E. Lockhart — We fell apart

31.August 2026

We fell Apart” ist der neu­es­te Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin E.Lockhart. Das Buch ist eigen­stän­dig zu lesen, spielt aller­dings in der­sel­ben Welt wie ihre Erfolgs­ti­tel “We Were Liars” und “Fami­ly of Liars” und ent­hält Spoi­ler auf die­se. Wer sich das Lese­ver­gnü­gen also nicht ver­mie­sen möch­te, fängt am bes­ten mit den Vor­gän­gern an. Bis­her gab es immer nur Matil­da und ihre Mut­ter. Ihr Vater hat bereits in der Schwan­ger­schaft das Wei­te gesucht und woll­te nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Doch jetzt ist Matil­da 18, ihr Freund hat gera­de mit ihr Schluss gemacht und ihre Mut­ter ist mit einer ihrer neu­es­ten Affä­ren nach Mexi­ko abge­hau­en. Als sie eine Ein­la­dung ihres Vaters erhält, die­sen auf Martha’s Viney­ard zu besu­chen, ist sie über­rascht und neu­gie­rig. Will end­lich Ant­wor­ten bekom­men. Ihr Vater, der ein gro­ßer Künst­ler ist, ist jedoch vor­über­ge­hend ver­reist, als sie ankommt. Wann er zurück­kommt, ist unge­wiss. Dafür trifft sie auf den Rest sei­ner Fami­lie und merkt von Tag zu Tag, dass irgend­et­was dort nicht stimmt… Ein geheim­nis­vol­ler, ein­dring­lich erzähl­ter Roman mit einer ganz beson­de­ren atmo­sphä­ri­schen Spra­che. Unauf­ge­regt erzählt und den­noch in sei­nen Bann zie­hend. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Matil­da kennt nur das Leben mit ihrer Mut­ter zusam­men. “Unse­re Fami­lie bestand immer aus uns bei­den. Wenn ich nach einem Vater frag­te, sag­te Isa­do­ra ledig­lich, dass wir ohne ihn bes­ser dran wären. Irgend­wel­che Details spiel­ten nie eine Rol­le.” (Zitat aus “We Fell Apart” S.16). Sie weiß nur, dass er sich schon wäh­rend der Schwan­ger­schaft wei­ger­te, ihre Mut­ter zu unter­stüt­zen und abge­hau­en ist und dann nicht mehr auf­find­bar war. Matil­das Mut­ter hat stän­dig wech­seln­de Künst­ler­freun­de. Jetzt ist Matil­da 18 Jah­re alt gewor­den und ihre Mut­ter plant mit ihrer neu­es­ten Bekannt­schaft, die sie erst vor Kur­zem ken­nen­ge­lernt hat, nach Mexi­ko zu zie­hen. Matil­da lässt sie zurück. Die­se wur­de zusätz­lich noch von ihrem Freund Luca ver­las­sen, der Lügen über sie erzählt hat, wes­halb sich auch alle Freun­de von ihr abge­wandt haben. Des­halb ist Matil­da umso über­rasch­ter, als sie eines Tages eine Nach­richt ihres ver­schol­le­nen Vaters erhält, der sie auf sein Schloss aus Holz und Glas nach Martha’s Viney­ard ein­lädt. Dort lebt er mit sei­ner neu­en Fami­lie. June, sei­ner Lebens­ge­fähr­tin. Ver­meer, den alle Meer nen­nen, der ihr neu­er Halb­bru­der ist. Und zwei wei­te­ren Jugend­li­chen, die auf sei­nem Anwe­sen gestran­det sind: dem Wai­sen­jun­gen Tat­um und dem ehe­mals dro­gen­ab­hän­gi­gen Schau­spie­ler Brock. Matil­da sagt zu und reist dort­hin. Sie möch­te nicht nur Ant­wor­ten fin­den, son­dern auch sich selbst in gewis­ser Wei­se. Selbst wenn es lan­ge dau­ert, bis wir uns wirk­lich ken­nen, selbst wenn es anfangs komisch ist, könn­te King­s­ley der Mensch sein, den ich ver­mis­se. Der Mensch, für den ich Luca gehal­ten habe. Der Mensch, der mei­ne Mut­ter nie war, jemand, der mei­ne Gedan­ken­welt begrei­fen möch­te. Viel­leicht fin­de ich durch das Ken­nen­ler­nen – und zwar nicht nur als Vater, son­dern als gro­ßer Künst­ler – ja irgend­wie zu mir selbst. Zu mei­nen Fähig­kei­ten. Und füh­le mich nicht län­ger ver­lo­ren.” (Zitat S.43). Doch dann ist ihr Vater plötz­lich gar nicht dort. Er scheint ver­reist zu sein. Wann er zurück­kom­men wird, ist unbe­kannt. “Er hat mich hier­her ein­ge­la­den und mir ein Gemäl­de ver­spro­chen, und dann ver­reist er ein­fach?« – »So ist das nicht.« – »Wie ist es denn dann?« – »King­s­ley ist kein gewöhn­li­cher Mensch. Er ist Künst­ler.« – »Und?« – »Er lebt nach sei­nem eige­nen Zeit­plan. Und das ist der Haupt­grund, dass er so ist, wie er ist, damit das Genie in ihm zum Zuge kommt.” (Zitat S.66) Außer­dem gibt es auf Hid­den Beach ein paar Kasimirabeson­de­re Regeln. »Wir besit­zen Mobil­te­le­fo­ne für den Not­fall und Com­pu­ter gibt es auch, aber wir ver­schlie­ßen alle Elek­tronik­ge­rä­te in einem Zim­mer und gehen nur an unse­ren Tech-Vor­mit­ta­gen dort­hin, um uns auf den neu­es­ten Stand zu brin­gen oder Din­ge zu erle­di­gen. Immer mon­tags und don­ners­tags.« (Zitat S.83). Und war­um zieht sich June tags­über meist zurück und backt nachts Kuchen? War­um will Tat­um Matil­da nicht hier­ha­ben? Tat­um senkt die Stim­me. »Sie soll­te nicht hier sein.« »Ich weiß«, sagt Brock. »Sie wird Meer durch­ein­an­der­brin­gen. Jetzt wird er die gan­ze Zeit super emo­tio­nal sein.« »Wir soll­ten nie­man­den mehr auf­neh­men«, sagt Tat­um ent­schie­den. »Es gab nur uns, ver­stehst du? Sie hat hier nichts zu suchen.« (Zitat S.85) Und hat June ihr wirk­lich eine Beru­hi­gungs­sprit­ze ver­passt? All­mäh­lich hat Matil­da das Gefühl, dass hier auf Hid­den Beach irgend­et­was faul ist…

