“Ein Sommer, der nie enden soll” ist ein Roman von der amerikanischen Autorin mit den japanischen Wurzeln Debbi Michiko Florence. Eine Sommergeschichte über Freundschaft und eine erste zarte Liebe, verletzte Gefühle, heimliche Rachepläne und die Suche nach der Wahrheit, die nicht immer so eindeutig ist. Mai und Zach und ihre jeweiligen Familien verbringen stets die Sommerferien miteinander. Bis auf letztes Jahr, als Zachs Familie vorübergehend nach Japan zog. Doch nun sind sie wieder zurück und die Ferien können beginnen. Aber Mai möchte mit Zach, ihrem ehemals besten Freund, nichts mehr zu tun haben und schmiedet die fiesesten Rachepläne, um es ihm heimzuzahlen. Denn im vorletzten Sommer hat er etwas getan, dass sie niemals vergessen wird… aber war alles wirklich so, wie sie es erlebt hat? Ein angenehm erzähltes, schön mit Rückblenden angereichertes Buch, das definitiv “Der Sommer, als ich schön wurde”-Vibes hat und die ideale Lektüre für sonnige (Ferien)Tage ist:-) Für Jugendliche ab 11 Jahren und interessierte Erwachsene.
Mystic, Connecticut. Die 12-jährige Amai, die von allen nur Mai genannt wird, freut sich so gar nicht auf die jetzigen Sommerferien. Denn sie wird Zach wiedersehen, der ein Jahr älter ist als sie und mit dessen Familie und ihrer eigenen sie die Ferien wieder in deren Ferienhaus auf dem Land verbringen wird. Ihre Mütter sind beste Freundinnen und daher kennen sich Zach und Mai schon seit sie klein sind. Sie haben sich jeden Sommer gesehen und waren unzertrennlich. Zachs Familie und das Ferienhaus am See sind für Mai wie ein zweites Zuhause. Doch nun ist alles
anders:“In unserem letzten gemeinsamen Sommer hatte Zach mich verraten und unsere Freundschaft für immer zerstört. Meine Eltern wussten nichts davon und seine vermutlich auch nicht. Wären die Koyamas letzten Sommer nach Mystic zurückgekommen, statt in Japan zu bleiben, hätten Zach und ich vielleicht die Chance gehabt, uns zu versöhnen. Aber jetzt war es zu spät. Zu viel Zeit war vergangen, und mein Groll war noch gewachsen.” (Zitat aus “Ein Sommer, der nie enden soll” S.10) Weil Zachs Familie nach Japan ausgewandert ist, haben sie sich einen Sommer lang nicht gesehen. Ihr letztes Wiedersehen war vor zwei Jahren. Ihn jetzt wieder zu treffen, kommt Mai sehr seltsam vor. “Zach war mir so fremd, seit er aus Japan zurückgekommen war. Das war nicht mehr der Zach von früher. Und nicht nur wegen seiner Kleidung, sondern überhaupt. Er sah älter aus, sein Verhalten war erwachsener und gelassener. Ich hasste ihn immer noch, aber es fiel mir schwer, den Zach von früher, der mir so vertraut gewesen war, mit dieser neuen Version in Einklang zu bringen.” (Zitat S.133) Doch Mai hat einen Plan. Sie ist etwas zurück
haltender gegenüber Zach, versucht sich aber nicht anmerken zu lassen, dass sie noch immer auf ihn sauer ist. Denn sie will Rache. Will ihm heimzahlen, was er ihr angetan hat. Als dann auch noch Lila, Mais beste Freundin, für ein paar Tage zu Besuch kommt, hat sie die beste Unterstützung. Aber Rache zu nehmen, erweist sich als gar nicht so einfach. Vor allem weil Zach immer noch furchtbar nett zu ihr ist…
Das Cover wirkt schön sommerlich und bunt (vom Stil mal ganz anders als die vorherigen deutschen Cover von Debbi Michiko Florence). Die einzelnen abgebildeten Blüten und Muscheln passen auch zu Hauptprotagonistin Mai, die alles Mögliche aus der Natur sammelt. Sie ist durchgängig Ich-Erzählerin in dem Roman. Gerade nur ihre Perspektive zu erleben, hält den Konflikt zwischen Mai und Zach noch etwas länger aufrecht, da man über Zachs Sicht der
Dinge nur spekulieren kann. Zu Beginn lässt “Ein Sommer, der nie enden soll” ganz klar an “Der Sommer, als ich schön wurde” von Jenny Han denken. Zwei Familien, die sich immer nur für einen Sommer sehen. Zwei Kinder, die erwachsen werden und einander im Teenageralter näher kommen. Zudem haben beide amerikanische Autorinnen asiatische Wurzeln. Während es bei Jenny Han koreanische sind, sind es bei Debbi Michiko Florence japanische. Den japanischen Einfluss merkt man im Roman immer wieder: “Umeboshi!”, rief ich begeistert und zog ein Glas Salzpflaumen heraus, mein absoluter japanischer Lieblingssnack. Ethan rümpfte die Nase. “Igitt!” “Nicht gut?”, fragte ich und schwenkte das Glas vor seiner Nase herum. Eingelegte japanische Pflaumen sind herb und salzig und passen perfekt zu Reisgerichten, aber ich esse sie auch einfach so aus dem Glas.” (Zitat S.18ff) Aber auch die Tatsache, dass Zachs Familie einige Zeit in Japan gelebt und einiges hiervon erzählt, trägt hierzu b
ei. Das Setting in “Ein Sommer, der nie enden soll” ist sehr passend getroffen: Marshmallogrillen am Lagerfeuer, Kanufahrten im See, gemeinsames Vögelbeobachten, Baumhausbauen, Muscheln- und Steinesammeln am Strand — sommerliche Atmosphäre garantiert. Der Roman wird häufig in Rückblenden und Erinnerungen an vergangene Sommer erzählt. Die Kapitel tragen dann Überschriften wie “Süß: Sieben Sommer davor” oder “Bitter: Zwei Sommer davor” und schildern postive (=süß) und negative (=bitter) Erinnerungen der Protagonistin. “Amazuppai war der Spitzname, den unsere Eltern Zach und mir gegeben hatten. Es bedeutete süß und bitter auf Japanisch. Obwohl Zach ein ganzes Jahr und einen Monat älter war als ich, waren wir beide unzertrennlich gewesen, seit ich krabbeln konnte. Und das, obwohl wir nicht gegensätzlicher hätten sein können. Zwei Naturkräfte, die einander perfekt ausbalancierten. Ich hatte Zach immer damit aufgezogen, dass er der Bittere war — Amai bedeutete schließlich nichts anderes als “süß”.” (Zitat S.33) Und zusammen mit diesen Erinnerungen geht man als Leser*in allmählich der Frage
nach, was Zach denn getan hat, um Mai so zu verärgern und zum Ende ihrer Freunschaft geführt hat. Etwas, das Zach jedoch nicht bewusst ist, da Mai ihn immer wieder mit ihrem Verhalten täuscht, dass alles in Ordnung sei. Gerade dieses Hin- und Her hat Debbi Michiko Florence sehr gut getroffen, als sie Zach beispielsweise das erste Mal wiedersieht und er sie spontan in die Arme schließt: “Ich schloss die Augen. Zach. Dieser Geruch trug mich sofort in unsere Sommermorgen zurück, als wir Seite an Seite unter den Apfelbäumen lagen und dem Gesang der Vögel lauschten, während wir Pläne für den Tag schmiedeten. Wärme und Frieden rieselten auf meinen Geist herab wie ein sanfter Regen. Dann zuckte die Erinnerung an Zachs Verrat in meinem Kopf auf, wie ein greller Blitz, der mich in die Gegenwart zurückriss, zu dem Zach, wir er wirklich war.” (Zitat S.43) Die Autorin nimmt Teenagernöte Ernst. Schildert das Auf un
d Ab der Gefühle ihrer Protagonistin sehr behutsam. Vor allem verletzte Gefühle, Eifersucht, sich allmählich verändernde Freundschaften (auch zu Lila, Mais bester Freundin) beschreibt sie sehr berührend. Während man sich am Anfang noch fragt, warum Zach Mai nicht einfach darauf anspricht, warum sie sich so merkwürdig verhält, dies dann aber erst Ewigkeiten später tut und eine falsche Antwort von Mai erhält, tritt bald das Hauptproblem der Protagonistin zutage: über Gefühle zu sprechen und Verletztheiten zu äußern. “Aber seit Zach in diesem Sommer zehn geworden war, rastete er wegen jeder Kleinigkeit aus. Ich kauerte auf meiner Bank und hielt mir demonstrativ mein Fernglas vor die Augen, aber ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren als auf mein wild klopfendes Herz. Ich kämpfte mit den Tränen, wollte auf keinen Fall weinen. Zach sollte nicht merken, wie verletzt ich war.” (Zitat S.143) Denn über seine Empfindungen zu sprechen, das verlangt vor allem eines — Mut. Dazu gehört ebenso das Verzeihen und Sich-entschuldigen-können. Am Ende fiebert man eifrig mit Mai mit und wird mit einem passenden Abschluss eines Sommers belohnt.
Dir gefällt Debbi Michiko Florence Erzählstil? Dann lies noch i
hre zuvor erschienene, in sich abgeschlossene, zweibändige “Beste Freundinnen”-Reihe: “Gib deinem Glück eine Chance, Keiko Carter” (Band 1) und “Bleib einfach cool, Jenna Sakai” (Band 2). Die wohl beste Alternative zu “Der Sommer, der nie enden soll” ist die “Der Sommer, als ich schön wurde”-Reihe von Jenny Han, so wird Debbi Michiko Florence auch für die kleine Schwester der Jenny Han-Leser*innen empfohlen. Beste Freunde, die sich einige Zeit nicht mehr gesehen haben? Hier kann ich dir folgende Bücher wärmstens empfehlen: “Wiedersehen mit Lucky” von Jenn Bennett, “Lass mich nicht los” von Sarah Alderson, “Das tiefe Blau der Worte” von Cath Crowley und “Nichts ist gut. Ohne dich.” von Lea Coplin.
Bibliografische Angaben:Verlag: dtv ISBN: 978-3-423-65000-7 Erscheinungsdatum: 18.Mai 2023 Einbandart: Broschur Preis: 15,00€ Seitenzahl: 336 Übersetzer: Ilse Rothfuss Originaltitel: "Sweet and Sour" Originalverlag: Scholastic Press Amerikanisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
----------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Debbi Michiko Florence

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-65000-7
Erscheinungsdatum: 18.Mai 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: Ilse Rothfuss
Originaltitel: "Sweet and Sour"
Originalverlag: Scholastic Press
Amerikanisches Originalcover:
