Erin Doom — Falling Like Snow

1.November 2025

Die ita­lie­ni­sche Autorin Erin Doom hat nach ihrem Erfolgs­ti­tel “The Tears­mith” etwas Neu­es geschrie­ben: “Fal­ling Like Snow” ist erneut eine Enemies-to-lovers-Romance, die ein jun­ges Mäd­chen in den Mit­tel­punkt stellt, das nach dem Tod ihres Vater ihr Leben in Abge­schie­den­heit, Schnee und der wei­ten Wild­nis Kana­das hin­ter sich las­sen muss, um zu ihrem Paten­on­kel nach Kali­for­ni­en zu zie­hen. Dort hat die intro­ver­tier­te Außen­sei­te­rin nicht nur mit den unge­wohn­ten, war­men Tem­pe­ra­tu­ren zu kämp­fen, son­dern auch mit ihrem Stief­bru­der, der ihr von Anfang an signa­li­siert, dass er sie nicht hier haben möch­te. War­um ist Mason ihr gegen­über so abwei­send? All­mäh­lich kommt Ivy ihm näher und blickt hin­ter sei­ne Fas­sa­de. Doch dann tau­chen die Schat­ten der düs­te­ren Ver­gan­gen­heit ihres Vaters auf und alles gerät außer Kon­trol­le… Ein sprach­lich her­aus­ra­gend erzähl­tes Buch, das mit viel Gefühl und Herz auf­war­tet. Roman­tisch, mit­rei­ßend, span­nend. Hoch­emo­tio­nal! Die “lite­ra­ri­sche” Ant­wort auf “Cul­pa Mia”. Per­fek­te Lese­lek­tü­re für die dunk­le, kal­te Jah­res­zeit. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Ivy ist in der Nähe von Daw­son City in Kana­da auf­ge­wach­sen. In einer Block­hüt­te am Wald­rand. Ihre Mut­ter starb, als sie noch ganz klein war. Und ihr Vater — ein Soft­ware­inge­nieur — und sie waren schon immer ein ein­ge­schwo­re­nes Team. Ivy liebt die unbe­rühr­te Natur, die Wei­te des Lan­des und den Schnee. Und an Schnee man­gelt es Kana­da wirk­lich nicht. Die meis­te Zeit des Jah­res schneit es und ist auch rela­tiv kalt. “Wer wie ich an der Gren­ze zu Alas­ka leb­te, für den war Son­nen­bräu­ne kein ver­trau­ter Anblick. Trotz­dem war ich von klein auf von den ande­ren Kin­dern gehän­selt wor­den. Sie sag­ten, ich sähe aus wie das Gespenst einer Ertrun­ke­nen, denn ich hat­te weiß­blon­de Haa­re, dazu noch fein wie Spin­nen­fä­den, und Augen in der Far­be eines zuge­fro­re­nen Sees. Viel­leicht hat­te ich auch des­we­gen mehr Zeit im Wald als im Ort ver­braucht. Dort, zwi­schen Moo­sen und Tan­nen, die den Him­mel berühr­ten, gab es nie­man­den, der über mich urtei­len woll­te.” (Zitat aus “Fal­ling Like Snow” S.8ff) Von ihrem Vater hat Ivy das Jagen gelernt und sich in der Natur zurecht­zu­fin­den. Sie kann das Alter von Bäu­men bestim­men, Tier­spu­ren lesen und schie­ßen. “Ich stamm­te aus einer Ecke der Welt, wo man uns zuerst das Über­le­ben bei­brach­te und dann erst das Leben, nicht umge­kehrt.” (Zitat S.14) Doch jetzt ist ihr Vater nach einer Krank­heit ver­stor­ben und Ivy muss Kana­da ver­las­sen. Sie zieht zu John, der nicht nur der bes­te Freund ihres Vater ist, son­dern auch ihr Paten­on­kel. Immer wie­der hat er sie in Kana­da besucht. Doch in Kali­for­ni­en waren Ivy und ihr Vater nie. Daher kennt Ivy auch Johns Sohn nicht, den 17-jäh­ri­gen Mason. Der alles ande­re als erfreut ist über ihre Ankunft und die Tat­sa­che, dass sie nun bei ihnen leben wird. “Damit das klar ist”, hör­te ich deut­lich, “ich will dich hier nicht haben.” Er ging an mir vor­bei, ver­schwand in der Dun­kel­heit und ließ mich allein in der Küchen­tür zurück.” (Zitat S.25) Immer wie­der gerät Ivy mit ihm anein­an­der. Er ver­hält sich äußerst feind­se­lig und abwei­send ihr gegen­über und sie ver­steht nicht wirk­lich war­um. “Wir waren unver­ein­ba­re Gegen­sät­ze: Mason Son­ne, Feu­er und Arro­ganz. Hai­fisch­au­gen und das Herz eines Vul­kans. Ich Eis, Stil­le und Roh­ei­sen. Und wie Roh­ei­sen konn­te ich sprö­de sein, aber ich wür­de eher bre­chen als mich ver­bie­gen. Wir wür­den nie­mald mit­ein­an­der aus­kom­men.” (Zitat S.108) Erst all­mäh­lich gelingt Ivy es hin­ter sei­ne Fas­sa­de zu schau­en, sie kommt ihm uner­war­tet näher und emp­fin­det bald mehr für ihn. Aber dann über­schla­gen sich plötz­lich die Ereig­nis­se und an ihrer Schu­le pas­siert etwas, das Ivy nie für mög­lich gehal­ten hätte…

Das Cover und der Farb­schnitt der Erst­auf­la­ge: bild­hübsch und über­aus pas­send zum win­ter­li­chen Set­ting der Geschich­te. Denn obwohl sie zunächst nicht in Kana­da spielt, son­dern haupt­säch­lich im war­men Kali­for­ni­en, spielt Ivy Her­zens­land­schaft in ihrem Bewusst­sein und in ihren Erin­ne­run­gen immer wie­der eine gro­ße Rol­le. “Abends war der Wald dort ein Laby­rinth aus Licht und Eis­trä­nen: Der Schnee glit­zer­te wie eine Decke aus Dia­man­ten, aber dann war da die­ser eine Moment, kurz bevor die Dun­kel­heit her­ein­brach, wenn der Him­mel in die­ses unglaub­li­che Blau getaucht wur­de. Man kam sich vor wie auf einem ande­ren Stern: Die Seen reflek­tier­ten den Him­mel wie ein Spie­gel, und das Licht der Ster­ne ergoss sich über die Erde.” (Zitat S.51) Der Roman, der selbst in den Umschlags­klap­pen noch mit Zita­ten beschrie­ben ist, star­tet mit einem Pro­log und ers­ten Sät­zen, die sofort das sprach­li­che Niveau der Geschich­te ver­deut­li­chen. “Man sagt, das Herz ist wie Schnee. Wage­mu­tig und still und so beschaf­fen, dass es bei der ers­ten Wär­me dahin­schmilzt. […] Der Schnee passt sich an, er ist freund­lich, respek­tiert Ecken und Kan­ten. Er deckt sanft zu, ohne zu ver­for­men, aber das Herz ist anders, es for­dert. Das Herz schreit, kreischt und bäumt sich auf.” (Zitat S.5) Der Pro­log endet mit einem dra­ma­ti­schen und ahnungs­vol­lem Aus­blick, auf das, was die Leser:innen noch erwar­ten wird im Haupt­teil: “Viel­leicht stimmt es doch, was man sagt. Viel­leicht haben die Leu­te ja recht. Das Herz ist wie Schnee. Bei der ers­ten Dun­kel­heit gefriert es zu Eis.” (Zitat S.6) “Fal­ling Like Snow” ist durch­ge­hend aus Ivy Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Einem äußerst fas­zi­nie­ren­den Cha­rak­ter. Eine Außen­sei­te­rin, die eine beson­de­re Ver­bin­dung zur Natur hat. “Ich war dar­an gewöhnt, Men­schen zu mei­den. Von klein auf war ich ver­schlos­sen gewe­sen, unzu­gäng­lich und sprö­de wie Eis, und so hat­te ich mir nie Freun­de gemacht. Ich ver­brach­te viel Zeit allein, drau­ßen in der Natur, denn nur in der Stil­le konn­te ich mich selbst spü­ren.” (Zitat S.151) Dadurch dass Masons Per­spek­ti­ve fehlt, wirkt die Figur nicht immer ganz greif­bar und durch­schau­bar. Das Enemies-to-Lovers-Tro­pe ist gleich gewählt wie auch in Erin Dooms Erfolgs­ti­tel “The Tears­mith”. Jedoch wirkt das Tro­pe noch etwas inten­si­ver in dem aktu­el­len Buch. Man braucht ein wenig Geduld am Anfang, wäh­rend man immer nur Masons feind­se­li­ge Sei­te zu Gesicht bekommt. Die Lie­bes­ge­schich­te ent­wi­ckelt sich daher sehr sehr slow (burn). “Ivy”, flüs­ter­te er, aber ich hielt nicht inne. Die Welt geriet aus den Fugen. Ich ging, bevor er sehen konn­te, wie ich zerbrach. Denn manch­mal reicht es nicht aus zu lie­ben. Manch­mal muss man auch den Mut haben, stark zu sein. Und die­sen Mut… hat­te ich nie gehabt.” (Zitat S.248) Der Roman ist inten­siv und sehr gefühl­voll. Emp­fin­dun­gen und Stim­mun­gen zu beschrei­ben, das gelingt Erin Doom ein­fach meis­ter­lich. “Ich rede­te mir ein, wei­ter­ma­chen zu kön­nen, und unter­drück­te dabei mei­nen Schmerz, der dann wie ein gefan­ge­nes Tier um sich biss. Ich hat­te mein Herz ver­schlos­sen, aber Kum­mer ist nichts, was man zäh­men kann. Er atmet mit dir. Er nährt sich von dei­nen Hoff­nun­gen. Er trinkt dei­ne Träu­me, dei­ne Bli­cke und dei­ne Ängs­te.” (Zitat S.145) Auch Ivys Trau­er um ihrem Vater wird immer wie­der the­ma­ti­siert und ihre Hal­tung gegen­über ande­ren, ihr vor­sich­ti­ges Ver­hal­ten auch ihren Mitschüler:innen gegen­über. “Ich war in den Ber­gen zur Welt gekom­men, war wie eine die­ser Flech­ten, die Fel­sen ent­zwei­spren­gen, um im Eis zu wach­sen. Mei­ne Haut war zu Elfen­bein gewor­den. Und mein Inne­res zu einem Pan­zer gegen die Welt.” (Zitat S.119) Ivy muss ler­nen sich zu öff­nen, Ver­trau­en zu fas­sen und mutig und stark zu sein. Gegen Ende des Buches bricht die Ver­gan­gen­heit ihres Vaters sich ihren Bann, die schon zu Beginn der Geschich­te spo­ra­disch ange­deu­tet wird, wenn John bei­spiels­wei­se Vor­sichts­maß­nah­men ergreift, damit Ivy eher unter dem Radar bleibt: “Du wür­dest über­rascht sein, wie schnell hier ein Gerücht die Run­de macht. Und auch wenn dir das unwich­tig erscheint, je weni­ger man­über dich redet, des­to siche­rer bist du mei­ner Mei­nung nach.” (Zitat S.48) Hier wird es noch mal höchst span­nend. Der Roman klingt pas­send aus. In ihrer Dank­sa­gung erfährt man, dass — obwohl es erst als Zwei­tes ver­öf­fent­licht wur­de — “Fal­ling Like Snow” tat­säch­lich das ers­te Buch von Erin Doom war.

