“Perfect Little Monsters” ist ein Thriller der aus Singapur stammenden, aber mittlerweile in Frankreich lebenden Autorin Cindy R.X. He (was R.X. bedeutet, ist nicht bekannt), und zugleich ihr Debüt, für das sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet beziehungsweise nominiert wurde. Die 17-jährige Dawn ist neu an der Sierton High School. Nach ihrem Umzug von Kalifornien nach Wisconsin sucht sie Anschluss und wird prompt in das renommierte Cheerleading-Team und in die Clique rund um die manipulative, tonangebende Ella aufgenommen. Als Ella nach einer Party — auf die auch Dawn eingeladen wurde — am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, gerät ausgerechnet die Neue in Verdacht. Sie war die Letzte, die Ella etwas zu trinken gegeben hat. Um das Gegenteil zu beweisen, beginnt Dawn auf eigene Faust zu ermitteln und stößt dabei auf ein gefährliches Geflecht aus Lügen, Intrigen und dunklen Geheimnissen… Ein Thriller, der sprachlich anfangs stellenweise noch nicht so überzeugte, dann aber zunehmend flüssiger und nahezu durchgehend spannend wurde. Die Wendung am Ende hat mich eiskalt erwischt und setzt dem Buch die Krone auf und verleiht der gesamten Story noch einmal eine völlig neue Dimension. Wow — Gänsehautfeeling am Ende! Abgründig, raffiniert und nervenaufreibend. Diese Autorin sollte man sich merken! Für taffe Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Die 17-jährige Dawn ist neu an der Sierton High School. Sie ist von Santa Cruz in Kalifornien nach Sierton in Wisconsin zu ihrer Tante gezogen. “Und… wieso bist du auf unsere Schule gewechselt?” […] “Äh, ich bin zu meiner Tante gezogen. Sie wohnt hier”, murmelte ich. “Meine Eltern… haben ihre Jobs verloren. Wir mussten unsere Wohnung verkaufen.” Alles wegen des Autounfalls. Auße
rdem haben wir kein Auto mehr, weil es ein Totalschaden war. Ein Segen, dass Tante Maddy mich jeden Tag zur Schule bringt, denn wenn ich selbst fahre, bekomme ich regelmäßig eine Panikattacke.” (Zitat aus “Perfect Little Monsters” S.17) Dort findet sie relativ schnell Anschluss, als sie ins Cheerleading-Team aufgenommen wird. Dawn wird sogar von der 18-jährigen Ella und ihrer Clique (ihren beiden Freundinnen Naomi und Lucy) zu einer Party eingeladen. Ella kann grausam und manipulativ sein. Sie ist nicht wirklich beliebt, aber tonangebend in der Clique. “Ella hält von ihrem Schwimmtier aus Hof und lässt sich abwechselnd von allen Drinks bringen. Insbesondere Naomi lässt alles stehen und liegen, wenn Ella mit den Fingern schnippt. Als sie ihr den dritten Drink bringt (richtig, ich zähle mit), muss ich sie einfach nach dem Grund fragen. Naomi zuckt mit ihren cremefarbenen schlanken Schultern und flötet: “Wir sind eben ihre Dienerinnen.”
Doch obwohl sie mit ihrem Lächeln andeutet, es sei ein Scherz, schwingt noch etwas anderes in ihrem Tonfall mit. Genervtheit? Verachtung?” (Zitat S.47) Auch Dawn bringt Ella einen Becher Alkohol auf deren Wunsch hin. Doch dann wird Ella am nächsten Morgen tot im Bett aufgefunden. Sie wurde vergiftet. Die anderen behaupten, Dawn — die Neue — hätte Ella als Letzte etwas zu trinken gegeben. Natürlich versucht sie, der Polizei das Gegenteil zu beweisen und beginnt selbst Nachforschungen anzustellen. Denn bald wird Dawn klar, dass fast jeder in der Clique etwas zu verbergen hat. “Kein Problem, dass Scott, Lucy und Naomi Geheimnisse haben. Die haben wir alle. Aber ich darf nicht zulassen, dass die Polizei Nachforschungen zu mir betreibt. Ich muss etwas tun, um mich von jeglichem Verdacht reinzuwaschen. Und zwar schnell. Ich muss selbst herausfinden, was die anderen zu verbergen haben — und wer Ella umgebracht hat.” (Zitat S.115)
Dabei kommt sie Isaac, einem Mitschüler, langsam näher. Er hat auch eine besondere Verbindung zu Ella und hat sich wohl heimlich auf die Party geschlichen. “Vor drei Jahren hat eine Neuntklässlerin von der Sierton High versucht, sich das Leben zu nehmen.” Raquels Stimme ist gedämpft und ernst. “Isaacs Schwester.” Es läuft mir eiskalt den Rücken hinunter. “Isaac hat eine Schwester?” Raquel nickt. “Ich glaube, sie wurde gemobbt. Früher war Isaac zu allen nett, aber seitdem… er war nie mehr derselbe.” (Zitat S.85) Langsam kommt Dawn der Wahrheit immer näher…
Das Cover ist provokativ und auffallend. Der Titel erklärt sich relativ schnell, wird aber auch im Buch an einer Stelle weiter hinten verdeutlicht. “Ich lasse den Blick schweifen, zu Naomi und Lucy, die ihre roten Münder zu höhnischem Johlen verzerrt
haben. Ihre weißen Zähne blitzen. Diese schönen Mädchen, diese Monster.” (Zitat S.220) Das Buch startet mit einer passenden Widmung: “Für alle Außenseiter: Ihr seid schön, ihr werdet geliebt.” (Zitat S.7) Der Thriller beginnt mit einem Prolog, in dem ein namenloses Mädchen sich in einem Schrank versteckt und in Panik ist. Es hat Angst zu sterben und hört jemanden außerhalb, der sie sucht und schließlich den Schrank öffnet. “Hab ich dich.” Diese leeren Augen. Dieses abscheuliche Lächeln. Der stumpfe Glanz des Tranchiermessers. Sie reißt den Mund auf und schreit.” (Zitat S.11) Dann setzt der Hauptteil ein, der “Vor zwei Monaten” spielt und sich der Zeitebene des Prologs allmählich annähert. Der Hauptteil ist aus Dawns Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben — ein Mädchen, das ebenfalls Geheimnisse zu haben scheint. “Nicht zum ersten Mal geht mir durch den Kopf, dass ich nicht hier sein sollte. Doch diese
n Gedanken verdränge ich sofort. Ich bin ein anderer Mensch. Hier kennt mich keiner. Ich konzentriere mich auf die Worte meiner Mom, deren warme braune Augen sich wie immer, wenn sie lächelt, in kleine Fältchen legten. Alles wird gut, du wirst schon sehen.” (Zitat S.12) Was ist mit ihren Eltern passiert? Warum hat der Vater ein entstelltes Gesicht und die Mutter sitzt im Rollstuhl? Was war das für ein Unfall? Immer wieder durchziehen spannende Andeutungen den Text: “Und was passiert ist, war nicht deine Schuld, vergiss das nicht.” (Zitat S.33) Die Sprache von Cindy R.X.He fand ich anfangs stellenweise etwas hölzern und flach, jedoch wirklich nur sehr sporadisch. Dann zieht die Geschichte förmlich in den Bann. Der Erzählfluss reißt einen mit sich und die Handlung bleibt durchgehend temporeich. Man begleitet Dawn auf der Suche nach der Wahrheit und nimmt dabei eine verdächtige
Person nach der anderen genauer unter die Lupe: “Ich erinnere mich an eine Bemerkung von Scott auf der Party. Die Bitch glaubt, ich wüsste das nicht. Was meinte er damit? Was glaubte sie, was er nicht wüsste? Und Lucy hat zu mir gesagt, sie hat ihn nicht verdient… manchmal hasse ich sie. Sie wollte Scott eindeutig selbst zum Freund haben. Und wo war sie überhaupt, kurz bevor ich gegangen bin? Dann ist da noch Naomi, die sich mit Ellas Handy weggeschlichen hat, um wer weiß was damit zu machen.” (Zitat S.112) “Perfect Little Monsters” beinhaltet jedoch — und dessen sollte man sich bewusst sein — sehr heftige Themen. Mobbing, toxische Freundschaften und auch Suizid. Eine weitere Sichtweise ist in das Buch mit eingeflochten: die von Hannah, ein Mädchen, das “Drei Jahre zuvor” neu an die Highschool kam und den Plan hatte, nun endlich Freundschaften zu knüpfen: “…ihre schlaffen Haare, die weder blond noch braun sind, sond
ern unscheinbar mausig, ihre dicken Brillengläser, hinter denen ihre schlammbraunen Augen glubschäugig und verwirrt dreinschauen, ihre große Hakennase und das fliehende Kinn. Auf alldem beruht ihr freundloses Dasein seit der Grundschule. Nicht einmal die anderen unbeliebten Schülerinnen wollten mit ihr befreundet sein, als würden sie ihre verzweifelte Sehnsucht spüren, akzeptiert und gemocht zu werden, und sich instinktiv abwenden. Hannah verdrängt diese Erinnerungen. In der Highschool wird alles anders, und zwar ab sofort.” (Zitat S.58) Doch dann gerät sie in die Fänge von Ella, Naomi und Lucy und wird gnadenlos gemobbt, bis sie schließlich keinen Ausweg mehr sieht. Die Rückblenden sind spannend und geben ein immer intensiveres Bild über die Machenschaften der Mädchen. Gegen Ende überrascht die Autorin mit einem genialen Schachzug und liefert eine äußerst gelungene, düstere Wendung, die die gesamte Geschichte völlig auf den Kopf stellt. In einem Nachwort geht Cindy R.X. He noch auf ihren persönlichen Bezug zu “Perfect Little Monsters” ein.
Du suchst Lesealternativen zu “Perfect Little Monsters”? Hier gibt es einiges an Lesefutter für dich. Allen voran natürlich der Erfo
lgstitel “One of us is lying” von Karen M.McManus. Mobbing und Rache steht auch in diesen Thrillern im Vordergrund: “Pride & Pretty: Einen Tod musst du sterben” von Chris Kaspar (ab 16), “Bad Boys & Little Bitches” von Andreas Götz und “Firewall” von Erin Jade Lange. Sehr gut gefiel mir auch “Die Falle” von Andreas Brettschneider. Sehr intensiv mit Schuld, Mobbing, (teilweise auch Suizid) und den (Macht-)Dynamiken innerhalb einer Gruppe setzen sich auch diese Titel auseinander: “Das wirst du bereuen” von Amanda Maciel, “Sieben: Spiel ohne Regeln” von M.A.Bennett, “Denkzettel: Wenn dein Alptraum wahr wird” von Daniëlle Bakhuis und “Im Schatten der Wächter” von Graham Gardner (ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis).
Bibliografische Angaben:Verlag: Thienemann Esslinger ISBN: 978-3-522-20399-9 Erscheinungsdatum: 28.Juli 2026 Einbandart: Hardcover Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt Preis: 18,00€ Seitenzahl: 384 Übersetzer*in: Anne Brauner Originaltitel: "Perfect Little Monsters" Originalverlag: Sourcebooks Fire Amerikanisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Thienemann Esslinger
ISBN: 978-3-522-20399-9
Erscheinungsdatum: 28.Juli 2026
Einbandart: Hardcover
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer*in: Anne Brauner
Originaltitel: "Perfect Little Monsters"
Originalverlag: Sourcebooks Fire
Amerikanisches Originalcover:
