Hannah Reynolds — Eight Nights of Flirting

13.Dezember 2023

Eight Nights of Flir­ting” ist ein Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Han­nah Rey­nolds, der erneut auf das herr­schaft­li­che Anwe­sen der Fami­lie Barna­bel auf die Insel Nan­tu­cket ent­führt, wie schon in ihrem ers­ten Roman “The Sum­mer of Lost Let­ters”. Dies­mal spielt Noahs Cou­si­ne Shira eine Haupt­rol­le. Den­noch ist die Geschich­te auch kom­plett eigen­stän­dig zu lesen. Shira braucht drin­gend Nach­hil­fe im Flir­ten. Sie will sich den Assissten­ten ihres Onkels angeln, der an Cha­nuk­ka zu ihrer Fami­lie dazu­sto­ßen wird und ist mit Jungs ziem­lich uner­fah­ren. Aus­ge­rech­net Woma­ni­zer Tyler, den sie meh­re­re Som­mer lang anschmach­te­te, der sie vor Jah­ren eis­kalt abblit­zen ließ und den sie seit­dem hasst, bie­tet sich als ihr per­sön­li­cher Coach an. Dafür soll sie ihm einen Prak­ti­kums­platz im Unter­neh­men ihres Onkels besor­gen. Unwei­ger­lich kom­men sich die bei­den näher… Eine win­ter­li­che Fami­li­en- und Lie­bes­ge­schich­te, die gut unter­hält und jede Men­ge Fest­tag­es­stim­mung und eine atmo­sphä­ri­sche Fami­li­en­stim­mung ver­brei­tet. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

16-jäh­ri­ge Shira hat sowohl das Eis­kunst­lau­fen, als auch das Kla­vier­spie­len auf­ge­ge­ben. Bei­des hat sie jah­re­lang gemacht und letzt­end­lich war sie für sich selbst nie gut genug dar­in. Auch gesell­schaft­lich ist sie nicht son­der­lich inte­griert. Hat­te kei­ne engen Freun­din­nen. “Klar, ich wur­de zu Par­tys ein­ge­la­den und war belieb­te Tisch­nach­ba­rin in der Men­sa, aber das hing eher mit der Bekannt­heit mei­ner Fami­lie zusam­men. Oder damit, dass die Leu­te mich für beson­ders cool und unnah­bar hiel­ten” (Zitat aus “Eight Nights of Flir­ting” S.28) Auch Flir­ten ist so gar nicht ihrs. Dabei hat sie nun vor — wäh­rend der Win­ter­fe­ri­en, die sie auf dem Anwe­sen ihrer Groß­el­tern auf der Insel Nan­tu­cket im Krei­se ihrer gro­ßen Fami­li­en ver­brin­gen wird — sich end­lich den Assis­ten­ten ihres Onkels zu angeln. Isaac. Der auch auf das Anwe­sen ein­ge­la­den wird. Doch wäh­rend der Anrei­se tobt ein fürch­ter­li­cher Schnee­sturm und so schafft nur Shira es auf die Insel, wäh­rend der Rest ihrer Ver­wandt­schaft, der ande­re Flü­ge genom­men hat, erst am nächs­ten Tag nach­fol­gen wird. Am Flug­ha­fen ange­kom­men, trifft sie aus­ge­rech­net auf Tyler. “Wäh­rend der Flug mei­ne nor­ma­ler­wei­se abso­lut vor­zeig­ba­ren Locken eben­so kraus wie spe­ckig hat­te wer­den las­sen und ich außer­dem einen auf­blü­hen­den Pickel am Kinn spür­te, sah Tyler aus, als käme er gera­de­wegs von einem Film­cas­ting. Sein wei­ches gol­de­nes Haar ver­lieh ihm die Aura eines Dis­ney-Prin­zen, und sogar die Belus­ti­gung in sei­nen blau­en Augen tat dem engels­glei­chen Look kei­nen Abbruch. “Hey, Shira.” (Zitat S.11) In ihn war sie meh­re­re Som­mer lang ver­liebt. Vor zwei Jah­ren — mit 14 — hat sie sich dann end­lich getraut, ihm ihre Lie­be zu geste­hen und wur­de eis­kalt abge­blitzt und kann ihn seit­dem nicht mehr aus­ste­hen. Doch als in sei­nem benach­bar­ten Wohn­haus — auch sei­ne Ver­wandt­schaft hat es wegen Flug­tur­bu­len­zen nicht zur Insel geschafft — die Hei­zung aus­fällt, muss sie ihm gezwun­ge­ner­ma­ßen ein Dach über dem Kopf anbie­ten. Für eine Nacht. Und plötz­lich kommt Shira auf eine Idee. Da sie drin­gend Nach­hil­fe im Flir­ten braucht, um bes­ser bei Isaac zu lan­den, und Tyler Meis­ter im Flir­ten ist, schlägt sie ihm einen Deal vor. Er hilft ihr mit sei­nen Tricks, sie besorgt ihm dafür ein Prak­ti­kum in der Fir­ma sei­nes Onkels. “Tyler hat­te eine so unbe­küm­mer­te, selbst­be­wuss­te und ent­spann­te Art. Er ver­stand es, ande­ren Men­schen ein war­mes, behag­li­ches Gefühl zu ver­mit­teln — das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein. Aus all die­sen Grün­den hat­te ich mich über­haupt erst in ihn ver­knallt. Nun jedoch lief ich kei­ne Gefahr, sei­nem Charme noch ein­mal zu erlie­gen. Er stand auf unver­bind­li­che Aben­teu­er, ich sehn­te mich nach einer ech­ten Bezie­hung.” (Zitat S.72ff) Shira steht schließ­lich nicht mehr auf Tyler. Da kann ja auch gar nichts schief gehen. Doch all­mäh­lich lernt sie Tyler von einer ganz ande­ren Sei­te kennen…

Das Cover wirkt schön win­ter­lich-roman­tisch. Zu Beginn ver­sprüht “Eight Night of Flir­ting” fast ein wenig “Der Som­mer, als ich schön wur­de”-Vibes: ein Mäd­chen, das ihre Som­mer- und Win­ter­fe­ri­en regel­mä­ßig bei ihren Groß­el­tern auf einer Insel ver­bringt und immer wie­der auf einen Jun­gen namens Tyler trifft, in den sie sich ver­liebt. Doch Tyler gibt der durch­ge­hen­den Ich-Erzäh­le­rin Shira einen Korb. Der Roman ist zeit­lich gese­hen eine Fort­set­zung von “The Sum­mer of Lost Let­ters” und lässt auch die dama­li­gen Haupt­cha­rak­te­re Noah und Abby in dem jet­zi­gen Buch als Neben­fi­gu­ren wie­der auf­tau­chen. Den­noch kann man das Buch auch völ­lig eigen­stän­dig lesen. Es wird viel win­ter­li­che und vor allem weih­nacht­li­che Stim­mung ver­brei­tet, was sich durch die gesam­te Geschich­te zieht: “Die Fahrt dau­er­te nur fünf­zehn Minu­ten, vor­bei an mit Zedern­holz­schin­deln gedeck­ten Insel­häus­chen, die schon fest­lich geschmückt waren: Über­all fun­kel­ten Lich­ter und in den Gär­ten tum­mel­ten sich beleuch­te­te Ren­tie­re. Durch Fens­ter erkann­te man Weih­nachts­bäu­me und Ker­zen­leuch­ter, bei denen ich stets die Arme zähl­te. Dazu kamen Krän­ze mit Stech­pal­men­zwei­gen und Pini­en­zap­fen, und alles schim­mer­te in Rot und Gold.” (Zitat S.15) Da die Fami­lie Barna­bel eine jüdi­sche Fami­lie ist, wer­den vie­le jüdi­sche Tra­di­tio­nen dar­ge­stellt und näher erläu­tert, auch der Titel des Romans bezieht sich auf eine Geschich­te zu Cha­nuk­ka. Es ist eine sehr hei­me­li­ge Atmo­sphä­re, die in “Eight Nights of Flir­ting” her­vor­sticht. Der Fokus liegt sehr auf fami­liä­ren Akti­vi­tä­ten. Es wer­den Leb­ku­chen­häus­chen ver­ziert, Schlit­ten­fahr­ten abge­hal­ten, es wird gemein­sam gekocht und ein Thea­ter­stück ein­ge­übt. An man­chen Stel­len wirkt es bei­na­he zu alltäglich/banal und hät­te etwas kür­zer erzählt wer­den kön­nen. Die Spra­che von Han­nah Rey­nolds ist jedoch sehr ange­nehm. Mit­un­ter fin­det man schö­ne Stel­len wie: “Drau­ßen tob­te ein irres wei­ßes Schnee­ge­stö­ber. Der Wind — der uns ner­ven­zer­fet­zen­de Tur­bu­len­zen beschert hat­te — heul­te wie ein ein­sa­mer Wolf und ver­wir­bel­te die Schnee­flo­cken zu gro­tes­ken Gestal­ten.” (Zitat S.7) An Anfang gibt es herr­li­che Schlag­ab­täu­sche zwi­schen Tyler und Shira, dann wird es fast etwas seich­ter und irgend­wie fehlt der Pfiff in der Lie­bes­ge­schich­te. Aber zum Ende hin wird es dann glück­li­cher­wei­se wie­der inter­es­san­ter. Auch tief­grün­di­ge The­men wie die Suche nach den eige­nen Talen­ten, ob es tat­säch­lich so wich­tig ist, in etwas wirk­lich gut zu sein oder ob es nicht eher dar­um geht, sein Leben zu genie­ßen, aber auch die Fähig­keit sich ande­ren gegen­über zu öff­nen, man selbst zu sein und vor allem mutig zu sein, wer­den in den Roman mit­ein­ge­floch­ten. Und eben­so wie in “The Som­mer of Lost Let­ters” wird wie­der ein altes Fami­li­en­ge­heim­nis gelüf­tet, da Tyler und Shira eine alte Kis­te mit ver­schie­de­nen Gegen­stän­den unter ein paar Dach­bo­den­die­len fin­den und her­aus­fin­den wol­len, wel­cher Per­son aus der Ver­gan­gen­heit sie gehört hat. Hier wird jede Men­ge his­to­ri­scher Kon­text (sie recher­chie­ren zum Bei­spiel über ver­sun­ke­ne Schif­fe, lesen alte Tage­bü­cher) mit ein­ge­bun­den. An eini­gen Stel­len fast etwas zu aus­führ­li­cher, aber durch­aus unter­halt­sam. Das Ende ist schön pas­send und harmonisch.

