“Der Sommer, als du wiederkamst” ist das Debüt der amerikanischen Autorin Emily Martin. Eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die Liebe und die Sehnsucht nach einer zweiten Chance. Ein gefühlvoller und sehr intensiver Roman, der durch seine Charaktere und deren Authentizität besticht. Eine absolut lesenswerte, emotionale Geschichte mit Tiefgang. Emily Martin ist sozusagen die neue Colleen Hoover! Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
North Carolina. Die 17-jährige Harper hat einen Fehler gemacht. Und ist bei etwas erwischt worden, dass sie aus der Schwimmmannschaft hat fliegen lassen. Jetzt muss sie als Strafmaßnahme ihrer Eltern während der Ferien an einem Fotografie-Sommerkurs teilnehmen, auf den sie eigentlich gar keine Lust hat. Überhaupt läuft gerade in ihrem Leben einiges nicht so toll: ihre Mutter ist an Krebs erkrankt und das junge Mädchen hält es zu Hause manchmal gar nicht mehr aus. Mit ihrer Freundin Sadie flüchtet Harper sich oft in Partys, Alkohol und unbedeutende Flirts mit irgendwelchen Jungs. Das vor allem aber auch um zu vergessen. Was mit ihr und Declan war. Dem Jungen, mit dem
sie soviel verbindet: “Zuerst zehn Jahre Freundschaft. Und zwar die Art von Freundschaft, bei der man einander in- und auswendig kennt. An welchen Stellen sich Narben befinden und wie sie dorthin gekommen sind. […] Dann sechs Monate das volle Programm. Ein Frühling voller Herzklopfen jedes Mal, wenn er mich seine Freundin nannte, dann der Sommer, in dem ich lernte, was es wirklich bedeutete, zu jemandem zu gehören.” (Zitat S.77ff) Denn Harper hat sich von Declan, der von seinem Vater auf ein Internat geschickt wurde, getrennt. Doch nun nach neun Monaten ist Declan wieder in ihrem Heimatort aufgetaucht, bleibt dort, bis die Ferien vorüber sind. Und er ist auch in dem Fotografie-Kurs, in dem Harper Freundschaft zu zwei Mädchen geschlossen hat. Mackenzie und Gwen. Die beide nicht wissen, was sie getan hat, warum sie aus der Schwimmmannschaft geflogen ist. Auf keinen Fall will Harper, dass diese zwei Welten aufeinandertreffen: Mackenzie, Gwen, Declan, für den sie immer noch Gefühle hat und ihre unbedeutenden Sommerflirts. Aber die Vergangenheit holt sie rasch ein…
“Der Sommer, als du wiederkamst” wird durchgehend aus Harpers Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Declan konnte ich am Anfang nicht wirklich durchschauen. Mal nähert er sich Harper an (“Die Welt um uns herum explodiert weiter. Doch alles, was ich höre, sind die tröstlichen Worte, die er in mein Haar flüstert.” (Zitat S.74)), dann wiederum verhält er sich abweisend und uninteressiert. Doch gerade dieses Geheimnisvolle, Undurchschaubare an ihm macht gewissermaßen auch einen Reiz des Buches aus. Umso besser kann man Harpers Verhalten nachvollziehen, ihre Verletztheit abgewiesen zu werden, ihre Sehnsucht nach dem Vergangenem und gleichzeitig ihr schmerzhaftes Wissen, dass es niemals wieder mehr so sein kann wie zuvor. Auch die Krebserkrankung ihrer Mutter nimmt das junge Mädchen sehr mit. Schön beim Lesen ist, dass auch ihre Geschichte nicht völlig offen auf dem Tisch ausgebreitet wird, sondern sich erst nach und nach enthüllt. Wie eine zarte Blüte, deren Blätter man erst eins nach dem anderen entfernen muss, um zu ihrem Innersten, ihrer Knospe vorzustoßen. Warum hat sie sich von Declan getrennt? Welche Fehler hat Harper gemacht? Warum versteckt sie all ihre Gefühle? (“Im Baggersee, wo ic
h unter Wasser schreien kann, ohne dass mich jemand hört.” (Zitat S.11)) Die Antworten auf diese Fragen erhält der Leser in kleinen Erinnerungsabschnitten, die immer wieder in den Roman eingeflochten werden. Die Sprache ist sehr angenehm, der Schreibstil sehr flüssig und es gab eigentlich keinen Moment in “Der Sommer, als du wiederkamst”, in dem ich mich irgendwie gelangweilt hätte. Man fiebert mit, man seufzt, man schmachtet, man leidet, man freut sich… die ganze Bandbreite an Emotionen ist förmlich abgedeckt. Das Ende musste ich zwei Mal lesen, so ein hochemotionales Finale erlebt man selten!
Fazit: Ein wunderschöner (Sommer-)Schmöker, den man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte!
Zwei Romane, in denen die Hauptfiguren ebenfalls oberflächliche Flirts suchen, um sich von ihren Problemen abzulenken, findest du in “Liebe ist wie Drachensteigen” von Ashley Herring Blake un
d in “Von wegen Liebe” und “Lemon Summer” von Kody Keplinger. Ein ähnlich ergreifendes, höchst emotionales Buch ist auch “Almost” von Anne Eliot. Oder lies “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Donna Freitas, das sich mit dem Thema Krebs, Tod und einer entstehenden Beziehung zwischen zwei Jugendlichen beschäftigt, die ähnliches erlebt haben. Als gute Lesealternative für gefühlvolle Liebesromane mit Tiefgang kann ich mir auch sehr gut die Autorinnen Sarah Dessen und (wie bereits erwähnt) Colleen Hoover vorstellen. Schmerzhafte Gefühle schildern und mit einer bemerkenswert schönen Liebesgeschichte verbinden, das kann zudem Juliana Stone in ihrem Roman “Wenn du mich küsst” — welches ich ebenfalls kaum aus der Hand legen konnte!
Bibliografische Angaben:Verlag: dtv ISBN: 978-3-423-74028-9 Erscheinungsdatum: 7.Juli 2017 Einbandart: Broschur Preis: 14,95€ Seitenzahl: 320 Übersetzer: Michaela Kolodziejcok Originaltitel: "The year we fell apart" Originalverlag: Simon Pulse Amerikanisches Originalcover:
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Kasimiras Bewertung:
(5 von 5 möglichen Punkten)
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Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74028-9
Erscheinungsdatum: 7.Juli 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 14,95€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Michaela Kolodziejcok
Originaltitel: "The year we fell apart"
Originalverlag: Simon Pulse
Amerikanisches Originalcover: