Das Corona-Virus im Jugendbuch…

Kasimira24.März 2020

…das gibt es natür­lich noch nicht! So schnell ent­ste­hen im Kin­der- und Jugend­buch kei­ne Bücher über die­se uns alle momen­tan sehr beschäf­ti­gen­de The­ma­tik. Abge­se­hen von ein paar No-Name-Publishern oder E‑Book-Schnell­schüs­sen schafft dies der ers­te gro­ße Publi­kums­ver­lag (Piper Ver­lag) erst Mit­te Mai solch einen Titel (“Coro­na­vi­rus: 33 Fra­gen — 33 Ant­wor­ten”) in den Han­del zu brin­gen. Hier­bei han­delt es sich jedoch auch um ein Sach­buch für Erwach­se­ne und um kei­nen Roman. Zu was grei­fen also Jugend­li­che, die bereit sind sich mit die­sem The­ma aus­ein­an­der­zu­set­zen?

Fas­zi­nie­ren­der­wei­se gibt es eine Neu­erschei­nung, die im Janu­ar 2020 ins Deut­sche über­setzt wur­de, die inter­es­san­te Par­al­le­len zum Coro­na­vi­rus auf­zeigt“Der Hund, der die Welt ret­tet” von dem bri­ti­schen Autor Ross Wel­ford, erschie­nen im Cop­pen­rath Ver­lag. Hier bricht in Eng­land ein Hun­de­vi­rus aus, das auch schon auf den Men­schen über­springt und für eini­ge Todes­fäl­le bereits gesorgt hat. Und wo wur­de er erst­mals gesich­tet? In Chi­na: Kasimira“Bis­lang hät­ten sich die Aus­brü­che auf die Pro­vinz Jiangsu im Osten Chi­nas beschränkt, erläu­ter­te Dr. Zamt­ev. In Nan­jing sei damit begon­nen wor­den, sämt­li­che streu­nen­de Hun­de zu töten, um die Ver­brei­tung des Virus zu ver­hin­dern.” (Zitat S.91) Jiangsu liegt unge­fähr 700km von Wuhan ent­fernt. Der Roman ist für Jugend­li­che frü­hes­tens ab 10 Jah­ren gedacht und lie­fert eine äußerst tur­bu­len­te und sehr unter­halt­sa­me Geschich­te, die mit viel Ernst­haf­tig­keit und Humor vor allem eines gibt, das Kin­der und Jugend­li­che jetzt brau­chen — Hoff­nung! Denn natür­lich ist die Prot­ago­nis­tin — die 11-jäh­ri­ge Geor­gie — die selbst einen Hund hat, zwar mit­ver­ant­wort­lich dafür, dass sich das Virus in ihrer Gegend ver­brei­tet, weil sie ein paar Hygie­ne­vor­schrif­ten im Tier­heim nicht ein­hält, aber sie ist eben auch in der Lage auf beson­de­re Art und Wei­se nach einer Lösung zu suchen. Da befin­den sich unge­ahn­te Mög­lich­kei­ten zwi­schen zwei Buch­de­ckeln. Und so sorgt die Bekannt­schaft zu einer etwas durch­ge­knall­ten Wis­sen­schaft­le­rin, die eine Zeit­ma­schi­ne erfun­den hat, dafür, dass Geor­gie und ihr Hund “Mis­ter Masch” ein­fach mal neben­bei die Welt ret­ten! Eine aus­führ­li­che Rezen­si­on zum Buch fin­dest du hier.

Eine wei­te­re Neu­erschei­nung vom Febru­ar 2020 ist “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” von Ken­neth Oppel, einem kana­di­schen Schrift­stel­ler, der bereits mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­net wur­de. Das Buch ist nun ins Deut­sche über­setzt Kasimiraund im Beltz & Gel­berg Ver­lag ver­öf­fent­licht wor­den. Hier gibt es zwar kein Virus, das um sich greift, aber dafür ein selt­sa­mes Gras, das sich immer mehr auf der gan­zen Welt aus­zu­brei­ten droht und min­des­tens genau­so beängs­ti­gend ist: “Das Gras hat­te kei­ne Blät­ter, aber sta­che­li­ge Haa­re an sei­nen Stän­geln. Es war hart und voll­kom­men schwarz, ohne den Hauch irgend­ei­nes Farb­tons. Es sah aus wie etwas, das nicht hier­her­ge­hör­te.” (Zitat S.46) Es über­wu­chert sämt­li­che Fel­der, zer­stört Ern­ten und wächst unheim­lich schnell. Es zurecht­zu­stut­zen — bei­na­he unmög­lich! Ken­neth Oppel hat einen eher nüch­ter­nen Erzähl­stil. Doch trotz wenig aus­ufern­der Emo­tio­nen schafft er es rasch eine Bedro­hung in den Köp­fen der Leser ent­ste­hen zu las­sen. Sei­ne Geschich­te — die aus der Per­spek­ti­ve von drei Jugend­li­chen erzählt wird, von denen Zwei zunächst noch unter schlim­men All­er­gi­en lei­den, die durch das Gras dann aber merk­wür­di­ger­wei­se zu ver­schwin­den schei­nen — ist vor allem eines — äußerst action­reich und aben­teu­er­lich. Denn das selt­sa­me Gras ent­wi­ckelt sich wei­ter und scheint höchst intel­li­gent zu sein — und es greift den Men­schen schließ­lich direkt an! Der dys­to­pi­sche Roman mit Sci­ence-Fic­tion-Ele­men­ten offen­bart an die­ser Stel­le auch eini­ge Hor­ror­sze­nen: wenn fleisch­fres­sen­de Gebil­de Men­schen zu ver­schlin­gen dro­hen oder fie­se Ran­ken Men­schen im Schlaf zu erwür­gen ver­su­chen. Hier soll­te man nicht all­zu zart besKasimiraaitet sein. Die Lösung scheint in den drei Jugend­li­chen selbst zu lie­gen — wäh­rend ande­re zum Bei­spiel mit der Säu­re der Pflan­zen sich die Haut ver­ät­zen, macht den drei Prot­ago­nis­ten die­se gar nichts aus. In wel­che Rich­tung “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” geht, davon bekommt man auf den letz­ten Sei­ten des Buches eine Ahnung. Das Ende macht bereits neu­gie­rig auf die Fort­set­zun­gen. Zwei wei­te­re Tei­le wer­den noch fol­gen, um die Tri­lo­gie kom­plett zu machen. Zu emp­feh­len für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren.

Eben­falls im Beltz und Gel­berg Ver­lag erschie­nen und schon etwas älter (2015) ist “Schlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff” von dem ame­ri­ka­ni­schen Best­sel­ler­au­toren Lou­is Sachar (“Löcher”). Ein rich­tig gut geschrie­be­ner Roman, der sehr genau zeigt, wie sich eine Infek­ti­on in einer Klein­stadt all­mäh­lich aus­brei­ten kann. Ursa­che hier­für ist ein Louis Sachar - Schlamm oder Die Katastrophe von Heath CliffSchlamm­loch mit­ten im Wald, das mit unbe­kann­ten Erre­gern ver­se­hen ist. Denn der Schlamm, so erfährt man bald, ist eigent­lich ein „Unfall“ eines gro­ßen Kon­zerns. Die­ser woll­te mit­tels eines gene­tisch ver­än­der­ten Schleim­pil­zes eine neue Form von Ben­zin her­stel­len. Eigent­lich soll­te die­ser Mikro­or­ga­nis­mus an der Luft gar nicht über­le­ben kön­nen. Doch einer mutier­ten Form schien dies gelun­gen zu sein. In Kon­takt mit die­sem Schlamm kom­men nun drei Schü­ler einer Pri­vat­schu­le, die den eigent­lich “ver­bo­te­nen” Weg durch den Wald neh­men und bei einer Ran­ge­lei den Schlamm zur Ver­tei­di­gung benut­zen: ein Mäd­chen wirft es einem Jun­gen direkt ins Gesicht, um den ande­ren Jun­gen (The­ma Mob­bing) zu ver­tei­di­gen. Kurz dar­auf hat sie einen merk­wür­di­gen Aus­schlag im Gesicht und ihre gan­ze Hand brennt. Kann das etwa von dem Schlamm kom­men? Dann müss­te der ande­re Jun­ge das­sel­be Pro­blem ja im Gesicht haben! Nur die­ser scheint seit dem Geran­gel im Wald spur­los ver­schwun­den zu sein… Bald ste­cken sich immer mehr Men­schen an und schließ­lich wird sogar der Not­stand aus­ge­ru­fen, um eine Epi­de­mie zu ver­hin­dern. Die Geschich­te liest sich durch­weg inter­es­sant und ist mit 192 Sei­ten rela­tiv flott zu lesen, daher auch für Wenig­le­ser (vor allem Jungs) sehr gut geeig­net. Mir hat vor allem der iro­ni­sche Unter­ton, der sich zuwei­len in die Zei­len schleicht, gefal­len und die ein­ge­scho­be­nen Dia­lo­ge eines Unter­su­chunKasimiragsaus­schus­ses, der sich mit den Ereig­nis­sen in Heath Cliff aus­ein­an­der­setzt. Der Aus­schuss befragt ver­schie­de­ne Wis­sen­schaft­ler zu der Gefähr­lich­keit die­ses Schleim­pil­zes und berich­tet spä­ter im Buch von dem, was in Heath Cliff pas­siert, nach­dem eine Qua­ran­tä­ne über die gan­ze Stadt ver­hängt wird. Sehr anschau­lich dar­ge­stellt fand ich auch die gra­fi­sche Ver­an­schau­li­chung der Ver­brei­tung der Mikro­or­ga­nis­men. Ein paar klei­ne Bläs­chen säu­men den Buch­rand, die immer mehr und mehr wer­den und zum Schluss gan­ze Sei­ten aus­fül­len. Die Wis­sen­schaft­ler erklä­ren, dass eine Zell­tei­lung alle 36 Minu­ten geschieht und dem­entspre­chend wird das lau­fen­de Kapi­tel immer wie­der von eben die­ser Zell­tei­lung (in Zah­len aus­ge­drückt) unter­bro­chen, was die Dra­ma­tik der Geschich­te unwei­ger­lich erhöht. Zu Beginn sieht das noch ganz sim­pel aus: “2×1=2 und 2×2=4” (S.42), doch irgend­wann wach­sen die Zah­len ins Uner­mess­li­che: “2x1.048.576=2.097.152 und 2x2.097.152=4.194.304” S.117). Sehr anschau­lich zeigt sich hier, was expo­nen­ti­el­les Wachs­tum auch in Coro­na-Zei­ten gera­de bedeu­tet. Zu emp­feh­len ist der Roman ab 12 Jah­ren.

KasimiraRomane über plötzliche Virus-Ausbrüche & Epidemien/Pandemien

gibt es im Jugend­buch schon seit vie­len Jah­ren. Ein The­ma, das immer wie­der bewe­gend dar­ge­stellt wird. Hier ein Über­blick, chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum geord­net. 2012–2015 gab es eine wah­re Flut an dys­to­pi­schen Roma­nen, hier­un­ter auch eini­ge mit Viren, die­se sind grün­lich mar­kiert. Titel, die ich selbst gele­sen und die mir gut gefal­len haben, sind fett mar­kiert.

2004 Andre­as D. Hes­se “Arcan-Virus” Sauer­län­der
2010 Bet­ti­na Obrecht “Iso­liert” Blooms­bu­ry
2010 Klaus-Peter Wolf “Todes­brut” Script 5
2010 Miguel Lar­rea “Kip Par­va­ti und der Schat­ten des Todes” Fischer
2012 Lis­sa Pri­ce “Star­ters” + “End­ers” Piper
2013 Megan Crewe “Wir sind ver­bannt” + “Und wenn wir flie­hen” Fischer
2013 Dan Wells “Partials”-Reihe: “Auf­bruch”, “Frag­men­te”, “Rui­nen” Piper
2015 Vir­gi­nia Ber­gin “Rain” + “Storm” Fischer
2015 Chris Weitz “Young World:”-Reihe: “Die Clans von New York” + “Nach dem Ende” Dtv
2016 Jesper Wung-Sung “Opfer: Lasst uns hier raus” Dtv
2016 Mir­jam Mous “Virus: Wer auf­gibt, hat ver­lo­ren” Are­na
2016 Dan Smith “Shut Down: Du hast nur 24 Stun­den” Carl­sen
2017 Teri Ter­ry “Infi­ziert” + “Mani­pu­liert” + “Eli­mi­niert” Cop­pen­rath
2017 Fabio Geda, Mar­co Magno­ne “Staub­ge­bo­ren: Die Stadt der Ver­gäng­li­chen” Ueber­reu­ter
2018 Emi­ly Suva­da “Cat & Cole”-Reihe: “Die letz­te Genera­ti­on” + “Ein grau­sa­mes Spiel” Thie­ne­mann

 

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