Erin Jade Lange — Firewall

Kasimira12.März 2020

Fire­wall” ist das aktu­el­le Buch der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Erin Jade Lan­ge. Eine Geschich­te über (Cyber-)Mobbing und neue radi­ka­le Geset­ze, die dies zu unter­bin­den ver­su­chen. Mit­ten dar­in drei jugend­li­che Hacker, die die­ses Sys­tem cras­hen wol­len, um selbst Gerech­tig­keit an Mob­ben­den zu üben. Ein span­nen­der, inter­es­sant erzähl­ter Roman, der vor allem Jungs gefal­len dürf­te! Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Der Tag hat für Eli nicht beson­ders gut ange­fan­gen. In Spa­nisch erhält er eine glat­te 6 und nun wird sein Vater benach­rich­tigt wer­den. Und zuvor ist er auch noch vom Schul­schlä­ger Mal­colm in die Man­gel genom­men wor­den, weil er auf der Toi­let­te etwas mit­be­kom­men hat, das nicht für sei­ne Ohren bestimmt war: “Der hat­te irgend­ein Mäd­chen da rein­ge­schmug­gelt und…” Ich senk­te die Stim­me. “...und sie gezwun­gen, ’nen Schwan­ger­schafts­test zu machen, und dann ist er total aus­ge­tickt, weil er Schiss hat­te, ich könn­te irgend­wem davon erzäh­len.” (Zita aus “Fire­wall” S.14) Dann erhält Eli auch noch eine Nach­richt vonKasimira einer wei­te­ren Per­son, die sich eben­falls in der Toi­let­te befun­den und alles mit­be­kom­men hat. Eine Per­son, von der Eli nur die Schu­he gese­hen hat, ehe sie eine Bot­schaft auf den Spie­gel schrieb und dann den Raum ver­ließ: “Das war ein ganz simp­ler Binär­code, trotz­dem konn­te ich auf den ers­ten Blick nur das vor­ders­te Päck­chen ent­zif­fern, ein gro­ßes A. Für die ande­ren wür­de ich ein paar Minu­ten län­ger brau­chen, die viel inter­es­san­te­re Fra­ge war aber sowie­so, war­um der Typ mir über­haupt eine Nach­richt hin­ter­las­sen hat­te — noch dazu in einer Pro­gram­mier­spra­che, die ich beherrsch­te. Kann­te er mich etwa?” (Zitat S.12) Eli ent­schlüs­selt die Mit­tei­lung und trifft bald auf zwei Jungs, die eine Klas­se höher sind als er und die davon gehört haben, was Eli alles kann. Denn er ist ein her­vor­ra­gen­der Hacker. Zusam­men mit sei­nem bes­ten Freund Zach möch­te er gar nicht erst aufs Col­le­ge gehen, son­dern schon auf der High­school eine genia­le App oder ein Spiel pro­gram­mie­ren und damit Mil­lio­nen ver­die­nen. Die zwei Jungs, die sich als Mou­se und Seth Kasimiravor­stel­len, wol­len Eli unbe­dingt in ihrem Team haben. Denn sie wol­len an der Ame­ri­ka­ni­schen Cyber­si­cher­heits­meis­ter­schaft teil­neh­men, bei der sich nur Drei­er­teams anmel­den dür­fen. Ihr drit­ter Mann und Freund ist ihnen letz­tes Jahr abhan­den gekom­men: Jor­dan Sprin­ger. “Am ers­ten April kam Jor­dan Sprin­ger in die Cafe­te­ria der Haver High mar­schiert und hat sich in Brand gesetzt. Aber es war kein April­scherz. Der Typ hat sich mit Ben­zin über­gos­sen und ein Streich­holz ange­ris­sen. Mit vol­ler Absicht.” (Zitat S.7) Jor­dan wur­de gemobbt, vor allem online und hat dar­auf­hin Sui­zid began­gen. Etwas, was gro­ße Wel­len aus­lös­te und auch eini­ge Geset­zes­än­de­run­gen nach sich zog, um das Online­ver­hal­ten der Schü­ler bes­ser zu über­wa­chen. “Es gibt jedes Jahr auch einen exter­nen Teil, an dem die Teams schon vor dem eigent­li­chen Wett­be­werb arbei­ten. Da könn­te man eine schö­ne Real-World-Demons­tra­ti­on draus machen. Dies­mal gilt es näm­lich dar­um, Schwach­stel­len in den neu­en Sicher­heits­sys­tem der Schul­netz­wer­ke auf­zu­spü­ren.” (Zitat S.58) Eli nimmt Kasimiraalso an dem Wett­be­werb teil und bas­telt mit Mou­se und Seth eine Web­site, die der Schul­be­hör­de ein Dorn im Auge ist, die aber so gut geschützt ist, dass nie­mand her­aus­fin­den kann, wer sie betreibt. Die­se Sicher­stel­lung von Anony­mi­tät wird ihre Ein­tritts­kar­te für den Wett­be­werb sein. Doch bald bemerkt Eli, dass Mou­se und Seth etwas ganz ande­res vor­ha­ben, als nur an der Meis­ter­schaft teil­zu­neh­men — sie benut­zen die Web­site dazu um an Jor­dans Mob­bern Rache zu neh­men, indem sie die­se mit pre­kä­ren Vide­os und schlim­men Geheim­nis­sen online bloß­stel­len…

