Colleen Hoover — Summer of Hearts & Souls

Kasimira13.April 2022

Sum­mer of hearts & souls” ist der neu­es­te Roman der ame­ri­ka­ni­schen Best­sel­ler­au­torin und “Queen of Romance” Col­le­en Hoo­ver. Die Autorin, die ein­fach ver­läss­lich gran­di­os erzäh­len kann, ent­führt ihre Leser auf eine Halb­in­sel in Texas, auf die ein Mäd­chen nun zu ihrem Vater zieht, nach­dem ihre dro­gen­ab­hän­gi­ge Mut­ter an einer Über­do­sis gestor­ben ist. Armut und Reich­tum. Zwei Wel­ten pral­len auf­ein­an­der. Dann trifft sie auch noch auf einen Jun­gen, der eben­so gebro­chen zu sein scheint wie sie selbst. Doch kön­nen zwei gebro­che­ne Her­zen ein­an­der eine Stüt­ze sein oder rei­ßen sie ein­an­der nur noch mehr in den Abgrund? Meis­ter­haft und mit­rei­ßend und emo­tio­nal und gefühl­voll geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Die 19-jäh­ri­ge Beyah ist in einem Trai­ler­park in einem Wohn­wa­gen auf­ge­wach­sen. In ärms­ten Ver­hält­nis­sen. Mit einer Mut­ter, die nicht wirk­lich ver­läss­lich ist. Mei­ne Mut­ter ist süch­tig. Ich war unge­fähr neun, als ich das rich­tig begrif­fen habe — wobei sich ihre Süch­te damals noch auf Män­ner, Alko­hol und Spiel­au­to­ma­ten beschränkt haben.” (Zitat aus “Sum­mer of Hearts & Souls” S.6) Als Beyah 14 Jah­re alt war, hat sie ihre Mut­ter das ers­te Mal dabei beob­ach­tet, wie sie sich Crys­tal Meth gespritzt hat. Oft hat Beyah nichts zu essen gehabt oder wur­de von ihrer Mut­ter Kasimiraallein gelas­sen. “Ich habe mir die­sen Augen­blick oft aus­ge­malt. Wenn der Hass auf jeman­den groß genug ist, fragt man sich in schlaf­lo­sen Näch­ten ganz auto­ma­tisch auch mal, wie es wohl wäre, wenn der­je­ni­ge ster­ben wür­de.” (Zitat S.7ff) Doch nun ist es tat­säch­lich soweit. Sie fin­det ihre Mut­ter leb­los im Wohn­wa­gen. Gestor­ben an einer Über­do­sis. “Ster­ben war das Net­tes­te, was mei­ne Mut­ter je für mich getan hat.” (Zitat S.10) Aber nun muss Beyah raus aus dem Wohn­wa­gen. Der Ver­mie­ter gibt ihr nur bis Ende der Woche Zeit, da ihre Mut­ter ohne­hin mit drei Monats­mie­ten im Rück­stand war. Doch wo soll sie hin? Das Sti­pen­di­um an der Uni­ver­si­tät, das sie sich durch ihr Vol­ley­ball­spie­len erkämpft hat, star­tet erst ab August. “Ab August bin ich raus aus die­sem Leben. Und das habe ich weder mei­ner Mut­ter noch mei­nem Vater zu ver­dan­ken. Son­dern allein mir. Ich hab es mir aus eige­ner Kraft erar­bei­tet. Das ist mein Tri­umph. Ich ganz allein sor­ge dafür, dass aus mir der Mensch wird, der ich sein möch­te.” (Zitat S.14) Beyah bleibt nichts Ande­res übrig, sie muss ihren KasimiraErzeu­ger anru­fen. Sie war das Ergeb­nis eines One-Night-Stands und hat kei­ne beson­de­re Ver­bin­dung zu ihrem Vater: “Die­ser Mann bil­det sich ein, die Tat­sa­che, dass er mich kaum kennt, mit einem monat­li­chen Unter­halts­scheck und gele­gent­li­chen Anru­fen bei mir auf der Arbeit kaschie­ren zu kön­nen. Dadurch, dass er zwei Wochen pro Jahr bereit ist, Vater zu spie­len.” (Zitat S.15) In den Som­mer­fe­ri­en besuch­te sie ihn für gewöhn­lich für zwei Wochen, doch in den letz­ten drei Jah­ren hat sie sich immer wie­der Aus­re­den ein­fal­len las­sen und hat ihn seit­dem nicht mehr gese­hen. Von Män­nern im All­ge­mei­nen hält Beyah ohne­hin nicht viel: “Ich habe gehört, dass es auch so was wie gute Män­ner geben soll, aber das hal­te ich für ein Gerücht.” (Zitat S.21) Hat gelernt ande­re Men­schen auf Abstand zu hal­ten. Eine Schutz­mau­er um sich her­um zu errich­ten. Ihr Vater lässt Beyah zu sich holen. Eine tote Mut­ter, eine Zwi­schen­lan­dung in Orlan­da und einen mehr­stün­di­gen unwet­ter­be­ding­ten Auf­ent­halt spä­ter bin ich da. In Texas. (Zitat S.23) Auf Kasimiradie Halb­in­sel Boli­var Pen­in­su­la, wo er mitt­ler­wei­le mit sei­ner neu­en Frau und deren Toch­ter Sara lebt. Auf der Über­fahrt mit der Fäh­re begeg­ne­te sie Sam­son, der sie ver­se­hent­lich dabei beob­ach­tet, wie sie eine Tüte Brot vom Boden auf­hebt und ist. Ihr zwan­zig Dol­lar zusteckt, weil er sie offen­bar für bedürf­tig hält. “Ich habe es geschafft, mich davor zu schüt­zen, ande­ren zu ver­trau­en, sie zu lie­ben und von ihnen ent­täuscht zu wer­den, aber offen­sicht­lich muss ich noch dar­an arbei­ten, mich nicht vor ihnen zu schä­men. Das Gefühl der Demü­ti­gung durch­spült mich wie eine hei­ße Wel­le vom Kopf bis zu den Zehen.” (Zitat S.36) Und Sam­son scheint so schnell aus ihrem Leben lei­der nicht ver­schwin­den zu wol­len. Aus­ge­rech­net er ist der Nach­bar der neu­en Fami­lie ihres Vaters. Hütet die Som­mer­häu­ser sei­ner Eltern auf der Insel. Bald dar­auf bekommt er sogar unfrei­wil­lig mit, wie sie bei einem Heul­krampf zusam­men­bricht. Wer­den ihre Begeg­nun­gen etwa noch demü­ti­gen­der wer­den? Ihre neue Stief­schwes­ter Sara, die eigent­lich ganz nett ist, will Beyah sogar mit Sam­son Kasimiraver­kup­peln. Doch etwas irri­tiert Beyah an ihm: “In der Tie­fe sei­ner strah­lend blau­en Augen neh­me ich eine Schwe­re wahr, von der ich geglaubt hat­te, nur Leu­te wie ich wären damit ver­traut. Was bit­te kann im Leben die­ses Sohns rei­cher Eltern so schlimm sein, dass es mich auf den Gedan­ken bringt, er könn­te auch beschä­digt sein?” (Zitat S.40) All­mäh­lich kommt sie Sam­son immer näher. Aber auch er hütet sei­ne Geheimnisse…

Wäh­rend der Titel fast ein wenig unge­wohnt kit­schig und etwas alt­ba­cken klingt, ist das Cover wun­der­schön gestal­tet (im Anhang erfährt man, dass es Col­le­en Hoo­vers Schwes­ter gestal­tet hat!). Der Roman ist durch­gän­gig aus Bey­as Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Schon der ers­te Satz lässt einen mit­ten in die Geschich­te und in Bey­ahs Welt hin­ein­stol­pern und ist mit einem Sar­kas­mus durch­zo­gen, den man in dem Roman öfters fin­den wird: “Bei uns im Wohn­zim­mer hängt ein Bild von Mut­ter Tere­sa an der Stel­le, wo der Fern­se­her hän­gen wür­de, wenn wir uns einen Flach­bild­fern­se­her leis­ten könn­ten oder auch nur ein Haus mit rich­ti­gen Wän­den, an die man so einen Fern­se­her hän­gen könn­te.” (Zitat S.6) Tat­säch­lich gibt es zu Beginn eini­ge Stel­len, die unfrei­wil­lig komisch und einen gera­de­zu zum Auf­la­chen Kasimirabrin­gen. Den­noch ist die Grund­the­ma­tik in “Sum­mer of Hearts and Souls” eine sehr erns­te. Auf­ge­wach­sen in Armut und in einem Dro­gen­mi­lieu, ver­nach­läs­sigt und oft sich selbst über­las­sen wor­den, so ist Beyah groß gewor­den. Ein­mal hat Jane­an mich so lan­ge allein gelas­sen, dass ich irgend­wann alte Bana­nen- und Eier­scha­len aus dem Müll geges­sen habe. Ich habe sogar mal ver­sucht, etwas von der Schaum­stoff­fül­lung aus den Couch­kis­sen zu essen, aber das Zeug war zu tro­cken, ich hab es nicht geschafft, es run­ter­zu­schlu­cken.” (Zitat S.9) Die­ses Leben hat sie für immer geprägt und zu einem Men­schen wer­den las­sen, der sie ohne die­se Erfah­run­gen nicht gewor­den wäre. Hier wird Col­le­en Hoo­ver an man­chen Stel­len sogar uner­war­tet phi­lo­so­phisch und lässt inter­es­san­te Gedan­ken­gän­ge zu: “Manch­mal den­ke ich, dass die Per­sön­lich­keit eines Men­schen mehr durch erlit­te­ne Ver­let­zun­gen geprägt wird als durch posi­ti­ve Erfah­run­gen. Freund­lich­keit gräbt sich längst nicht so tief ins Gedächt­nis ein wie Trau­ma­ta, die unaus­lösch­li­che Schar­ten in die See­le Kasimiraschla­gen. Sie las­sen sich nicht ein­fach so weg­wi­schen, und ich glau­be, dass man mir auf den ers­ten Blick anse­hen kann, wie beschä­digt ich bin.” (Zitat S.23ff) Auch Sam­son ist “beschä­digt”, auch er ver­birgt eine beson­de­re Ver­gan­gen­heit, auf deren Auf­lö­sung der Leser ein wenig war­ten muss. Im Mit­tel­teil wird es daher fast ein wenig zu ruhig zwi­schen­drin, der Span­nungs­bo­gen ist zwar da, aller­dings nicht beson­ders hoch gehal­ten, da ist man mehr von ihr gewöhnt. Den­noch ver­zeiht man der Autorin auch die­sen mit­un­ter seich­te­ren Wel­len­gang, denn erzäh­le­risch ist sie ein­fach TOP. Sprach­lich ist “Sum­mer of Hearts and Souls” ein­fach her­aus­ra­gend und wahn­sin­nig gut geschrie­ben. Da passt ein­fach jedes Wort und Emo­tio­nen wer­den so meis­ter­haft geschil­dert, dass die Per­so­nen, obwohl sie nur auf Papier exis­tie­ren, buch­stäb­lich leben­dig wer­den. Auch wenn der Roman sicher­lich nicht eines ihrer stärks­ten Bücher ist, ver­söhnt sie ihre Leser mit einem ergrei­fen­den, stim­mi­gen Ende.