Dir gefällt der Erzähl­stil von Erin Doom? DanLesealternativenn lies unbe­dingt noch das ers­te Buch von ihr, das im Deut­schen ver­öf­fent­licht wur­de: “The Tears­mith”, eine Geschich­te, die ich abso­lut emp­feh­len kann und die mir tat­säch­lich noch etwas bes­ser gefiel. Eine Enemies-to-lovers-Romance mit einem neu­en Stief­bru­der und zwei Pro­to­go­nis­ten, die sich lang­sam näher kom­men, das erlebst du auch in der “Cul­pa mia”-Rei­he der argen­ti­schen Best­sel­ler­au­torin Mer­ce­des Ron. Du magst das kana­di­sche Set­ting in der Geschich­te? Dies fin­dest du außer­dem in fol­gen­den, emp­feh­lens­wer­ten Lie­bes­ge­schich­ten: “Schnee­tän­zer” von Ant­je Baben­der­erde, “Sur­vi­ve: Wenn der Schnee mein Herz berührt” von Alex Morel und “Das Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” von Julie Leu­ze.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7335-0947-7
Erscheinungsdatum: 8.Oktober 2025
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 15,90€
Seitenzahl: 576
Übersetzer*in: Barbara Neeb, Katharina Schmidt, Christina Neiske
Originaltitel: "Nel modo in cui cade la neve"
Originalverlag: Magazzini Salani

Italienisches Originalcover: 








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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Italienisches Cover: Homepage von Magazzini Salani

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