Hannah Reynolds — The Summer of Lost Letters

Kasimira30.Mai 2022

The Sum­mer of Lost Let­ters” von der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Han­nah Rey­nolds ist ein Roman, der sei­ne Leser auf die Atlan­tik­in­sel Nan­tu­cket ent­führt. Dort geht eine jun­ge Frau den Spu­ren der Ver­gan­gen­heit ihrer ver­stor­be­nen Groß­mutter nach, die hier ein­mal gelebt hat und deren plötz­lich auf­tau­chen­de Lie­bes­brie­fe an einen unbe­kann­ten Mann gro­ße Geheim­nis­se erah­nen las­sen. Als sie auf den Enkel jenes unbe­kann­ten Man­nes trifft, will die­ser ver­hin­dern, dass sie in sei­ner Fami­lie alles durch­ein­an­der bringt, bis die bei­den sich uner­war­tet näher kom­men… Ein bezau­bern­des, hin­rei­ßend roman­tisch erzähl­tes Buch. DIE Lie­bes­ge­schich­te des Som­mers! Die per­fek­te Mischung aus sprach­li­cher Schön­heit, authen­ti­schen, feu­ri­gen Dia­lo­gen und tief­grün­di­ger Fami­li­en­ge­schich­te mit Cha­rak­te­ren, die man ein­fach ins Herz schließt. Dazu jede Men­ge gro­ße Gefüh­le und erfri­schen­den Humor. Ganz kla­re Lese­emp­feh­lung!! Von die­ser Autorin wer­den hof­fent­lich bald noch mehr Bücher ins Deut­sche über­setzt wer­den! Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwachsene.

Die 17-jäh­ri­ge Abby hat einen lang­wei­li­gen Som­mer vor sich. Ihr Freund hat gera­de mit ihr Schluss gemacht und ihre bes­ten Freun­din­nen sind alle ver­reist. Als dann plötz­lich ein Bün­del Brie­fe aus dem Nach­lass ihrer ver­stor­be­nen Groß­mutter auf­taucht, ist ihre Aben­teu­er­lust geweckt: “Bren­nen­de Neu­gier durch­fuhr mich. Dar­in konn­te sich alles Mög­li­che ver­ber­gen. Wir wuss­ten so wenig über Omas Leben — beson­ders aus der Zeit, bevor sie Opa ken­nen­ge­lernt hat­te. Bevor Ruth Gold­man zu Ruth Cohen gewor­den war. Wer war sie zuvor gewe­sen?” (Zitat aus “The Sum­mer of Lost Let­ters” S.13) Es sind Lie­bes­brie­fe, die sie aber nicht Abbys Groß­va­ter geschrie­ben hat­te, son­dern einem unbe­kann­ten Mann namens KasimiraEdward. Viel ist über die Ver­gan­gen­heit der Groß­mutter nicht bekannt. Sie wur­de in Deutsch­land gebo­ren und wur­de als Vier­jäh­ri­ge nach Ame­ri­ka geschickt, um vor dem Holo­caust zu flie­hen und ist in New York bei einer wohl­ha­ben­den Fami­lie auf­ge­wach­sen. Doch offen­bar gibt es eine Lücke in ihrem Lebens­lauf. “Ich hat­te nicht ein­mal gewusst, dass Oma je auf Nan­tu­cket gewe­sen war. Ich hat­te kei­nen blas­sen Schim­mer, wer die­ser Edward war oder wel­che Ket­te Oma zurück­ha­ben woll­te — oder wes­halb sie ihn über­haupt ver­las­sen hat­te. Komm zurück nach Gol­den Doors, hat­te Edward ver­langt. Ich klapp­te mei­nen Lap­top auf und fing zu tip­pen an.” (Zitat S.18) Abby, die vor­hat Geschich­te zu stu­die­ren, fin­det her­aus, dass Gol­den Doors ein herr­schaft­li­ches Anwe­sen auf der Insel Nan­tu­cket und noch immer im Besitz der ver­mö­gen­den Fami­lie Barna­bel ist, die ein Wirt­schafts­un­ter­neh­men führt. Ihr nun schon äußerst betag­ter Inha­ber und Grün­der ist ein gewis­ser Edward Barna­bel, der Urhe­ber der Lie­besKasimirabrie­fe. Weil er ihre Kon­takt­ver­su­che igno­riert, beschließt Abby den Som­mer auf Nan­tu­cket zu ver­brin­gen. Sie fin­det einen Job in einer Buch­hand­lung und schleicht sich wäh­rend einer pri­va­ten Par­ty als Aus­hil­fe eines Cate­ringser­vices auf Gol­den Doors ein. Fin­det tat­säch­lich ein Foto­al­bum mit einem Bild ihrer Groß­mutter als jun­ge Frau dar­in und wird plötz­lich erwischt. Aus­ge­rech­net von Noah, dem Enkel von Edward Barna­bel. “Er sah alar­mie­rend gut aus, so gut, dass ich unter nor­ma­len Umstän­den nie­mals mit ihm gespro­chen hät­te — mit sei­ner bron­ze­nen Haut, den dunk­len Augen und den Wan­gen­kno­chen, die sich so scharf abzeich­ne­ten, dass sie gewiss Her­zen ent­zwei­schnei­den konn­ten.” (Zitat S.54) Als er her­aus­be­kommt, was Abby vor­hat, will er vor allem eines — sie davon abhal­ten, mit sei­nem Groß­va­ter zu spre­chen. Und sei­ne Fami­lie durch die­se Ver­gan­gen­heits­ge­schich­te durch­ein­an­der­zu­brin­gen und dunk­le Geheim­nis­se ans Licht zu zer­renKasimira. Doch er hat die Rech­nung ohne Abby gemacht, die ganz und gar nicht bereit ist, von ihrer Recher­che abzu­las­sen. Bald kom­men sich die bei­den uner­war­tet näher…

Das Cover ist ein Traum. Im Hin­ter­grund ein Gedicht von Goe­the auf Eng­lisch namens “The Lovely Night”. Der Roman wird durch­ge­hend aus Abbys Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Gera­de mal die Sicht­wei­se des männ­li­chen und somit undurch­schau­ba­ren Prot­ago­nis­ten nicht zu erken­nen, ist mit­un­ter auch mal ganz erfri­schend. Die Grund­idee des Buches, das Set­ting, ist äußerst gelun­gen: “Omas Leben war mir schon immer wie ein Mär­chen vor­ge­kom­men: gefähr­lich und gla­mou­rös — und nun mit noch einem uner­war­te­ten Zusatz­ka­pi­tel, Sei­ten, die zusam­men­ge­klebt hat­ten, ohne dass es mir zuvor auf­ge­fal­len war. War sie zu die­ser Zeit so glück­lich gewe­sen, wie all die ande­ren Leu­te hier wirk­ten? Schwer zu glau­ben. Ihr gan­zes Leben lang hat­te sie auKasimiraf mich stets einen etwas trau­ri­gen Ein­druck gemacht.” (Zitat S.49) Ein Mäd­chen, das mehr über die Ver­gan­gen­heit ihrer Groß­mutter her­aus­zu­fin­den ver­sucht. Das hart­nä­ckig bei ihrer Recher­che ist und den Leser nicht nur neben­bei Ein­blick in eine jüdi­sche Fami­lie gibt, son­dern auch geschicht­li­che Ereig­nis­se mit ein­flie­ßen lässt wie den Holo­caust und Kin­der­trans­por­te. Dazu noch eine tol­le, atmo­sphä­ri­sche Spra­che und immer wie­der äußerst stim­mungs­vol­le Momen­te, die die Autorin per­fekt ein­ge­fan­gen hat: “Mom frag­te immer und immer wie­der, ob ich mei­ne Zahn­bürs­te und die Vit­amin­ta­blet­ten und die Akne­creme ein­ge­packt hat­te […] Sie stan­den am Kai und sahen mir nach. Dad schlang sei­nen Arm um Moms Schul­tern, und sie lehn­te sich an ihn. Zum ers­ten Mal wirk­ten sie klein auf mich. Sie wink­ten und wink­ten und ich wink­te zurück, unsi­cher, was pas­sie­ren wür­de, wenn ich mich als Ers­te abwand­te — ob es bes­ser oder scKasimirahlim­mer wäre, das Band selbst zu kap­pen.” (Zitat S.25) Denn vor allem die fami­liä­re Ver­bun­den­heit zu ihrer Mut­ter, die spürt man bei Abby immer wie­der. Doch neben einer Fami­li­en­ge­schich­te und einer Rei­se in die Ver­gan­gen­heit ist “The Sum­mer of Lost Let­ters” vor allem eine Lie­bes­ge­schich­te! Und zwar eine, die sich für die Annä­he­rung der bei­den Prot­ago­nis­ten wirk­lich Zeit nimmt. Das stän­di­ge Hin und Her zwi­schen Abby und Noah, die sprit­zi­gen, herr­li­chen Dia­lo­gen zwi­schen ihnen, das macht einen gro­ßen Reiz bei der Lek­tü­re aus. Stel­len­wei­se hat man wirk­lich ein fet­tes Grin­sen im Gesicht, weil es Han­nah Rey­nolds bei­na­he mühe­los gelingt, authen­ti­sche, mit ganz viel Humor gespick­te Situa­tio­nen ent­ste­hen zu las­sen. Ein wun­der­ba­res Lese­ver­gnü­gen, bei dem man ein­fach nahe­zu stän­dig wei­ter­le­sen und mit fie­bern und auf die Fra­ge “Wann kom­men sie end­lich zusam­men?” eine Ant­wort fin­den möch­te;-) Gegen Ende wird es dann noch ein­mal rich­tig schön dra­ma­tisch und span­nend! In einem Nach­wort erläu­tert die Autorin ihre Beweg­grün­de, die­ses Buch zu schrei­ben und ihren eige­nen fami­liä­ren Hin­ter­grund, der Par­al­le­len zu der Geschich­te hat.