Das Cover sieht optisch rich­tig anspre­chend aus, gera­de für Jungs, die bei die­sem Buch hof­fent­lich gleich zugrei­fen wer­den. Ein fas­zi­nie­ren­des Detail ent­deckt man vor allem, wenn man das Sym­bol auf dem Com­pu­ter betrach­tet, hier hat der Ver­lag ein­fach mal über­aus pas­send sein Ver­lags­em­blem ein­ge­fügt;-) Der Roman wird durch­ge­hend aus Elis Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Man kommt schnell rein in die Geschich­te, die in einem sehr flüs­si­gen Erzähl­ton geschrie­ben ist. Ein nach­denk­lich machen­der, Kasimirapoli­tisch-gesell­schaft­li­cher Zustand wird in “Fire­wall” prä­sen­tiert: “Die neu­en Über­wa­chungs­sys­te­me waren lan­des­weit in Kraft getre­ten, aber sei­nen Anfang hat­te das Gan­ze hier bei uns in Haver genom­men. Bei Jor­dan Sprin­ger. Nach­dem Jor­dans Geschich­te viral gegan­gen war, hat­ten die Schul­be­hör­den neu­er­dings die Befug­nis, das Online­ver­hal­ten ihrer Schü­ler zu über­wa­chen.” (Zitat S.58) Apps wie Snap­chat wur­den bereits ver­bannt und jeder Schü­ler muss sich mit sei­nen E‑Mail-Adres­sen oder Socia-Media-Accounts genaus­ten bei der Schu­le anmel­den, um die lücken­lo­se Über­wa­chung zu garan­tie­ren. Extra enga­gier­te IT-Spe­zia­lis­ten haben sämt­li­che Online­ak­ti­vi­tä­ten im Blick, suchen nach bestimm­ten Schlag­wör­tern um Mob­ber zu über­füh­ren. “Schon eine unre­gis­trier­te Web­site oder ein gehei­mer Social-Media-Account brach­ten einen in erns­te Schwie­rig­kei­ten. Und wenn auf die­sen Sei­ten dann auch noch irgend­was gefun­den wur­de, was nur im Ent­fern­tes­ten als Mob­bing durch­ging, war der Raus­schmiss besie­gelt. Außer­dem war die Schul­be­hör­de ver­pflich­tet, Anzei­ge bei der Poli­zei zu erstat­ten” (Zitat S.61) Darf man die KasimiraOnline­ak­ti­vi­tä­ten sei­ner Schü­ler über­wa­chen um Mob­bing zu ver­hin­dern? Und wie sehr schränkt das ein Recht auf freie Mei­nung ein? Der Roman regt defi­ni­tiv zu Dis­kus­sio­nen an, ist für eine Buch­vor­stel­lung oder als Klas­sen­lek­tü­re sehr gut geeig­net. Er liest sich durch­ge­hend span­nend und unter­halt­sam, zeigt auch wie schnell die Gren­zen zwi­schen Opfer und Täter ver­schwim­men kön­nen. Nur an eini­gen Stel­len agiert für mich die Haupt­per­son manch­mal etwas wan­kel­mü­tig. Will mit der Sache am liebs­ten auf­hö­ren und hat ein paar Sät­ze spä­ter dann auf ein­mal Sor­gen, dass kei­ne neu­en Vide­os mehr rein kom­men könn­ten. Gut gefiel mir der zuwei­len iro­ni­sche Unter­ton der Geschich­te. Das Ende ist höchst dra­ma­tisch, aber auch etwas offen.

Dir gefällt Erin Jade Lan­ges Erzähl­stil? Rich­tig gut ist ihr ers­ter Roman “But­ter” und auch “Hal­be Hel­den” habe ich sehr ger­ne gele­sen (wur­de für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis nomi­niert). Eine inhalt­li­che, sehr gute Alter­na­ti­ve zu LesealternativenFire­wall” ist “One of us is lying” von Karen McMa­nus, in dem ein Mord und eine App, die Geheim­nis­se ans Tages­licht bringt, für ordent­lich Wir­bel sor­gen. Rich­tig klas­se ist zudem das etwas älte­re “Match­box Boy” von Ali­ce Gaba­thuler (eher für Mäd­chen), in dem es um dunk­le Geheim­nis­se und die gefähr­li­che Macht des Inter­nets geht. Geheim­nis­se spie­len eben­so in “Secret Game” von Ste­pha­nie Has­se und “Die Regeln des Schwei­gens” von Tino Schrödl eine Rol­le. Auch “Cold Calls” von Charles Beno­it könn­te ich mir als Lese­al­ter­na­ti­ve vor­stel­len. Dich inter­es­siert mehr die Cyber­kri­mi­na­li­tät? Dann wäre viel­leicht “Dark World: Der gehei­me Code” von Tobi­as Rafa­el Jun­ge etwas für dich. In etwas Übles hin­ein gerät der Prot­ago­nis­tin in “Ere­bos” und “Ere­bos 2” von Ursu­la Pozn­an­ski. Die The­men Mob­bing, Rache und Sui­zid fin­dest du außer­dem in “Denk­zet­tel: Wenn dein Alb­traum wahr wird” von Daniël­le Bak­huis, in dem schön gezeigt wird, wie sich die Per­spek­ti­ven von Opfer zu Tätern wen­den kön­nen. Sel­bi­ges zeigt “Das wirst du bereu­en” von Aman­da Maciel.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-5045-5
Erscheinungsdatum: 21.Januar 2020
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 352
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Originaltitel: "The chaos of now"
Originalverlag: Bloomsbury

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira


Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Bloomsbury

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