“Missing Sophie” ist ein Thriller der neuseeländischen Autorin Eileen Merriman. Eine Geschichte über Freundschaft, Geheimnisse und ein verschwundenes Mädchen. Auf eine besondere Art und Weise erzählt: nämlich rückwärts! Unterhaltsam und spannend und mit einem raffinierten Ende. Für Jugendliche ab 14 Jahren und interessierte Erwachsene.
Als sie neun Jahre alt waren und die Grundschule besuchten, lernten sie einander kennen. Und beschlossen, da sie alle drei den gleichen Namen trugen, fortan miteinander befreundet zu sein: Sophie Abercrombie — die Schöne, Sophie Twiggs — die Sportliche (genannt Twiggy) und Sophie McKenzie — die Unscheinbare (genannt Mac). Doch nun ist Sophie seit 64 Tagen spurlos verschwunden. Das letzte Mal, als Sophie M. sie gesehen hat, saß sie bei ihrem Englischlehrer Mr Bacon im Auto und sie küssten sich. Das hat sie auch der Polizei gesagt. “Aber wer weiß, ob Sophies Verschwinden etwas mit Mr Bacon
zu tun hat? Woher sollte ich es wissen? Ich weiß gar nichts. Ich versuche nur, Ruhe zu bewahren und zu lernen. Sophies Verschwinden hat hier alles auf den Kopf gestellt. Ich wünschte, alles wäre wieder normal. Wenn es so weitergeht, setze ich noch die Prüfungen in den Sand und kann nicht studieren.” (Zitat aus “Missing Sophie” S.9) Aber was weiß Sophie M. wirklich? Ihre Freundschaft zu Sophie T. ist so gut wie nicht mehr existent. Nur noch die Hausarbeiten schreibt sie für ihre Freundin, gegen Bezahlung. Die Polizei befragt sie ein weiteres Mal: “Jetzt sind die Bullen weg. Ich weiß nicht, ob sie die Antworten bekommen haben, nach denen sie suchten. Aber ich habe dein Geheimnis bewahrt, Sophie. Dazu sind beste Freundinnen schließlich da… stimmt’s?” (Zitat S.41) Was ist vor 64 Tagen
, am Tag von Sophie A.s Verschwinden wirklich passiert? Und welche Rolle spielt hierbei Mr Bacon, dem auch Sophie M. näher gekommen ist, als eine Schülerin ihm überhaupt hätte kommen dürfen?
Das Cover finde ich eher durchschnittlich, muss ich zugeben, aber das ist wahrscheinlich Geschmacksache. Der Thriller wird in drei Teilen erzählt. Durchgehend aus der Sicht von Sophie McKenzie, der Unscheinbaren: “nicht besonders hübsch, nicht besonders sportlich, aber intelligenter als die beiden anderen Sophies zusammen. Stimmt ja auch — mich interessieren nur gute Noten, damit ich Medizin studieren und Rechtsmedizinerin werden kann. Etwas anderes wollte ich nie werden.” (Zitat S.8) “Missing Sophie” startet mit Tag 64, was in einem schwarz umgebenen Balk
en in weißer Schrift vor jedem der recht kurzen Kapitel angegeben ist. Eine Seite Text, dann folgt bereits Tag 63, rückwärts bis zum Tag 0. Die Idee an sich ist nicht schlecht, aber etwas gewöhnungsbedürftig und anstrengend beim Lesen, da man normalerweise eher chronologisch liest und beim Einordnen der Inhalte aufpassen muss. Einige Andeutungen durchziehen den Text und machen neugierig: “Wenn ich mein Leben bis fünf Minuten vor dieser Abmachung zurückdrehen könnte, würde ich sagen, dass wir damals das letzte Mal richtige Freundinnen waren, ohne jeden Hintergedanken. Aber dann kamen die Hintergedanken und schnürten uns immer mehr ein.” (Zitat S.23) und “Bestimmt hasst er mich dafür, was ich der Polizei gesagt habe. Dabei sollte er mir dankbar sein. Ich habe denen nicht alles gesagt, was ich wusste.”
(Zitat S.33). Was verbirgt Sophie M.? Vieles wird durch den Erzählstil bereits vorweggenommen. Einiges kann man sich zusammenreimen. Dennoch tauchen immer wieder neue Details auf und man ahnt, dass Sophie M. nicht immer die zuverlässigste (und auch irgendwie nicht sympathischste) Erzählerin ist: “Alles ist so verkorkst. Wenn ich nicht dieses Tagebuch hätte, wäre das Durcheinander in meinem Kopf noch größer. Ich muss das ordnen, muss meine Erinnerungen auf diesen Seiten festhalten, damit ich sortieren kann, was stimmt und was nicht. Es ist nicht einfach.” (Zitat S.28) In Rückblenden innerhalb der Tage erzählt sie die Geschichte von Mr Bacon und ihr. Die Spannung hält sich durchgängig, wenn auch nicht auf dem aller höchsten Niveau. Dennoch bleibt man irgendwie immer gerne dabei. Im zweiten Teil setzt die Erzählung wieder chronologisch ab Tag 65 ein. In Teil drei erhält man noch letzte, spätere Tages-Momentaufnahmen, die ein neues Bild ergeben. Das Buch endet äußerst gelungen und mit einem Paukenschlag!
Eine gute Lesealternative zu “Missing Sophie” ist die “Secret”-Rei
he von Daniela Pusch, Elisabeth Denis und Lara de Simone. Hier sind drei Mädchen ebenso seit der Grundschule miteinander befreundet. Zentrale Themen: Freundschaft, Liebe, dunkle Geheimnisse und der Tod. Gut könnte ich mir auch die “Dark Village”-Reihe von Kjetil Johnsen vorstellen. Eine passende Alternative ist zudem “Disappeared” von Kathy Tailor, in welchem ebenfalls ein Mädchen verschwindet und die geheime Beziehung zu einem Lehrer eine Rolle spielt. Du magst Bücher, die rückwärts erzählt werden? Dann greif zu “Bad Girls” von E.Lockhart, “Wünsche sind für Versager” von Sally Nicholls oder zu “Schattengesicht” von Antje Wagner (toll!). Sehr zu empfehlen ist außerdem “Solange wir lügen” von E.Lockhart, das sogar in “Missing Sophie” erwähnt wird.
Bibliografische Angaben:Verlag: Oetinger ISBN: 978-3-7891-2137-1 Erscheinungsdatum: 24.August 2020 Einbandart: Hardcover Preis: 18,00€ Seitenzahl: 240 Übersetzer: Wolfram Ströle Originaltitel: "A trio of Sophies" Originalverlag: Penguin Random House Neuseeländisches Originalcover:
Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-2137-1
Erscheinungsdatum: 24.August 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 240
Übersetzer: Wolfram Ströle
Originaltitel: "A trio of Sophies"
Originalverlag: Penguin Random House
Neuseeländisches Originalcover:
