Claire Legrand hat einen schönen Fantasyroman mit dem Namen „Das Haus der verschwundenen Kinder“ geschrieben. Über Perfektion, Angepasstheit und den Wert der Freundschaft. Mit sehr viel Ironie und Witz erzählt, aber auch ein bißchen gruselig. Ein tolles Buch! Es wurde von der New York Public Library als bestes Jugendbuch 2012 ausgezeichnet! Für Jugendliche ab 12 (aber auch schon für 10-jährige Vielleser geeignet).
Die 12-jährige Victoria ist stets perfekt organisiert. Ihr Hab und Gut ist in ordentlich beschrifteten Schachteln verwahrt. Sie ist adrett gekleidet, höflich und in der Schule glänzt sie mit den allerbesten Noten. Sie ist perfekt so wie ihre Eltern, so wie alle Einwohner ihres kleinen Städtchens Belleville, in dem alles immer mit Recht und Ordnung zugeht. Nur manchmal scheint dort ein Kind zu verschwinden. Eines, das nicht allzu brav und folgsam war. Als auch Victorias bester Freund Lawrence eines Tages verschwindet, macht sich das unerschrockene Mädchen auf ihn zu suchen. Und alle Hinweise führen zu dem großen Kinderheim am Ende der Stadt. Hat die Inhaberin Mrs. Cavendish etwas mit dem Verschwinden der Kinder zu tun? Und warum fühlt Victoria von Zeit zu Zeit so einen seltsamen kalten Wind um sich herum und sieht immer wieder Käfer in ihrer Umgebung. Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen…
„Das Haus der verschwundenen Kinder“ wird durchgehend aus der Sicht von Victoria erzählt. Die Kapitelanfänge werden von einer kunstvollen Zeichnung eingeleitet. Auch im Text kommen inhaltlich passend immer mal wieder ein paar eingezeichnete Käfer vor. Die ganzseitigen Illustrationen, die zwischendurch ebenfalls erscheinen, passen hervorragend zur Stimmung
der Geschichte. Der Erzählstil ist flüssig und sehr angenehm. Besonders Victoria amüsiert durch ihre von sich eingenommene Art zu denken. Lawrence betrachtet sie zu Beginn als ein Projekt, dem sie sich anzunehmen gedenkt. Ihm ist im Alter von neun Jahren nämlich eine graue Haarsträhne gewachsen und dafür wird er von den anderen Kindern gehänselt. Auch steckt er sich nie das Hemd in die Hose, kämmt sie nicht und ist ansonsten ein Träumer, der zu viel Musik spielt, mehr als es seinen Eltern Recht ist. So ist ein besonders witziger Dialog gleich zu Beginn von „Das Haus der verschwundenen Kinder“ zu lesen, in dem Victoria zu Lawrence erstmals an den Tisch tritt und ihm erklärt, dass sie jetzt Freunde seien. Er hingegen entgegnet, dass er aber gar nicht mit ihr befreundet sein möchte, sie erwidert daraufhin „Tja, Pech gehabt!“. Es entsteht nach einiger Zeit allerdings doch eine Freundschaft zwischen ihnen, auch wenn Victoria das natürlich niemals so offen zugeben würde und erst gegen Ende wirklich realisiert, wie viel Lawrence ihr eigentlich bedeutet und wie wichtig eine Freundschaft im Leben ist. Das zu lesen, macht sehr viel Freude. Auch gruselige Momente sind in dem Roman zu finden und es wird sehr fantastisch, als sich Victoria in dem Kinderheim befindet und es mit Mrs. Cavendish aufzunehmen versucht. Jedoch ist sie ein sehr gewieftes Mädchen und niemals um einen neuen Plan verlegen.
Fazit: ein toller Lesespaß. Dieses Buch zu lesen lohnt sich!
Die wohl beste Lesealternative zu „Das Haus der verschwundenen Kinder“ ist „Die Nacht der gefangenen Träume“ von Antonia Michaelis.
Auch hier spielen die Hauptrolle ein Junge und ein Mädchen, in deren Schule es nicht mit rechten Dingen zugeht und deren Mitschüler auf einmal alle ganz brav und fleißig sind. Hier hat der Schuldirektor eine Maschine gebaut, mit denen er den Kindern die Träume stehlen kann. Ebenfalls sehr spannend und sprachlich vor allem schön erzählt. Wenn du fantastische Bücher magst, wäre vielleicht auch „Coraline“ von Neil Gaiman etwas für dich. Hier geht es im Nachbarhaus eines Mädchens nicht mit rechten Dingen zu. Sehr passend ist auch die “Flavia de Luce”-Reihe von Alan Bradley, die zwar eher in die Krimirichtung geht, aber auch sehr viel schrägen Humor bietet. Ein ebenfalls unerschrockenes, junges Mädchen ist “Ruby Redfort” von Lauren Child, mittlerweile auch eine Reihe. Die sind auch sehr pfiffig und flott erzählt.
Bibliografische Angaben:Verlag: Heyne fliegt ISBN: 978-3-453-26778-7 Erscheinungsdatum: 25.August 2014 Einbandart: Hardcover Preis: 14,99€ Seitenzahl: 320 Übersetzer: Astrid Finke Originaltitel: "The Cavendish Home for Boys and Girls" Originalverlag: Simon & Schuster Amerikanisches Originalcover:
Amerikanischer Trailer:
Kasimiras Bewertung:
(5 von 5 möglichen Punkten)
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Verlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3-453-26778-7
Erscheinungsdatum: 25.August 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Astrid Finke
Originaltitel: "The Cavendish Home for Boys and Girls"
Originalverlag: Simon & Schuster
Amerikanisches Originalcover:
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