“Little Deadly Secrets” ist das Debüt der deutschen Autorin Elena Rieding. Ein Thriller, der in einer Vorstadt Münchens spielt und fünf beste Freunde in den Mittelpunkt setzt, von denen ein Mädchen nach einer Party spurlos verschwindet. Was ist mit der 18-jährigen Jenna geschehen? Wurde sie Opfer eines Verbrechens? Und warum ist die Clique schon seit einiger Zeit zerbrochen? Was ist geschehen? Fest steht, dass jeder der Freunde seine Geheimnisse hatte, die nun langsam ans Tageslicht kommen und unweigerlich auf eine große Wahrheit zusteuern… Ein sehr raffiniert und spannend geschriebener Thriller, der ausschließlich aus den Perspektiven dreier Jugendlichen erzählt wird. Die Autorin ist hier eine Meisterin des Zurückhaltens und der Andeutungen. Sie lässt sich lange Zeit nicht in die Karten gucken! Ein Thriller mit Anspruch und Tiefgang. Fesselndes Lesefutter mit einem temporeichen Ende, das sich wichtigen Themen wie Gewalt, Schuld und Verrat widmet. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Fünf beste Freunde. Jenna, Connor, Matt, Alena und Jeremy. Manche von ihnen gehen noch zur Schule, andere studieren schon beziehungsweise machen
eine Ausbildung. “Fünf. Die perfekte Zahl. Unzertrennlich. Zumindest hatten sie das im letzten Sommer gedacht. Wenn Connor nicht gerade zum Studieren in München war, Jeremy bei seiner Ausbildung Feierabend gemacht hatte und Jenna, Alena und er den Schulstress vergessen wollten, hatten sie abends auf dem Bootssteg gesessen, Rapmusik gehört, Alkohol getrunken und auf die Ewigkeit angestoßen. Ein halbes Jahr später war ihre Ewigkeit bereits vorbei gewesen.” (Zitat aus “Little Deadly Secrets” S.7) Doch nun ist die Clique zerbrochen, ihre Freundschaft teilweise in die Brüche gegangen. Dies ist vor allem bei Jenna und Alena deutlich spürbar, die es bisher nur im Doppelpack gegeben hatte. “Jenna war kein Teil ihres Lebens. Nicht mehr.” (Zitat S.21) Alena hat Jenna gehasst für das, was sie getan hat. Doch auf der letzten Party, die sie zusammen gefeiert haben, und auf welcher Alena Jenna schon nicht mehr ertragen
konnte, ist etwas passiert. “Die Blockhütte lag direkt an einem Bergsee, umgeben von dichtem Nadelwald und wuchernden Büschen. Zum weitläufigen Grundstück von Connors Vater gehörte zudem ein eigener Steg, den man über einen zugewachsenen Pfad erreichen konnte.” (Zitat S.21) Dort wurde Jenna das letzte Mal gesehen. Es gab Streit. Es gab Auseinandersetzungen. “Das Blut begann in Alenas Adern zu kochen. Hatte Jenna nicht verstanden, dass sie an diesem Ort nicht mehr erwünscht war?” (Zitat S.19) Und dann ist sie verschwunden, wurde Opfer eines Verbrechens. Jeder der Freunde scheint mehr zu wissen. Jeder hat etwas zu verbergen. Bis plötzlich eine Leiche auftaucht…
Das Cover wirkt eher etwas altbacken, doch zumindest die gelbe Schrift fällt auf. Der Thriller
wird zeitlich vom 19.März bis zum 2.April erzählt. Wobei der Prolog den 23. März beschreibt und bereits veranschaulicht, was geschehen ist: “Unzählige Menschen waren gekommen. Groß und Klein, Jung und Alt. Die halbe Bevölkerung seiner verhassten Kleinstadt drängte sich auf den Vorplatz der Blockhütte am See, die der Familie seines besten Freundes Connor gehörte. […] Die Luft vibrierte vor Tatendrang. Jeder wollte etwas tun, jeder wollten helfen, und vor allem wollte niemand die Person gewesen sein, die nicht dabei war, als sich die ganze Stadt zusammengetan hatte, um ihren verschollenen Engel wiederzufinden.” (Zitat S.6) Dann fängt der Hauptteil an, der in drei Teile gegliedert wird, ehe ein Epilog alles abschließt. Im Hauptteil wird die Geschichte von der Nacht der Party (19.März) an aufgerollt. Das Buch wird komplett aus der Sicht der drei Freunde Matt, Alena und Connor erzählt, wobei
