“I’m Gonna Get You Back” ist der zweite Roman der amerikanischen Autorin Eva Des Lauriers. Clara hatte wie vier andere herausragende Talente das Legacy-Stipendium erhalten, das ihr ein Studium an einer Filmhochschule ermöglicht hätte. Doch ein Unbekannter zeigte bei der Verleihung ein kompromittierendes Video von ihr, weshalb sie ihren Status wieder aberkannt bekam und sogar die Beziehung zu Reid in die Brüche ging. Monate später treffen alle ehemaligen Stipendiaten für ein Legacy-Wochenende der Stadt wieder aufeinander. Clara soll einen Film darüber drehen und muss sich mit den Geschehnissen erneut auseinandersetzen. Dabei kommt sie auch Reid wieder unerwartet näher. Aber dann taucht ein anonymer Account auf, der droht dunkle Wahrheiten über die fünf Stipendiaten ans Licht zu bringen… Die romantischere Version von “One of us is lying” (nur ohne Mord, aber auch mit einem anonymen Account, der die Geheimnisse der Jugendlichen enthüllt). Mit jeder Menge großer Gefühle, authentischen Dialogen und einem tollen Gespür für die kleinen zwischenmenschlichen Momente. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Clara möchte auf die Filmhochschule gehen. Sie liebt es Dokumentarfilme zu drehen. Ihre Eintrittskarte dafür ist das Legacy-Stipendium. “Es war hart umkämpft und das hieß, dass ich mir keine dummen Fehler oder Regelverstöße leisten konnte. Ich brauchte dieses Stipendium, wenn ich eine Chance haben wollte, an die California Film Academy zu gehen. Jeder meine Schritte würde von nun an von Bedeutung sein.” (Zitat aus “I’m Gonna Get You Back” S.27) Dieses wird an fünf Schüler:innen des Abschlussjahrgangs vergeben, die sich durch ihre brillanten Leistungen hervortun. Clara ist überglücklich, als sie das Stipendium erhält. Doch als
auf der Preisverleihung ihr Film über die Legacys gezeigt werden soll, passiert etwas Unerwartetes, das sie vor allen bloßstellt und dazu führt, dass ihr Stipendium an jemand anderen vergeben wird. Auch ihre Beziehung zu Reid, dem neuen Mitschüler und Crosslauf-Star, die vor Kurzem erst begonnen hat, geht dadurch in die Brüche. Bald darauf verlassen alle Legacy-Stipendiaten die Schule, um aufs College zu gehen und nur Mitchell, ihr Kumpel, und Clara bleiben aus ihrer alten Clique zurück. Wer war der Unbekannte, der sie derart vorgeführt hat und ihre ganze Zukunft zerstört hat? Clara beschließt dies herauszufinden. “Am Legacy-Wochenende kommen alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Woodhurst High School, insbesondere die fünf aktuellen Stipendiaten — die Legacys -, nach Woodhurst zurück, um bei einer dreitägigen Großveranstaltung sich selbst und das Stipendienprogramm zu feiern. Aus Sicht der Einheimischen toppt dieses Event sowohl Homecoming als auch die Thanksgiving-Ferien und alle, die aufs College gegangen sind, kommen dafür nach Hause zurück.
Mir graut schon den ganzen Sommer davor.” (Zitat S.16) Als alle Legacys an die High School zurückkehren, soll ausgerechnet sie einen neuen Film darüber drehen. Dabei kommt sie allen Stipendiaten wieder näher, unter anderem auch Reid, für den sie noch immer Gefühle hat. Aber dann taucht ein anonymer Accout namens Legacy Lore auf, der droht von jedem der Legacys die schlimmsten Geheimnisse aufzudecken. Und bald merkt Clara, dass auch Reid etwas zu verbergen hat…
Das Cover ist erfrischend anders und fällt auf. Der Untertitel — auch wenn dieser inhaltlich nicht ganz zutrifft, weil Clara eigentlich keine Rache will, sondern Antworten — macht neugierig. Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt. Sowohl Clara, als auch Reid kommen zu Wort und berichten in der jeweiligen Ich-Perspektive. Zusätzlich gibt es zwei Zeitebenen. Damals und heute. Damals erzählt von ihrem Kennenlernen und
Zusammenkommen und den dramatischen Ereignissen, die zu der Aberkennung ihres Stipendiums führten und heute bezieht sich auf die Rückkehr der Stipendiaten und das Legacy-Wochenende. Reids Kapitel werden zusätzlich von Haikus (traditionelle japanische Gedichtform, welches aus genau drei Versen besteht mit insgesamt 17 Silben) eingeleitet, deren Bedeutung am Ende aufgeklärt wird. Eva Des Lauriers hat eine sehr angenehme und flüssige Erzählart. Die Geschichte ist durchgängig unterhaltsam und mitreißend. Viele Andeutungen werden gemacht, die Spannung erzeugen und erst nach und nach aufgelöst werden. “Ich bin noch nicht bereit, darüber zu reden. Mit niemandem.” (Zitat S.89) Toll sind vor allem ihre Dialoge und die Gedanken zwischen diesen, hier hat die Autorin ein außergewöhnliches Gespür diese Momente auf authentische Art und Weise einzufangen. Neben der Frage, wer der Unbekannte ist, der Claras Leben zerstört hat und auch die Geheimnisse der anderen verraten will, werden auch noch ernste Themen in dem Roman behandelt. Bei Clara ist es das
Vertrauenfassen in einer Beziehung. Durch die Trennung ihrer Eltern hat sie Schwierigkeiten sich auf jemanden einzulassen. Bei Reid steht vor allem der Leistungsdruck des Crosslaufs im Vordergrund. “Die Leute zählen auf mich. […] Aber ich frage mich, was sie wohl machen würden, wenn sie dahinterkämen, dass ich allen bloß etwas vormache. Ich habe es geschafft, meinem eigenen Trainer das Ausmaß meiner Schmerzen zu verheimlichen. Denn wenn er dem Coach nicht sagt, dass ich bald wieder fit bin, kann ich die nächste Wettkampfsaison — und damit die Zukunft, die sich alle für mich wünschen — vergessen.” (Zitat S.49) Er hat eine Verletzung, die er vor allen verbirgt. Auch vor seinem Vater, der gesundheitliche und finanzielle Probleme hat und dem er keinesfalls Sorgen bereiten will. Aber auch der Druck, den das Legacy-Programm auf die Stipendiaten ausübt, wird behandelt. Selbst nachdem man das Stipendium erhalten hat, muss man Regeln einhalten, um es auch weiterhin zu behalten. “Um in den Genuss der Legacy-Privilegien zu kommen — die großzügigen Stipendiengelder, die Fördermöglichkeiten und der Status, der
damit verbunden ist -, muss man einer Reihe von Bedingungen zustimmen. Die wichtigste davon ist, nichts zu tun (zumindest nicht öffentlich), was dem Image des Legacy-Programm schaden könnte. Damals war das Geld eine solche Hilfe, dass es mir leichtfiel, die Bedingungen einzuhalten. Aber je mehr ich zu verbergen habe, desto mehr scheuern die goldenen Handschellen. Und desto mehr kann ein Account wie Legacy Lore echten Schaden anrichten.” (Zitat S.82) Hier hätte ich mir am Ende noch einen etwas anderen Umgang oder auch eine Konsequenz gewünscht hinsichtlich des Programms. Die Romantik kommt in dem Buch auf jeden Fall nicht zu kurz, emotionale Momente gibt es jede Menge und man fiebert/fühlt mit den Protagonisten mit. Das Buch endet harmonisch.
Dir gefällt der Erzählstil von Eva Des Lauriers? Dann lies unbedingt noch ihr Debüt “The Summer We Kissed”, das mir noch etwas besser gefiel. DIE Liebesgeschichte des Sommers! Du magst Bücher, die in mehreren Zeitebenen spielen? Dies hat mich auch an “No Place Left to Hide” von Megan Lally erinnert, in welchem ebenfalls die Geschehnisse eines vergangenen Jahres nach und nach rekapituliert werden. Geheimnisse, die drohen ans Licht zu kommen? Das findest du in dem Bestsellertitel “One of us is lying” von Karen M.McManus, in “Secret Game” von Stefanie Hasse, in “Five Survive” von Holly Jackson und in dem schon etwas älteren, aber brillanten “Matchbox Boy” von Alice Gabathuler.
Bibliografische Angaben:Verlag: dtv ISBN: 978-3-423-74141-5 Erscheinungsdatum: 16.Juli 2026 Einbandart: Broschur Preis: 15,00€ Seitenzahl: 416 Übersetzer*in: Christina Neiske Originaltitel: "I'm Gonna Get You Back" Originalverlag: Henry Holt and Co Amerikanisches Originalcover:
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-------------------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von MacMillan Publisheres

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74141-5
Erscheinungsdatum: 16.Juli 2026
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer*in: Christina Neiske
Originaltitel: "I'm Gonna Get You Back"
Originalverlag: Henry Holt and Co
Amerikanisches Originalcover:
