“Dieses Leben gehört: Alan Cole” ist der Debütroman des amerikanischen Autoren Eric Bell und erzählt die Geschichte eines Jungen, der — um nicht von seinem fiesen Bruder geoutet zu werden — sieben oberfiese Aufgaben bestehen muss. Ein Roman über den Mut zu sich selbst zu stehen, die Überraschung manchmal mehr zu können als man denkt und das Glück gute Freunde zu haben. Ein schräges Buch, das sich als unerwartet ergreifend und tiefsinnig herausstellt. Ideal für Wenigleser. Ab 11 Jahren und für interessierte Erwachsene.
Pennsylvania. Der 12-jährige Alan Cole hält sich selbst für einen Feigling. Denn gegen seinen älteren Bruder Nathan hat er einfach keine Chance. Jeden Moment nutzt der Erstgeborene um ihn zu schikanieren und fertig zu machen. Hüpfknete schlucken, die Cola kopfüber trinken oder seine komplette Unterwäsche mit Hüttenkäse vollgeschmiert vorfinden — so etwas passiert Alan immer wieder. Jetzt hat Nathan auch noch herausgefunden, dass Alan verliebt ist. Allerdings in einen Jungen! Und weil Nathan so gerne seine Spiele mit ihm spielt, erpresst er Alan sieben Aufgaben der “CgC”-Liste (Cole gegen Cole) zu erfüllen. Aufgaben, die sich Nathan für ihn ausgedacht hat: “1.Zum bekanntesten Schüler unserer Schule werden 2. Die Schwimmprüfung bestehen 3. Jemanden zum Weinen bringen 4. Ein Blatt Papier zurückholen, das Nathan versteckt hat 5. Deinen ersten
Kuss ergattern 6. Deinen wertvollsten Besitz aufgeben 7. Sich offen gehen Dad stellen” (Zitat aus “Dieses Leben gehört: Alan Cole” S.38) Wenn Alan es schafft in einer guten Woche sämtliche Punkte zu absolvieren, dann wird Nathan ihn nicht vor der ganzen Schule (und seiner unwissenden Familie) outen. Da Nathan die Herausforderung liebt, darf Alan sich für ihn ebenfalls sieben Punkte ausdenken, die Nathan erledigen muss. Wenn dieser verliert, darf Alan ihn um einen Gefallen seiner Wahl bitten. Da sein großer Bruder oft trickst und Aufgaben anders auslegt, damit sie einfacher sind, wählt Alan die gleichen Aufgaben auch für seinen Bruder. “Na gut”, sagt er. “Ich arbeite dieselbe Liste ab. […] Wir treten auf Augenhöhe gegeneinander an. Keine Tricks. Alles was du kannst, kann ich besser.” (Zitat S.40) Und er verspricht Alan sogar, dass dies das letzte fiese Spiel ist, das er gegen seinen Bruder spielen muss. Nun werden sie ein für alle Mal herausfinden, wer der bessere Cole-Bruder ist. Jetzt muss Alan nur noch gewinnen. Doch wenn man eigentlich ein Feigling ist, ist das gar nicht so einfach…
Ich muss gestehen, dass mir die Geschichte am Anfang nicht so ganz gefiel. Der Erzählstil wirkte etwas flapsig, die Charaktere sehr schräg und inhaltlich klang manches etwas komisch (dass Alan laut seinem Vater an allem Schuld sein sollte, weil er als Kind einmal wegen nachts
offen gelassenem Fenster krank wurde??) Doch je mehr ich dann las, desto mehr kam ich hinein in das Buch, das schon allein durch sein ungewöhnliches Cover und den Titel samt Untertitel auffällt. “Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)” entpuppt sich als Coming-of-Age-Geschichte, die überraschend viel Tiefgang bietet. Denn während man am Anfang nur über die Gemeinheiten des Bruders und die Hartherzigkeit des Vaters staunt und mit dem Protagonisten — der in Ich-Perspektive erzählt — mitleidet, so schaut man irgendwann hinter die Fassade. Ein Vater, der seine Kinder nur zu Leistung und Tugendhaftigkeit erzieht? Der seine Kinder herunterputzt, weil sie ständig versagen