“Lady Grace Mysteries: Giftmord” ist der Auftakt einer historischen Krimireihe von Grace Cavendish (hinter diesem Psyeudonym verbergen sich hauptsächlich die britischen Autorin:innen Patricia Finney, Jan Burchett und Sara Vogler). Im Orginal erschien der erste Band der Reihe bereits 2004 und wurde jetzt ins Deutsche übersetzt. Im Englischen umfasst die Reihe 12 Bände und wurde nun auch als Fernsehserie produziert, die im April 2026 in Großbritannien startete, aber auch bald in Deutschland erscheinen wird. Sie spielt im 16.Jahrhundert und stellt die 12-jährige Lady Grace in den Mittelpunkt, die jüngste Hofdame von Königin Elisabeth I. Als Lady Grace verheiratet werden soll, wird ausgerechnet einer der drei Männer, aus denen sie wählen darf, ermordet. Klar, dass das aufgeweckte und rebellische Mädchen versucht selbst den Täter zu finden… Das Buch gibt einen guten Einblick in die damalige Zeit, während es zunächst noch etwas gemächlicher zugeht, wird es ab dem Mordfall dann doch sehr unterhaltsam und spannend. Für junge Krimiliebhaber:innen ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.
Die 12-jährige Lady Grace lebt am Hof von Königin Elisabeth I. Ihr Vater fiel im Krieg und ihre Mutter ist vor einem Jahr gestorben, weil sie ein vergiftetes Getränk zu sich nahm, dass eigentlich für die Königin gedacht war. Damit rettete sie dieser das Leben. Lady Grace hat ein sehr gutes Verhältnis zur Königin, ist deren
jüngste Hofdame. “Mein Lieblingsmensch (abgesehen von meiner Mutter, die tot ist, Gott sei ihrer Seele gnädig) ist Ihre Majestät die Königin. Sie ist schon ein bisschen alt, was man aber nicht sagen darf, weil sie sonst mit Schuhen wirft. Dabei ist sie fünfunddreißig! Selbst für eine Lady von ihrem Stand ist das fast schon zu alt, um zu heiraten und Kinder zu bekommen.” (Zitat aus “Lady Grace Mysteries: Giftmord” S.10) Doch nun steht das Thema Heiraten auch für Lady Grace an, was ihr gar nicht gefällt, fühlt sie sich doch noch viel zu jung dafür. Eine Bürgerliche müsste erst mit 25 Jahren heiraten, aber weil sie eine Hofdame ist und die Königin es ihrer Mutter versprochen hat, soll nun ein zukünftiger Ehemann für Lady Grace gesucht werden. “Überhaupt verstehe ich nicht, weshalb jemand heiraten sollte, ohne es zu müssen. Ich für meinen Teil muss leider. Befehl der Königin. Morgen wird der vermutlich aufregendste Tag in meinem Leben. Ihre Majestät die Königin richtet zum Tag des heiligen Valentins einen Ball aus, und ich muss mich entscheiden, welcher der drei Freier, die die Königin für mich ausgesucht hat, mein angetrauter Ehemann werden soll.” (Zitat S.10ff) Sobald sich Lady Grace entschieden hat, wird ein Vertrag
aufgesetzt, dann gilt sie als verlobt. Die Hoc hzeit findet allerdings erst statt, wenn sie sechszehn Jahre alt ist. Ihre drei Zukünftigen sind der alte Sir Charles, der ebenso wie Lady Grace Pferde liebt; der arrogante und eingebildete Sir Gerald und der stotternde, zurückhaltende Lord Robert. Doch dann gerät alles außer Kontrolle, als Sir Gerald tot aufgefunden wird. In seinem Rücken steckt ein Dolch. Gemeinsam mit ihren Freunden Ellie, dem Wäschemädchen und Masou, der als Akrobat arbeitet, versucht Lady Grace den Fall aufzuklären…
Das Cover ist ansprechend und passend gemacht. Der Roman spielt im Februar 1569. Vom 13. bis 18.Februar. Er ist komplett in Tagebuchform aus Lady Grace’s Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben. Oft beginnt die Erzählerin daher in Rückblenden, die ihre Berichte einleiten: “Ich musste vorhin rasch abbrechen und Tagebuch und Feder verstecken, da Mrs. Champernowne nahte. Später konnte ich Ellie dazu bewegen, mein
Schreibzeug zu holen und hierher ins Schlafgemach zu bringen. In meinem Kopf herrscht das reinste Chaos. Es gibt so viel über die Ereignisse des heutigen Abends zu berichten!” (Zitat S.48) Lady Grace ist ein sehr aufgewecktes, sympathisches Mädchen, das ihr Herz am rechten Fleck hat und lieber mit den Hunden durch den Garten zieht, als mit hübschen Kleidern vor dem Spiegel zu posieren, aber trotz ihrer rebellischen Art versucht ein — dem Standard am Hof entsprechendes — Leben zu führen. “Gerade noch rechtzeitig dachte ich daran, die Stiefel auszuziehen, ehe ich nach oben ging, um mich wieder umzuziehen. Es ist höllisch harte Arbeit, stets elegant und der Herrlichkeit der Königin angemessen auszusehen!” (Zitat S.118) Zur Königin hat sie ein sehr gutes Verhältnis, wird mitunter sogar etwas bevorzugt behandelt. “Sie ist sehr klug, und es gefällt ihr, wie rasch ich lerne, zu lesen und zu schreiben und dergleichen. Sie sagt, all die Mädchen, die an nichts als Schmuck und Kleidung denken können, würden sie langweilen. Mich mag sie vor allem deshalb, weil sie mich schon mein ganzes Leben lang kennt und meine Mutter ihr vor einem Jahr das Leben gerettet hat.” (Zitat S.33)
