Eric Berg — Kalt

Eric Berg Kalt29.Februar 2016

Kalt” ist der neue Kri­mi für Jugend­li­che von dem deut­schen Best­sel­ler-Autor Eric Berg, der — neben his­to­ri­schen Roma­nen unter sei­nem ech­ten Namen Eric Walz — auch Kri­mis für Erwach­se­ne schreibt). Sein zwei­tes Buch für die jün­ge­re Genera­ti­on (nach “Schrei”) ent­führt sei­ne Leser in eine abge­le­ge­ne Moor­land­schaft nach Finn­land. Eine Klas­sen­fahrt des Bio­lo­gie­leis­tungs­kur­ses. Bis die ers­ten Per­so­nen ver­schwin­den und eine Lei­che auf­taucht… Kurz­wei­li­ge, gute Unter­hal­tung (192 S.), inter­es­sant skiz­zier­te Span­nungs­bö­gen und ein beson­de­rer Erzähl­stil. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die Schü­ler haben abge­stimmt. Ans Meer oder ins Moor? Und auch wenn Fran­zi sich nicht ganz sicher ist, war­um die Mehr­heit von ihnen sich tat­säch­lich für Letz­te­res ent­schie­den hat, es geht mit dem klei­nen Leis­tungs­kurs Bio­lo­gie nun nach Finn­land, in den Pat­vin­suo Natio­nal­park. Dort wol­len sie dabei hel­fen das Moor wie­der­auf­zu­bau­en. Vier Jungs, vier Mäd­chen, zwei Leh­rer und der jun­ge, gut aus­se­hen­de Nooa, der sie vor Ort betreut und ihnen viel über das Moor erklärt. Auch über des­sen Gefah­ren. So dür­fen sie die gesetz­ten Mar­kie­run­gen auf kei­nen Fall ver­las­sen, um nicht plötz­lich Eric Berg Kaltim Moor zu ver­sin­ken. Zur Demons­tra­ti­on wirft er ein schwe­res Stück Holz hin­ein. Nach zwei, drei Minu­ten war es bereits ver­sun­ken. “Wenn man Glück hat, lebt man noch eine gan­ze Stun­de. Ist von Moor­loch von Moor­loch ver­schie­den. Ohne dass dir jemand zu Hil­fe kommt, hast du kei­ne Chan­ce […]. Du steckst fest, als wäre es Zement, und dann ersäufst du lang­sam, Zen­ti­me­ter für Zen­ti­me­ter.” (Zitat aus “Kalt”, S.29) Zunächst erscheint alles noch ganz unter­halt­sam zu sein, sie spie­len ein­an­der Strei­che, baden in einem See, sit­zen gemein­sam abends am Lager­feu­er. Doch dann ist Dr. Brecht, der eine Leh­rer, auf ein­mal ver­schwun­den und Frau Green­wood, die zwei­te Leh­re­rin, die mit dem Auto aus der Ein­öde los­fährt, um der Schu­le Bescheid zu sagen und Hil­fe zu holen, muss auf der Hälf­te des Weges mit Schre­cken fest­stel­len, dass im Tank ein Leck ist und sie mit dem weni­gen Ben­zin nicht mehr zu nächst gele­ge­nen Stadt kommt. Selt­sa­mer­wei­se ist auch das zwei­te Fahr­zeug ver­schwun­den. Ist Dr. Brecht damit weg­ge­fah­ren, weil einer der Schü­ler auch ihm einen bösen Streich gespielt hat? Aber nur des­we­gen gleich abhau­en? Und war­um hat er dann nie­man­dem Bescheid gesagt? Und irgend­je­mand muss die Mar­kie­rungs­stö­cke ver­setzt haben, Nooa ver­sinkt fast im Moor und kann von Fran­zi gera­de noch geret­tet wer­den. Irgend­et­was geht hier nicht mit rech­ten Din­gen zu, das wird den bei­den rasch klar. Dann taucht auch noch eine Lei­che auf…

