Colleen Hoover — Too late

20.Mai 2019

Too late” von der ame­ri­ka­ni­schen Best­sel­ler­au­torin Col­le­en Hoo­ver ist im neu­en Imprint des dtv Ver­lags Bold erschie­nen und rich­tet sich an “Digi­tal Nati­ves ab 20”. Eine Drei­ecks­be­zie­hung und die Geschich­te einer Abhän­gig­keit und einer Obses­si­on, wie nur eine Col­le­en Hoo­ver sie erzäh­len kann! Authen­tisch, lei­den­schaft­lich, auf­wüh­lend — ein Buch, das unter die Haut geht und mal wie­der meis­ter­haft erzählt ist. Ich bin immer wie­der höchst erstaunt, wie die­se Autorin sich von Buch zu Buch noch mehr stei­gern kann! Lese­tipp! Für Erwach­se­ne ab 18 Jah­ren (dies­mal KEIN Jugend­buch!).

Seit unge­fähr zwei Jah­ren ist Slo­an nun schon mit Asa zusam­men. Er hat sie damals — obwohl er sie noch nicht lan­ge kann­te — bei sich auf­ge­nom­men, als sie buch­stäb­lich auf der Stra­ße saß und nie­man­den mehr hat­te, zu dem sie gehen konn­te. Zurück zu ihrer dro­gen­ab­hän­gi­gen Mut­ter und ihren stän­dig wech­seln­den Lieb­ha­bern, das konn­te sie nicht mehr. Jetzt ist ihr Zuhau­se bei Asa, der ver­mö­gend ist und ein eige­nes Haus besitzt. Er geht wie sie aufs Col­le­ge, auch wenn er diesrecht unre­gel­mä­ßig tut, aber trotz­dem bes­te Noten schreibt. Asa sieht gut aus. “Er ist her­risch, flippt schnell aus und macht es mir oft nicht Kasimiraleicht, mit ihm zusam­men­zu­le­ben. Aber er liebt mich. Er liebt mich aus tiefs­tem Her­zen. Und trotz sei­ner schwie­ri­gen Sei­ten lie­be ich ihn irgend­wie auch.” (Zitat aus “Too late” S.8) Denn Asa besitzt sein gan­zes Geld nicht, weil er rei­che Eltern oder eine gro­ße Erb­schaft erhal­ten hat, wie er Slo­an zunächst noch weis­ma­chen woll­te, son­dern, weil er ein ganz gro­ßer Fisch in der Dro­gen­sze­ne ist. Er dealt. Und des­halb gehen in sei­nem Haus auch die unter­schied­lichs­ten Leu­te ein und aus. “Asa fei­ert rund um die Uhr Dau­er­par­ty und lädt stän­dig irgend­wel­che Leu­te ein, ohne sich dar­um zu küm­mern, dass wir am nächs­ten Tag eigent­lich bei­de im Col­le­ge sit­zen müss­ten.” (Zitat S.9) Slo­an hat schon völ­lig den Über­blick ver­lo­ren, wer hier dau­er­haft wohnt und wer nur mal für ein paar Tage zu Besuch ist. Als sie her­aus­fin­det, dass ihr Freund ein Dea­ler ist, hat sie ihn dazu auf­ge­for­dert damit auf­zu­hö­ren. Doch Asa denkt gar nicht dar­an. Also hat Slo­an ihn ver­las­sen. Um kur­ze Zeit spä­ter wie­der unter größ­ter Über­win­dung bei ihm auf­zu­kreu­zen. Denn es geht nicht nur um sie, es geht vor allem um ihren klei­nen Bru­der Ste­phen, der seit Geburt kör­per­lich und geis­tig behin­dert ist. Dem man plötz­lich sämt­li­che staat­li­che FörKasimiraderung gestri­chen hat. Und wenn Slo­an nicht will, dass er zurück zu ihrer Mut­ter soll, dann muss sie sei­nen Pfle­ge­heim­platz aus eige­ner Tasche bezah­len. Etwas, was sie sich mit stu­den­ti­schen Neben­jobs auf kei­nen Fall leis­ten kann. So viel Geld hat nur Asa. “Asa hat mich wie­der bei sich auf­ge­nom­men, aber von da an wuss­te er, wie sehr ich auf ihn ange­wie­sen war, und bestimm­te die Spiel­re­geln. Sei­ne Leu­te gehen ganz selbst­ver­ständ­lich bei uns ein und aus, und er sieht kei­nen Grund mehr, sei­ne Geschäf­te vor mir zu ver­heim­li­chen. Das ist also mein Leben. Das Haus ist stän­dig von Frem­den bevöl­kert, jeden Abend ist Par­ty und jede ein­zel­ne die­ser Par­tys ist ein Alp­traum für mich. Ich mag die Leu­te nicht, mit denen Asa sich umgibt; sei­ne ille­ga­len Geschäf­te machen mir Angst, und ich wür­de lie­ber heu­te als mor­gen aus­zie­hen. (Zitat S.22ff) Ein Jahr in der Höl­le, das muss Slo­an noch aus­hal­ten, dann kann sie end­lich ihren Abschluss machen und rich­ti­ges, eige­nes Geld ver­die­nen. Ein Jahr lang noch durch­hal­ten. Bis plötz­lich Car­ter in ihr Leben tritt, der im Spa­nisch­un­ter­richt neben ihr sitzt und mit dem sie zu flir­ten beginnt. Mit ihm ist alles so leicht und ein­fach. Er scheint ihr genau das zu geben, was Asa ihr höchs­tens zu Beginn ihrer Bezie­hung noch geben konn­te. Doch dann taucht auch Car­ter in Asas Haus auf. Er ist einer der neu­en Geschäfts­part­ner! Was weder Slo­an, die ihm unwei­ger­lich näher kommt, noch Asa jedoch ahnen, ist, dass Car­ter ein ver­deck­ter Ermitt­ler ist und den größ­ten Dro­gen­ring der Gegend zur Stre­cke brin­gen will, allen vor­an Dro­gen­boss Asa…

KasimiraDass Col­le­en Hoo­ver rich­tig gut schrei­ben kann, das merkt man ein­fach beim Lesen! Mich erstaunt immer wie schnell sie es schafft ihre Leser in ihren Bann zu zie­hen und das Erzähl­tem­po auch pau­sen­los so hoch hal­ten kann. Eine Stel­le, die irgend­wie lang­wei­lig und öde geschrie­ben ist? Fehl­an­zei­ge! Das gibt es bei der Best­sel­ler­au­torin und Meis­te­rin der Emo­tio­nen ein­fach nicht. Sie wickelt ihre Leser um den Fin­ger und offen­bart gebro­che­ne, authen­ti­sche Per­sön­lich­kei­ten, die Ecken und Kan­ten und Ängs­te und Abgrün­de in sich tra­gen, die mit ihren zwie­späl­ti­gen Gefüh­len kämp­fen und mit ihren Umstän­den, die es ihnen nicht immer leicht machen. Eine ernst­haf­te The­ma­tik zieht sich durch “Too late”, das schon mit dem beson­de­ren Cover zeigt, das hier ist eine ganz neue Liga, in der Col­le­en Hoo­ver spielt. Eine düs­te­re Welt vol­ler Kri­mi­na­li­tät und Gewalt und in einem Dro­gen­mi­lieu, das sonst — so deut­lich skiz­ziert — bis­her noch nicht ihre war. Es ist aber vor allem die Abhän­gig­keit von Slo­an zu Asa, die beson­ders hef­tig beschrie­ben und gleich auf den ers­ten Sei­ten in den Mit­tel­punkt gestellt wird: “Ich ver­su­che, mei­ne Hän­de aus sei­nen zu zie­hen, aber er ver­stärkt sei­nen Griff und erin­nert mich wie­der ein­mal dar­an, dass ich eine Gefan­ge­ne in mei­nem eige­nen Schlaf­zim­mer bin — in mei­nem eige­nen Bett. Und Asa ist mein Wär­ter. Von Anfang an Kasimirahat er mich spü­ren las­sen, dass ich ihm mei­nen Kör­per zur Ver­fü­gung zu stel­len habe, wann immer er Lust dar­auf hat. Er wird zwar nie grob, aber Lust hat er oft. Sehr oft.” (Zitat S.7) Die Befrei­ung aus die­ser Abhän­gig­keit wäre schon allei­ne roman­fül­lend, aber hin­zu kommt dann noch die beson­de­re Rol­le von Car­ter, der eigent­lich Luke heißt, und gehö­rig Zünd­stoff in das ohne­hin schon ange­spann­te Ver­hält­nis zwi­schen Asa und Slo­an bringt. Denn wenn sich Slo­an mit irgend­je­man­dem Ande­ren ein­las­sen wür­de, dann — und das hat Asa ihr mehr als deut­lich gemacht — wäre die­ser ein toter Mann! Um dem gan­zen Feu­er­werk der dar­aus sich erge­ben­den Emo­tio­nen noch eins drauf­zu­set­zen, berich­tet nicht nur Slo­an in der Ich-Per­spek­ti­ve, son­dern es gesel­len sich auch  meist kür­ze­re Kapi­tel dazu, die sowohl Car­ters als auch Asas Sicht­wei­se schil­dern. Rela­tiv vie­le ero­ti­sche Sze­nen fül­len den Roman, die defi­ni­tiv ein FSK ab 18 Jah­ren ver­die­nen, Gren­zen der Per­ver­si­on aus­rei­zen und immer wie­der häus­li­che Gewalt — ein zen­tra­les The­ma schon in ihrem Roman “Nur noch ein ein­zi­ges Mal” — in den Mit­tel­punkt stel­len. Das “lan­ge Ende” fand ich mit beson­ders viel Raf­fi­nes­se erzählt. Im Nach­wort erzählt Col­le­en Hoo­ver übri­gens, dass die­ses Buch zunächst gar nicht für eine Ver­öf­fent­li­chung geplant war, es war viel mehr eine Art Ablen­kungs­spiel, wenn sie mit ihrem aktu­el­len Werk nicht vor­an­kam.

