Grace Cavendish — Lady Grace Mysteries: Giftmord

3.Mai 2026

“Lady Grace Mys­te­ries: Gift­mord” ist der Auf­takt einer his­to­ri­schen Kri­mi­rei­he von Grace Caven­dish (hin­ter die­sem Psy­eud­onym ver­ber­gen sich haupt­säch­lich die bri­ti­schen Autorin:innen Patri­cia Fin­ney, Jan Bur­chett und Sara Vog­ler). Im Orgi­nal erschien der ers­te Band der Rei­he bereits 2004 und wur­de jetzt ins Deut­sche über­setzt. Im Eng­li­schen umfasst die Rei­he 12 Bän­de und wur­de nun auch als Fern­seh­se­rie pro­du­ziert, die im April 2026 in Groß­bri­tan­ni­en star­te­te, aber auch bald in Deutsch­land erschei­nen wird. Sie spielt im 16.Jahrhundert und stellt die 12-jäh­ri­ge Lady Grace in den Mit­tel­punkt, die jüngs­te Hof­da­me von Köni­gin Eli­sa­beth I. Als Lady Grace ver­hei­ra­tet wer­den soll, wird aus­ge­rech­net einer der drei Män­ner, aus denen sie wäh­len darf, ermor­det. Klar, dass das auf­ge­weck­te und rebel­li­sche Mäd­chen ver­sucht selbst den Täter zu fin­den… Das Buch gibt einen guten Ein­blick in die dama­li­ge Zeit, wäh­rend es zunächst noch etwas gemäch­li­cher zugeht, wird es ab dem Mord­fall dann doch sehr unter­halt­sam und span­nend. Für jun­ge Krimiliebhaber:innen ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Die 12-jäh­ri­ge Lady Grace lebt am Hof von Köni­gin Eli­sa­beth I. Ihr Vater fiel im Krieg und ihre Mut­ter ist vor einem Jahr gestor­ben, weil sie ein ver­gif­te­tes Getränk zu sich nahm, dass eigent­lich für die Köni­gin gedacht war. Damit ret­te­te sie die­ser das Leben. Lady Grace hat ein sehr gutes Ver­hält­nis zur Köni­gin, ist deren jüngs­te Hof­da­me. “Mein Lieb­lings­mensch (abge­se­hen von mei­ner Mut­ter, die tot ist, Gott sei ihrer See­le gnä­dig) ist Ihre Majes­tät die Köni­gin. Sie ist schon ein biss­chen alt, was man aber nicht sagen darf, weil sie sonst mit Schu­hen wirft. Dabei ist sie fünf­und­drei­ßig! Selbst für eine Lady von ihrem Stand ist das fast schon zu alt, um zu hei­ra­ten und Kin­der zu bekom­men.” (Zitat aus “Lady Grace Mys­te­ries: Gift­mord” S.10) Doch nun steht das The­ma Hei­ra­ten auch für Lady Grace an, was ihr gar nicht gefällt, fühlt sie sich doch noch viel zu jung dafür. Eine Bür­ger­li­che müss­te erst mit 25 Jah­ren hei­ra­ten, aber weil sie eine Hof­da­me ist und die Köni­gin es ihrer Mut­ter ver­spro­chen hat, soll nun ein zukünf­ti­ger Ehe­mann für Lady Grace gesucht wer­den. “Über­haupt ver­ste­he ich nicht, wes­halb jemand hei­ra­ten soll­te, ohne es zu müs­sen. Ich für mei­nen Teil muss lei­der. Befehl der Köni­gin. Mor­gen wird der ver­mut­lich auf­re­gends­te Tag in mei­nem Leben. Ihre Majes­tät die Köni­gin rich­tet zum Tag des hei­li­gen Valen­tins einen Ball aus, und ich muss mich ent­schei­den, wel­cher der drei Frei­er, die die Köni­gin für mich aus­ge­sucht hat, mein ange­trau­ter Ehe­mann wer­den soll.” (Zitat S.10ff) Sobald sich Lady Grace ent­schie­den hat, wird ein Ver­trag auf­ge­setzt, dann gilt sie als ver­lobt. Die Hoc     hzeit fin­det aller­dings erst statt, wenn sie sechs­zehn Jah­re alt ist. Ihre drei Zukünf­ti­gen sind der alte Sir Charles, der eben­so wie Lady Grace Pfer­de liebt; der arro­gan­te und ein­ge­bil­de­te Sir Gerald und der stot­tern­de, zurück­hal­ten­de Lord Robert. Doch dann gerät alles außer Kon­trol­le, als Sir Gerald tot auf­ge­fun­den wird. In sei­nem Rücken steckt ein Dolch. Gemein­sam mit ihren Freun­den Ellie, dem Wäsche­mäd­chen und Masou, der als Akro­bat arbei­tet, ver­sucht Lady Grace den Fall aufzuklären…

Das Cover ist anspre­chend und pas­send gemacht. Der Roman spielt im Febru­ar 1569. Vom 13. bis 18.Februar. Er ist kom­plett in Tage­buch­form aus Lady Grace’s Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Oft beginnt die Erzäh­le­rin daher in Rück­blen­den, die ihre Berich­te ein­lei­ten: “Ich muss­te vor­hin rasch abbre­chen und Tage­buch und Feder ver­ste­cken, da Mrs. Cham­per­now­ne nah­te. Spä­ter konn­te ich Ellie dazu bewe­gen, mein Schreib­zeug zu holen und hier­her ins Schlaf­ge­mach zu brin­gen. In mei­nem Kopf herrscht das reins­te Cha­os. Es gibt so viel über die Ereig­nis­se des heu­ti­gen Abends zu berich­ten!” (Zitat S.48) Lady Grace ist ein sehr auf­ge­weck­tes, sym­pa­thi­sches Mäd­chen, das ihr Herz am rech­ten Fleck hat und lie­ber mit den Hun­den durch den Gar­ten zieht, als mit hüb­schen Klei­dern vor dem Spie­gel zu posie­ren, aber trotz ihrer rebel­li­schen Art ver­sucht ein — dem Stan­dard am Hof ent­spre­chen­des — Leben zu füh­ren. “Gera­de noch recht­zei­tig dach­te ich dar­an, die Stie­fel aus­zu­zie­hen, ehe ich nach oben ging, um mich wie­der umzu­zie­hen. Es ist höl­lisch har­te Arbeit, stets ele­gant und der Herr­lich­keit der Köni­gin ange­mes­sen aus­zu­se­hen!” (Zitat S.118) Zur Köni­gin hat sie ein sehr gutes Ver­hält­nis, wird mit­un­ter sogar etwas bevor­zugt behan­delt. “Sie ist sehr klug, und es gefällt ihr, wie rasch ich ler­ne, zu lesen und zu schrei­ben und der­glei­chen. Sie sagt, all die Mäd­chen, die an nichts als Schmuck und Klei­dung den­ken kön­nen, wür­den sie lang­wei­len. Mich mag sie vor allem des­halb, weil sie mich schon mein gan­zes Leben lang kennt und mei­ne Mut­ter ihr vor einem Jahr das Leben geret­tet hat.” (Zitat S.33) Die Spra­che in “Lady Grace Mys­te­ries: Gift­mord” ist teils ein wenig anti­quier­ter, was aber sehr gut zur dama­li­gen Zeit passt. “Und wes­halb ist Lady Grace’ Über­kleid noch nicht voll­endet, Mr. Beas­ley?”, frag­te die Köni­gin in miss­bil­li­gen­dem Ton. “Dies ist doch sicher­lich nicht die Qua­li­tät, in der Ihr mir zu die­nen dünkt, nicht wahr? Was dau­ern Eure Arbei­ten nur so lang? Hat­te ich nicht die Absicht geäu­ßert, das Über­kleid zu sehen, ehe Lady Grace es trägt?” (Zitat S.32) An sich ist der Erzähl­fluss sehr flüs­sig, nur stel­len­wei­se hät­te ein wenig;-) bes­ser lek­to­riert wer­den kön­nen, bezüg­lich man­cher Wie­der­ho­lun­gen: “Den Ges­ten nach erklär­te Pip, dass sich Sir Gerald über­ge­ben hat­te und nun im Bett lag, wor­auf­hin Lord Wort­hy ein wenig weni­ger besorgt wirk­te. Wenig spä­ter beschloss die Köni­gin, dass sie genug getanzt habe, was von da an selbst­ver­ständ­lich auch für all ihre Hof­da­men und Hof­jung­fern zu gel­ten hat­te. Wir stell­ten uns in einer Rei­he auf, die aller­dings ein wenig unor­dent­li­cher geriet als bei unse­rem Ein­tref­fen” (Zitat S.78) Der Anfang des Romans plät­schert die Hand­lung lei­der auch etwas vor sich hin. Es wird sich viel auf All­täg­li­ches kon­zen­triert, was einer­seits inter­es­sant, aber auch etwas lang­at­mig ist, da es zum Teil sehr aus­führ­lich beschrie­ben wird: “Ich nahm die Per­len­ket­te von Lord Robert ab und leg­te sie neben mein Bett. Dann zog ich mein übli­ches Nach­ge­wand an und benutz­te den Toi­let­ten­stuhl. Fran hat­te mir fri­sches Rosen­was­ser in die Wasch­schüs­sel gefüllt, das ich mir ins Gesicht klatsch­te. Dann benutz­te ich mein Zahn­tuch und spül­te mit Fen­chel­was­ser die Pas­te aus Man­deln und Salz aus mei­nem Mund.” (Zitat S.80) Doch als schließ­lich der Mord­fall pas­siert, wird es zuneh­mend fes­seln­der und span­nen­der. Die Detek­tiv­ar­beit ist sehr gut auf­ge­baut, gut inte­griert in die Geschich­te, nicht so mecha­ni­sches Abhan­deln der Tat­ver­däch­ti­gen. Mit manch amü­san­tem Irr­glau­ben — so denkt Lady Grace bei­spiels­wei­se, dass man in den Augen des Toten noch das Ant­litz des Mör­ders sehen kann. Muss dann aber doch fest­stel­len, dass dies nicht mög­lich ist und auf eige­ne klu­ge Schluss­fol­ge­run­gen, wer der Täter sein könn­te, kom­men. Das Ende ist rund und in sich schlüs­sig. In einem Glos­sar (scha­de, dass dar­auf nicht anfangs bereits hin­ge­wie­sen wird oder durch Stern­chen* im Text) erfährt man noch mehr über man­che Wör­ter und erhält dazu aus­führ­li­che Erklä­run­gen. Auch ord­net Grace Car­ven­dish die his­to­ri­schen Hin­ter­grün­de noch näher ein und gibt an, wel­che der Figu­ren aus dem Buch fik­tiv sind und wel­che wirk­lich gelebt haben.

Du möch­test in der Rei­he wei­ter­le­sen? Bald erschei­nen noch die Fol­ge­bän­de: “Ver­rat” (Band 2), “Ver­schwö­rung” (Band 3), “Täu­schung” (Band 4). Die Bän­de 5–12 sind bis­her im Deut­schen noch nicht ange­kün­digt. Du suchst noch mehr Lese­al­teLesealternativenrna­ti­ven? Eben­falls aus dem Kne­se­beck Ver­lag sind fol­gen­de Titel: die “Ein Fall für Wells & Wong”-Rei­he von Robin Ste­vens, die “Eno­la-Hol­mes”-Rei­he von Nan­cy Sprin­ger und die “Myrt­le-Hard­cast­le”-Rei­he von Eliza­beth C. Bun­ce. Toll ist auch “Frag Phi­lo­me­na Freud: Die Per­len­spin­ne” von Annet­te Roe­der, wel­ches in die 1920er Jah­re nach Wien ent­führt. Emp­feh­len kann ich außer­dem “Tod im Samt­man­tel” von Sarah Wyn­ne (Zeit­rei­se in die 1960er) oder “Fräu­lein Flo­ren­ti­nes Gespür für Mord” von Alex­an­dra-Fischer Hunold (19.Jahrhundert). Kri­mis mit his­to­ri­schem Set­ting fin­dest du auch bei den drei !!!: “Der Skan­dal im Spree­pa­last” (1920er) und “Der Ball der Baro­nes­se” (19.Jahrhundert). Oder lies das bril­lan­te “Gre­ta Gri­mal­di und der Jun­ge aus dem Schat­ten” von David Moro­si­not­to (Nürn­berg 1829). Per­fek­te Kri­mi-Lek­tü­re, die in Groß­bri­tan­ni­en spielt, ist zudem die “Eine Lei­che zum Tee”-Rei­he von Alex­an­dra Fischer-Hunold: “Eine Lei­che zum Tee” (Band 1) und “Eine Lei­che zum Tee: Mord in der Biblio­thek” (Band 2). 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Knesebeck
ISBN: 978-3-98962-003-2
Erscheinungsdatum: 19.März 2026
Einbandart: Hardcover
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 272
Übersetzer*in: Sarah Heidelberger
Originaltitel: "The Lady Grace Mysteries: Assassin"
Originalverlag: Red Fox
Britisches Originalcover:












Trailer zur Fernsehserie (auf Englisch):
 

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von Penguin Random House UK

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