Eric Berg KaltKalt” war­tet mit einer beson­de­ren Umge­bung auf: Einer fern von jeg­li­cher mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on lie­gen­den Moor­land­schaft. Schon allein die­ses düs­te­re Set­ting ver­leiht der Geschich­te eine ganz eige­ne Stim­mung. Im Hin­ter­grund die­ser Kulis­se wirkt der Thril­ler bald wie ein Kam­mer­spiel — ein Ort, von dem es kein Ent­kom­men gibt. Das Buch ist in Kapi­tel ein­ge­teilt, die jeweils mit einem ande­ren Per­so­nen­na­men begin­nen. Aus deren Per­spek­ti­ve wird dann berich­tet, wobei im Anschluss meist Fran­zis Sicht folgt (oder sel­ten: mal die eines Leh­rers). Sie ist die Haupt­er­zäh­le­rin in “Kalt”. Durch die unter­schied­li­chen Erzähl­strän­ge, die wie Zeu­gen­aus­sa­gen wir­ken, erge­ben sich sehr viel­schich­ti­ge Lese­ein­drü­cke und ein viel kom­ple­xe­res Bild auf die Zusam­men­hän­ge des Buchs. Eric Berg zieht die Span­nungs­fä­den dabei auf geschick­te Art und Wei­se. Er baut Andeu­tun­gen der ver­schie­dens­ter Per­so­nen in die Geschich­te ein, teil­wei­se sogar von außen­ste­hen­den Per­so­nen, die auf der Klas­sen­fahrt selbst gar nicht dabei sind, wie zum Bei­spiel der Bru­der eines Schü­lers: “Seit die­ser Scheiß in Finn­land pas­siert ist, fragt mich jeder: “Hey, sag mal, stimmt das, was ich auf Face­book gele­sen hab? Kam sogar in den News. Dein Bru­der? Oh Mann, erzähl.” Das geht mir so was von auf den Sack. Älte­re Brü­der sind doch meis­tens zum Kot­zen.”  (Zitat S.52) Die Spra­che ist (per­so­nen­ab­hän­gig) teil­wei­se sehr umgangs­sprach­lich und nah an der der Jugend­li­chen. Das muss man mögen oder aber nicht. Auf jeden Fall wirkt es dadurch sehr authen­tisch. Die gro­ße Fra­ge, die über dem Thril­ler liegt, ist jedoch die nach dem Täter. Wer ist es? Es wer­den jede Men­ge Moti­ve ange­deu­tet (fast zu vie­le, so dass man­che Per­so­nen schon etwas über­kon­stru­iert wir­ken, wenn­gleich die Geschich­ten inter­es­sant sind). Scha­de fand ich es jedoch, dass bei der Auf­lö­sung zu wenig auf die Beweg­grün­de des Täters ein­ge­gan­gen wird. Das hat mir per­sön­lich dann doch irgend­wie gefehlt. Aber am bes­ten: selbst lesen und sich eine eige­ne Mei­nung bil­den!

Ein RomanLesealternativen, der zu Tei­len aus Zeu­gen­aus­sa­gen besteht, ist “Das dunk­le Lied des Todes” von Bjar­ne Reu­ter, wel­ches eben­so eine Klas­sen­fahrt the­ma­ti­siert. Sel­bi­ges fin­det sich auch in “Wach auf, wenn du dich traust” von Ange­la Mohr (höchst span­nend!), einer sehr guten Alter­na­ti­ve zu “Kalt”. Fern­ab der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on und eben­falls bald in unheil­vol­ler Gefahr befin­den sich die Haupt­per­so­nen in “Sae­cu­lum” von Ursu­la Pozn­an­ski und “Blind Walk” von Patri­cia Schrö­der. Eine rich­tig gute Alter­na­ti­ve ist auch “Abgrün­dig” von Arno Stro­bel, in wel­chem Jugend­li­che einen Aus­flug in die Ber­ge machen und von einem Unwet­ter über­rascht wer­den. Bis unter ihnen einer ver­schwin­det und blu­ti­ge Spu­ren im Schnee auf­tau­chen. Oder lies noch das ers­te Jugend­buch von Eric Berg “Schrei”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: bloomoon
ISBN: 978-3-8458-1231-1
Erscheinungsdatum: 12.Februar 2016
Einbandart: Broschur
Preis: 12,99€
Seitenzahl: 192
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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