Cindy R.X. He — Perfect Little Monsters

6.September 2026

“Per­fect Litt­le Mons­ters” ist ein Thril­ler der aus Sin­ga­pur stam­men­den, aber mitt­ler­wei­le in Frank­reich leben­den Autorin Cin­dy R.X. He (was R.X. bedeu­tet, ist nicht bekannt), und zugleich ihr Debüt, für das sie mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­net bezie­hungs­wei­se nomi­niert wur­de. Die 17-jäh­ri­ge Dawn ist neu an der Sier­ton High School. Nach ihrem Umzug von Kali­for­ni­en nach Wis­con­sin sucht sie Anschluss und wird prompt in das renom­mier­te Cheer­lea­ding-Team und in die Cli­que rund um die mani­pu­la­ti­ve, ton­an­ge­ben­de Ella auf­ge­nom­men. Als Ella nach einer Par­ty — auf die auch Dawn ein­ge­la­den wur­de — am nächs­ten Mor­gen tot auf­ge­fun­den wird, gerät aus­ge­rech­net die Neue in Ver­dacht. Sie war die Letz­te, die Ella etwas zu trin­ken gege­ben hat. Um das Gegen­teil zu bewei­sen, beginnt Dawn auf eige­ne Faust zu ermit­teln und stößt dabei auf ein gefähr­li­ches Geflecht aus Lügen, Intri­gen und dunk­len Geheim­nis­sen… Ein Thril­ler, der sprach­lich anfangs stel­len­wei­se noch nicht so über­zeug­te, dann aber zuneh­mend flüs­si­ger und nahe­zu durch­ge­hend span­nend wur­de. Die Wen­dung am Ende hat mich eis­kalt erwischt und setzt dem Buch die Kro­ne auf und ver­leiht der gesam­ten Sto­ry noch ein­mal eine völ­lig neue Dimen­si­on. Wow — Gän­se­haut­fee­ling am Ende! Abgrün­dig, raf­fi­niert und ner­ven­auf­rei­bend. Die­se Autorin soll­te man sich mer­ken! Für taf­fe Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Die 17-jäh­ri­ge Dawn ist neu an der Sier­ton High School. Sie ist von San­ta Cruz in Kali­for­ni­en nach Sier­ton in Wis­con­sin zu ihrer Tan­te gezo­gen. “Und… wie­so bist du auf unse­re Schu­le gewech­selt?” […] “Äh, ich bin zu mei­ner Tan­te gezo­gen. Sie wohnt hier”, mur­mel­te ich. “Mei­ne Eltern… haben ihre Jobs ver­lo­ren. Wir muss­ten unse­re Woh­nung ver­kau­fen.” Alles wegen des Auto­un­falls. Außerdem haben wir kein Auto mehr, weil es ein Total­scha­den war. Ein Segen, dass Tan­te Mad­dy mich jeden Tag zur Schu­le bringt, denn wenn ich selbst fah­re, bekom­me ich regel­mä­ßig eine Panik­at­ta­cke.” (Zitat aus “Per­fect Litt­le Mons­ters” S.17) Dort fin­det sie rela­tiv schnell Anschluss, als sie ins Cheer­lea­ding-Team auf­ge­nom­men wird. Dawn wird sogar von der 18-jäh­ri­gen Ella und ihrer Cli­que (ihren bei­den Freun­din­nen Nao­mi und Lucy) zu einer Par­ty ein­ge­la­den. Ella kann grau­sam und mani­pu­la­tiv sein. Sie ist nicht wirk­lich beliebt, aber ton­an­ge­bend in der Cli­que. “Ella hält von ihrem Schwimm­tier aus Hof und lässt sich abwech­selnd von allen Drinks brin­gen. Ins­be­son­de­re Nao­mi lässt alles ste­hen und lie­gen, wenn Ella mit den Fin­gern schnippt. Als sie ihr den drit­ten Drink bringt (rich­tig, ich zäh­le mit), muss ich sie ein­fach nach dem Grund fra­gen. Nao­mi zuckt mit ihren creme­far­be­nen schlan­ken Schul­tern und flö­tet: “Wir sind eben ihre Die­ne­rin­nen.” Doch obwohl sie mit ihrem Lächeln andeu­tet, es sei ein Scherz, schwingt noch etwas ande­res in ihrem Ton­fall mit. Genervt­heit? Ver­ach­tung?” (Zitat S.47) Auch Dawn bringt Ella einen Becher Alko­hol auf deren Wunsch hin. Doch dann wird Ella am nächs­ten Mor­gen tot im Bett auf­ge­fun­den. Sie wur­de ver­gif­tet. Die ande­ren behaup­ten, Dawn — die Neue — hät­te Ella als Letz­te etwas zu trin­ken gege­ben. Natür­lich ver­sucht sie, der Poli­zei das Gegen­teil zu bewei­sen und beginnt selbst Nach­for­schun­gen anzu­stel­len. Denn bald wird Dawn klar, dass fast jeder in der Cli­que etwas zu ver­ber­gen hat. “Kein Pro­blem, dass Scott, Lucy und Nao­mi Geheim­nis­se haben. Die haben wir alle. Aber ich darf nicht zulas­sen, dass die Poli­zei Nach­for­schun­gen zu mir betreibt. Ich muss etwas tun, um mich von jeg­li­chem Ver­dacht rein­zu­wa­schen. Und zwar schnell. Ich muss selbst her­aus­fin­den, was die ande­ren zu ver­ber­gen haben — und wer Ella umge­bracht hat.” (Zitat S.115) Dabei kommt sie Isaac, einem Mit­schü­ler, lang­sam näher. Er hat auch eine beson­de­re Ver­bin­dung zu Ella und hat sich wohl heim­lich auf die Par­ty geschli­chen. “Vor drei Jah­ren hat eine Neunt­kläss­le­rin von der Sier­ton High ver­sucht, sich das Leben zu neh­men.” Raquels Stim­me ist gedämpft und ernst. “Isaacs Schwes­ter.” Es läuft mir eis­kalt den Rücken hin­un­ter. “Isaac hat eine Schwes­ter?” Raquel nickt. “Ich glau­be, sie wur­de gemobbt. Frü­her war Isaac zu allen nett, aber seit­dem… er war nie mehr der­sel­be.” (Zitat S.85) Lang­sam kommt Dawn der Wahr­heit immer näher…

