Colleen Oakes — The Black Coats: …denn wir vergeben keine Schuld

Kasimira15.September 2019

The Black Coats: …denn wir ver­ge­ben kei­ne Schuld” ist ein Span­nungs­ro­man der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Col­le­en Oakes, ein wich­ti­ger Bei­trag zur #Metoo-Bewe­gung — obgleich die Autorin die­sen zeit­lich schon lan­ge davor abge­schlos­sen hat. Ein Buch über einen Geheim­bund von Frau­en, die um Rache und Gerech­tig­keit kämp­fen und an gewalt­tä­ti­gen Män­nern Selbst­jus­tiz üben. Ein jun­ges Mäd­chen, in deren Leben eben­falls Unge­sühn­tes gesche­hen ist, wird zu die­ser Grup­pe ein­ge­la­den und gerät mit­ten zwi­schen die Fron­ten. Ein sagen­haf­tes Buch — anders, außer­ge­wöhn­lich und unglaub­lich fes­selnd geschrie­ben! Für rei­fe Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Außen­sei­te­rin Thea sitzt mit­ten im Töp­fer­un­ter­richt, als jemand unbe­merkt einen schwar­zen Brief­um­schlag neben ihr ablegt. “Die Vor­der­sei­te war leer, und die bei­den Buch­sta­ben auf der Rück­sei­te waren nur dann zu erken­nen, wenn sie das Kuvert ins Licht hielt, eine stren­ge, schwar­ze Lack­schrift auf dem schwar­zen Umschlag. BC. War das eine Ein­la­dung zum Abschluss­ball?” (Zitat S.16 aus “The Black Coats: …denn wir ver­ge­ben kei­ne Schuld”) Doch dort wür­de sie ohne­hin nicht hin­ge­hen, und alle ande­ren wür­den auch nicht wol­len, dass sie käme. Aber die Kar­te scheint der Beginn einer Art Schnit­zel­jagd zu sein: “Was­seren­gel. In zehn Minu­ten. Sei pünkt­lich und zeig nie­man­dem die Kar­te.(Zitat S.17). Die Kar­te führt sie Kasimirawei­ter zu einem neu­en Hin­weis und zu einem neu­en Ziel. Und schließ­lich zu einer mons­trö­sen, rie­si­gen Vil­la im Wald, in der man schon auf sie gewar­tet hat. Dies ist der Sitz der Geheim­or­ga­ni­sa­ti­on “The Black Coats”. “Wir haben uns zur Auf­ga­be gemacht, Frau­en Gerech­tig­keit wider­fah­ren zu las­sen, die Schreck­li­ches erlei­den muss­ten.” (Zitat S.38) Sie haben Thea aus­er­wählt Teil ihrer Gemein­schaft zu wer­den. “Du bist schnell, du bist intel­li­gent, und vor allem” — mit einem Nicken deu­te­te sie auf das Foto, das Thea in den Hän­den hielt — “hast du einen Grund.” (Zitat S.39) Denn The­as Cou­si­ne Nata­lie wur­de ermor­det und der Täter konn­te bis­her nicht bestraft wer­den. Wenn sie Teil der “Black Coats” wird, dann wird man auch ihr hel­fen sich an dem Mör­der zu rächen. Schnell wird Thea Mit­glied des Teams und dringt immer tie­fer ein die Welt der “Black Coats”. Doch eben­so dort scheint nicht alles mit rech­ten Din­gen zu zuge­hen…

