che ab 13 Jahren.

Simon liebt das Bould­ern. Und er geht mit sei­nen bes­ten Freund:innen Rea und Ömer in die 7.Klasse einer Real­schu­le. Doch nach den Oster­fe­ri­en wird dort plötz­lich ver­kün­det, dass die Schu­le für län­ge­re Zeit geschlos­sen wer­den wird. Wegen Schim­mel. “Aus­nah­me­zu­stand. Not­fall­pro­gramm. Schon wie­der! Erst Coro­na, dann Krieg, Kli­ma­kri­se sowie­so. Und jetzt Schim­mel!? Auf so was Ver­rück­tes wäre ich nicht mal im Traum gekom­men. Schim­mel kleb­te an mei­nem Pau­sen­brot, wenn ich es mal in der Schul­ta­sche ver­gaß. Und nun hat­te das pel­zig grü­ne Zeug unse­re Schu­le befal­len? Das klang wie in einem schlech­ten Sci­ence-Fic­tion-Film.” (Zitat aus “Ich glaub euch kein Wort”  S.11) Simon kann es nicht fas­sen. Vor allem dür­fen alle ande­ren KasimiraKlas­sen vor­über­ge­hend an einem ande­ren Ort unter­rich­tet wer­den, nur die 7. und 8.Klassen müs­sen ins Home­schoo­ling. Das kann er schon seit Coro­na über­haupt nicht mehr aus­ste­hen. Sei­ne Eltern sind den gan­zen Tag nicht zu Hau­se, sei­ne Freun­de woh­nen zu weit weg, sodass er sie nur am Wochen­en­de sehen kann. Nur Schu­le und daheim rum­sit­zen, das gefällt Simon gar nicht. Sogar der Sport­un­terrricht wur­de gestri­chen. Als er eines Tages zum Bould­ern geht, um sich vom Schul­frust und sei­nen schlech­ten Noten abzu­len­ken, trifft er dort auf Jan. Der und sei­ne Cli­que haben eine ganz eige­ne Theo­rie, war­um die Schu­le geschlos­sen wur­de. An Schim­mel glau­ben sie nicht. Außer­dem haben sie Beob­ach­tun­gen gemacht, dass in der Schu­le heim­lich Kame­ras instal­liert wur­den. “Die haben doch schon mit Coro­na ver­sucht, uns klein­zu­hal­ten! Haben uns alles Mög­li­che ver­bo­ten, und wer sich gewehrt hat, den haben sie als Ver­schwö­rer abge­stem­pelt. Jetzt geht es wei­ter, jetzt wird es ganz kon­kret. Die wol­len unse­re Schü­ler und Schü­le­rin­nen über­wa­chen! Wol­len genau mit­krie­gen, wor­über wir reden, wo wir uns auf­hal­ten, was wir machen.” (Zitat S.36) Jan und sei­ne Cli­que neh­men Simon bei sich auf, pla­nen mit ihm Kasimirawei­te­re Aktio­nen. Eine Demo ist da erst der Anfang. Bald weiß Jan nicht mehr, ob er der Cli­que wirk­lich trau­en kann. Doch dann wird er ver­däch­tigt, Geld gestoh­len zu haben und alles gerät außer Kontrolle…

