Debbi Michiko Florence — Ein Sommer, der nie enden soll

11.Juni 2023

Ein Som­mer, der nie enden soll” ist ein Roman von der ame­ri­ka­ni­schen Autorin mit den japa­ni­schen Wur­zeln Debbi Michi­ko Flo­rence. Eine Som­mer­ge­schich­te über Freund­schaft und eine ers­te zar­te Lie­be, ver­letz­te Gefüh­le, heim­li­che Rache­plä­ne und die Suche nach der Wahr­heit, die nicht immer so ein­deu­tig ist. Mai und Zach und ihre jewei­li­gen Fami­li­en ver­brin­gen stets die Som­mer­fe­ri­en mit­ein­an­der. Bis auf letz­tes Jahr, als Zachs Fami­lie vor­über­ge­hend nach Japan zog. Doch nun sind sie wie­der zurück und die Feri­en kön­nen begin­nen. Aber Mai möch­te mit Zach, ihrem ehe­mals bes­ten Freund, nichts mehr zu tun haben und schmie­det die fie­ses­ten Rache­plä­ne,  um es ihm heim­zu­zah­len. Denn im vor­letz­ten Som­mer hat er etwas getan, dass sie nie­mals ver­ges­sen wird… aber war alles wirk­lich so, wie sie es erlebt hat? Ein ange­nehm erzähl­tes, schön mit Rück­blen­den ange­rei­cher­tes Buch, das defi­ni­tiv “Der Som­mer, als ich schön wur­de”-Vibes hat und die idea­le Lek­tü­re für son­ni­ge (Ferien)Tage ist:-) Für Jugend­li­che ab 11 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Mys­tic, Con­nec­ti­cut. Die 12-jäh­ri­ge Amai, die von allen nur Mai genannt wird, freut sich so gar nicht auf die jet­zi­gen Som­mer­fe­ri­en. Denn sie wird Zach wie­der­se­hen, der ein Jahr älter ist als sie und mit des­sen Fami­lie und ihrer eige­nen sie die Feri­en wie­der in deren Feri­en­haus auf dem Land ver­brin­gen wird. Ihre Müt­ter sind bes­te Freun­din­nen und daher ken­nen sich Zach und Mai schon seit sie klein sind. Sie haben sich jeden Som­mer gese­hen und waren unzer­trenn­lich. Zachs Fami­lie und das Feri­en­haus am See sind für Mai wie ein zwei­tes Zuhau­se. Doch nun ist alles anders:“In unse­rem letz­ten gemein­sa­men Som­mer hat­te Zach mich ver­ra­ten und unse­re Freund­schaft für immer zer­stört. Mei­ne Eltern wuss­ten nichts davon und sei­ne ver­mut­lich auch nicht. Wären die Koya­mas letz­ten Som­mer nach Mys­tic zurück­ge­kom­men, statt in Japan zu blei­ben, hät­ten Zach und ich viel­leicht die Chan­ce gehabt, uns zu ver­söh­nen. Aber jetzt war es zu spät. Zu viel Zeit war ver­gan­gen, und mein Groll war noch gewach­sen.” (Zitat aus “Ein Som­mer, der nie enden soll” S.10) Weil Zachs Fami­lie nach Japan aus­ge­wan­dert ist, haben sie sich einen Som­mer lang nicht gese­hen. Ihr letz­tes Wie­der­se­hen war vor zwei Jah­ren. Ihn jetzt wie­der zu tref­fen, kommt Mai sehr selt­sam vor. “Zach war mir so fremd, seit er aus Japan zurück­ge­kom­men war. Das war nicht mehr der Zach von frü­her. Und nicht nur wegen sei­ner Klei­dung, son­dern über­haupt. Er sah älter aus, sein Ver­hal­ten war erwach­se­ner und gelas­se­ner. Ich hass­te ihn immer noch, aber es fiel mir schwer, den Zach von frü­her, der mir so ver­traut gewe­sen war, mit die­ser neu­en Ver­si­on in Ein­klang zu brin­gen.” (Zitat S.133) Doch Mai hat einen Plan. Sie ist etwas zurückhal­ten­der gegen­über Zach, ver­sucht sich aber nicht anmer­ken zu las­sen, dass sie noch immer auf ihn sau­er ist. Denn sie will Rache. Will ihm heim­zah­len, was er ihr ange­tan hat. Als dann auch noch Lila, Mais bes­te Freun­din, für ein paar Tage zu Besuch kommt, hat sie die bes­te Unter­stüt­zung. Aber Rache zu neh­men, erweist sich als gar nicht so ein­fach. Vor allem weil Zach immer noch furcht­bar nett zu ihr ist…

Das Cover wirkt schön som­mer­lich und bunt (vom Stil mal ganz anders als die vor­he­ri­gen deut­schen Cover von Debbi Michi­ko Flo­rence). Die ein­zel­nen abge­bil­de­ten Blü­ten und Muscheln pas­sen auch zu Haupt­prot­ago­nis­tin Mai, die alles Mög­li­che aus der Natur sam­melt. Sie ist durch­gän­gig Ich-Erzäh­le­rin in dem Roman. Gera­de nur ihre Per­spek­ti­ve zu erle­ben, hält den Kon­flikt zwi­schen Mai und Zach noch etwas län­ger auf­recht, da man über Zachs Sicht der KasimiraDin­ge nur spe­ku­lie­ren kann. Zu Beginn lässt “Ein Som­mer, der nie enden soll” ganz klar an “Der Som­mer, als ich schön wur­de” von Jen­ny Han den­ken. Zwei Fami­li­en, die sich immer nur für einen Som­mer sehen. Zwei Kin­der, die erwach­sen wer­den und ein­an­der im Teen­ager­al­ter näher kom­men. Zudem haben bei­de ame­ri­ka­ni­sche Autorin­nen asia­ti­sche Wur­zeln. Wäh­rend es bei Jen­ny Han korea­ni­sche sind, sind es bei Debbi Michi­ko Flo­rence japa­ni­sche. Den japa­ni­schen Ein­fluss merkt man im Roman immer wie­der: Umebo­shi!”, rief ich begeis­tert und zog ein Glas Salz­pflau­men her­aus, mein abso­lu­ter japa­ni­scher Lieb­lings­snack. Ethan rümpf­te die Nase. “Igitt!” “Nicht gut?”, frag­te ich und schwenk­te das Glas vor sei­ner Nase her­um. Ein­ge­leg­te japa­ni­sche Pflau­men sind herb und sal­zig und pas­sen per­fekt zu Reis­ge­rich­ten, aber ich esse sie auch ein­fach so aus dem Glas.” (Zitat S.18ff) Aber auch die Tat­sa­che, dass Zachs Fami­lie eini­ge Zeit in Japan gelebt und eini­ges hier­von erzählt, trägt hier­zu bei. Das Set­ting in “Ein Som­mer, der nie enden soll” ist sehr pas­send getrof­fen: Marsh­mal­lo­gril­len am Lager­feu­er, Kanu­fahr­ten im See, gemein­sa­mes Vögel­be­ob­ach­ten, Baum­haus­bau­en, Muscheln- und Stei­ne­sam­meln am Strand — som­mer­li­che Atmo­sphä­re garan­tiert. Der Roman wird häu­fig in Rück­blen­den und Erin­ne­run­gen an ver­gan­ge­ne Som­mer erzählt. Die Kapi­tel tra­gen dann Über­schrif­ten wie “Süß: Sie­ben Som­mer davor” oder “Bit­ter: Zwei Som­mer davor” und schil­dern pos­ti­ve (=süß) und nega­ti­ve (=bit­ter) Erin­ne­run­gen der Prot­ago­nis­tin. “Ama­zup­pai war der Spitz­na­me, den unse­re Eltern Zach und mir gege­ben hat­ten. Es bedeu­te­te süß und bit­ter auf Japa­nisch. Obwohl Zach ein gan­zes Jahr und einen Monat älter war als ich, waren wir bei­de unzer­trenn­lich gewe­sen, seit ich krab­beln konn­te. Und das, obwohl wir nicht gegen­sätz­li­cher hät­ten sein kön­nen. Zwei Natur­kräf­te, die ein­an­der per­fekt aus­ba­lan­cier­ten. Ich hat­te Zach immer damit auf­ge­zo­gen, dass er der Bit­te­re war — Amai bedeu­te­te schließ­lich nichts ande­res als “süß”.” (Zitat S.33) Und zusam­men mit die­sen Erin­ne­run­gen geht man als Leser*in all­mäh­lich der Fra­geKasimira nach, was Zach denn getan hat, um Mai so zu ver­är­gern und zum Ende ihrer Freun­schaft geführt hat. Etwas, das Zach jedoch nicht bewusst ist, da Mai ihn immer wie­der mit ihrem Ver­hal­ten täuscht, dass alles in Ord­nung sei. Gera­de die­ses Hin- und Her hat Debbi Michi­ko Flo­rence sehr gut getrof­fen, als sie Zach bei­spiels­wei­se das ers­te Mal wie­der­sieht und er sie spon­tan in die Arme schließt: “Ich schloss die Augen. Zach. Die­ser Geruch trug mich sofort in unse­re Som­mer­mor­gen zurück, als wir Sei­te an Sei­te unter den Apfel­bäu­men lagen und dem Gesang der Vögel lausch­ten, wäh­rend wir Plä­ne für den Tag schmie­de­ten. Wär­me und Frie­den rie­sel­ten auf mei­nen Geist her­ab wie ein sanf­ter Regen. Dann zuck­te die Erin­ne­rung an Zachs Ver­rat in mei­nem Kopf auf, wie ein grel­ler Blitz, der mich in die Gegen­wart zurück­riss, zu dem Zach, wir er wirk­lich war.” (Zitat S.43) Die Autorin nimmt Teen­ager­nö­te Ernst. Schil­dert das Auf und Ab der Gefüh­le ihrer Prot­ago­nis­tin sehr behut­sam. Vor allem ver­letz­te Gefüh­le, Eifer­sucht, sich all­mäh­lich ver­än­dern­de Freund­schaf­ten (auch zu Lila, Mais bes­ter Freun­din) beschreibt sie sehr berüh­rend. Wäh­rend man sich am Anfang noch fragt, war­um Zach Mai nicht ein­fach dar­auf anspricht, war­um sie sich so merk­wür­dig ver­hält, dies dann aber erst Ewig­kei­ten spä­ter tut und eine fal­sche Ant­wort von Mai erhält, tritt bald das Haupt­pro­blem der Prot­ago­nis­tin zuta­ge: über Gefüh­le zu spre­chen und Ver­letzt­hei­ten zu äußern. “Aber seit Zach in die­sem Som­mer zehn gewor­den war, ras­te­te er wegen jeder Klei­nig­keit aus. Ich kau­er­te auf mei­ner Bank und hielt mir demons­tra­tiv mein Fern­glas vor die Augen, aber ich konn­te mich auf nichts ande­res kon­zen­trie­ren als auf mein wild klop­fen­des Herz. Ich kämpf­te mit den Trä­nen, woll­te auf kei­nen Fall wei­nen. Zach soll­te nicht mer­ken, wie ver­letzt ich war.” (Zitat S.143) Denn über sei­ne Emp­fin­dun­gen zu spre­chen, das ver­langt vor allem eines — Mut. Dazu gehört eben­so das Ver­zei­hen und Sich-ent­schul­di­gen-kön­nen. Am Ende fie­bert man eif­rig mit Mai mit und wird mit einem pas­sen­den Abschluss eines Som­mers belohnt.