Die Sprache in “Lady Grace Mysteries: Giftmord” ist teils ein wenig antiquierter, was aber sehr gut zur damaligen Zeit passt. “Und weshalb ist Lady Grace’ Überkleid noch nicht vollendet, Mr. Beasley?”, fragte die Königin in missbilligendem Ton. “Dies ist doch sicherlich nicht die Qualität, in der Ihr mir zu dienen dünkt, nicht wahr? Was dauern Eure Arbeiten nur so lang? Hatte ich nicht die Absicht geäußert, das Überkleid zu sehen, ehe Lady Grace es trägt?” (Zitat S.32) An sich ist der Erzählfluss sehr flüssig, nur stellenweise hätte ein wenig;-) besser lektoriert werden können, bezüglich mancher Wiederholungen: “Den Gesten nach erklärte Pip, dass sich Sir Gerald übergeben hatte und nun im Bett lag, woraufhin Lord Worthy ein wenig weniger besorgt wirkte. Wenig später beschloss die Königin, dass sie genug getanzt habe, was von da an selbstverständlich auch für all ihre Hofdamen und Hofjungfern zu gelten hatte. Wir stellten uns in einer Reihe auf, die allerdings ein wenig unordentlicher geriet als bei unserem Eintreffen” (Zitat S.78) Der Anfang des Romans plätschert die Handlung leider auch etwas vor sich hin. Es wird sich viel auf Alltägliches konzentriert, was einerseits
interessant, aber auch etwas langatmig ist, da es zum Teil sehr ausführlich beschrieben wird: “Ich nahm die Perlenkette von Lord Robert ab und legte sie neben mein Bett. Dann zog ich mein übliches Nachgewand an und benutzte den Toilettenstuhl. Fran hatte mir frisches Rosenwasser in die Waschschüssel gefüllt, das ich mir ins Gesicht klatschte. Dann benutzte ich mein Zahntuch und spülte mit Fenchelwasser die Paste aus Mandeln und Salz aus meinem Mund.” (Zitat S.80) Doch als schließlich der Mordfall passiert, wird es zunehmend fesselnder und spannender. Die Detektivarbeit ist sehr gut aufgebaut, gut integriert in die Geschichte, nicht so mechanisches Abhandeln der Tatverdächtigen. Mit manch amüsantem Irrglauben — so denkt Lady Grace beispielsweise, dass man in den Augen des Toten noch das Antlitz des Mörders sehen kann. Muss dann aber doch feststellen, dass dies nicht möglich ist und auf eigene kluge Schlussfolgerungen, wer der Täter sein könnte, kommen. Das Ende ist rund und in sich schlüssig. In einem Glossar (schade, dass darauf nicht anfangs bereits hingewiesen wird oder durch Sternchen* im Text) erfährt man noch mehr über manche Wörter und erhält dazu ausführliche Erklärungen. Auch ordnet Grace Carvendish die historischen Hintergründe noch näher ein und gibt an, welche der Figuren aus dem Buch fiktiv sind und welche wirklich gelebt haben.
Du möchtest in der Reihe weiterlesen? Bald erscheinen noch die Folgebände: “Verrat” (Band 2), “Verschwörung” (Band 3), “Täuschung” (Band 4). Die Bände 5–12 sind bisher im Deutschen noch nicht angekündigt. Du suchst noch mehr Lesealte
rnativen? Ebenfalls aus dem Knesebeck Verlag sind folgende Titel: die “Ein Fall für Wells & Wong”-Reihe von Robin Stevens, die “Enola-Holmes”-Reihe von Nancy Springer und die “Myrtle-Hardcastle”-Reihe von Elizabeth C. Bunce. Toll ist auch “Frag Philomena Freud: Die Perlenspinne” von Annette Roeder, welches in die 1920er Jahre nach Wien entführt. Empfehlen kann ich außerdem “Tod im Samtmantel” von Sarah Wynne (Zeitreise in die 1960er) oder “Fräulein Florentines Gespür für Mord” von Alexandra-Fischer Hunold (19.Jahrhundert). Krimis mit historischem Setting findest du auch bei den drei !!!: “Der Skandal im Spreepalast” (1920er) und “Der Ball der Baronesse” (19.Jahrhundert). Oder lies das brillante “Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten” von David Morosinotto (Nürnberg 1829). Perfekte Krimi-Lektüre, die in Großbritannien spielt, ist zudem die “Eine Leiche zum Tee”-Reihe von Alexandra Fischer-Hunold: “Eine Leiche zum Tee” (Band 1) und “Eine Leiche zum Tee: Mord in der Bibliothek” (Band 2).
Bibliografische Angaben:Verlag: Knesebeck ISBN: 978-3-98962-003-2 Erscheinungsdatum: 19.März 2026 Einbandart: Hardcover Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt Preis: 18,00€ Seitenzahl: 272 Übersetzer*in: Sarah Heidelberger Originaltitel: "The Lady Grace Mysteries: Assassin" Originalverlag: Red Fox Britisches Originalcover:
Trailer zur Fernsehserie (auf Englisch):
Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)
--------------------------------------------------------- Britisches Cover: Homepage von Penguin Random House UK

Verlag: Knesebeck
ISBN: 978-3-98962-003-2
Erscheinungsdatum: 19.März 2026
Einbandart: Hardcover
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 272
Übersetzer*in: Sarah Heidelberger
Originaltitel: "The Lady Grace Mysteries: Assassin"
Originalverlag: Red Fox
Britisches Originalcover:
Trailer zur Fernsehserie (auf Englisch):