Das Cover ist pro­vo­ka­tiv und auf­fal­lend. Der Titel erklärt sich rela­tiv schnell, wird aber auch im Buch an einer Stel­le wei­ter hin­ten ver­deut­licht. “Ich las­se den Blick schwei­fen, zu Nao­mi und Lucy, die ihre roten Mün­der zu höh­ni­schem Joh­len ver­zerrt haben. Ihre wei­ßen Zäh­ne blit­zen. Die­se schö­nen Mäd­chen, die­se Mons­ter.” (Zitat S.220) Das Buch star­tet mit einer pas­sen­den Wid­mung: “Für alle Außen­sei­ter: Ihr seid schön, ihr wer­det geliebt.” (Zitat S.7) Der Thril­ler beginnt mit einem Pro­log, in dem ein namen­lo­ses Mäd­chen sich in einem Schrank ver­steckt und in Panik ist. Es hat Angst zu ster­ben und hört jeman­den außer­halb, der sie sucht und schließ­lich den Schrank öff­net. “Hab ich dich.” Die­se lee­ren Augen. Die­ses abscheu­li­che Lächeln. Der stump­fe Glanz des Tran­chier­mes­sers. Sie reißt den Mund auf und schreit.” (Zitat S.11) Dann setzt der Haupt­teil ein, der “Vor zwei Mona­ten” spielt und sich der Zeit­ebe­ne des Pro­logs all­mäh­lich annä­hert. Der Haupt­teil ist aus Dawns Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben — ein Mäd­chen, das eben­falls Geheim­nis­se zu haben scheint. “Nicht zum ers­ten Mal geht mir durch den Kopf, dass ich nicht hier sein soll­te. Doch die­sen Gedan­ken ver­drän­ge ich sofort. Ich bin ein ande­rer Mensch. Hier kennt mich kei­ner. Ich kon­zen­trie­re mich auf die Wor­te mei­ner Mom, deren war­me brau­ne Augen sich wie immer, wenn sie lächelt, in klei­ne Fält­chen leg­ten. Alles wird gut, du wirst schon sehen.” (Zitat S.12) Was ist mit ihren Eltern pas­siert? War­um hat der Vater ein ent­stell­tes Gesicht und die Mut­ter sitzt im Roll­stuhl? Was war das für ein Unfall? Immer wie­der durch­zie­hen span­nen­de Andeu­tun­gen den Text: “Und was pas­siert ist, war nicht dei­ne Schuld, ver­giss das nicht.” (Zitat S.33) Die Spra­che von Cin­dy R.X.He fand ich anfangs stel­len­wei­se etwas höl­zern und flach, jedoch wirk­lich nur sehr spo­ra­disch. Dann zieht die Geschich­te förm­lich in den Bann. Der Erzähl­fluss reißt einen mit sich und die Hand­lung bleibt durch­ge­hend tem­po­reich. Man beglei­tet Dawn auf der Suche nach der Wahr­heit und nimmt dabei eine ver­däch­ti­ge Per­son nach der ande­ren genau­er unter die Lupe: “Ich erin­ne­re mich an eine Bemer­kung von Scott auf der Par­ty. Die Bitch glaubt, ich wüss­te das nicht. Was mein­te er damit? Was glaub­te sie, was er nicht wüss­te? Und Lucy hat zu mir gesagt, sie hat ihn nicht ver­dient… manch­mal has­se ich sie. Sie woll­te Scott ein­deu­tig selbst zum Freund haben. Und wo war sie über­haupt, kurz bevor ich gegan­gen bin? Dann ist da noch Nao­mi, die sich mit Ellas Han­dy weg­ge­schli­chen hat, um wer weiß was damit zu machen.” (Zitat S.112) “Per­fect Litt­le Mons­ters” beinhal­tet jedoch — und des­sen soll­te man sich bewusst sein — sehr hef­ti­ge The­men. Mob­bing, toxi­sche Freund­schaf­ten und auch Sui­zid. Eine wei­te­re Sicht­wei­se ist in das Buch mit ein­ge­floch­ten: die von Han­nah, ein Mäd­chen, das “Drei Jah­re zuvor” neu an die High­school kam und den Plan hat­te, nun end­lich Freund­schaf­ten zu knüp­fen: “…ihre schlaf­fen Haa­re, die weder blond noch braun sind, sondern unschein­bar mau­sig, ihre dicken Bril­len­glä­ser, hin­ter denen ihre schlamm­brau­nen Augen glub­schäu­gig und ver­wirrt drein­schau­en, ihre gro­ße Haken­na­se und das flie­hen­de Kinn. Auf all­dem beruht ihr freund­lo­ses Dasein seit der Grund­schu­le. Nicht ein­mal die ande­ren unbe­lieb­ten Schü­le­rin­nen woll­ten mit ihr befreun­det sein, als wür­den sie ihre ver­zwei­fel­te Sehn­sucht spü­ren, akzep­tiert und gemocht zu wer­den, und sich instink­tiv abwen­den. Han­nah ver­drängt die­se Erin­ne­run­gen. In der High­school wird alles anders, und zwar ab sofort.” (Zitat S.58) Doch dann gerät sie in die Fän­ge von Ella, Nao­mi und Lucy und wird gna­den­los gemobbt, bis sie schließ­lich kei­nen Aus­weg mehr sieht. Die Rück­blen­den sind span­nend und geben ein immer inten­si­ve­res Bild über die Machen­schaf­ten der Mäd­chen. Gegen Ende über­rascht die Autorin mit einem genia­len Schach­zug und lie­fert eine äußerst gelun­ge­ne, düs­te­re Wen­dung, die die gesam­te Geschich­te völ­lig auf den Kopf stellt. In einem Nach­wort geht Cin­dy R.X. He noch auf ihren per­sön­li­chen Bezug zu “Per­fect Litt­le Mons­ters” ein.

Du suchst Lese­al­ter­na­ti­ven zu “Per­fect Litt­le Mons­ters”? Hier gibt es eini­ges an Lese­fut­ter für dich. Allen vor­an natür­lich der ErfoLesealternativenlgs­ti­tel “One of us is lying” von Karen M.McManus. Mob­bing und Rache steht auch in die­sen Thril­lern im Vor­der­grund: “Pri­de & Pret­ty: Einen Tod musst du ster­ben” von Chris Kas­par (ab 16), “Bad Boys & Litt­le Bit­ches” von Andre­as Götz und “Fire­wall” von Erin Jade Lan­ge. Sehr gut gefiel mir auch “Die Fal­le” von Andre­as Brett­schnei­der. Sehr inten­siv mit Schuld, Mob­bing, (teil­wei­se auch Sui­zid) und den (Macht-)Dynamiken inner­halb einer Grup­pe set­zen sich auch die­se Titel aus­ein­an­der: “Das wirst du bereu­en” von Aman­da Maciel, “Sie­ben: Spiel ohne Regeln” von M.A.Bennett, “Denk­zet­tel: Wenn dein Alp­traum wahr wird” von Daniël­le Bak­huis und “Im Schat­ten der Wäch­ter” von Gra­ham Gard­ner (aus­ge­zeich­net mit dem Deut­schen Jugendliteraturpreis).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann Esslinger
ISBN: 978-3-522-20399-9
Erscheinungsdatum: 28.Juli 2026
Einbandart: Hardcover
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer*in: Anne Brauner
Originaltitel: "Perfect Little Monsters"
Originalverlag: Sourcebooks Fire

Amerikanisches Originalcover: 









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