Elisabeth Herrmann — Zartbittertod

Elisabeth Herrmann - Zartbittertod8.Mai 2018

Die deut­sche Best­sel­ler­au­to­rin Eli­sa­beth Herr­mann legt einen neu­en All-Age-Thril­ler vor und ent­führt sei­ne Leser in ein dunk­les Stück deut­scher Geschich­te: die Kolo­ni­al­zeit in Deutsch-Süd­west­afri­ka. Ver­bun­den mit der Fami­li­en­tra­di­ti­on einer Scho­ko­la­den­ma­nu­fak­tur stellt sie ein jun­ges Mäd­chen in den Mit­tel­punkt, das sich auf die Spu­ren der Ver­gan­gen­heit ihres Urgroß­va­ters begibt und Schreck­li­ches her­aus­fin­det. Inter­es­san­te The­men, span­nen­de Umset­zung — ein äußerst unter­halt­sa­mes Lese­ver­gnü­gen! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Mei­ßen. Eine Stadt in Sach­sen. Hier lebt die 19-jäh­ri­ge Mia mit ihren zwei Brü­dern und ihren Eltern, die eine klei­ne Cho­co­la­te­rie betrei­ben. Fami­li­en­tra­di­ti­on seit der Urgroß­va­ter Jakob Arn­holt sie gegrün­det hat. Über ihn weiß man lei­der nur wenig. Aber es hängt ein Foto von ihm und dem Mann, der ihn aus­ge­bil­det hat, in dem Laden­ge­schäft von Mias Fami­lie. “Das links ist Gott­lob Her­der und rechts dein Urgroß­va­ter Jakob Arn­holt.” “Ich weiß.” Mia kann­te die Namen. Sie wuss­te sogar, wo das Foto auf­ge­nom­men wor­den war: in Lüne­burg, kurz vor dem ers­ten Welt­krieg. Dort hat­te Jakob eine Leh­re als Zucker­bä­cker gemacht, und zwar bei Her­der, dem Grün­der einer der größ­ten deut­schen Scho­ko­la­den­fa­bri­ken.” (Zitat S.11ff) Jakob war schwarz. Er kam mit Gott­lieb Her­der von Deutsch-Süd­west­afri­ka nach Deutsch­land. War­um, das weiß nie­mand. Nur dass er Elisabeth Herrmann - Zartbittertodeine Leh­re bei ihm gemacht hat. Was ver­band die­se bei­den Men­schen? Jakob war damals noch ein Kind. Gott­lob Her­der war als Sol­dat in Deutsch-Süd­west­afri­ka sta­tio­niert. Mia, die für ihre Auf­nah­me­prü­fung an einer Jour­na­lis­ten­schu­le die Geschich­te eines Fami­li­en­fo­tos recher­chie­ren soll, beschließt eben jenes Foto zu neh­men und mehr über die Ver­gan­gen­heit ihres Groß­va­ters her­aus­zu­fin­den. “Sie spür­te wie das Jagd­fie­ber in ihr erwach­te. […] Ver­sun­ke­ne Schät­ze heben. Men­schen aus dem Ver­ges­sen holen. Jakob Arn­holt, ihr Urgroß­va­ter, im Jah­re 1913 Zucker­bä­cker­lehr­ling bei den Her­ders in Lüne­burg, dann in Mei­ßen gelan­det, wo er gehei­ra­tet und eine, ihre Fami­lie gegrün­det hat­te. Und dann war er mit gera­de mal Mit­te, Ende zwan­zig ver­stor­ben! Aber bevor er von allen ver­ges­sen wur­de, konn­te sie dar­an erin­nern, dass er etwas Groß­ar­ti­ges erschaf­fen hat­te.” (Zitat S.21) Denn die klei­ne Cho­co­la­te­rie, die jetzt zwar ihr älte­rer Bru­der über­neh­men wird — auch wenn Mia sich dies ins­ge­heim selbst irgend­wie gewünscht hät­te — die haben sie Jakob Arn­holt zu ver­dan­ken. Eine Spur führt Mia nach Lüne­burg, in das Anwe­sen der Fami­lie Her­der. Doch ehe Wil­helm Her­der, der Nach­fahr von Gott­lieb Her­der, mit ihr sei­ne Kennt­nis­se über die Ver­gan­gen­heit tei­len kann, wird er tot auf­ge­fun­den. Der alte Mann muss auf einem Elisabeth Herrmann - ZartbittertodTep­pich aus­ge­rutscht und unglück­lich gestürzt sein. Zusam­men mit Will, sei­nem Enkel beginnt Mia wei­te­re Nach­for­schun­gen anzu­stel­len und merkt rasch, dass sie irgend­je­man­dem damit gehö­rig auf die Füße tritt. Bald gibt es einen wei­te­ren Toten..

Das Cover von “Zart­bit­ter­tod” samt Titel sind mal wie­der sehr gelun­gen. Und in die Welt der Scho­ko­la­de ein­zu­tau­chen, das liest sich nicht nur sehr fas­zi­nie­rend, son­dern auch sehr atmo­sphä­risch“Mia lieb­te die Cho­co­la­te­rie. Den her­ben Duft nach Kakao, der einen emp­fing, wenn man das klei­ne Geschäft betrat, die Kuchen und Tor­ten und die dicke, hei­ße Scho­ko­la­de, die in dem klei­nen Neben­raum ser­viert wur­de. Glit­zern­de Bon­bons ins bun­ten Glä­sern, Petits Fours, rie­si­ge hand­ge­gos­se­ne Tafeln mit geheim­nis­vol­len Ingre­di­en­zi­en.” (Zitat S.14) Sowohl die Sor­gen und Gedan­ken der klei­nen Geschäf­te (wie das von Mias Eltern), als auch die Ent­wick­lung der Groß­in­dus­trie (die der Manu­fak­tur Her­der) wer­den in Wor­te gefasst. Man wirft sozu­sa­gen einen klei­nen Blick hin­ter die Kulis­sen der Scho­ko­la­den­in­dus­trie. Der Haupt­er­zähl­strang des Buches ist von Mia, die in per­so­na­ler Erzähl­wei­se berich­tet. Eine jun­ge Frau, die sehr sym­pa­thisch wirkt und mit der man sich gut iden­ti­fi­zie­ren kann. Ein­zel­ne Kapi­tel wer­den auch aus der Sicht ande­rer Per­so­nen geschrie­ben wie zum Bei­spiel Wil­helm Her­der. Wobei schnell deut­lich wird, war­um dies so ist und was der Per­spek­tivElisabeth Herrmann - Zartbittertodenwech­sel bedeu­tet.
Ich fand die Geschich­te am Anfang zwar inter­es­sant, aber die Span­nung setzt erst all­mäh­lich ein. Aber dann packt einen die Auto­rin so der­ma­ßen, dass man das Buch kaum mehr aus den Hän­den legen möch­te! Und lehr­reich ist der Thril­ler noch dazu. Denn die Ver­gan­gen­heit tritt oft­mals in Ver­ges­sen­heit. Selbst in Mias Fami­lie: Nichts an ihnen, weder bei der Mut­ter noch der Toch­ter, erin­ner­te an das afri­ka­ni­sche Erbe. Viel­leicht Mias krau­se brau­ne Haa­re. Aber die konn­te sie genau­so gut von ihrem Vater haben. […] Nur drei Gene­ra­tio­nen hat­ten Jakobs afri­ka­ni­sche Her­kunft fast ver­ges­sen las­sen. Trotz­dem war es immer ein run­ning gag in der Fami­lie gewe­sen, dass eines Tages bestimmt ein­mal ein schwar­zes Baby in der Wie­ge lie­gen wür­de…” (Zitat S.18) Und so wird dem Leser auf span­nen­de Art und Wei­se mit den The­men wie Kolo­nia­li­sie­rung und Völ­ker­mord der Here­ro ein meist nicht ganz so bekann­tes Stück deut­scher Geschich­te ver­mit­telt. Zudem ist in “Zart­bit­ter­tod” natür­lich auch noch eine klit­ze­klei­ne Lie­bes­ge­schich­te ein­ge­baut, die sich zwi­schen Will und Mia ent­spinnt. Das Ende: rich­tig schön dra­ma­tisch und span­nend!

Fazit: Ein bit­te­res Stück Zeit­ge­schich­te, zart ein­ge­baut in einen Thril­ler, gar­niert mit der Süße einer klei­nen Roman­ze. Eine gelun­ge­ne Mischung!

Wenn dir “Zart­bit­ter­tod” gefal­len hat, kannst du auch noch die aLesealternativennde­ren vier Jugend­buchthril­ler lesen, die Eli­sa­beth Herr­mann zuvor geschrie­ben hat. Sie sind alle unab­hän­gig von­ein­an­der zu lesen und kom­plett eigen­stän­di­ge Geschich­ten. “Lili­en­blut” erschien 2010. Zwei Jah­re spä­ter folg­te “Schat­ten­grund” (das fand ich rich­tig klas­se!) und See­feu­er” kam 2014 her­aus. 2016 erschien “Die Müh­le” (super­span­nend!) Sie hat übri­gens noch eine Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen­durch mal geschrie­ben (2013): “Sei­fen­bla­sen küsst man nicht”. Du magst Bücher, die mit Scho­ko­la­de zu tun haben? Eine Tri­lo­gie, in der die­se süße Köst­lich­keit eine gro­ße Rol­le spielt, ist die “Zart­bit­ter”-Rei­he von Gabri­el­le Zevin: “Zart­bit­ter” (Band 1), “Edel­herb” (Band 2) und “Extra­dun­kel” (Band 3). In ein Wes­pen­nest sticht auch die Prot­ago­nis­tin in “Die Quer­sum­me von Lie­be” von Kat­rin Zip­se, als sie einem Fami­li­en­ge­heim­nis auf die Spur kommt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16513-2
Erscheinungsdatum: 19.März 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€ 
Seitenzahl: 480
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -
Hörprobe zum Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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