Gudrun Pausewang — Noch lange danach

Gudrun Pausewang Noch lange danach5.März 2012

Die deut­sche Autorin Gud­run Pau­se­wang hat nach ihrem Best­sel­ler “Die Wol­ke” ein neu­es Buch geschrie­ben, das sich mit dem The­ma Atom­ener­gie und des­sen Gefah­ren aus­ein­an­der­setzt. “Noch lan­ge danach” heißt der Titel und ist aus einer ganz beson­de­ren Sicht­wei­se geschrie­ben. Bewe­gend. Zum Nach­den­ken anre­gend! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Der Roman spielt in der Zukunft. 2020 gab es in Deutsch­land einen Reak­tor­un­fall und gro­ße Tei­le des Lan­des wur­den kom­plett ver­strahlt. Jetzt, 41 Jah­re spä­ter, berich­tet die 16-jäh­ri­ge Vida dar­über, was das Unglück alles ver­än­dert hat. Sie führt dabei eine Grup­pe chi­le­ni­scher Tou­ris­ten durch ihre Schu­le, die sich über die Kata­stro­phe infor­mie­ren möch­ten. Mit kla­ren Wor­ten und einer Scho­nungs­lo­sig­keit, die den Leser betrof­fen macht, erzählt sie von ihrem All­tag: Deutsch­land ist zu einem der ärms­ten Län­der der Welt gewor­den. Viel Men­schen sind an der Strah­len­krank­heit erkrankt und gestor­ben, auch die Genera­tio­nen danach lei­den unter gesund­heit­li­chen Fol­gen und in der Schu­le, in die Vida geht, wer­den die Klas­sen immer klei­ner. Bil­der der Toten wer­den in der Schu­le an den Wän­den auf­ge­hängt. Die Klas­sen­zim­mer müs­sen die Schü­ler selbst rei­ni­gen. Das Mit­tag­essen besteht zur Hälf­te aus Spen­den und wird ehren­amt­lich ver­teilt. Für alles ande­re, auch für die Reno­vie­rung der Löcher im Dach, durch die bereits Was­ser hin­ein­tropft, ist kein Geld mehr. Auch die Müll­ab­fuhr gibt es nicht mehr. Müll wird ohne­hin kaum Gudrun Pausewang Noch lange danachmehr weg­ge­schmis­sen, alles kann noch irgend­wie ver­wen­det wer­den. Neue Mode, das gibt es nicht, Vida selbst hat nur zwei Paar Hosen und weni­ge T‑Shirts, die sie immer wie­der waschen muss. Ihre Mut­ter lei­det an Depres­sio­nen, da sie ihre Zwil­lings­schwes­ter und ihr ers­tes Kind ver­lo­ren hat und ist kaum zu einem nor­ma­len Leben mehr fähig. Vidas Vater hat — so wie vie­le ande­re — das Land längst ver­las­sen und sich in der Frem­de ein neu­es Leben auf­ge­baut. Vida selbst träumt auch von einem ande­ren Leben, aber sie kann ihre Mut­ter nicht dazu bewe­gen aus­zu­wan­dern und allei­ne las­sen kann sie sie auch nicht. Das Leben scheint trost­los. Den­noch ist Vida immer dar­um bemüht hoff­nungs­voll zu blei­ben und die Gescheh­nis­se der Ver­gan­gen­heit der jet­zi­gen Genera­ti­on und der Nächs­ten stets wie­der in Erin­ne­rung zu rufen, als stän­di­ge War­nung.

Noch lan­ge danach” wird in aus einer inter­es­san­ten Per­spek­ti­ve erzählt: Denn er besteht nur aus Ant­wor­ten, die Vida den chi­le­ni­schen Tou­ris­ten gibt, als sie sie durch ihre Schu­le führt. Sozu­sa­gen in Inter­view-Form. Die Fra­gen, die gestellt wer­den, feh­len, sind jedoch aus dem Zusam­men­hang erschließ­bar. Dadurch ent­steht eine noch inten­si­ve­re Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma und auch die Fra­gen, die der Leser sich stellt, fin­den durch die Fra­gen, die die Tou­ris­ten stel­len, schnell eine Ant­wort. Die Geschich­te lie­fert erschre­cken­de Ein­bli­cke in ein Leben, das auch in Deutsch­land irgend­wann ein­mal zur Real­tät wer­den könn­te. Davor warnt Gud­run Pau­se­wang auch noch ein­mal ein­drück­lich in einem anschlie­ßen­den Nach­wort.

Das Buch eig­net sich sehr gut für Buch­vor­stel­lun­gen und Klas­sen­lek­tü­ren. The­ma­tisch gese­hen, aber auch, weil es mit 121 Sei­ten nicht all­zu lan­ge ist und viel Dis­kus­si­ons­stoff bie­tet.

LesealternativenEs ist übri­gens inter­es­sant zu beob­ach­ten, wie sich eini­ge Autoren (seit Fuku­shi­ma) dem The­ma Atom­ener­gie wie­der anneh­men. Neben Gud­run Pau­se­wang, die ja schon durch “Die letz­ten Kin­der von Sche­wen­born” (1983 erschie­nen, eben­falls Deutsch­land nach einem Atom­krieg) und “Die Wol­ke” (1987 erschie­nen, ein Jahr nach Tscher­no­byl) bekannt wur­de, haben auch Wolf­ram Hänel mit “Stör­fall in Reak­tor 1” und Man­fred Thei­sen “Wake up” einen neu­en Roman zu die­sem The­ma ver­öf­fent­licht. Ich bin gespannt, was da noch so kommt… Man merkt jedoch, dass das The­ma Umwelt­schutz auch Jugend­li­che zu inter­es­sie­ren beginnt, was der Erfolg des Autoren­du­os Bran­dis & Zimek “Ruf der Tie­fe” zeigt, wel­che die­ses Früh­jahr eben­falls einen wei­te­ren span­nen­den Roman (“Schat­ten des Dschun­gels”) her­aus­ge­bracht haben.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40075-1
Erscheinungsdatum: 1.Februar 2012
Einbandart: Hardcover
Preis: 9,99€
Seitenzahl: 128
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

 Kasimiras Bewertung:

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