Fazit: Gran­di­os! Die Autorin hat sich mal wie­der selbst über­trof­fen!!

Lies am bes­ten noch alle ande­ren Roma­ne von Col­le­en Hoo­ver - Zum Bei­spiel die “Will & Lay­ken”-Rei­he, mit der sie erst so rich­tig erfolg­reich wur­de: “Weil ich Lay­ken lie­be” (Band 1), Weil ich Will lie­be” (Band 2), “Weil wir uns lie­ben” (Band 3)Lesealternativen. Danach erschien die “Sky & Dean”-Rei­he: “Hope fore­ver” (Band 1), “Loo­king for hope” (Band 2), “Fin­ding Cin­de­rel­la” (Spin-Off). Dann gibt es noch die 2-bän­di­ge Rei­he “May­be some­day” und “May­be not”. Ein­zel­ne Titel sind (chro­no­lo­gisch geord­net nach Erschei­nungs­da­tum) “Love and con­fess”, “Zurück ins Leben geliebt” (ab 16), “Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag” und “Never never” (zusam­men mit Tar­ryn Fisher) und “Die tau­send Tei­le mei­nes Her­zens”. Oder lies ande­re Titel aus dem Bold-Ver­lag: “Ein wirk­lich erstaun­li­ches Ding” von Hank Green (hat mir sehr gut gefal­len) oder “River vio­lence” von Tess Shar­pe, die eben­falls ins Dro­gen­mi­lieu ent­führt. Viel­leicht wäre auch die Neu­erschei­nung “From here to you” von Jamie McGui­re etwas für dich, die im August her­aus­kom­men wird.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-79044-4
Erscheinungsdatum: 22.März 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 14,90€ 
Seitenzahl: 464 
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Originaltitel: "Too late"	
Originalverlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira











Amerikanischer Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Colleen Hoover

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