Die italienische Autorin Erin Doom hat nach ihrem Erfolgstitel “The Tearsmith” etwas Neues geschrieben: “Falling Like Snow” ist erneut eine Enemies-to-lovers-Romance, die ein junges Mädchen in den Mittelpunkt stellt, das nach dem Tod ihres Vater ihr Leben in Abgeschiedenheit, Schnee und der weiten Wildnis Kanadas hinter sich lassen muss, um zu ihrem Patenonkel nach Kalifornien zu ziehen. Dort hat die introvertierte Außenseiterin nicht nur mit den ungewohnten, warmen Temperaturen zu kämpfen, sondern auch mit ihrem Stiefbruder, der ihr von Anfang an signalisiert, dass er sie nicht hier haben möchte. Warum ist Mason ihr gegenüber so abweisend? Allmählich kommt Ivy ihm näher und blickt hinter seine Fassade. Doch dann tauchen die Schatten der düsteren Vergangenheit ihres Vaters auf und alles gerät außer Kontrolle… Ein sprachlich herausragend erzähltes Buch, das mit viel Gefühl und Herz aufwartet. Romantisch, mitreißend, spannend. Hochemotional! Die “literarische” Antwort auf “Culpa Mia”. Perfekte Leselektüre für die dunkle, kalte Jahreszeit. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Ivy ist in der Nähe von Dawson City in Kanada aufgewachsen. In einer Blockhütte am Waldrand. Ihre Mutter starb, als sie noch ganz klein war. Und ihr Vater — ein Softwareingenieur — und sie waren schon immer ein eingeschworenes Team. Ivy liebt die
unberührte Natur, die Weite des Landes und den Schnee. Und an Schnee mangelt es Kanada wirklich nicht. Die meiste Zeit des Jahres schneit es und ist auch relativ kalt. “Wer wie ich an der Grenze zu Alaska lebte, für den war Sonnenbräune kein vertrauter Anblick. Trotzdem war ich von klein auf von den anderen Kindern gehänselt worden. Sie sagten, ich sähe aus wie das Gespenst einer Ertrunkenen, denn ich hatte weißblonde Haare, dazu noch fein wie Spinnenfäden, und Augen in der Farbe eines zugefrorenen Sees. Vielleicht hatte ich auch deswegen mehr Zeit im Wald als im Ort verbraucht. Dort, zwischen Moosen und Tannen, die den Himmel berührten, gab es niemanden, der über mich urteilen wollte.” (Zitat aus “Falling Like Snow” S.8ff) Von ihrem Vater hat Ivy das Jagen gelernt und sich in der Natur zurechtzufinden. Sie kann das Alter von Bäumen bestimmen, Tierspuren lesen und schießen. “Ich stammte aus einer Ecke der Welt, wo man uns zuerst das Überleben beibrachte und dann erst das Leben, nicht umgekehrt.” (Zitat S.14) Doch jetzt ist ihr Vater nach einer Krankheit verstorben und Ivy muss Kanada verlassen. Sie zieht zu John, der nicht nur der beste Freund ihres Vater ist, sondern auch ihr Patenonkel. Immer
wieder hat er sie in Kanada besucht. Doch in Kalifornien waren Ivy und ihr Vater nie. Daher kennt Ivy auch Johns Sohn nicht, den 17-jährigen Mason. Der alles andere als erfreut ist über ihre Ankunft und die Tatsache, dass sie nun bei ihnen leben wird. “Damit das klar ist”, hörte ich deutlich, “ich will dich hier nicht haben.” Er ging an mir vorbei, verschwand in der Dunkelheit und ließ mich allein in der Küchentür zurück.” (Zitat S.25) Immer wieder gerät Ivy mit ihm aneinander. Er verhält sich äußerst feindselig und abweisend ihr gegenüber und sie versteht nicht wirklich warum. “Wir waren unvereinbare Gegensätze: Mason Sonne, Feuer und Arroganz. Haifischaugen und das Herz eines Vulkans. Ich Eis, Stille und Roheisen. Und wie Roheisen konnte ich spröde sein, aber ich würde eher brechen als mich verbiegen. Wir würden niemald miteinander auskommen.” (Zitat S.108) Erst allmählich gelingt Ivy es hinter seine Fassade zu schauen, sie kommt ihm unerwartet näher und empfindet bald mehr für ihn. Aber dann überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und an ihrer Schule passiert etwas, das Ivy nie für möglich gehalten hätte…
Das Cover und der Farbschnitt der Erstauflage: bildhübsch und überaus passend zum winterlichen Setting der Geschichte. Denn obwohl sie zunächst nicht in Kanada spielt, sondern hauptsächlich im warmen Kalifornien, spielt Ivy Herzenslandschaft in ihrem Bewusstsein und in ihren Erinnerungen immer wieder eine große Rolle. “Abends war der Wald dort ein Labyrinth aus Licht und Eistränen: Der Schnee glitzerte wie eine Decke aus Diamanten, aber dann war da dieser eine Moment, kurz bevor die Dunkelheit hereinbrach, wenn der Himmel in dieses unglaubliche Blau getaucht wurde. Man kam sich vor wie auf einem anderen Stern: Die Seen reflektierten den Himmel wie ein Spiegel, und das Licht der Sterne ergoss sich über die Erde.” (Zitat S.51) Der Roman, der selbst in den Umschlagsklappen noch mit Zitaten beschrieben ist, startet mit einem Prolog und ersten Sätzen, die sofort das sprachliche Niveau der Geschichte verdeutlichen. “Man sagt, das Herz ist wie Schnee. Wagemutig und still und so beschaffen, dass es bei der ersten Wärme dahinschmilzt. […] Der Schnee passt sich an, er ist freundlich, respektiert Ecken und Kanten. Er deckt sanft zu, ohne zu verformen, aber das Herz ist anders, es fordert. Das Herz schreit, kreischt und bäumt sich auf.” (Zitat S.5) Der Prolog endet mit einem dramatische