Dir gefällt Debbi Michi­ko Flo­rence Erzähl­stil? Dann lies noch iLesealternativenhre zuvor erschie­ne­ne, in sich abge­schlos­se­ne, zwei­bän­di­ge “Bes­te Freun­din­nen”-Rei­he: “Gib dei­nem Glück eine Chan­ce, Kei­ko Car­ter” (Band 1) und “Bleib ein­fach cool, Jen­na Sakai” (Band 2). Die wohl bes­te Alter­na­ti­ve zu “Der Som­mer, der nie enden soll” ist die “Der Som­mer, als ich schön wur­de”-Rei­he von Jen­ny Han, so wird Debbi Michi­ko Flo­rence auch für die klei­ne Schwes­ter der Jen­ny Han-Leser*innen emp­foh­len. Bes­te Freun­de, die sich eini­ge Zeit nicht mehr gese­hen haben? Hier kann ich dir fol­gen­de Bücher wärms­tens emp­feh­len: “Wie­der­se­hen mit Lucky” von Jenn Ben­nett, “Lass mich nicht los” von Sarah Alder­son, “Das tie­fe Blau der Wor­te” von Cath Crow­ley und “Nichts ist gut. Ohne dich.” von Lea Coplin.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-65000-7
Erscheinungsdatum: 18.Mai 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: Ilse Rothfuss
Originaltitel: "Sweet and Sour"
Originalverlag: Scholastic Press

Amerikanisches Originalcover:

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Debbi Michiko Florence

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