Dustin Thao: Ich warte auf dich, Haru

11.Dezember 2024

Der ame­ri­ka­ni­sche Autor Dus­tin Thao (mit viet­na­me­si­schen Wur­zeln) hat nach sei­nem welt­wei­ten Erfolgs­de­büt “Bleib bei mir, Sam” ein neu­es Buch geschrie­ben: “Ich war­te auf dich, Haru”. Erics bes­ter Freund ist gestor­ben. Den er eines Abends auf dem Haus­dach geküsst hat, wo sie einen Film gese­hen haben. Nun ist sein Leben nicht mehr wie es vor­her ein­mal war. Doch dann taucht auf ein­mal Haru auf, den Eric letz­ten Som­mer in Japan ken­nen­ge­lernt hat. Ein paar ein­ma­li­ge Stun­den haben sie zusam­men ver­bracht und sich ohne Tele­fon­num­mern aus­zu­tau­schen, wie­der von­ein­an­der getrennt. Eric hat nicht erwar­tet ihn jemals wie­der zu sehen. Gemein­sam machen sie Chi­ca­go unsi­cher. Aber Haru ver­schwin­det immer wie­der spur­los und bald begreift Eric, dass nur er ihn sehen kann… Eine Geschich­te über Ver­lust, das Ver­las­sen­wer­den, Ein­sam­keit und die Sehn­sucht nach Lie­be und Gebor­gen­heit. Lei­der ein wenig plan­los und schlep­pend zuwei­len geschrie­ben. Ich war­te auf Span­nung, Haru;-/ Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Eric, der in Chi­ca­go lebt, aber asia­ti­sche Wur­zeln hat, hat es momen­tan nicht gera­de leicht. Sein bes­ter Freund Dani­el, für den er mehr emp­fand und den er sogar ein­mal geküsst hat (auch wenn danach nichts mehr pas­siert ist), ist bei einem Unfall gestor­ben. Sei­ne Schwes­ter beschließt statt dem Stu­di­um mit ihrer Band auf Tour­nee zu gehen und ver­lässt das elter­li­che Wohn­haus auf unbe­stimm­te Zeit. Erics Job­su­che gestal­tet sich als nicht wirk­lich ein­fach, bis er nach einem Kell­ner­job schließ­lich eine Stel­le als Kas­sie­rer in einem Thea­ter erhält. Doch dann taucht plötz­lich Haru wie­der auf. Der Jun­ge, den Eric im ver­gan­ge­nen Som­mer in Tokio auf Aus­tausch ken­nen­ge­lernt hat. Gemein­sam haben sie das Ster­nen­fest besucht und die Stadt unsi­cher gemacht. Auf­grund miss­li­cher Umstän­de konn­ten sie nicht ein­mal ihre Tele­fon­num­mern aus­tau­schen, son­dern ver­lo­ren sich am Bahn­hof aus den Augen. Nie­mals hat Eric damit gerech­net, Haru wie­der­zu­se­hen. Und so zeigt er ihm die schöns­ten Sei­ten Chi­ca­gos. Aber war­um ver­schwin­det Haru immer wie­der von einer Sekun­de auf die ande­re? All­mäh­lich wird Eric bewusst, dass nur er ihn sehen kann…

Das Cover ist pas­send zum Design des erfolg­rei­chen Erst­lings­werks gestal­tet, selbst der Titel ähn­lich gewählt. Das sorgt für Wie­der­erken­nungs­wert. Der Roman wird durch­ge­hend aus Erics Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Zuwei­len gibt es Rück­blen­den, die mit “Vor­her” und Zeit­an­ga­ben gekenn­zeich­net wer­den, aber das meis­te spielt in der Jetzt-Zeit. Der Schreib­stil ist eher ein­fach, aber flüs­sig gehal­ten. Zu Beginn fand ich die Geschich­te etwas plan­los geschrie­ben. Es tau­chen meh­re­re poten­ti­el­le Love Inte­rests auf (Dani­el, Haru, ein Unbe­kann­ter auf einer Fei­er, der Eric zum Tan­zen auf­for­dert), aber in die Tie­fe geht es zunächst nicht. Die per­sön­li­che Ver­bin­dung zu den Figu­ren fehlt. Der Fokus liegt zuwei­len mehr auf Haru, als auf Dani­el, obwohl Eric mit die­sem doch zusam­men sein will. Auch im hin­te­ren Teil des Buches, wenn man denkt, jetzt kommt der Love Inte­rest, der Eric aus sei­nem Loch holen wird, wird man (zwei Mal) schnell ent­täuscht. Die Tag­träu­me anfangs sind teils ernüch­ternd beim Lesen, man stellt sich auf etwas ein und dann ist es (wie­der) doch so nicht pas­siert. Eben­falls die Aus­ein­an­der­set­zung mit Haru, von dem Eric schon weiß, dass er nicht “echt” ist, war mir per­sön­lich zu spo­ra­disch. Eine Art der Trau­er­ver­ar­bei­tung, ja. Aber hier hät­te ein biss­chen Dra­ma­tik dem Roman gut getan. Vie­les (wie Eric Haru zum Bei­spiel die Stadt zeigt) plät­schert ein­fach nur vor sich hin. Dabei steckt viel Poten­ti­al in der Geschich­te. Manch emo­tio­na­le Stel­len sind gut getrof­fen, aber im Gesamt­bild ein­fach nicht aus­ge­schöpft wor­den. Zumin­dest eine klei­ne Über­ra­schung gibt es noch am Ende.

Fazit: Hat mich lei­der nicht überzeugt.

LesealternativenWenn du noch mehr von Dus­tin Thao lesen willst, greif zu dem Buch, das ihn erfolg­reich mach­te: “Bleib bei mir, Sam”. Du möch­test dich mit dem The­ma Trau­er­ver­ar­bei­tung aus­ein­an­der­set­zen? Hier kann ich dir eini­ge tol­le Roma­ne emp­feh­len: “Die Stil­le mei­ner Wor­te” von Ava Reed, den Klas­si­ker “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Don­na Freitas oder auch “Was uns bleibt, ist jetzt” von Meg Wolit­zer. Etwas neu­er sind noch “Herz­klangstil­le” von Julia Dess­al­les und “How to make fri­ends with the dark” von Kath­le­en Glas­gow. Gut könn­te ich mir auch als Lese­al­ter­na­ti­ve “Mei­ne Lie­be ist jetzt” von Liz Kess­ler vorstellen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16696-3
Erscheinungsdatum: 4.September 2024
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 352
Übersetzer*in: Bernadette Ott
Originaltitel: "When Haru was here"
Originalverlag: First Ink (Pan MacMillan)

Amerikanisches Originalcover:






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Kasimiras Bewertung:

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(2,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Pan MacMillan

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