Deva Fagan — Game of Noctis: Spiel um dein Leben

18.April 2025

Game of Noc­tis: Spiel um dein Leben” von der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Deva Fagan ist ein in sich abge­schlos­se­ner Fan­ta­sy­ro­man. Er ent­führt auf die Insel Dant­essa, auf der die Macht der Spie­le regiert. Die Einwohner:innen spie­len stän­dig gegen­ein­an­der, um ihren eige­nen Rang zu ver­bes­sern und Reich­tum zu erlan­gen. Das gefähr­lichs­te Spiel ist Noc­tis, das in einer Are­na führt und ein­mal jähr­lich gespielt wird, um die Sicher­heit der Insel zu garan­tie­ren. Hier bezahlt man nicht nur mit Mün­zen als Ein­satz, son­dern unter Umstän­den — schafft man es ins Fina­le — auch mit dem Leben. Doch genau an die­sem Spiel will die 12-jäh­ri­ge Pia teil­neh­men, um ihren Groß­va­ter, der wegen sei­nes nied­ri­gen Rangs auf die Gesin­de­inseln ver­wie­sen wur­de, zu ret­ten…  Eine unter­halt­sa­me, recht fan­ta­sie­vol­le Geschich­te über die Lei­den­schaft des Spiels, über das Gewin­nen und Ver­lie­ren, aber auch über Fair­ness und Betrug. “Die Tri­bu­te von Panem” für Zehn­jäh­ri­ge. Mit einer taf­fen, muti­gen Hel­din, die alles dafür gibt, um zu gewin­nen, aber auch hin­ter die Kulis­sen des Spiels schaut und eini­ges hinterfragt.

Die 12-jäh­ri­ge Pia lebt mit ihrem Groß­va­ter, ihrem ein­zi­gen Ange­hö­ri­gen, auf der Insel Dant­essa. Sie woh­nen im Klam­men Vier­tel, einem ärme­ren Teil der Stadt. Wer reich und ver­mö­gend ist, lebt im Dia­man­ten­vier­tel. Die Stadt ist für ihre Spie­le bekannt, mit der die Men­schen sich ihren Lebens­un­ter­halt ver­die­nen. 8684 Spie­le gibt es laut dem Buch der Spie­le. Pia und ihr Groß­va­ter besit­zen kaum etwas, haben aber Kasimiragro­ßen Spaß an den Spie­len. “Er hat­te mir schon früh Schnapp’s dir bei­gebracht, bei dem mei­ne stum­me­li­gen, wei­chen Baby­fin­ger nach sei­nen star­ken led­ri­gen Hän­den grif­fen. Als ich älter wur­de, brach­te er mir Piep­ser, Feu­er­teu­fel und Mathe­ma­gie bei und all die ande­ren raf­fi­nier­te­ren Spie­le. Er zeig­te mir, wie viel Spaß es mach­te, den rich­ti­gen Spiel­zug zu erken­nen, wie auf­re­gend es sein konn­te, die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten zu ent­wir­ren, um den Weg zum Sieg zu fin­den.” (Zitat aus “Game of Noc­tis: Spiel um dein Leben” S.8ff) Alle Spieler:innen haben eine gewis­se Plat­zie­rung, je nach­dem wie oft sie gewin­nen oder ver­lie­ren. “Die Zahl zeig­te mei­ne Plat­zie­rung im Gro­ßen Spiel an. Sie lag immer zwi­schen 1 und 100 — eine hohe Zahl war gut, eine nied­ri­ge schlecht.” (Zitat S.9) Erst ab 12 Jah­ren wird man “Spieler:in”. Doch nun wird der Rang ihres Groß­va­ters immer schlech­ter und schlech­ter, denn er sieht immer weni­ger. “Dei­ne Augen wer­den immer schlech­ter”, sag­te ich. “Oder?” Des­halb hat­te er ver­lo­ren. Weil er die Spiel­stei­ne nicht erkannt hat­te und somit nicht wuss­te, wel­cher von Ange­los Stei­nen der Piep­ser war. Ver­flucht! Wenn wir ihm doch nur schon eine Bril­le hät­ten kau­fen kön­nen!” (Zitat S.16) Doch das Geld dafür haben sie nicht. Und wenn Spieler:innen bei “0” lan­den, dann wird ihnen ihr Sta­tus aberkannt und sie wer­den Magd oder Knecht, lan­den schlimms­ten­falls sogar auf den Gesin­de­inseln. “Ich war noch nie dort gewe­sen, hat­te aber schon vie­le Geschich­ten gehört: von stun­den­lan­ger Arbeit auf den Fel­dern, von Käl­te und Feuch­tig­keit. Aber das Schlimms­te dar­an wäre, nie wie­der spie­len zu dür­fen. Das mach­te mir am meis­ten Angst.” (Zitat S.9) Pia setzt alles dar­an, um zu ver­hin­dern, dass ihrem Groß­va­ter genau das pas­siert. Aber schließ­lich ist es soweit. Die Schieds­rich­ter holen ihn ab und brin­gen ihn weg auf die Gesin­de­inseln. Es gibt nur noch eine Mög­lich­keit für Pia ihn zurück­zu­ho­len. “Ein Knecht kann wie­der zum Spie­ler wer­den — für den Preis von zehn­tau­send Segna. Möch­test du die­sen Preis jetzt zah­len, Spie­le­rin Paro?” Ja. Das woll­te ich von gan­zem Her­zen. Aber ich hat­te nicht mal einen Bruch­teil davon.” (Zitat S.51) Doch dann trifft Pia auf Vitto­ria, die sie aus einer miss­li­chen Lage befreit und sie zu einem Spiel her­aus­for­dert. Und sie dar­auf­hin zu ihrem Team ein­lädt, mit wel­chem sie an Noc­tis teil­neh­men wol­len. Dem gefähr­lichs­ten Spiel aller Spie­le. Gewinnt man die­ses, erhält man ein hohes Preis­geld. Doch man kann es auch ver­lie­ren und mit dem Leben bezah­len. Schließ­lich lässt sich Pia dar­auf ein und beginnt mit dem Training…

