Colleen Hoover — Die tausend Teile meines Herzens

Colleen Hoover - Die tausend Teile meines Herzens15.November 2018

Die tau­send Tei­le mei­nes Her­zens” ist mitt­ler­wei­le der 13. Roman der ame­ri­ka­ni­schen Best­sel­ler­au­torin Col­le­en Hoo­ver, der Meis­te­rin der Emo­tio­nen. Mit ihrem neu­en Werk zeigt sie eine ganz neue Sei­te an sich. Vol­ler Skur­ri­li­tät und vor Sar­kas­mus strot­zend erzählt sie nicht nur eine Lie­bes- und Ado­les­zenz­ge­schich­te, son­dern auch die einer ganz außer­ge­wöhn­li­chen Fami­lie. Über­aus unter­halt­sam und toll! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Hop­kins Coun­ty. Texas. Die 17-jäh­ri­ge Merit gibt nicht viel auf ihr Äuße­res. Und sie mag alles, das etwas anders ist. So hat sie auch eine ein­zig­ar­ti­ge Samm­lung von Poka­len daheim. Poka­le, die sie nicht gewon­nen hat. Einer ist geklaut, die ande­ren sind alle aus einem Anti­qui­tä­ten­ge­schäft. Und immer, wenn in ihrem Leben mal wie­der etwas gehö­rig schief geht, dann kauft sie sich aus Aus­gleich dazu einen neu­en. So wie auch an die­sem Tag, als sie sie plötz­lich bemerkt, dass sie bei ihrem Vor­ha­ben beob­ach­tet wird. “Ich habe den Pokal gera­de mit bei­den Hän­den vom Regal genom­men und will damit zur Kas­se, als ich auf der Gale­rie im ers­ten Stock einen Typen bemer­ke, der mich beob­ach­tet. Das Kinn auf die Hand gestützt, lehnt er läs­sig am Gelän­der, sieht aus, als wür­de er schon eine gan­ze Wei­le so daste­hen. Als ich zu ihm hoch­schaue, lächelt er und ich läch­le zurück — was extrem unty­pisch für mich ist.” (Zitat aus “Die tau­send Tei­le mei­nes Her­zens” S.9) Mit Jungs hat Merit nor­ma­ler­wei­se nicht viel Glück. Doch die­ser scheint irgend­wie anders zu sein. “Ich kann mich nicht erin­nern, schon jemals in mei­nem Leben Colleen Hoover - Die tausend Teile meines Herzensvon jeman­dem so ange­se­hen wor­den zu sein. So, als… als fän­de er mich total fas­zi­nie­rend, obwohl wir uns über­haupt nicht ken­nen.” (Zitat S.16) Und uner­war­tet kommt Merit die­sem Unbe­kann­ten sogar so nah, dass er sie küsst! Ein­fach so. “Wenn es nicht so schön wäre, wür­de ich dar­über lachen, dass die­ser wild­frem­de Jun­ge mich küsst, als hät­te er sich genau das schon sein gan­zes Leben lang gewünscht. Wie­so tut er das? Es ist absurd. Aber er nimmt mein Gesicht in bei­de Hän­de und küsst mich, als hät­ten wir von heu­te an bis in alle Ewig­keit nichts ande­res mehr zu tun.” (Zitat S.17) Doch dann wird ihr klar, dass ihre ver­meint­lich schick­sal­haf­te Begeg­nung nicht ein­fach so geschah. Denn die­ser Jun­ge, der im Übri­gen Sagan heißt, hat sie nur mit ihrer Zwil­lings­schwes­ter Honor wech­selt. Er hielt Merit für sei­ne Freun­din. Und nur des­halb hat er sie geküsst. “Sag ihr bloß nicht, was pas­siert ist”, flüs­te­re ich. “Sag es nie­man­dem. Nie­mals.” Er zögert, dann nickt er. Sobald ich die Bestä­ti­gung habe, dass Honor nichts erfah­ren wird, dre­he ich mich um und gehe schnell davon. Das ist das Pein­lichs­te, was mir in mei­nem gan­zen Leben jemals pas­siert ist.” (Zitat S.20) Doch obwohl Sagan ihrer Schwes­ter nichts ver­rät, taucht er immer wie­der zu Hau­se bei Merit, Honor und ihrer Fami­lie auf. Zu den unmög­lichs­ten Zei­ten. Zuwei­len sitzt er bereits mor­gens beim Früh­stücks­tisch bei ihnen.Colleen Hoover - Die tausend Teile meines Herzens Geht ein und aus und stellt Merits Leben gehö­rig auf den Kopf. Denn die Gefüh­le für ihn, die muss sie um jeden Preis ver­hin­dern. Nie könn­te sie ihrer Zwil­lings­schwes­ter ein­fach so in den Rücken fal­len…