Das Cover sieht eben­so geheim­nis­voll und fas­zi­nie­rend aus, so wie es der Roman selbst auch ist. Der Titel spielt auf ein Zitat aus einem Song an, wel­ches inner­halb von “We Fell Apart” erwähnt wird. “Tat­um singt lei­se die ers­te Zei­le. »We all stay­ed out too late / We fell apart and made mista­kes.« Dann hört er auf. Und sieht mich an. Er wirkt auf ein­mal ver­le­gen. Das hät­te ich nie von ihm erwar­tet. Er errö­tet leicht, und sei­ne Ober­lip­pe zuckt. »Ver­gesst es.« »Spiel wei­ter«, sage ich und set­ze mich auf.” (Zitat S.173). Die Autorin gibt im Vor­wort bereits fol­gen­des an: We Fell Apart ist ein eigen­stän­di­ger Roman. Er kann für sich allein gele­sen wer­den und ist auch ohne Vor­wis­sen ver­ständ­lich. Aller­dings spielt er in der­sel­ben Welt wie mei­ne Roma­ne We Were Liars. Solan­ge wir lügen und Fami­ly of Liars. Wie wir Lüg­ner wur­den. Und in Bezug auf die­se Bücher ent­hält er eini­ge Spoi­ler. Die­ses Buch habe ich mit Lie­be, Kraft­stoff und Pfef­fer­min­ze geschrie­ben. KasimiraFür euch. Ich ver­dan­ke euch so viel.” (Zitat S.11). Daher emp­fiehlt es sich auf jeden Fall die vor­he­ri­gen Bücher zu lesen, denn hat man Band 3 erst ein­mal gele­sen und möch­te mehr über die Vor­ge­schich­te erfah­ren, zer­stört man sich durch den Spoi­ler das, was Band 1 so beson­ders macht. Denn in “We Fell Apart” wird über die Fami­lie Sin­clair berich­tet und das, was in Band 1 gesche­hen ist. ««««««ACHTUNG SPOILER:»»»»»» “Alle trat­schen über einen Brand, der sich vor fünf Tagen ereig­net hat. Auf einer Insel namens Beech­wood, die bloß eine kur­ze Boots­fahrt ent­fernt liegt. Wenn ich das rich­tig ver­ste­he, han­delt es sich um die Pri­vat­in­sel eines Man­nes namens Har­ris Sin­clair. Er und sei­ne Fami­lie ver­brin­gen dort jeden Som­mer, und man begeg­net ihnen oft in Edgar­town, auch wenn kei­ner im Klein­bus sich in so wohl­ha­ben­den Krei­sen bewegt. Als das Feu­er aus­brach, erzäh­len die Anwoh­ner, fuhr die Feu­er­wehr von Viney­ard mit dem Boot nach Beech­wood, aber sie Kasimirakam zu spät. Eins der Insel­häu­ser brann­te fast bis auf die Grund­mau­ern ab. Drei Men­schen star­ben, alle­samt Teen­ager.” (Zitat S.51) ««««««ENDE SPOILER»»»»»» Bereits die ers­ten Sät­ze des Romans zie­hen mit­ten in die Geschich­te hin­ein, zei­gen was für ein Talent E.Lockhart hat, atmo­sphä­risch und aus­s­drucks­stark zu schrei­ben: HIDDEN BEACH WAR ein schlech­ter Ort, um sich zu ver­lie­ben. Auf einer rie­si­gen Klip­pe thron­te ein Schloss aus Holz. Hid­den Beach war ein Ort für Bar­be­cues, Son­nen­milch, Gitar­ren und nächt­li­che Schwimm­aus­flü­ge. Ölge­mäl­de, wuchern­des Dor­nen­ge­strüpp. Aus­ge­hun­ger­te Hun­de. Zeich­nun­gen auf der Haut, schreck­li­che Lügen und lan­ge Nach­mit­ta­ge am Meer.” (Zitat S.15). Denn es ist vor allem die Spra­che der Autorin, die her­vor­sticht. Male­risch, dra­ma­tisch, prä­zi­se und vol­ler Tie­fe:Ich war acht­zehn, abser­viert und uner­wünscht. Ich besaß ein Arse­nal an Waf­fen. Ich brach­te den Wahn­sinn mit mir.” (Zitat S.15) Mal knapp, mal aus­ufernd. Und vol­ler bril­lant gewähl­ter Bil­der: “Wir lau­fen durch ein klei­nes Wäld­chen zu einer Holz­trep­pe. Sie ist an eine unge­heu­er hohe Klip­pe gebaut, eine Zwangs­ehe aus zor­ni­gem Holz und füg­sa­men Lehm.” (Zitat S.61) Das Buch ist durch­ge­hend aus Matil­das Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Die Geschich­te zieht in einen Sog, auch wenn sie eigent­lich nicht all­zu hohe Span­nungs­kur­ven besitzt. Sie stellt vor allem Matil­das per­sön­li­che Ent­wick­lung in den Mit­tel­punkt. “Es stimmt. Ich bin wütend. Auf Luca, weil er mich fal­len­ge­las­sen und dafür gesorgt hat, dass mich alle has­sen. Auf mei­ne Mut­ter, weil sie weg­ge­gan­gen ist. Auf mei­nen Vater, weil er nicht hier ist. Auf mich selbst, weil ich ein Eltern­teil brau­che, obwohl ich doch eigent­lich erwach­sen bin. »Wenn du nicht auf King­s­ley war­ten magst, darfst du jeder­zeit gehen«, sagt June. Sie hat recht. Ich soll­te erwach­sen wer­den und mich von mei­nen Erwar­tun­gen an ande­re end­lich ver­ab­schie­den.” (Zitat S.169) Ein ruhig cho­reo­gra­fier­ter Roman über das KasimiraVer­las­sen­wer­den, das War­ten und die Suche nach dem eige­nen Platz im Leben. Es geht um die Fra­ge, wie man sich von den Erwar­tun­gen ande­rer löst und her­aus­fin­det, wer man selbst sein möch­te. Dabei ver­webt Lock­hart Matil­das Gedan­ken­welt mit einer zar­ten Lie­bes­ge­schich­te, die sich eben­so vor­sich­tig und viel­schich­tig gestal­tet wie das gesam­te Buch. Am Ende steigt der Span­nungs­bo­gen ab einer gewis­sen Wen­dung deut­lich an. Ver­bor­ge­ne Wahr­hei­ten kom­men ans Licht und die Geschich­te ent­fal­tet ihre gan­ze Wir­kung und hallt noch lan­ge nach.

