Cornelia Funke, Tammi Hartung — Das grüne Königreich

23.Juli 2023

Das grü­ne König­reich” von der deut­schen Best­sel­ler­au­torin Cor­ne­lia Fun­ke ist das ers­te rea­lis­ti­sche Kin­der­buch seit den “Wil­den Hüh­nern”. Die Autorin hat sich hier­zu mit Tam­mi Har­tung zusam­men­ge­tan, einer Pflan­zen­ex­per­tin, die auf einem Bio­hof in South Caro­li­na über 1800 Pflan­zen­ar­ten anbaut. Im Mit­tel­punkt steht ein jun­ges Mäd­chen, das mit ihren Eltern den Som­mer in New York ver­brin­gen muss und davon alles ande­re als begeis­tert ist. Cas­pia mag kei­ne Groß­städ­te. Doch dann stößt sie auf ein paar alte Brie­fe, die ein blin­des Mäd­chen, das in Beglei­tung ihres Bota­ni­ker-Vaters durch die Welt­ge­schich­te reis­te, vor vie­len Jah­ren ihrer Schwes­ter schrieb. Ein­ge­lei­tet wer­den die Brie­fe mit einem Pflan­zen­rät­sel. Begeis­tert macht sich Cas­pia dar­an die­se Rät­sel zu lösen und die jewei­li­gen Pflan­zen in New York zu fin­den. Bald ist die Stadt mit ihren Bewoh­nern gar nicht mehr so unin­ter­es­sant… Ein zau­ber­haft erzähl­tes und mit Illus­tra­tio­nen von Fran­zis­ka Blin­de stim­mungs­voll in Sze­ne gesetz­tes Buch über die Lie­be zur Natur, Nach­hal­tig­keit und die beson­de­re Kraft der Pflan­zen. Aus­ge­stat­tet mit vie­len (Sach-)Informationen und sogar eini­gen Rezep­ten zum Nach­ko­chen. Eine Rei­se in die Ver­gan­gen­heit, ein Inne­hal­ten in der Gegen­wart und ein Bewusst­ma­chen der Zukunft, in der wir die Ver­ant­wor­tung tra­gen über die Erhal­tung der Schön­heit unse­rer Natur. Fas­zi­nie­rend, lehr­reich und unter­halt­sam. Macht direkt Lust die Natur und den eige­nen grü­nen Dau­men zu ent­de­cken! Klas­se!! Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Weil ihr Vater einem alten Schul­freund den gan­zen Som­mer auf einer Bau­stel­le aus­hel­fen muss, ver­brin­gen die 12-jäh­ri­ge Cas­pia und ihre Eltern die nächs­ten drei Mona­te in New York. Ihre bes­ten Freun­din­nen sind höchst begeis­tert. “Du wirst in Brook­lyn sein! Ich bin gift­grün vor Neid.” Aber Cas­pia war kein Stadt­mensch. Sie hat­te ihr gan­zes Leben in Wil­merton, einem klei­nen Ort im Nor­den von Maine, gelebt.” (Zitat aus “Das grü­ne König­reich” S.9) Sie freut sich nicht wirk­lich auf den Lärm und die Men­schen­mas­sen in der Stadt. Doch dann ent­deckt sieKasimira in der Woh­nung, die ihre Eltern gemie­tet haben, alte Brie­fe in einer Schub­la­de. Sie müs­sen der alten Frau gehört haben, die zuvor hier gewohnt hat und die ver­stor­ben ist. “Cas­pia nahm das Bün­del aus der Schub­la­de. Es sah aus, als wären die Brie­fe jeman­dem sehr kost­bar gewe­sen. Viel­leicht der alten Frau, die hier gewohnt hat­te. Es war wohl bes­ser, der Ver­mie­te­rin von ihnen zu erzäh­len. Aber die Brie­fe sahen so ein­la­dend aus. Als flüs­ter­ten sie: Cas­pia, komm schon. Lies uns! Wir haben auf dich gewar­tet.” (Zitat S.15) Ohne ihren Eltern davon zu erzäh­len, öff­net Cas­pia die Brie­fe. Nur ihre bes­ten Freun­din­nen zu Hau­se wis­sen Bescheid. Absen­der ist ein blin­des Mäd­chen namens Rosa­lin­de, die an ihre Schwes­ter Min­na schrieb. Min­na, die zu Hau­se in Brook­lyn saß und sehn­süch­tig auf die Post aus aller Welt war­te­te: “Stell dir vor, Min­na, Papa und ich sind inzwi­schen rich­ti­ge Berühmt­hei­ten! Der bri­ti­sche Bota­ni­ker und sei­ne blin­de Toch­ter, die zusam­men die Welt berei­sen, um das grü­ne König­reich zu erkun­den. Ich mach all die Gärt­ner ziem­lich ner­vös, wenn ich mit mei­nen Fin­gern die Pflan­zen berüh­re, um sie ken­nen­zu­ler­nen. Aber ich glau­be, den Pflan­zen gefällt es.” (Zitat S.17) Im ers­ten Brief erwar­tet Cas­pia zudem ein Pflan­zen­rät­sel, wel­ches jeden der dar­auf­fol­gen­den Brie­fe ein­lei­tet. Rosa­lin­de gab ihrer Schwes­ter immer ein paar Hin­wei­se zum Erra­ten. Die Auf­lö­sung folg­te dann im nächs­ten Brief. “Wenn sie jede Woche einen öff­ne­te, wür­den sie mehr als zwei Mona­te hal­ten und ihr das Gefühl geben, mit Rosa­lin­de um die Welt zu rei­sen und Aben­teu­er an fer­nen Orten zu erle­ben, statt nur in Brook­lyn fest­zu­sit­zen. Aber bloß ein Brief pro Woche… Cas­pia konn­te sich schon jetzt kaum davon abhal­ten, den zwei­ten zu öff­nen!” (Zitat S.25) Bald ist Cas­pia hell­auf begeis­tert. Sie erzählt ihren Eltern nur, dass sie online Pflan­zen­rät­sel löst, um zu ver­mei­den, dass ihre Eltern ihr die Brie­fe weg­neh­men und sie der Ver­mie­te­rin geben. Und stürzt sich mit­ten in ein Aben­teu­er, um jene Pflan­zen zu fin­den und auch in New York “live” auf­zu­stö­bern. Dabei lernt sie aller­lei neue Men­schen kennen…

Das Cover ist pas­send und wun­der­schön gestal­tet, ver­spricht ein Aben­teu­er zwi­schen den Buch­de­ckeln, das die Leser*innen in “Das grü­ne König­reich” tat­säch­lich auch erwar­ten wird. Wäh­rend der Titel fast etwas fan­tas­tisch klingt, spielt die­ser Roman jedoch aus­schließ­lich in der reel­len Welt. Die Grund­idee mit den Brie­fen ist sehr gelun­gen: “27.März 1958. Selbst ihre Mut­ter war da noch nicht gebo­ren. Aber die Wor­te auf dem blass­grü­nen Papier… sie waren so leben­dig. Sie klan­gen, als hät­te jemand nach ihrer Hand gegrif­fen. “Hal­lo Rosa­lin­de”, sag­te sie lei­se. “Freut mich, dich ken­nen­zu­ler­nen.” Nein, sie wür­de die­se Brie­fe nicht zurück­ge­ben. Noch nicht.” (Zitat S.17) Cas­pia ist ein sehr sym­pa­thi­sches Mäd­chen, das durch­ge­hend in per­so­na­ler Erzähl­wei­se berich­tet. Wäh­rend sie zu Beginn noch etwas skep­tisch gegen­über der neu­en Stadt und dem Stadt­le­ben ansich ist, taucht sie durch Rosa­lin­des Brie­fe immer tie­fer in die Welt der Natur ein und muss fest­stel­len, dass selbst eine Groß­stadt aller­lei Natur zu bie­ten hat. Sie besucht Gewürz- und Blu­men­lä­den, den Bota­ni­schen Gar­ten und ent­deckt man­che Pflan­ze am Weges­rand. Sehr gelun­gen fand ich die Kom­bi­na­ti­on von Wis­sens­ver­mitt­lung und erzäh­len­der Hand­lung. Die Begeis­te­rung mehr über Pflan­zen, ihre Lebens­räu­me, ihre Wir­kung zu erfah­ren, steckt nahe­zu an! Vor allem die Idee der Mut­ter, die das Kochen liebt und davon träumt ein eige­nes Koch­buch her­aus­zu­brin­gen und Cas­pia in gewis­ser Wei­se kuli­na­risch beglei­tet, ist sehr erfri­schend: “Mom war begeis­tert von die­ser neu­en Her­aus­for­de­rung, weil die Blü­ten­blät­ter von Rosen sich, wie sie beim Früh­stück ver­kün­de­te, wun­der­bar als Deko­ra­ti­on ver­wen­den lie­ßen. Mom hat­te sich vor­ge­nom­men, für jede Pflan­ze, die Cas­pia erkun­de­te, ein Rezept zu erfin­den.” (Zitat S.58) Man hat beim Lesen selbst gro­ßen Spaß dar­an, die Pflan­zen­rät­sel zu lösen und Cas­pia auf ihrer Erkun­dungs­tour durch New York zu beglei­ten. Auch wenn der Span­nungs­bö­gen nicht der größ­te ist, ver­zeiht man dies der Autorin ger­ne, denn die lie­be­vol­le Auf­ma­chung der Geschich­te, die tol­len Illus­tra­tio­nen, die Ein­bin­dung der in Schreib­schrift geschrie­be­nen Brie­fe und die Unter­schrei­chung der Bedeut­sam­keit unse­rer Umwelt machen dies auf jeden Fall wie­der wett. Im Anhang fin­det man sogar einen lie­be­voll gezeich­ne­ten Pflan­zeng­los­sar und all die Rezep­te, die Cas­pi­as Mut­ter zur jewei­li­gen erra­te­nen Pflan­ze gekocht hat (die­se stam­men übri­gens von Cor­ne­li­as Fun­kes Schwie­ger­sohn, der Koch ist!). Sprach­lich ist “Das grü­ne König­reich” auch rich­tig schön geschrie­ben, betrach­tet man Stel­len wie die­se: “Zu Hau­se sahen alle irgend­wie gleich aus — als ob sie alle aus dem­sel­ben Ton gemacht waren. Wil­merton spiel­te eigent­lich jeden Tag die­sel­be Melo­die. Brook­lyn dage­gen kam Cas­pia wie eine wil­de Sym­pho­nie vor, die Tau­sen­de von mensch­li­chen Instru­men­ten spiel­ten. Aber irgend­wie kamen all ihre Klän­ge har­mo­nisch zusam­men.” (Zitat S.26ff) Was mir aber auch sehr gut gefiel, sind die zuwei­len recht phi­lo­so­phisch anmu­ten­den Gedan­ken, die Cor­ne­lia Fun­ke in ihre Geschich­te mit ein­flie­ßen lässt und die Brü­cken zwi­schen Pflan­zen- und Men­schen­welt schla­gen: “Leb­ten Pflan­zen gern so behü­tet? [Anmer­kung: in einem Gewächs­haus] Oder wären sie alle lie­ber in der Wild­nis gewach­sen? Viel­leicht sind sie wie Men­schen, glaub­te sie Rosa­lin­de sagen zu hören. Man­che mögen den offe­nen Him­mel, wäh­rend ande­re ein Haus aus Glas bevor­zu­gen.” (Zitat S.35) und “Was betrach­te­te die Pal­me, an der sie vor­bei­kam, als ihr Zuhau­se? Blieb das immer der Ort, an dem man gebo­ren wor­den war? Oder konn­te man neue Wur­zeln schla­gen? Die Pflan­zen, die sie umga­ben, hat­ten es getan — aber waren die neu­en Wur­zeln je so stark wie die alten?” (Zitat S.36) Der Roman macht an vie­len Stel­len ein­fach direkt Lust die Gar­ten­schau­feln aus­zu­pa­cken und etwas anzu­pflan­zen bezie­hungs­wei­se das ein- oder ande­re Pflänz­chen zum Kochen zu ver­wen­den! Das Ende ist sehr passend.

Dir gefällt Cor­ne­lia Fun­kes Erzäh­stil? Sie hat unzäh­li­ge Bücher geschrie­ben. Eben­falls ab 1011 Jah­ren sind “Hän­de weg von Mis­sis­sip­pi”, die “Wil­den Hüh­ner”-Rei­he (Band 1: “Die Wil­den Hüh­ner”, Band 2: “Auf Klas­sen­fahrt”Band 3: “Fuch­salarm”Band 4: Die wil­den Hüh­ner und das Glück der ELesealternativenrde”, Band 5: “Die Wil­den Hüh­ner und die Lie­be” und Band 6: “Die Wil­den Hüh­ner und das Leben”), “Pot­il­la”, “Igrai­ne Ohne­furcht”, “Der Herr der Die­be”, die Dra­chen­rei­ter-Rei­he (Band 1: “Dra­chen­rei­ter”Band 2: “Der Fluch der Aure­lia” und Band 3: “Die Feder eines Greifs”) und “Geis­ter­rit­ter”. Für Jugend­li­che ab 1213 Jah­ren wer­den emp­foh­len: die “Tin­ten­welt”-Rei­he (Band 1: “Tin­ten­herz”, Band 2: “Tin­ten­blut”“Band 3: “Tin­ten­tod” und Band 4: “Die Far­be der Rache”) und “Ein Engel in der Nacht”. Ab 15 Jah­ren wer­den emp­foh­len: “Reck­less”-Rei­he (Band 1: “Stei­ner­nes Fleisch”, Band 2: “Leben­di­ge Schat­ten”Band 3: “Das gol­de­ne Garn”, Band 4: “Auf sil­ber­ner Fähr­te” und drei Zusatz­bän­de: “Spie­gel­welt”“Mein Reck­less Mär­chen” und “Palast aus Glas”) und “Das Laby­rinth des Fauns”. Dir gefal­len Bücher, in denen die Natur eine beson­de­re Rol­le spielt? Dann könn­te ich mir die Roma­ne von Jac­que­line Kel­ly gut vor­stel­len: “Cal­pur­ni­as ®evo­lu­tio­nä­re Ent­de­ckun­gen” und die Fort­set­zung “Cal­pur­ni­as fas­zi­nie­ren­de For­schun­gen”. Die Ver­bun­den­heit zur Natur spürst du auch in “Echo Moun­tain” von Lau­ra Wolk, in der “Ein Mäd­chen namens Wil­low”-Rei­he von Sabi­ne Bohl­mann und in der Neu­erschei­nung “Octo­ber, Octo­ber: Die wei­te, wil­de Welt war­tet auf mich” von Katya Balen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dressler
ISBN: 978-3-7513-0106-0
Erscheinungsdatum: 14.April 2023
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 208
Übersetzer: Anna Schmitt Funke
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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