KasimiraDüs­ter, bedroh­lich und geheim­nis­voll — so wirkt das Cover auf den ers­ten Blick — und macht defi­ni­tiv neu­gie­rig auf die­se beson­de­re Geschich­te. Der Roman star­tet mit einem Pro­log, der sei­ne Leser in das Jahr 1972 nach Gra­pe­land, Texas ent­führt, wo ein jun­ges Mäd­chen namens Robin von einem Jun­gen zu einem Tref­fen ein­ge­la­den und bru­tal ver­ge­wal­tigt wird. Sie ver­traut sich nicht ihren Eltern, son­dern ihrer bes­ten Freun­din an, die ihr ver­spricht, dass sie nun in Sicher­heit sei und dass sie sich rächen wür­den. Dann endet der Pro­log mit fol­gen­dem Satz: “Und drei Wochen spä­ter hat­te ihr Julie bei­gestan­den, als Robin den schwar­zen Man­tel ihres Vaters ange­zo­gen und mit unsi­che­ren Hän­den einen Base­ball­schlä­ger geschwun­gen hat­te.” Nun beginnt — von einer schwar­zen Sei­te getrennt — der Haupt­teil, der in “Teil eins” und “Teil zwei” erzählt wird und in der heu­ti­gen Zeit und eben­so in Texas, aber in Aus­tin, spielt. Am Anfang braucht man erst ein­mal eine Wei­le um sich in die Situa­ti­on und in die per­so­na­le Erzähl­wei­se von Thea ein­zu­füh­len. Spo­ra­di­sche Andeu­tun­gen müs­sen ein­ge­ord­net wer­den, war­um rech­nen immer aKasimiralle damit, dass sie zusam­men­bricht? War­um will nie­mand, dass sie zum Abschluss­ball kommt? War­um woll­te sie sich das Leben neh­men? Wer ist die­se Nata­lie, die immer wie­der erwähnt wird und wie stand die­se zu Thea? Etwas befremd­lich wir­ken man­che Situa­tio­nen zuwei­len. “Sie muss­te lachen, denn all das war total absurd: Der Umschlag, der Brun­nen, die­ser ver­rück­te Baum. Sie lach­te, bis ihr Bauch schmerz­te, muss­te über­ge­schnappt sein, genoss aber jeden ein­zel­nen Augen­blick. Viel zu lan­ge hat­te sie nicht mehr so gelacht […], wäh­rend sie auf das Geheim­nis zurann­te, das nach ihr rief. (Zitat S.28) Doch all­mäh­lich ver­steht man dann die Zusam­men­hän­ge und die Fas­zi­na­ti­on die­ser beson­de­ren Grup­pie­rung zieht einen schnell in den Bann. Col­le­en Oaks wagt ein inter­es­san­tes Gedan­ken­ex­pe­ri­ment. Was wäre, wenn es tat­säch­lich solch eine Grup­pe gäbe, die Gerech­tig­keit aus­übt, wo das Gesetz es nicht mehr kann auf­grund zum Bei­spiel man­geln­der Bewei­se? Rasch taucht man mit Thea ein in eine außer­ge­wöhn­li­che WKasimiraelt vol­ler neu­er Regeln, beson­de­ren Aus­bil­dungs­maß­nah­men, die das jun­ge Mäd­chen und ihr Team fast wie eine Geheim­agen­tin immer neue Auf­trä­ge aus­füh­ren lässt. Aber der Thril­ler ver­langt dem Leser auch eini­ges ab. Vie­le gewalt­tä­ti­ge Sze­nen sind dar­in ent­hal­ten, bei denen man sich immer wie­der fra­gen muss — Selbst­jus­tiz, darf man das? Und wie weit darf man gehen? Äußerst span­nungs­ge­la­den kommt die Geschich­te daher, war­tet immer wie­der mit über­ra­schen­den Wen­dun­gen auf. Mit teils erfri­schen­den Cha­rak­te­ren (wie zum Bei­spiel The­as Eltern) und einer sehr ange­neh­men Erzähl­wei­se. Auch eine klei­ne Lie­bes­ge­schich­te ist dar­in ent­hal­ten. Das Buch endet mit einem gro­ßen, atem­be­rau­ben­den Show­down und einem Nach­wort der Autorin.

Eine gute Lese­al­ter­na­ti­ve über Rache ist diLesealternativene Tri­lo­gie von Jen­ny Han: “Auge um Auge” (Band 1), “Feu­er und Flam­me” (Band 2) und “Asche zu Asche” (Band 3). Oder lies “Die Angst der Bösen” von Kris­ti­na Dun­ker und “Im Her­zen die Rache” von Eliza­beth Miles (eben­falls eine Tri­lo­gie). Gut könn­te ich mir auch den schon etwas älte­ren Titel “Pret­ty Cle­ver” von Eli­sa Lud­wig (eine moder­ne Robin Hood Ver­si­on). Um Gerech­tig­keit kämp­fen eben­so die Prot­ago­nis­ten in “33 Cent um ein Leben zu ret­ten” von Lou­is Jen­sen, in “Zusam­men wie Schwes­tern” von Gayle For­man und in der gelun­ge­nen Neu­erschei­nung “V wie Vin­cent” von Lucin­de Hutzen­laub.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-78998-3
Erscheinungsdatum: 15.August 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,95€
Seitenzahl: 397
Übersetzer: Friederike Levin
Originaltitel: "The Black Coats"
Originalverlag: Harper Teen

Amerikanisches Originalcover: 


Kasimiras Bewertung:

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