Du brauchst noch mehr Lese­stoff von Col­le­en Hoo­ver? Dann schau dir die­se Titel an: Die “Will & Lay­ken”-Rei­he, mit der sie erst so rich­tig erfolg­reich wur­de: “Weil ich Lay­ken lie­be” (Band 1), Weil ich Will lie­be” (Band 2), “Weil wir uns lie­ben” (Band 3)Lesealternativen. Danach folg­te die “Sky & Dean”-Rei­he: “Hope fore­ver” (Band 1), “Loo­king for hope” (Band 2), “Fin­ding Cin­de­rel­la” (Spin-Off) und “Fin­ding Per­fect” (Spin-Off). Dann gibt es noch die drei­bän­di­ge Rei­he “May­be some­day”, “May­be not” und May­be now”Ein­zel­ne Titel sind “Love and con­fess”“Zurück ins Leben geliebt” (ab 16), “Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag”. Danach erschie­nen noch “Never never” (zusam­men mit Tar­ryn Fisher) ‚“Die tau­send Tei­le mei­nes Her­zens”“Was per­fekt war” (ab 16), “Too late” (ab 18!), “Veri­ty” (ab 16), “All das Unge­sag­te zwi­schen uns” (ab 16), “Lay­la” (ab 16) und “Für immer ein Teil von dir” (ab 16). Ein Jun­ge, der eben­falls ein Geheim­nis hütet? Das fin­dest du auch in “A rea­son to stay” von Jen­ni­fer Ben­kau. Roma­ne, bei denen es zum ers­ten rich­ti­gen Ken­nen­ler­nen des Vaters kommt, sind zum Bei­spiel “Insel­me­lo­die” von Kath­rin Jäger und “Orca­som­mer” von Sabi­ne Gieb­ken. Alter­na­ti­ve Autoren zu Col­le­en Hoo­ver sind die ame­ri­ka­ni­schen Autorin Sarah Des­sen, die bri­ti­sche Autorin Sarah Alder­son oder die deut­sche Autorin Lea Coplin

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74078-4
Erscheinungsdatum: 13.April 2022
Einbandart: Broschur
Preis: 15,95€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Originaltitel: "Heart Bones"
Originalverlag: Lightning Source Inc

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira





Kasimira auf Instagram:

Kasimira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

------------------------------------
Amerikanisches Cover: Homepage von Colleen Hoover

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.