Die tau­send Tei­le mei­nes Her­zens” wird durch­ge­hend aus Merits Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Zu Beginn dach­te ich schon, okay, das ist jetzt tat­säch­lich mal eine Stel­le in Col­le­en Hoo­vers Roman, die mir nicht ganz authen­tisch vor­kommt. Dass Merit ein­fach so von einem Wild­frem­den geküsst wird, erschien mir nicht ganz glaub­wür­dig. Doch führt die Autorin den Leser geschickt an der Nase her­um und bleibt authen­tisch wie eh und je;-) Und sie zeigt zudem eine ganz außer­ge­wöhn­li­che Facet­te ihres Erzähl­stils. Mit bei­ßen­der Iro­nie und ganz unge­wöhn­lich komi­schen Cha­rak­te­ren über­zeugt aber auch die­se Sei­te ihres Schrei­bens. Beson­ders her­vor­ste­chend ist dabei Merits Fami­lie selbst: “Von außen betrach­tet wür­de kein Mensch auf die Idee kom­men, dass hier eine sie­ben­köp­fi­ge Fami­lie wohnt, zu deren Mit­glie­dern unter ande­rem ein ein­ge­fleisch­ter Athe­ist, eine ehe­ma­li­ge heim­li­che Gelieb­te, eine Ex-Ehe­frau mitColleen Hoover - Die tausend Teile meines Herzens aus­ge­präg­ter Angst­stö­rung und ein Mäd­chen mit fast schon nekro­phi­len Nei­gun­gen gehö­ren. Von innen wür­de man aller­dings auch nicht dar­auf kom­men, dass irgend­et­was unge­wöhn­lich sein könn­te, weil sämt­li­che Mit­glie­der der Fami­lie Voss Meis­ter im Bewah­ren dunk­ler Geheim­nis­se sind.” (Zitat S.25) Eine Mut­ter, die nach lan­ger Krank­heit wie­der gesun­det, aber eine Angst­er­kran­kung ent­wi­ckelt hat und seit Jah­ren das Haus nicht mehr ver­las­sen hat. Die nur noch im Kel­ler lebt. Ein Vater, der sich in die dama­li­ge Pfle­ge­rin der Mut­ter ver­lieb­te und nun mit die­ser und einem bereits gezeug­ten Kind unter dem­sel­ben Dach lebt. Ein älte­rer Bru­der, der sich in Ange­passt­heit und Per­fek­tio­nis­mus übt. Eine Zwil­lings­schwes­ter, die nur Bezie­hun­gen mit Tot­ge­weih­ten führt, die sie dann auf dem Ster­be­bett beglei­tet. Und Merit selbst, die kei­ne Freun­de hat und seit eini­ger Zeit sogar die Schu­le schwänzt, was aber nie­man­dem in ihrer Fami­lie groß auf­fällt. Über­haupt haben die Fami­li­en­mit­glie­der eine Men­ge Geheim­nis­se vor­ein­an­der. So vie­le Geheim­nis­se. Am meis­ten belas­tet mich das wor­über ich schon vor Jah­ren hät­te spre­chen sol­len, das ich aber am tiefs­ten in mir begra­ben habe. (Zitat S.155) Merit erscheint ein wenig schrul­lig zu Beginn, manch­mal sogar fast unsym­pa­thisch (wenn sie ihre Fami­lie anblafft), aber je näher man sie ken­nen­lernt, des­to mehr ver­steht man ihre Art und “Die Colleen Hoover - Die tausend Teile meines Herzenstau­send Tei­le ihres Her­zens”. Denn wäh­rend man zu Beginn des Buches noch eher die Leich­tig­keit, Locker­heit und Läs­sig­keit spürt (an man­chen Stel­len muss­te ich wirk­lich laut auf­la­chen!), so wird im hin­te­ren Teil der Geschich­te (neben einer psy­chi­schen Erkran­kung) ein sehr erns­tes, tra­gi­sches The­ma ange­schnit­ten: ein Sich-Unsicht­bar-Füh­len in der eige­nen Fami­lie und in der Umwelt. “Wenn ich nicht mehr da wäre, wür­de das Leben ein­fach ganz nor­mal wei­ter­ge­hen. Mit Merit genau­so wie ohne Merit. In den letz­ten zwei Wochen haben gera­de mal zwei Leu­te aus mei­ner Klas­se eine Nach­richt geschrie­ben und gefragt, ob ich krank bin. Zwei. Mehr nicht. […] Hier in die­ser Fami­lie inter­es­siert sich auch nie­mand für mich.” (Zitat S.197) Im Eng­li­schen ist der Titel noch etwas deut­li­cher in Bezug auf die­se The­ma­tik, da es im Ori­gi­nal­ti­tel “Wit­hout Merit” heißt. Doch letzt­end­lich offen­bart das Buch, in das dies­mal wirk­lich sehr vie­le Pro­blem­the­men ein­ge­ar­bei­tet sind, eine schö­ne Bot­schaft: dass es uner­läss­lich ist mit­ein­an­der zu spre­chen und dass vie­les ganz anders wir­ken kann, wenn man es aus einem ande­ren Blick­win­kel betrach­tet. Fas­zi­nie­rend fand ich auch die Zeich­nun­gen, die Sagan anfer­tigt und die immer wie­der zwi­schen­durch abge­bil­det wer­den.

Fazit: Eine Fami­li­en­ge­schich­te mit beson­de­rem Humor, Tief­gang und ganz gro­ßen Gefüh­len!

Lies am bes­ten noch mehr von Col­le­en Hoo­ver - Zum Bei­spiel die “Will & Lay­ken”-Rei­he, mit der sie erst so rich­tig erfolg­reich wur­de: “Weil ich Lay­ken lie­be” (Band 1), Weil ich Will lie­be” (Band 2), “Weil wir uns lie­ben” (Band 3)Lesealternativen. Danach erschien die “Sky & Dean”-Rei­he: “Hope fore­ver” (Band 1), “Loo­king for hope” (Band 2), “Fin­ding Cin­de­rel­la” (Spin-Off). Dann gibt es noch die zwei­bän­di­ge Rei­he “May­be some­day” und “May­be not”. Ein­zel­ne Titel sind (chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum) “Love and con­fess”, “Zurück ins Leben geliebt” (ab 16), “Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag” und “Never never” (zusam­men mit Tar­ryn Fisher). Eine schö­ne Alter­na­ti­ve für eine Fami­li­en­ge­schich­te, in der Geheim­nis­se unter der Ober­flä­che bro­deln, ist “Mein wil­des blau­es Wun­der” von Car­lie Soro­si­ak oder (schon etwas älter) “Es wird schon nicht das Ende der Welt sein” von Ali Lewis. Eine wirk­lich bewe­gen­de Neu­erschei­nung über die Schat­ten einer Fami­lie ist “Jetzt ist alles, was wir haben” von Amy Giles. Dar­über wie wich­tig es ist in einer Fami­lie immer mit­ein­an­der zu spre­chen, das kannst du zum Bei­spiel in die­sen Büchern ent­de­cken: “Glücks­dra­chen­zeit” von Kat­rin Zip­se, “Bird und ich und der Som­mer, in dem ich flie­gen lern­te” von Chan Crys­tal (bereits ab 11, bezau­bernd!!) und “Nichts ist so per­fekt wie das Leben” von Chris­ti­ne Hur­ley Der­i­so (hier steht die Prot­ago­nis­tin eben­falls im Schat­ten ihrer Schwes­ter).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74041-8
Erscheinungsdatum: 26.Oktober 2018 
Einbandart: Broschur
Preis: 14,95€ 
Seitenzahl: 352 
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Originaltitel: "Without Merit" 
Originalverlag: Simon & Schuster

Amerikanisches Originalcover:
Colleen Hoover - Die tausend Teile meines Herzens












Trailer zum Buch (auf Englisch):

Die Autorin spricht u.a. über ihr Buch (auf Englisch):

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Colleen Hoover

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