“Ich glaub euch kein Wort” wird durch­gän­gig aus Simons Sicht in der Ich-Peri­o­spek­ti­ve erzählt. Ab und zu schreibt er auch in Tage­buch­form, wel­ches in kur­si­vem Schrift­bild abge­druckt wird. Ganz ohne gro­ßes Vor­ge­plän­kel ist man zu Beginn bereits mit­ten in der Sze­ne, in der Simon und der Rest der Schu­le die Schlie­ßung eben jener ver­kün­det bekom­men. Die Spra­che des Roman ist recht ein­fach und der Erzähl­stil sehr flüs­sig. Simons Gedan­ken kann man meist gut nach­emp­fin­den. “Was ging hier ab? Ich las den Arti­kel noch mal. Ob es stimm­te, was da drin stand? Als ich im Inter­net nach­forsch­te, stieß ich auf zwei Berich­te kurz nach der Sanie­rung. Über­all wur­de betont, wie gründ­lich und erfolg­reich die Arbei­ten gewe­sen sei­en. Durf­ten Jour­na­lis­ten ein­fach so Lügen ver­brei­ten?” (Zitat S.21) Der Roman behan­delt Zwei­fel, Schul­frust, die Ent­ste­hung von Ver­schwö­rungs­theo­rien, aber auch das The­ma KasimiraFake News. Gera­de Simons Unsi­cher­hei­ten zu Beginn, als er noch nicht recht weiß, ob er Jan und sei­ner Cli­que wirk­lich glau­ben kann, wer­den authen­tisch beschrie­ben. “Kaum stand ich zu Hau­se in der lee­ren Woh­nung […] wur­de ich wie­der unsi­cher. Ich hat­te zu schnell Ja gesagt. Hat­te mich mit­rei­ßen las­sen von Jan, Ame­lie und Tarik und mich sofort in die Chat­grup­pe auf­neh­men las­sen. Dabei kann­te ich die Cli­que doch gar nicht. Wuss­te nicht, wie die tick­ten. Ob da wirk­lich was dran war an die­ser Über­wa­chung, von der die drei voll über­zeugt waren? Es konn­ten ja auch irgend­wel­che ande­ren Gerä­te statt Videokameras…Überhaupt waren da ziem­lich vie­le Fra­gen offen.” (Zitat S.39) Doch dann pas­siert eine Sache nach der ande­ren und schließ­lich beginnt Simon immer mehr Teil der Grup­pe zu wer­den. Sich ein­zu­las­sen auf Jans immer aus­ge­fal­le­ne­re Aktio­nen. Die Wut auf einen Leh­rer, die plötz­li­che Gefahr sit­zen zu blei­ben und die Tat­sa­che, dass er fälsch­li­cher­wei­se für einen Dieb gehal­ten wird, befeu­ern sei­ne Teil­nah­me. “Ich bin ein Ver­sa­ger! Die gan­ze Welt hat sich gegen mich ver­schwo­ren. Aber ich las­se nicht mehr län­ger zu, dass die ande­ren mich fer­tig­ma­chen. Ich las­se mir das nicht mehr gefal­len. Es reicht! Ihr wer­det euch noch wun­dern.” (Zitat S.56) Erst gegen Ende des Buchs wird Simon klar, wie weit er gegan­gen ist, was wirk­lich pas­siert ist und er ver­sucht den Scha­den zu begren­zen. Das Ende ist pas­send, wenn auch in man­chen Aspek­ten ein wenig schöngemalt.

LesealternativenDIr gefällt der Erzähl­stil von Hen­ri­et­te Wich? Für Jugend­li­che hat sie noch eini­ge ande­re Bücher geschrie­ben. “Alles zu viel” und “Immer on” (bei­de eben­falls in der Carlsen Clips-Rei­he erschie­nen). Außer­dem ver­öf­fent­lich­te sie “Euro­pa im Ruck­sack: Ein Inter­rail-Roman” und “Lost in Aus­tra­li­en: Ein Work-Tra­vel-Roman”. Dich inter­es­sie­ren Ver­schwö­rungs­theo­rien im Jugend­buch? Hier wäre “Shel­ter” von Ursu­la Pozn­an­ski ide­al oder “Sein Reich” von Mar­tin Schäub­le. Emp­feh­len kann ich von let­ze­rem Autoren auch “Clean­land”, das sich mit der Coro­na-Pan­de­mie indi­rekt aus­ein­an­der­setzt. Eine sehr pas­sen­de Lese­al­ter­na­ti­ve ist vor allem “Y‑Game: Sie ste­cken alle mit drin” von Chris­ti­an Lin­ker, das sehr span­nend und aktu­ell gemacht ist.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-32185-5
Erscheinungsdatum: 28.November 2024
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 5,99€
Seitenzahl: 128

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Kasimiras Bewertung:

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