Das Cover wirkt ein biss­chen anti­quiert, passt aber inhalt­lich zu den Ele­men­ten des Buches. Der Fan­ta­sy­ro­man, der durch­aus auch eini­ge dys­to­pi­sche Ele­men­te hat, wird durch­ge­hend aus Pias Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Einem sehr sym­pa­ti­schen, klu­gen Mäd­chen, das ihr Herz am rech­ten Fleck hat. “Game of Noc­tis: Spiel um dein Leben” ver­brei­tet mit der Insel Dant­essa ein biss­chen vene­zia­ni­sches Flair, mit den Kanä­len und Gon­do­len und den ita­lie­ni­schen Bezeich­nun­gen. Das Set­ting mit den Spie­len ist sehr gelun­gen. Eine gan­ze Insel, die dem Zocken ver­fal­len ist. Und dies aus his­to­ri­schem Grund: “Nur mit­hil­fe die­ses Spiels [Noc­tis] hat­te unse­re Stadt die gro­ße Pest vor drei Jahr­hun­der­ten über­stan­den. […] Die Prin­zes­sin von Dant­essa hat­te die dunk­le Fee des Todes höchst­per­sön­lich zu einem Spiel her­aus­ge­for­dert und ihr eige­nes Leben als Preis ein­ge­setzt. Gewann die Prin­zes­sin, wür­de die Stadt von der Krank­heit ver­schont blei­ben. Ver­lor sie, wür­de die Todes­fee ihr das Leben neh­men.” (Zitat S.11) Der Prin­zes­sin gelang es damals die Todes­fee zu besie­gen und die Stadt wur­de geret­tet. “Seit­dem fand jedes Jahr ein Noc­tis-Tur­nier in der Gro­ßen Are­na statt, zu Ehren des dama­li­gen Han­dels und für Dant­essas Sicher­heit.” (Zitat S.11) Natür­lich erin­nert “Game of Noc­tis” an “Die Tri­bu­te von Panem”, auch müs­sen die Spieler:innen in eine Are­na, von der man vor­her noch nicht weiß, was sie dort erwar­ten wird. Die jedes Jahr anders ist. Aller­dings ist der Roman deut­lich abge­schwäch­ter und weni­ger bru­tal erzählt (aber auch stel­len­wei­se nicht immer ganz so span­nend lei­der). Und er beinhal­tet rela­tiv viel Fan­tas­tik, was man schon bei den jewei­li­gen all­täg­li­chen Spie­len bemerkt: “Spie­le­rin, ich neh­me dei­ne Her­aus­for­de­rung an”, sag­te ich und stieß die Luft wie­der aus. Die Mün­ze, die ich eben noch durch den Stoff des Beu­tels gefühlt hat­te, ver­schwand, als die Magie des Gro­ßen Spiels ein­setz­te. Zwi­schen uns schim­mer­ten die Wor­te: Her­aus­for­de­rung ange­nom­men. Ein­satz: 1 Segna.” (Zitat S.32) Auch die Schieds­rich­ter sind mehr Uhr­werk und Maschi­ne als Mensch und es gibt magi­sche Gaben, die die Spieler:innen ein­set­zen kön­nen. Der Ideen­reich­tum der Autorin (nicht nur bei den Gaben) ist recht erfin­de­risch und so gibt es bei­spiels­wei­se Marsh­mal­low-Angrif­fe, Kämp­fe mit Schwert­fi­schen oder Atta­cken mit Rotz. Neben eini­gen schrä­gen und kurio­sen Momen­ten, war­tet das Buch aber auch mit ein wenig Tief­sin­nig­keit auf. Zeigt, dass es nicht immer nur auf das Gewin­nen ankommt. “Spie­le kön­nen magisch sein”, sag­te Ginev­ra. “Sie kön­nen uns Hoff­nung und Freu­de schen­ken, uns zum Lachen brin­gen, dafür sor­gen, dass wir uns leben­dig füh­len. Aber sie kön­nen uns auch täu­schen. Sie kön­nen uns glau­ben machen, dass es immer einen Gewin­ner und einen Ver­lie­rer gibt. Dass es dar­auf ankommt, recht zu haben, statt das Rich­ti­ge zu tun.” (Zitat S.232ff) Das Rich­ti­ge, das tut Pia am Ende.

