Claudia Praxmayer — Bienenkönigin

Claudia Praxmayer - Bienenkönigin18.September 2018

Die deut­sche Bio­lo­gin und enga­gier­te Tier­schüt­ze­rin hat nun nach eini­gen Sach­bü­chern und Thril­lern für Erwach­se­ne mit “Bie­nen­kö­ni­gin” ihr ers­tes Jugend­buch vor­ge­legt. Eine Geschich­te über das Bie­nenster­ben, eine hoch­ent­wi­ckel­te Droh­ne und eine Ver­schwö­rung, der eine Grup­pe von Jugend­li­chen auf den Grund geht. Hoch­span­nend, fas­zi­nie­rend und genau­so flott erzählt wie ein Thril­ler erzählt sein soll­te! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und für Erwach­se­ne.

San Fran­cis­co. Melis­sa, genannt Mel, hat das Col­le­ge abge­schlos­sen und weiß nicht wirk­lich, wie es beruf­lich für sie wei­ter­ge­hen soll. Wenn es nach ihre Mut­ter gin­ge, soll sie eben­so eine aka­de­mi­sche Lauf­bahn ein­ge­hen, ihr Vater hät­te es am liebs­ten, sie wür­de auch als Köchin in einem Restau­rant arbei­ten, so wie er. Doch damit sie den Kopf hat sich frei zu ent­schei­den, was sie mit ihrem Leben anfan­gen will, hat ihr Vater ihr einen Deal vor­ge­schla­gen: “Ich gebe dir ein Jahr, in dem du her­aus­fin­den kannst, was du wirk­lich willst. Du wirst mit dem Geld, das ich dir monat­lich über­wei­sen wer­de, zwar kei­ne gro­ßen Sprün­ge machen, aber es wird zum Leben rei­chen.” (Zitat aus “Bie­nen­kö­ni­gin” S.32). Jetzt lebt Mel bereits seit eini­ger Zeit in einer alten Vil­la, in der sie eine alter­na­ti­ve Wohn­ge­mein­schaft gegrün­det haben. Mit Gemü­se­bee­ten und Bie­nen­stock im Gar­ten und Mel — die etwas weni­ger Haus­halts­geld dafür zah­len muss — ver­sorgt die 5-köp­fi­ge Grup­pe mit ihren Koch­küns­ten. Josh, dem die Vil­la gehört, Leo, Coco und Ozzy. Ihre Com­mu­ni­ty nen­nen sie nur “Beehi­ve”, den Bie­nen­stock. Und die Bie­nen sind es auch, zu denen Mel seit jeher eine ganz beson­de­re Ver­bin­dung hat. Schon ihre Groß­mutterClaudia Praxmayer - Bienenkönigin, die lei­der bereits ver­stor­ben ist, hat ihr immer Geschich­ten über die­se Tie­re erzählt und ihre Heil­kräf­te. Zuwei­len “singt” Mel auch mit den Bie­nen: “Ein Sum­men steigt aus mei­nem Kehl­kopf auf, zag­haft erst, dann mit jedem wei­te­ren Ton kräf­ti­ger. Die Melo­die erwacht zum Leben und fliegt hin­aus zu den Bie­nen. […] Ich muss die Augen nicht öff­nen, um zu wis­sen, dass die ers­ten Bie­nen aus dem Stock geflo­gen kom­men. Ich kann das zar­te Sir­ren ihrer Flü­gel hören. Mein Kopf wird leer, nichts exis­tiert mehr außer die­ser Melo­die, die tief aus mei­nem Inne­ren auf­steigt. Töne und Bie­nen, die mich jetzt zu Hun­der­ten umschwär­men, mich umtan­zen, lieb­ko­sen.” (Zitat S.24) Dann fühlt Mel sich ruhig und ent­spannt und kann völ­lig los­las­sen. Doch jetzt ist mit einem Schlag alles anders gewor­den, als sie eines Tages ein selt­sa­mes bie­nen­ähn­li­ches Objekt im Gar­ten fin­det: “Die Bie­ne ist so schwarz, als wür­de sie alles Licht absor­bie­ren. Ich brin­ge sie noch näher an mei­ne Augen, plötz­lich zuckt mei­ne Hand, als ob sie unter Strom stün­de. Was zur Höl­le ist das? […] Mei­ne Gedan­ken rasen, mein Ver­stand kann nicht ein­ord­nen, was da in mei­ner zit­tern­den Hand liegt. Ein Gefühl von Panik und Ekel durch­flu­tet mich […] In mei­ner Hand­flä­che liegt, matt in der Son­ne schim­mernd, eine Droh­ne.” (Zitat S.61) Coco, die durch ihre Arbeit bes­te Ver­bin­dun­gen und Claudia Praxmayer - BienenköniginMög­lich­kei­ten hat, fin­det her­aus, dass sie hier ein hoch­tech­ni­sier­tes Etwas vor sich haben, in des­sen Innen­raum sich Insek­ten­gift befin­det. Wer hat denn so etwas geschaf­fen? Die Cli­que kann es kaum glau­ben und beginnt ers­te Nach­for­schun­gen anzu­stel­len. Und gera­ten mit­ten in ein gro­ßes Kom­plott…