n und ahnungsvollem Ausblick, auf das, was die Leser:innen noch erwarten wird im Hauptteil: “Vielleicht stimmt es doch, was man sagt. Vielleicht haben die Leute ja recht. Das Herz ist wie Schnee. Bei der ersten Dunkelheit gefriert es zu Eis.” (Zitat S.6) “Falling Like Snow” ist durchgehend aus Ivy Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben. Einem äußerst faszinierenden Charakter. Eine Außenseiterin, die eine besondere Verbindung zur Natur hat. “Ich war daran gewöhnt, Menschen zu meiden. Von klein auf war ich verschlossen gewesen, unzugänglich und spröde wie Eis, und so hatte ich mir nie Freunde gemacht. Ich verbrachte viel Zeit allein, draußen in der Natur, denn nur in der Stille konnte ich mich selbst spüren.” (Zitat S.151) Dadurch dass Masons Perspektive fehlt, wirkt die Figur nicht immer ganz greifbar und durchschaubar. Das Enemies-to-Lovers-Trope ist gleich gewählt wie auch in Erin Dooms Erfolgstitel “The Tearsmith”. Jedoch wirkt das Trope noch etwas intensiver in dem aktuellen Buch. Man braucht ein wenig Geduld am Anfang, während man immer nur Masons feindselige Seite zu Gesicht bekommt. Die Liebesgeschichte entwickelt sich daher sehr sehr slow (burn). “Ivy”, flüsterte er, aber ich hielt nicht inne. Die Welt geriet aus den Fugen. Ich ging, bevor er sehen konnte, wie ich zerbr
ach. Denn manchmal reicht es nicht aus zu lieben. Manchmal muss man auch den Mut haben, stark zu sein. Und diesen Mut… hatte ich nie gehabt.” (Zitat S.248) Der Roman ist intensiv und sehr gefühlvoll. Empfindungen und Stimmungen zu beschreiben, das gelingt Erin Doom einfach meisterlich. “Ich redete mir ein, weitermachen zu können, und unterdrückte dabei meinen Schmerz, der dann wie ein gefangenes Tier um sich biss. Ich hatte mein Herz verschlossen, aber Kummer ist nichts, was man zähmen kann. Er atmet mit dir. Er nährt sich von deinen Hoffnungen. Er trinkt deine Träume, deine Blicke und deine Ängste.” (Zitat S.145) Auch Ivys Trauer um ihrem Vater wird immer wieder thematisiert und ihre Haltung gegenüber anderen, ihr vorsichtiges Verhalten auch ihren Mitschüler:innen gegenüber. “Ich war in den Bergen zur Welt gekommen, war wie eine dieser Flechten, die Felsen entzweisprengen, um im Eis zu wachsen. Meine Haut war zu Elfenbein geworden. Und mein Inneres zu einem Panzer gegen die Welt.” (Zitat S.119) Ivy muss lernen sich zu öffnen, Vertrauen zu fassen und mutig und stark zu sein. Gegen Ende des Buches bricht die Vergangenheit ihres Vaters sich ihren Bann, die schon zu Beginn der Geschichte sporadisch angedeutet wird, wenn John beispielsweise Vorsichtsmaßnahmen ergreift, damit Ivy eher unter dem Radar bleibt: “Du würdest überrascht sein, wie schnell hier ein Gerücht die Runde macht. Und auch wenn dir das unwichtig erscheint, je weniger manüber dich redet, desto sicherer bist du meiner Meinung nach.” (Zitat S.48) Hier wird es noch mal höchst spannend. Der Roman klingt passend aus. In ihrer Danksagung erfährt man, dass — obwohl es erst als Zweites veröffentlicht wurde — “Falling Like Snow” tatsächlich das erste Buch von Erin Doom war.
Dir gefällt der Erzählstil von Erin Doom? Dan
n lies unbedingt noch das erste Buch von ihr, das im Deutschen veröffentlicht wurde: “The Tearsmith”, eine Geschichte, die ich absolut empfehlen kann und die mir tatsächlich noch etwas besser gefiel. Eine Enemies-to-lovers-Romance mit einem neuen Stiefbruder und zwei Protogonisten, die sich langsam näher kommen, das erlebst du auch in der “Culpa mia”-Reihe der argentischen Bestsellerautorin Mercedes Ron. Du magst das kanadische Setting in der Geschichte? Dies findest du außerdem in folgenden, empfehlenswerten Liebesgeschichten: “Schneetänzer” von Antje Babendererde, “Survive: Wenn der Schnee mein Herz berührt” von Alex Morel und “Das Glück an meinen Fingerspitzen” von Julie Leuze.
Bibliografische Angaben:Verlag: Fischer Sauerländer ISBN: 978-3-7335-0947-7 Erscheinungsdatum: 8.Oktober 2025 Einbandart: Broschur Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt Preis: 15,90€ Seitenzahl: 576 Übersetzer*in: Barbara Neeb, Katharina Schmidt, Christina Neiske Originaltitel: "Nel modo in cui cade la neve" Originalverlag: Magazzini Salani Italienisches Originalcover:
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Kasimiras Bewertung:
(4,5 von 5 möglichen Punkten)
------------------------------------------------------- Italienisches Cover: Homepage von Magazzini Salani

Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7335-0947-7
Erscheinungsdatum: 8.Oktober 2025
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 15,90€
Seitenzahl: 576
Übersetzer*in: Barbara Neeb, Katharina Schmidt, Christina Neiske
Originaltitel: "Nel modo in cui cade la neve"
Originalverlag: Magazzini Salani
Italienisches Originalcover:

