“Seven Ways to Tell a Lie” ist der neueste Thriller des österreichischen Autoren Colin Hadler. Ein gefaktes Video, das in einer Kleinstadt die Runde macht. Darauf sind sechs Jugendliche zu sehen, die mit einem Bus in die Tiefe stürzen. Sterben. Doch das ist nie passiert. Ein Deepfake. Wer hat so etwas mit Hilfe von KI erstellt? Die sechs Jugendlichen, die vor einem Jahr noch miteinander befreundet haben, müssen sich der Wahrheit stellen. Was ist damals passiert, als ihr siebtes Cliquenmitglied spurlos verschwand? Ist Enya wirklich tot? Bald darauf tauchen neue Videos auf. In jedem gesteht einer der Jugendliche ein dunkles Geheimnis, das ihre ganze Welt auf den Kopf stellt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt… Ein Thriller, der zunächst noch etwas gemütlich startet, dann aber umso spannender und mitreißender wird! Ideales Lesefutter für die Fans von Ursula Poznanski und Karen McManus! Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Wane, eine idyllische Kleinstadt in Washington. Hier lebt der 17-jährige Jonah mit seiner besten Freundin Thea. Jonah ist eher zurückhaltender, passt sich an seine Umgebung an. Den ersten Schritt machen, das würde er nie. Das hat er auch damals nicht gemacht. Bei Enya. Dem Mädchen, für das er mehr empfand und das vor einem Jahr spurlos verschwunden ist. Damals, als sie noch
eine Clique von sieben Jugendlichen waren. “Enya war nicht nur Teil unserer Gruppe, sie war das Herzstück. Nach ihrem Verschwinden haben wir restlichen sechs uns aufgelöst, ganz still und plötzlich, als hätte schon immer diese ungeschriebene Regel existiert, dass wir uns voneinander abstoßen, sobald Enya uns nicht mehr zusammenhält.” (Zitat aus “Seven Ways to Tell a Lie” S.17) Enya, die Tochter des Bürgermeisters, ist entführt worden und seitdem hat man nie wieder etwas von ihr gehört. Man vermutet, dass sie mittlerweile tot ist. Doch dann taucht plötzlich ein Video auf. Eines, das die alte Clique, ohne Enya, in einem fahrenden Bus zeigt. Ein Bus, der kurz darauf über eine Klippe stürzt und alle umkommen lässt. Jonah ist geschockt. Wer macht denn so etwas? Er hofft, dass nicht allzu viele Leute das Video gesehen haben. “Es haben alle gesehen. Einfach alle. Das Video muss sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben, denn als ich am nächsten Morgen durch den lauten, vollen Flur der Highschool gehe,
spüre ich Dutzende Blicke an mir haften. Abwertende, belustigte und vereinzelt auch betroffene Blicke. Und auf einigen Handys sehe ich das Deepfake-Video laufen.” (Zitat S.36) Bald taucht ein neues Video auf. Eines, das ein schreckliches Geheimnis von Ruby offenbart. Wer wird der Nächste oder die Nächste sein? Und woher weiß der unbekannte Täter von ihren Geheimnissen? Ist Enya doch noch am Leben?
Das Cover und der Titel sind passend gestaltet und gewählt. Sieben Jugendliche, sieben Wahrheiten, die ans Licht kommen werden. Der Plot ist perfekt. Erzählt wird der Thriller durchgehend aus Jonahs Sicht in der Ich-Perspektive. Nur ab und zu gibt es Kapitel, die mit einem Play-Zeichen gekennzeichnet sind und den Inhalt des jeweiligen Videos darstellen. “Seven Ways to Tell a Lie” behandelt ein wichtiges Thema, das in der heutigen Zeit immer bedeutsamer wird. Deepfakes und die Verwendung von KI, um jene zu erstellen. “Deepfakes sind bearbeitete Fotos und Videos, die täuschend echt aussehen, es aber im Kern nicht sind. Als Grundlage dient dabei reales Material — und dann wird der Kopf ausgetauscht. Wenn man nur genug Aufnahmen von jemandem besitzt, kann man das Gesicht so nachstellen, dass es sich bewegt und verhält wie die Person selbst.” (Zitat S.32) Ist erschreckend, was mit solcher Technik alles möglich
ist und was für Auswirkungen das auf ein Leben haben kann. Der Erzählstil von Colin Hadler ist sehr flüssig und angenehm. Man fliegt relativ schnell über die Seiten beim Lesen. Jedoch muss ich zugeben, dass mich das Buch am Anfang noch nicht ganz so gepackt hat. Es ist unterhaltsam, aber so richtig in Fahrt kommt die Geschichte dann erst ab der Mitte. “Thea ist so gutmütig, so loyal, so bemüht. Und dann — obwohl ich mich rein bei dem Gedanken unwohl fühle — frage ich mich, ob ich ihr dort, im alten Wane, die Wahrheit hätte erzählen sollen? Die ganze Wahrheit.” (Zitat S.91) Richtig mitreißend und temporeich wird es schließlich im hinteren Teil des Buches. Hier steigert sich die Spannung dann gnadenlos und es erwarten die Leser:innen die ein oder andere überraschende Wendung (mit einer habe ich wirklich nicht gerechnet! Sehr gut konstruiert). Der Epilog war interessant, aber noch ein größerer Knall am Ende wäre noch mehr im Gedächtnis geblieben. Auch klärt sich leider nicht auf, ««««««ACHTUNG SPOILER:»»»»»» was mit Ruby passiert ist. Das hätte ich schon noch gerne gewusst;-) ««««««ENDE SPOILER»»»»»»
Dir gefällt der Erzählstil von Colin Hadler? Dann lies noch seine anderen Bücher, hier chro
nologisch nach Erscheinungsdatum sortiert: “Hinterm Hasen lauert er” (2019), “Wenn das Feuer ausgeht” (2020), “Ancora: Die Zeit ist gegen dich” (2022) und “Exilium” (2023, spannend!). Wenn dich das Thema Deepfake interessiert, könnte auch der Thriller “Dark Noise” von Margit Ruile etwas für dich sein. Sehr gut kann ich mir außerdem “Shelter” von Ursula Poznanski (oder ihre anderen Thriller) vorstellen. Geheimnisse, die ins Licht kommen? Das findest du in dem schon etwas älteren, höchst spannenden “Matchbox Boy” von Alice Gabathuler, in dem gelungenen “Five Survive” von Holly Jackson und in den Thrillern von Karen McManus (z.B. “One of us is lying”, “One of us is back”…). Ebenso “Tristan Mortalis” von Anja Stapor und Melissa C.Hill passt als Lesealternative zu “Seven Ways to Tell a Lie” sehr gut.
Bibliografische Angaben:Verlag: Planet! (Thienemann Esslinger) ISBN: 978-3-522-50845-2 Erscheinungsdatum: 21.Februar 2025 Einbandart: Broschur Preis: 16,00€ Seitenzahl: 368 Illustrator*in: Christin Giessel
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)


Verlag: Planet! (Thienemann Esslinger)
ISBN: 978-3-522-50845-2
Erscheinungsdatum: 21.Februar 2025
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 368
Illustrator*in: Christin Giessel