letzterer am wenigsten berichtet. Jedes Kapitel beginnt mit dem Namen des Protagonisten und einer Zeitangabe. Hierbei gibt es viele Zeitsprünge. Auch Rückblenden in das Jahr davor. “Little Deadly Secrets” ist ein Thriller mit Anspruch. Ich hatte selten ein Buch in der Hand, bei dem so viele Andeutungen gemacht werden, die dann aber lange Zeit einfach nicht aufgelöst werden. “Erleichtert stieß Matt die Luft aus. […] Er wusste, dass sie weiter füreinander schweigen würden. Sie hatten alle ihre Geheimnisse.” (Zitat S.11) Denn jeder der Freunde hält etwas zurück. Jeder macht Bemerkungen, die auf etwas anspielen, das man zunächst noch nicht versteht. “Connor hatte keine Freundinnen. Connor hatte bloß sexuelle Begegnungen. Jeder in Connors Umfeld wusste das. Man hätte meinen können, Jenna hätte das nach all den Jahren ebenfalls gewusst.” (Zitat S.20) Das erzeugt jede Menge Spannung, kann ab
er zuweilen auch die Geduld der Leser:innen auf eine harte Probe stellen. Elena Rieding macht es diesen nämlich nicht leicht. Man muss mitdenken, kombinieren und in dem dicht gewebten Sumpf aus Andeutungen und verstrickten persönlichen Verflechtungen stets den Faden behalten, um den Überblick nicht zu verlieren. Sprachlich gesehen zeigt sich der Thriller sehr facettenreich. Es gibt viele spannende Kapitelanfänge wie zum Beispiel “Das Blut lief warm an der Seite seines Daumens hinab” (Zitat S.6) oder “Noch bevor die Uhr Mitternacht schlug, würde die Hälfte der Partygäste tot sein.” (Zitat S.18). Aber auch tolle Bilder, die Elena Rieding kreiert: “Vereinzelte Sonnenstrahlen streichelten über die Blockhütte, die sich dunkel vor dem Nadelwald abzeichnete. Das Holz ächzte und knarzte im Wind, als würden die Geheimnisse, die es in seinem Inneren eingesperrt hatte, gewaltsam in die Freiheit drä
ngen.” (Zitat S.6) und “Die Sonne versteckte sich seit Tagen hinter dicken Wolken, als wäre eine Welt, in der Jenna nicht mehr existierte, keine Welt, die sie mit ihren Strahlen bereichern wollte.” (Zitat S.8) Teils wird auch eine etwas derbere Sprache verwendet: “Fluchend sprang er zurück. Hoffentlich handelte es sich um Bier und nicht um Pisse. Alkohol reduzierte die Menschen zurück auf ihre Ursprünge. Sie benahmen sich alle wie Tiere. Saufen, pissen und vögeln. Er fragte sich, warum er überhaupt noch Partys hier veranstaltete.” (Zitat S.30) Am Ende der Kapitel gibt es oft spannende Cliffhanger, die die Dynamik drastisch anheben. Elena Rieding schneidet Szenen genau im richtigen Moment ab und zwingt das Publikum förmlich dazu, sofort weiterzulesen. Am Ende lässt sie dann alle Fäden äußerst temporeich zusammenlaufen. Man möchte das Buch kaum mehr aus den Händen legen!
Du suchst Lesealternativen? Fünf Freunde in einem spannenden Thriller — das findest du “Tristan Mortalis” von Melissa C. Hill und Anja Stapor und “Wer den Kürzeren zieht” vo
n Mel Wallis de Vries. Oder greif zu “One of us is lying” von Karen M. McManus oder “Tote Mädchen lügen nicht” von Jay Asher. Das Thema sexualisierte Gewalt behandeln außerdem folgende Bücher: “#no game: Jetzt ist Schluss mit Schweigen” von Natasha Friend, “Du wolltest es doch” von Louise O’Neill oder “Something happened to Ally” von Hayley Krischer. Du möchtest noch mehr richtig spannende Thriller lesen? Zuletzt äußerst überzeugt haben mich die Neuerscheinungen: “Perfect Little Monsters” von Cindy R.X. He, “Thornbird” von E.Kennedy und “No place left to hide” von Megan Lally. Ein gelungenes Thrillerdebüt ist auch “Dead Girls Don’t Dance” von M.K. Pagano.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ueberreuter ISBN: 978-3-7641-7162-9 Erscheinungsdatum: 14.Juli 2026 Einbandart: Broschur Preis: 18,00€ Seitenzahl: 352
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Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7162-9
Erscheinungsdatum: 14.Juli 2026
Einbandart: Broschur
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 352