Bie­nen­kö­ni­gin” war­tet mit einem anspre­chen­den und pas­sen­den Cover auf und wird kom­plett aus Mels Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Der Schreib­stil ist sehr ange­nehm, sprach­lich schön und die Haupt­fi­gur sehr sym­pa­thisch getrof­fen. Die Beson­der­heit mit dem Kochen fand ich auch sehr inter­es­sant. So wird des Öfte­ren von ihren Koch­vor­ha­ben berich­tet und wie sie die ande­ren ver­kös­tigt. Über manch­mal etwas pathe­tisch wir­ken­de Stel­len sieht man da ger­ne hin­weg wie z.B. kli­schee­haf­ten Äuße­run­gen wie “Das war sie den Bie­nen schul­dig”. Sehr gut ein­ge­ar­bei­tet in den Thril­ler ist die Umwelt- und Arten­schutz­the­ma­tik der Bie­nen. Hier regt das Buch zu eini­gen Über­le­gun­gen an: “Was wird aus der Mensch­heit wer­den, wenn die Bie­nen von der Erde ver­schwin­den? Aus­ge­löscht durch Che­mi­ka­li­en, Mono­kul­tur, Mil­ben und ande­re Krank­hei­ten, die ihr geschwäch­tes Immun­sys­tem nicht mehr bekämp­fen kann? Wenn die Bie­nen die Nutz- und Zier­pflan­zen nicht mehr bestäu­ben? Schon jetzt sind die Aus­wir­kun­gen des Bie­nenster­bens zu beob­ach­ten — nicht nur auf den Claudia Praxmayer - BienenköniginWie­sen oder in den Gär­ten. In den Rega­len der Super­märk­te fal­len seit gerau­mer Zeit die stei­gen­den Prei­se vie­ler Obst- und Gemü­se­sor­ten auf…” (Zitat S.72) Neben Sach­in­for­ma­tio­nen, die man unver­fäng­lich beim Lesen auf­schnappt, liest sich das Buch durch­weg fes­selnd und span­nend und ent­hält eben­so eine klei­ne Lie­bes­ge­schich­te. Am Ende hat mir nur die Reak­ti­on der Eltern auf Mels Ent­wick­lung etwas gefehlt.

Fazit: Trotz win­zi­ger Kri­tik­punk­te eine her­vor­ra­gen­de und unter­halt­sa­me Lek­tü­re!

Hier fin­dest du übri­gens noch ein paar Extra-Infor­ma­tio­nen, dar­über, war­um die Autorin Clau­dia Prax­may­er ein Buch über Bie­nen geschrie­ben hat.

Du magst noch ande­re Bücher lesen, in denen Bie­ne eine gro­ße Rol­le spie­len? Die­se sind im Jugend­buch lei­der noch recht übersLesealternativenchau­bar: “Der Som­mer, in dem ich die Bie­nen ret­te­te” von Robin Ste­ven­son oder “Zweet” von Marit Kald­hol (wun­der­schön!) und “Das Jahr, als die Bie­nen kamen” von Petra Pos­tert (ab 10 Jah­ren bereits). Etwas kämp­fe­ri­scher wären “Storm­glass. Angriff der Kil­ler­bie­nen” von Andy Deemer und “Infi­ni­ty Dra­ke: Scar­lat­tis Söh­ne” von John McNal­ly. Ein Roman, in dem es um den Kampf um das Über­le­ben eines Tie­res geht, das fin­dest du zudem in “Orca Som­mer” von Sabi­ne Gieb­ken, eine schö­ne unter­halt­sa­me Lek­tü­re. Vom Erzähl­stil und der Span­nung her, habe ich beim Lesen von “Bie­nen­kö­ni­gin” auch ein wenig an die “Erd­beer­pflü­cker”-Rei­he von Moni­ka Feth den­ken müs­sen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbj 
ISBN: 978-3-570-16533-1
Erscheinungsdatum: 3.September 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,00€ 
Seitenzahl: 352 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Claudia Praxmayer spricht über ihr Buch:

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)




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