Du magst Emi­ly Lock­harts Art zu erzäh­len? Dann lies noch ihre ande­ren Bücher. Etwas unbe­kann­ter sind von ihr noch “Die unrühm­li­che Geschich­te der FranLesealternativenkie Land­au-Banks” oder die vier­bän­di­ge “Ruby”-Rei­he. Außer­dem schrieb sie noch ein Buch, das hand­lungs­mä­ßig rück­wärts geschrie­ben ist: “Bad Girls”. Und wenn du die ers­ten bei­den Bän­de der “Liars”-Rei­he noch nicht kennst, lies unbe­dingt die­se zuerst: “We were liars: Solan­ge wir lügen” und “Fami­ly of Liars: Wie wir Lüg­ner wur­den”. Eine inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “Fami­ly of Liars: Wie wir Lüg­ner wur­den”, an die ich sofort den­ken muss­te, ist die “Der Som­mer, als ich schön wur­de” ‑Rei­he von Jen­ny Han oder aber “Som­mer­nachts­er­wa­chen” von Meg Rosoff. Dich inter­es­sie­ren Bücher, in denen es um die Suche nach dem Vater geht? Dann greif zu “Apri­ko­sen­som­mer” von Deniz Selek oder “Schnee­tän­zer” von Ant­je Baben­der­erde. Eine tol­le Fami­li­en­ge­schich­te hat auch Jan­dy Nel­son geschrie­ben: “Wenn unse­re Welt kippt”. Oder schau dir “Ever­y­thing we left unsaid” von Kath­rin Lan­ge an. Hier ist die Mut­ter verschwunden.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7335-0994-1
Erscheinungsdatum: 26.August 2026
Einbandart: Broschur
Preis: 14,90€
Seitenzahl: 368
Übersetzer*in: Alexandra Rak
Originaltitel: "We fell apart"
Originalverlag: Hot Key Books

Amerikanisches Originalcover:












E. Lockhart liest aus ihrem Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von E.Lockhart

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