Claire Legrand — Das Haus der verschwundenen Kinder

Claire Legrand - Das Haus der verschwundenen Kinder8.September 2014

Clai­re Legrand hat einen schö­nen Fan­ta­sy­ro­man mit dem Namen „Das Haus der ver­schwun­de­nen Kin­der“ geschrie­ben. Über Per­fek­ti­on, Ange­passt­heit und den Wert der Freund­schaft. Mit sehr viel Iro­nie und Witz erzählt, aber auch ein biß­chen gru­se­lig. Ein tol­les Buch! Es wur­de von der New York Public Libra­ry als bes­tes Jugend­buch 2012 aus­ge­zeich­net! Für Jugend­li­che ab 12 (aber auch schon für 10-jäh­ri­ge Viel­le­ser geeig­net).

Die 12-jäh­ri­ge Vic­to­ria ist stets per­fekt orga­ni­siert. Ihr Hab und Gut ist in ordent­lich beschrif­te­ten Schach­teln ver­wahrt. Sie ist adrett geklei­det, höf­lich und in der Schu­le glänzt sie mit den aller­bes­ten Noten. Sie ist per­fekt so wie ihre Eltern, so wie alle Ein­woh­ner ihres klei­nen Städt­chens Bel­le­vil­le, in dem alles immer mit Recht und Ord­nung zugeht. Nur manch­mal scheint dort ein Kind zu ver­schwin­den. Eines, das nicht all­zu brav und folg­sam war. Als auch Vic­to­ri­as bes­ter Freund Law­rence eines Tages ver­schwin­det, macht sich das uner­schro­cke­ne Mäd­chen auf ihn zu suchen. Und alle Hin­wei­se füh­ren zu dem gro­ßen Kin­der­heim am Ende der Stadt. Hat die Inha­be­rin Mrs. Caven­dish etwas mit dem Ver­schwin­den der Kin­der zu tun? Und war­um fühlt Vic­to­ria von Zeit zu Zeit so einen selt­sa­men kal­ten Wind um sich her­um und sieht immer wie­der Käfer in ihrer Umge­bung. Irgend­et­was scheint hier nicht mit rech­ten Din­gen zuzu­ge­hen…

Claire Legrand Das Haus der verschwundenen KinderDas Haus der ver­schwun­de­nen Kin­der“ wird durch­ge­hend aus der Sicht von Vic­to­ria erzählt. Die Kapi­tel­an­fän­ge wer­den von einer kunst­vol­len Zeich­nung ein­ge­lei­tet. Auch im Text kom­men inhalt­lich pas­send immer mal wie­der ein paar ein­ge­zeich­ne­te Käfer vor. Die ganz­sei­ti­gen Illus­tra­tio­nen, die zwi­schen­durch eben­falls erschei­nen, pas­sen her­vor­ra­gend zur Stim­mung der Geschich­te. Der Erzähl­stil ist flüs­sig und sehr ange­nehm. Beson­ders Vic­to­ria amü­siert durch ihre von sich ein­ge­nom­me­ne Art zu den­ken. Law­rence betrach­tet sie zu Beginn als ein Pro­jekt, dem sie sich anzu­neh­men gedenkt. Ihm ist im Alter von neun Jah­ren näm­lich eine graue Haar­sträh­ne gewach­sen und dafür wird er von den ande­ren Kin­dern gehän­selt. Auch steckt er sich nie das Hemd in die Hose, kämmt sie nicht und ist ansons­ten ein Träu­mer, der zu viel Musik spielt, mehr als es sei­nen Eltern Recht ist. So ist ein beson­ders wit­zi­ger Dia­log gleich zu Beginn von „Das Haus der ver­schwun­de­nen Kin­der“ zu lesen, in dem Vic­to­ria zu Law­rence erst­mals an den Tisch tritt und ihm erklärt, dass sie jetzt Freun­de sei­en. Er hin­ge­gen ent­geg­net, dass er aber gar nicht mit ihr befreun­det sein möch­te, sie erwi­dert dar­auf­hin „Tja, Pech gehabt!“. Es ent­steht nach eini­ger Zeit aller­dings doch eine Freund­schaft zwi­schen ihnen, auch wenn Vic­to­ria das natür­lich nie­mals so offen zuge­ben wür­de und erst gegen Ende wirk­lich rea­li­siert, wie viel Law­rence ihr eigent­lich bedeu­tet und wie wich­tig eine Freund­schaft im Leben ist. Das zu lesen, macht sehr viel Freu­de. Auch gru­se­li­ge Momen­te sind in dem Roman zu fin­den und es wird sehr fan­tas­tisch, als sich Vic­to­ria in dem Kin­der­heim befin­det und es mit Mrs. Caven­dish auf­zu­neh­men ver­sucht. Jedoch ist sie ein sehr gewief­tes Mäd­chen und nie­mals um einen neu­en Plan ver­le­gen.

Fazit: ein tol­ler Lese­spaß. Die­ses Buch zu lesen lohnt sich!

Die wohl bes­te Lese­al­ter­na­ti­ve zu „Das Haus der ver­schwun­de­nen Kin­der“ ist Die Nacht der gefan­ge­nen Träu­me“ von Anto­nia Michae­lis. LesealternativenAuch hier spie­len die Haupt­rol­le ein Jun­ge und ein Mäd­chen, in deren Schu­le es nicht mit rech­ten Din­gen zugeht und deren Mit­schü­ler auf ein­mal alle ganz brav und flei­ßig sind. Hier hat der Schul­di­rek­tor eine Maschi­ne gebaut, mit denen er den Kin­dern die Träu­me steh­len kann. Eben­falls sehr span­nend und sprach­lich vor allem schön erzählt. Wenn du fan­tas­ti­sche Bücher magst, wäre viel­leicht auch Cora­li­ne“ von Neil Gai­man etwas für dich. Hier geht es im Nach­bar­haus eines Mäd­chens nicht mit rech­ten Din­gen zu. Sehr pas­send ist auch die “Fla­via de Luce”-Rei­he von Alan Brad­ley, die zwar eher in die Kri­mi­rich­tung geht, aber auch sehr viel schrä­gen Humor bie­tet. Ein eben­falls uner­schro­cke­nes, jun­ges Mäd­chen ist Ruby Red­fort” von Lau­ren Child, mitt­ler­wei­le auch eine Rei­he. Die sind auch sehr pfif­fig und flott erzählt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3-453-26778-7
Erscheinungsdatum: 25.August 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Astrid Finke
Originaltitel: "The Cavendish Home for Boys and Girls"
Originalverlag: Simon & Schuster

Amerikanisches Originalcover:
Claire Legrand - Das Haus der verschwundenen Kinder











Amerikanischer Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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Amerikanisches Cover: Homepage von Simon & Schuster

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