Eine inhalt­li­che LLesealternativenese­al­ter­na­ti­ve zu “The Sum­mer of Lost Let­ters” ist das schon etwas älte­re “Marie: Spu­ren in die Ver­gan­gen­heit” von Rena­te Gün­zel-Horatz. Hier fin­det die Prot­ago­nis­tin eben­falls im Nach­lass der Groß­mutter Brie­fe, die in die Ver­gan­gen­heit füh­ren (eben­falls Natio­nal­so­zia­lis­mus). Auf Nan­tu­cket spie­len zudem die Roma­ne Sal­zi­ge Som­mer­küs­se: Ver­liebt auf Nan­tu­cket” von Lei­la How­land und das emp­feh­lens­wer­te “Die Bucht” von Sarah Alder­son. Lie­bes­brie­fe spie­len eine gro­ße Rol­le in “To all the boys I’ve loved befo­re” von Jen­ny Han und in dem bezau­bern­den “Das tie­fe Blau der Wor­te” von Cath Crow­ley. Mit einer Groß­mutter auf eine Rei­se in die Ver­gan­gen­heit macht sich auch die Haupt­fi­gur in “Mor­gen ist heu­te schon vor­bei” von Cla­re Furniss.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-32050-6
Erscheinungsdatum: 28.April 2022
Einbandart: Broschur
Preis: 14,00€
Seitenzahl: 480
Übersetzer: Fabienne Pfeiffer
Originaltitel: "The Summer of Lost Letters"
Originalverlag: Razorbill

Amerikanisches Originalcover:
Kasimira

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Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Penguin Random House

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