und in seinen Augen nicht genügen? Nathan, der nach jedem Tiefschlag seines Vaters sich meist an seinem jüngeren Brüder abreagiert? Die Mutter, die gebrochen wurde und sich dem Ehemann unterordnet? All das hängt zusammen und offenbart ein tragisches Stück Familiengeschichte, das förmlich danach schreit aufgearbeitet zu werden. Aber auch Freundschaft ist ein großes Wort in dem Roman. Denn Alan hat keine Freunde mehr, seit sein Bruder diese tyrannisiert hat. Neue lohnen sich nicht groß, sonst würde er mit diesen nur dasselbe machen, bis sie sich letztendlich
von ihm abwenden. Deswegen sind Zack und Madison, mit denen Alan in der Schule anhängt, nur Klassenkameraden, mit denen er ab und zu Zeit verbringt, keine Freunde. Das ändert sich jedoch unweigerlich, als Alan sich an die Erfüllung der sieben Aufgaben macht und merkt, dass er sich auf Zack und Madison eben doch verlassen kann. Dass sie für ihn da sind, wenn er ihre Hilfe braucht. Wie Alan schließlich über sich hinauswächst und Dinge wagt, die er nie für möglich gehalten hätte und lernt für sich selbst und auch für andere einzustehen, das liest sich unheimlich bewegend und sorgt für dieses gewisse “Gute-Laune-Gefühl” am Ende, weil ein Feigling zum Held wird und dabei sein Herz niemals verliert.
Fazit: Eine tolle Geschichte, die Spaß zu lesen macht und positive Botschaften bereithält!
Zwei besonders gute Lesealternativen für Jungs sind “Ben Fletchers total geniale Maschen” von T.S. Easton und “Die Ballade von der gebrochenen Nase” von Arne Svingen. Hinsichtlich des “Gute-Laune-Gefühls” kannst du auch zu “Wunder” von Raquel J. Palacio grei
fen. Oder lies “Meine Abenteuer als Schul-Ninja: Nichts für Feiglinge” von Marcus Emerson, in dem Mut und Selbstvertrauen eine wichtige Rolle spielen. Zu sich selbst zu stehen und so zu sein wie man ist, das lernen ebenso die Hauptpersonen in “George” von Alex Gino (herausragend!), in “Wunderworte” von Abby Cooper, in der Neuerscheinung “Dumplin’: Go big or go home” von Julie Murphy, in “Wohin meine Flossen mich tragen” von Kate Gordon (Mut haben auch mal gegen den Strom zu schwimmen) und in “Die Königinnen der Würstchen” von Clémentine Beauvais (humorvoll & herzerwärmend). Das Thema Homosexualität und den Mut zum Outing behandeln “Mut ist der Anfang vom Glück” von Heike Karen Gürtler (einfühlsam und sehr gelungen), “Two boys kissing” von David Levithan und der bezaubernde Roman “Nur drei Worte/ Love, Simon” von Becky Albertalli (Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017, von den Jugendlichen selbst gewählt). Im Englischen wird es übrigens im Herbst eine Fortsetzung zu “Dieses Leben gehört: Alan Cole” geben: “Alan Cole doesn’t dance”.
Bibliografische Angaben:Verlag: Fischer Sauerländer ISBN: 978-3-7373-5488-2 Erscheinungsdatum: 25.April 2018 Einbandart: Hardcover Preis: 14,00€ Seitenzahl: 304 Übersetzer: André Mumot Originaltitel: "Alan Cole is not a coward" Originalverlag: HarperCollins Amerikanisches Originalcover:
![]()
Kasimiras Bewertung:
(4,5 von 5 möglichen Punkten)
--------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Eric Bell

Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5488-2
Erscheinungsdatum: 25.April 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,00€
Seitenzahl: 304
Übersetzer: André Mumot
Originaltitel: "Alan Cole is not a coward"
Originalverlag: HarperCollins
Amerikanisches Originalcover:
1 Kommentar zu „Eric Bell — Dieses Leben gehört: Alan Cole“