Colin Hadler — Seven Ways to Tell a Lie

7.März 2025

Seven Ways to Tell a Lie” ist der neu­es­te Thril­ler des öster­rei­chi­schen Autoren Colin Had­ler. Ein gefak­tes Video, das in einer Klein­stadt die Run­de macht. Dar­auf sind sechs Jugend­li­che zu sehen, die mit einem Bus in die Tie­fe stür­zen. Ster­ben. Doch das ist nie pas­siert. Ein Deepf­ake. Wer hat so etwas mit Hil­fe von KI erstellt? Die sechs Jugend­li­chen, die vor einem Jahr noch mit­ein­an­der befreun­det haben, müs­sen sich der Wahr­heit stel­len. Was ist damals pas­siert, als ihr sieb­tes Cli­quen­mit­glied spur­los ver­schwand? Ist Enya wirk­lich tot? Bald dar­auf tau­chen neue Vide­os auf. In jedem gesteht einer der Jugend­li­che ein dunk­les Geheim­nis, das ihre gan­ze Welt auf den Kopf stellt. Ein Wett­lauf gegen die Zeit beginnt… Ein Thril­ler, der zunächst noch etwas gemüt­lich star­tet, dann aber umso span­nen­der und mit­rei­ßen­der wird! Idea­les Lese­fut­ter für die Fans von Ursu­la Pozn­an­ski und Karen McMa­nus! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Wane, eine idyl­li­sche Klein­stadt in Washing­ton. Hier lebt der 17-jäh­ri­ge Jonah mit sei­ner bes­ten Freun­din Thea. Jonah ist eher zurück­hal­ten­der, passt sich an sei­ne Umge­bung an. Den ers­ten Schritt machen, das wür­de er nie. Das hat er auch damals nicht gemacht. Bei Enya. Dem Mäd­chen, für das er mehr emp­fand und das vor einem Jahr spur­los ver­schwun­den ist. Damals, als sie noch Kasimiraeine Cli­que von sie­ben Jugend­li­chen waren. “Enya war nicht nur Teil unse­rer Grup­pe, sie war das Herz­stück. Nach ihrem Ver­schwin­den haben wir rest­li­chen sechs uns auf­ge­löst, ganz still und plötz­lich, als hät­te schon immer die­se unge­schrie­be­ne Regel exis­tiert, dass wir uns von­ein­an­der absto­ßen, sobald Enya uns nicht mehr zusam­men­hält.” (Zitat aus “Seven Ways to Tell a Lie” S.17) Enya, die Toch­ter des Bür­ger­meis­ters, ist ent­führt wor­den und seit­dem hat man nie wie­der etwas von ihr gehört. Man ver­mu­tet, dass sie mitt­ler­wei­le tot ist. Doch dann taucht plötz­lich ein Video auf. Eines, das die alte Cli­que, ohne Enya, in einem fah­ren­den Bus zeigt. Ein Bus, der kurz dar­auf über eine Klip­pe stürzt und alle umkom­men lässt. Jonah ist geschockt. Wer macht denn so etwas? Er hofft, dass nicht all­zu vie­le Leu­te das Video gese­hen haben. Es haben alle gese­hen. Ein­fach alle. Das Video muss sich wie ein Lauf­feu­er ver­brei­tet haben, denn als ich am nächs­ten Mor­gen durch den lau­ten, vol­len Flur der High­school gehe, Kasimiraspü­re ich Dut­zen­de Bli­cke an mir haf­ten. Abwer­ten­de, belus­tig­te und ver­ein­zelt auch betrof­fe­ne Bli­cke. Und auf eini­gen Han­dys sehe ich das Deepf­ake-Video lau­fen.” (Zitat S.36) Bald taucht ein neu­es Video auf. Eines, das ein schreck­li­ches Geheim­nis von Ruby offen­bart. Wer wird der Nächs­te oder die Nächs­te sein? Und woher weiß der unbe­kann­te Täter von ihren Geheim­nis­sen? Ist Enya doch noch am Leben?

Das Cover und der Titel sind pas­send gestal­tet und gewählt. Sie­ben Jugend­li­che, sie­ben Wahr­hei­ten, die ans Licht kom­men wer­den. Der Plot ist per­fekt. Erzählt wird der Thril­ler durch­ge­hend aus Jonahs Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve. Nur ab und zu gibt es Kapi­tel, die mit einem Play-Zei­chen gekenn­zeich­net sind und den Inhalt des jewei­li­gen Vide­os dar­stel­len. “Seven Ways to Tell a Lie” behan­delt ein wich­ti­ges The­ma, das in der heu­ti­gen Zeit immer bedeut­sa­mer wird. Deepf­akes und die Ver­wen­dung von KI, um jene zu erstel­len. “Deepf­akes sind bear­bei­te­te Fotos und Vide­os, die täu­schend echt aus­se­hen, es aber im Kern nicht sind. Als Grund­la­ge dient dabei rea­les Mate­ri­al — und dann wird der Kopf aus­ge­tauscht. Wenn man nur genug Auf­nah­men von jeman­dem besitzt, kann man das Gesicht so nach­stel­len, dass es sich bewegt und ver­hält wie die Per­son selbst.” (Zitat S.32) Ist erschre­ckend, was mit sol­cher Tech­nik alles mög­lich ist und was für Aus­wir­kun­gen das auf ein Leben haben kann. Der Erzähl­stil von Colin Had­ler ist sehr flüs­sig und ange­nehm. Man fliegt rela­tiv schnell über die Sei­ten beim Lesen. Jedoch muss ich zuge­ben, dass mich das Buch am Anfang noch nicht ganz so gepackt hat. Es ist unter­halt­sam, aber so rich­tig in Fahrt kommt die Geschich­te dann erst ab der Mit­te. “Thea ist so gut­mü­tig, so loy­al, so bemüht. Und dann — obwohl ich mich rein bei dem Gedan­ken unwohl füh­le — fra­ge ich mich, ob ich ihr dort, im alten Wane, die Wahr­heit hät­te erzäh­len sol­len? Die gan­ze Wahr­heit.” (Zitat S.91) Rich­tig mit­rei­ßend und tem­po­reich wird es schließ­lich im hin­te­ren Teil des Buches. Hier stei­gert sich die Span­nung dann gna­den­los und es erwar­ten die Leser:innen die ein oder ande­re über­ra­schen­de Wen­dung (mit einer habe ich wirk­lich nicht gerech­net! Sehr gut kon­stru­iert). Der Epi­log war inter­es­sant, aber noch ein grö­ße­rer Knall am Ende wäre noch mehr im Gedächt­nis geblie­ben. Auch klärt sich lei­der nicht auf,  ««««««ACHTUNG SPOILER:»»»»»» was mit Ruby pas­siert ist. Das hät­te ich schon noch ger­ne gewusst;-) ««««««ENDE SPOILER»»»»»»

Dir gefällt der Erzähl­stil von Colin Had­ler? Dann lies noch sei­ne ande­ren Bücher, hier chroLesealternativennolo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum sor­tiert: “Hin­term Hasen lau­ert er” (2019), “Wenn das Feu­er aus­geht” (2020), “Anco­ra: Die Zeit ist gegen dich” (2022) und “Exi­li­um” (2023, span­nend!). Wenn dich das The­ma Deepf­ake inter­es­siert, könn­te auch der Thril­ler “Dark Noi­se” von Mar­git Rui­le etwas für dich sein. Sehr gut kann ich mir außer­dem “Shel­ter” von Ursu­la Pozn­an­ski (oder ihre ande­ren Thril­ler) vor­stel­len. Geheim­nis­se, die ins Licht kom­men? Das fin­dest du in dem schon etwas älte­ren, höchst span­nen­den “Match­box Boy” von Ali­ce Gaba­t­hul­er, in dem gelun­ge­nen “Five Sur­vi­ve” von Hol­ly Jack­son und in den Thril­lern von Karen McMa­nus (z.B. “One of us is lying”, “One of us is back”…). Eben­so “Tris­tan Mor­ta­lis” von Anja Sta­por und Melis­sa C.Hill passt als Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Seven Ways to Tell a Lie” sehr gut.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Planet! (Thienemann Esslinger)
ISBN: 978-3-522-50845-2
Erscheinungsdatum: 21.Februar 2025
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 368 
Illustrator*in: Christin Giessel


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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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