Dir gefällt Deva Fagans Erzähl­stil? Im Deut­schen gibt es bis­her noch kein wei­te­res Buch, das über­setzt wur­de, du könn­test — wenn du des Eng­li­schen mäcLesealternativenhtig bist — aber schon in ihren bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen stö­bern. Eine gute Alter­na­ti­ve ist auch “Anouks Spiel” von Akram El-Bahay, in wel­chem ein Mäd­chen ein magi­sches Spiel, das in vier Run­den gespielt wird, gewin­nen muss, um ihre Schwes­ter zu ret­ten. Oder lies die bereits erwähn­te “Die Tri­bu­te von Panem”-Rei­he von Suzan­ne Coll­ins (ab 14). Sehr stark erin­nert hat mich “Game of Noc­tis: Spiel um dein Leben” vor allem an “Game Show: Der Preis der Gier” von Fran­zi Kop­ka, wel­ches eben­falls eine Rei­he ist (ab 14). Wei­te­re Spie­le in Büchern (aller­dings alle ab 14) sind “Ner­ve: Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen” von Jean­ne Ryan, “Panic: Wer Angst hat, ist raus” von Lau­ren Oli­ver, “Fair Play: Spiel mit, sonst ver­lierst du alles” von Kers­tin Gul­den und “Got­cha!” von Shel­ley Hrd­lit­sch­ka. Etwas neu­er wäre noch “The Good War” von Best­sel­ler­au­tor Mor­ton Rhue.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-55758-2
Erscheinungsdatum: 31.März 2025
Einbandart: Hardcover
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 352
Übersetzer*in: Katja Hildebrandt
Originaltitel: "A Game of Noctis"
Originalverlag: Atheneum Books for Young Readers
Amerikanisches Originalcover:








 

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Deva Fagan

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