Eva Des Lauriers — I’m Gonna Get You Back

11.August 2026

I’m Gon­na Get You Back” ist der zwei­te Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Eva Des Lau­riers. Cla­ra hat­te wie vier ande­re her­aus­ra­gen­de Talen­te das Lega­cy-Sti­pen­di­um erhal­ten, das ihr ein Stu­di­um an einer Film­hoch­schu­le ermög­licht hät­te. Doch ein Unbe­kann­ter zeig­te bei der Ver­lei­hung ein kom­pro­mit­tie­ren­des Video von ihr, wes­halb sie ihren Sta­tus wie­der aberkannt bekam und sogar die Bezie­hung zu Reid in die Brü­che ging. Mona­te spä­ter tref­fen alle ehe­ma­li­gen Sti­pen­dia­ten für ein Lega­cy-Wochen­en­de der Stadt wie­der auf­ein­an­der. Cla­ra soll einen Film dar­über dre­hen und muss sich mit den Gescheh­nis­sen erneut aus­ein­an­der­set­zen. Dabei kommt sie auch Reid wie­der uner­war­tet näher. Aber dann taucht ein anony­mer Account auf, der droht dunk­le Wahr­hei­ten über die fünf Sti­pen­dia­ten ans Licht zu brin­gen… Die roman­ti­sche­re Ver­si­on von “One of us is lying” (nur ohne Mord, aber auch mit einem anony­men Account, der die Geheim­nis­se der Jugend­li­chen ent­hüllt). Mit jeder Men­ge gro­ßer Gefüh­le, authen­ti­schen Dia­lo­gen und einem tol­len Gespür für die klei­nen zwi­schen­mensch­li­chen Momen­te. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Cla­ra möch­te auf die Film­hoch­schu­le gehen. Sie liebt es Doku­men­tar­fil­me zu dre­hen. Ihre Ein­tritts­kar­te dafür ist das Lega­cy-Sti­pen­di­um. “Es war hart umkämpft und das hieß, dass ich mir kei­ne dum­men Feh­ler oder Regel­ver­stö­ße leis­ten konn­te. Ich brauch­te die­ses Sti­pen­di­um, wenn ich eine Chan­ce haben woll­te, an die Cali­for­nia Film Aca­de­my zu gehen. Jeder mei­ne Schrit­te wür­de von nun an von Bedeu­tung sein.” (Zitat aus “I’m Gon­na Get You Back” S.27) Die­ses wird an fünf Schüler:innen des Abschluss­jahr­gangs ver­ge­ben, die sich durch ihre bril­lan­ten Leis­tun­gen her­vor­tun. Cla­ra ist über­glück­lich, als sie das Sti­pen­di­um erhält. Doch als auf der Preis­ver­lei­hung ihr Film über die Lega­cys gezeigt wer­den soll, pas­siert etwas Uner­war­te­tes, das sie vor allen bloß­stellt und dazu führt, dass ihr Sti­pen­di­um an jemand ande­ren ver­ge­ben wird. Auch ihre Bezie­hung zu Reid, dem neu­en Mit­schü­ler und Cross­lauf-Star, die vor Kur­zem erst begon­nen hat, geht dadurch in die Brü­che. Bald dar­auf ver­las­sen alle Lega­cy-Sti­pen­dia­ten die Schu­le, um aufs Col­lege zu gehen und nur Mit­chell, ihr Kum­pel, und Cla­ra blei­ben aus ihrer alten Cli­que zurück. Wer war der Unbe­kann­te, der sie der­art vor­ge­führt hat und ihre gan­ze Zukunft zer­stört hat? Cla­ra beschließt dies her­aus­zu­fin­den. “Am Lega­cy-Wochen­en­de kom­men alle ehe­ma­li­gen Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Wood­hurst High School, ins­be­son­de­re die fünf aktu­el­len Sti­pen­dia­ten — die Lega­cys -, nach Wood­hurst zurück, um bei einer drei­tä­gi­gen Groß­ver­an­stal­tung sich selbst und das Sti­pen­di­en­pro­gramm zu fei­ern. Aus Sicht der Ein­hei­mi­schen toppt die­ses Event sowohl Home­co­ming als auch die Thanks­gi­ving-Feri­en und alle, die aufs Col­lege gegan­gen sind, kom­men dafür nach Hau­se zurück. Mir graut schon den gan­zen Som­mer davor. (Zitat S.16) Als alle Lega­cys an die High School zurück­keh­ren, soll aus­ge­rech­net sie einen neu­en Film dar­über dre­hen. Dabei kommt sie allen Sti­pen­dia­ten wie­der näher, unter ande­rem auch Reid, für den sie noch immer Gefüh­le hat. Aber dann taucht ein anony­mer Accout namens Lega­cy Lore auf, der droht von jedem der Lega­cys die schlimms­ten Geheim­nis­se auf­zu­de­cken. Und bald merkt Cla­ra, dass auch Reid etwas zu ver­ber­gen hat…

Das Cover ist erfri­schend anders und fällt auf. Der Unter­ti­tel — auch wenn die­ser inhalt­lich nicht ganz zutrifft, weil Cla­ra eigent­lich kei­ne Rache will, son­dern Ant­wor­ten — macht neu­gie­rig. Der Roman wird aus zwei Per­spek­ti­ven erzählt. Sowohl Cla­ra, als auch Reid kom­men zu Wort und berich­ten in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve. Zusätz­lich gibt es zwei Zeit­ebe­nen. Damals und heu­te. Damals erzählt von ihrem Ken­nen­ler­nen und Zusam­men­kom­men und den dra­ma­ti­schen Ereig­nis­sen, die zu der Aberken­nung ihres Sti­pen­di­ums führ­ten und heu­te bezieht sich auf die Rück­kehr der Sti­pen­dia­ten und das Lega­cy-Wochen­en­de. Reids Kapi­tel wer­den zusätz­lich von Hai­kus (tra­di­tio­nel­le japa­ni­sche Gedicht­form, wel­ches aus genau drei Ver­sen besteht mit ins­ge­samt 17 Sil­ben) ein­ge­lei­tet, deren Bedeu­tung am Ende auf­ge­klärt wird. Eva Des Lau­riers hat eine sehr ange­neh­me und flüs­si­ge Erzähl­art. Die Geschich­te ist durch­gän­gig unter­halt­sam und mit­rei­ßend. Vie­le Andeu­tun­gen wer­den gemacht, die Span­nung erzeu­gen und erst nach und nach auf­ge­löst wer­den. “Ich bin noch nicht bereit, dar­über zu reden. Mit nie­man­dem.” (Zitat S.89) Toll sind vor allem ihre Dia­lo­ge und die Gedan­ken zwi­schen die­sen, hier hat die Autorin ein außer­ge­wöhn­li­ches Gespür die­se Momen­te auf authen­ti­sche Art und Wei­se ein­zu­fan­gen. Neben der Fra­ge, wer der Unbe­kann­te ist, der Cla­ras Leben zer­stört hat und auch die Geheim­nis­se der ande­ren ver­ra­ten will, wer­den auch noch erns­te The­men in dem Roman behan­delt. Bei Cla­ra ist es das Ver­trau­en­fas­sen in einer Bezie­hung. Durch die Tren­nung ihrer Eltern hat sie Schwie­rig­kei­ten sich auf jeman­den ein­zu­las­sen. Bei Reid steht vor allem der Leis­tungs­druck des Cross­laufs im Vor­der­grund. Die Leu­te zäh­len auf mich. […] Aber ich fra­ge mich, was sie wohl machen wür­den, wenn sie dahin­ter­kä­men, dass ich allen bloß etwas vor­ma­che. Ich habe es geschafft, mei­nem eige­nen Trai­ner das Aus­maß mei­ner Schmer­zen zu ver­heim­li­chen. Denn wenn er dem Coach nicht sagt, dass ich bald wie­der fit bin, kann ich die nächs­te Wett­kampf­sai­son — und damit die Zukunft, die sich alle für mich wün­schen — ver­ges­sen. (Zitat S.49) Er hat eine Ver­let­zung, die er vor allen ver­birgt. Auch vor sei­nem Vater, der gesund­heit­li­che und finan­zi­el­le Pro­ble­me hat und dem er kei­nes­falls Sor­gen berei­ten will. Aber auch der Druck, den das Lega­cy-Pro­gramm auf die Sti­pen­dia­ten aus­übt, wird behan­delt. Selbst nach­dem man das Sti­pen­di­um erhal­ten hat, muss man Regeln ein­hal­ten, um es auch wei­ter­hin zu behal­ten. “Um in den Genuss der Lega­cy-Pri­vi­le­gi­en zu kom­men — die groß­zü­gi­gen Sti­pen­di­en­gel­der, die För­der­mög­lich­kei­ten und der Sta­tus, der damit ver­bun­den ist -, muss man einer Rei­he von Bedin­gun­gen zustim­men. Die wich­tigs­te davon ist, nichts zu tun (zumin­dest nicht öffent­lich), was dem Image des Lega­cy-Pro­gramm scha­den könn­te. Damals war das Geld eine sol­che Hil­fe, dass es mir leicht­fiel, die Bedin­gun­gen ein­zu­hal­ten. Aber je mehr ich zu ver­ber­gen habe, des­to mehr scheu­ern die gol­de­nen Hand­schel­len. Und des­to mehr kann ein Account wie Lega­cy Lore ech­ten Scha­den anrich­ten.” (Zitat S.82) Hier hät­te ich mir am Ende noch einen etwas ande­ren Umgang oder auch eine Kon­se­quenz gewünscht hin­sicht­lich des Pro­gramms. Die Roman­tik kommt in dem Buch auf jeden Fall nicht zu kurz, emo­tio­na­le Momen­te gibt es jede Men­ge und man fiebert/fühlt mit den Prot­ago­nis­ten mit. Das Buch endet harmonisch.

LesealternativenDir gefällt der Erzähl­stil von Eva Des Lau­riers? Dann lies unbe­dingt noch ihr Debüt “The Sum­mer We Kissed”, das mir noch etwas bes­ser gefiel. DIE Lie­bes­ge­schich­te des Som­mers! Du magst Bücher, die in meh­re­ren Zeit­ebe­nen spie­len? Dies hat mich auch an “No Place Left to Hide” von Megan Lal­ly erin­nert, in wel­chem eben­falls die Gescheh­nis­se eines ver­gan­ge­nen Jah­res nach und nach reka­pi­tu­liert wer­den. Geheim­nis­se, die dro­hen ans Licht zu kom­men? Das fin­dest du in dem Best­sel­ler­ti­tel “One of us is lying” von Karen M.McManus, in “Secret Game” von Ste­fa­nie Has­se, in “Five Sur­vi­ve” von Hol­ly Jack­son und in dem schon etwas älte­ren, aber bril­lan­ten “Match­box Boy” von Ali­ce Gabathuler.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74141-5
Erscheinungsdatum: 16.Juli 2026
Einbandart: Broschur 
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer*in: Christina Neiske
Originaltitel: "I'm Gonna Get You Back"
Originalverlag: Henry Holt and Co

Amerikanisches Originalcover:



 

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von MacMillan Publisheres

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