Dir hat “Eight Nights of Flir­ting” gefal­len? Dann lies noch das Lesealternativeners­te Buch aus der Rei­he, das mir außer­or­dent­lich gut (und fast noch bes­ser) gefal­len hat: “The Sum­mer of Lost Let­ters”. Übri­gens erscheint im Mai 2024 auf Eng­lisch bereits ein drit­ter Teil der Rei­he: “Sum­mer Nights and Meteo­ri­tes”. Dies­mal spielt Ethan Barna­bel, Shiras Cou­sin, eine Haupt­rol­le. Eine Lese­al­ter­na­ti­ve wäre die bereits erwähn­te “Der Som­mer, als ich schön wur­de”-Rei­he von Jen­ny Han. Nach­hil­fe im Flir­ten erhält auch die Prot­ago­nis­tin in “Flir­ten für Anfän­ger” von Ulri­ke Wron­ski. Oder lies “Nächs­ter Halt Lie­be” von Leah Konen. Du magst schö­ne win­ter­lich-weih­nacht­li­che Roma­ne? Emp­feh­len kann ich zum Bei­spiel “Emp­feh­lung für dich” von Lau­ra Sil­ver­man (schön für Zwi­schen­durch) oder “Make my wish come true” von Jana Schä­fer oder die Neu­erschei­nung “Love in Win­ter Won­der­land” von Abio­la Bel­lo

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-32149-7
Erscheinungsdatum: 28.September 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 14,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer: Fabienne Pfeiffer
Originaltitel: "Eight Nights of Flirting"
Originalverlag: Razorbill

Amerikanisches Originalcover:

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Penguin Random House

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