Christina Stein — Wonderland

Christina Stein - Wonderland11.Dezember 2016

Die deut­sche Autorin Chris­ti­na Stein hat einen Thril­ler geschrie­ben, der es in sich hat: “Won­der­land”. Eine Geschich­te, die eine Grup­pe jun­ger Erwach­se­ner an ihre Gren­zen treibt und Haupt­fi­gu­ren eines Spiels wer­den lässt, das mit dem Tod enden kann. Ein Rea­li­ty­ga­me der beson­de­ren Art: “Big Bro­ther” meets “Dschun­gel­camp” meets Ste­phen King. Ner­ven­kit­zel und Hor­ror pur — nichts für Zart­be­sai­te­te. Aber mit atem­lo­ser Span­nung. Ein wirk­lich gelun­ge­nes Buch, die­se Autorin muss man sich mer­ken! Für Jugend­li­che ab 16 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 20-jäh­ri­ge Eli­sa­beth ist schwer herz­krank. Wie lan­ge sie noch leben wird, man weiß es nicht. Um sie aus ihrer Trau­er und Lethar­gie zu befrei­en, haben ihre Freun­din­nen Ame­lie und Nel­li  sie über­re­det auf Welt­rei­se zu gehen. Mit einem Around-the-World-Ticket im Gepäck sind sie momen­tan in Thai­land gelan­det und bereits in Beglei­tung von zwei neu­en Bekannt­schaf­ten, die Ame­lie und Nel­li unter­wegs auf­ge­ga­belt haben: Ben und Colin. In einem Hotel ler­nen die Fünf Jacob ken­nen, der sie auf eine Pri­vat­par­ty in die Vil­la sei­nes Onkels ein­lädt. Eine Traum­lo­ca­ti­on direkt am Meer. Ein wah­res “Won­der­land”: “Es ist ein Ort, den man nur ein­mal im Leben betritt. In den man hin­ein­fällt wie Ali­ce ins Wun­der­land, aus Ver­se­hen und unver­mit­telt, auf die­se selt­sa­me und wun­der­sa­me Art und Wei­se.” (Zitat S.5) Doch die Idyl­le trügt, denn sie sind die ein­zi­gen Gäs­te und wer­den gegen Ende der Par­ty alle plötz­lich ohn­mäch­tig, weil jemand etwas in ihre Drinks geschüt­tet hat. Als sie erwa­chen erwar­tet sie Christina Stein - Wonderlanddie Höl­le auf Erden: “Sofort schaue ich in alle Rich­tun­gen, über­all das Glei­che: Ein dich­ter, hoher und dschun­gel­ar­ti­ger Wald ragt hin­ter einer Beton­mau­er auf, die uns mit die­ser Sta­chel­draht­rol­le von vier Sei­ten umschließt. Alle paar Meter schaut eine Kame­ra auf uns her­ab.” (Zitat S.28) Wer hat sie dort ein­ge­sperrt? Wie soll Liz über­haupt ohne ihre Medi­ka­men­te über­le­ben? Und was haben die Unbe­kann­ten mit ihnen vor? Bald wer­den über Laut­spre­cher die Regeln ihres Zusam­men­tref­fens ver­kün­det: “Will­kom­men bei unse­rem Opfer­spiel. Ihr alle seid etwas Beson­de­res: jung, gesund, gut­aus­se­hend. Wir wol­len her­aus­fin­den, wer von euch am stärks­ten ist. Ab sofort muss jeden zwei­ten Tag einer von euch geop­fert wer­den. Ent­schei­det auch bis mor­gen früh, wer als Ers­tes geop­fert wird. Soll­tet ihr bis zur Mit­tags­zeit kei­ne Ent­schei­dung tref­fen, neh­men wir euch die­se ab.” (Zitat S.36) Was pas­siert mit den Opfern? Und was hat eigent­lich Jacob, der eben­falls ein­ge­sperrt ist, mit dem Gan­zen zu tun? Ist er Freund oder Feind? Bald kommt Liz ihm uner­war­tet näher…

Won­der­land” wird in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt, aller­dings abwech­selnd von Liz und Jacob. Meist sind es auch meh­re­re Kapi­tel hin­ter­ein­an­der mit der­sel­ben Sicht­wei­se. Zudem kom­men ab und zu die Täter zu Wort, die mehr Infor­ma­tio­nen über die Hin­ter­grün­de des Spiels lie­fern. Mir hat der ErzählChristina Stein - Wonderlandstil vor allem sehr gut gefal­len: die fei­ne, süf­fi­san­te Note; die Iro­nie, die zuwei­len auf­taucht, aber auch die Rhyth­mik des Satz­baus: “Einer läuft an mir vor­bei und dreht sich unver­mit­telt um, blickt mir direkt ins Gesicht, es ist Jacob, und ich weiß nicht, was mich mehr über­rascht, dass er mich so direkt anschaut oder dass er mich dabei anlacht, mich tat­säch­lich anlacht, etwas, das ich noch nie bei ihm erlebt habe.” (Zitat S.10) Auch die Hin­ter­grund­ge­schich­ten, die Infor­ma­tio­nen über die ein­zel­nen Figu­ren, die nach und nach preis­ge­ge­ben wer­den, lesen sich sowohl inter­es­sant, als auch authen­tisch. Liz, die eine Kar­rie­re als Star­bal­le­ri­na vor sich hat­te und plötz­lich zusam­men­brach. Die nicht weiß, wie lan­ge sie noch leben wird. “Ich brau­che mei­ne Medi­ka­men­te, Nel­li.” […] Sofort schie­ßen mir Trä­nen in die Augen, aber ich ver­su­che, erst mal dage­gen anzu­kom­men, gegen die­se auf­wal­len­de Panik und die­sen absur­den Gedan­ken: Jetzt hast du jah­re­lang durch­ge­hal­ten, nur um in die­sem Knast zu ver­re­cken.” (Zitat S.29) Die Prot­ago­nis­ten wer­den in “Won­der­land” jedoch an mensch­li­che Abgrün­de getrie­ben, müs­sen sich exis­ten­ti­el­le Fra­gen stel­len und Wege fin­den, mit ihrem Schick­sal umzu­ge­hen. Dar­an zer­bre­chen, auf­ge­ben oder kämp­fen? Gegen Unbe­kann­te in selt­sa­men Kut­ten, die zuwei­len mit Kalasch­ni­kows um sicChristina Stein - Wonderlandh schie­ßen oder auch Hun­de in ihr Gefäng­nis hin­ein­het­zen. Hier­bei offen­bart sich recht schnell — die Alters­an­ga­be des Ver­lags mit 16 Jah­ren — ist abso­lut gerecht­fer­tigt! Abge­hack­te Fin­ger und Zehen, die Auf­ga­be ihre Grä­ber aus­zu­he­ben — all das sind nur die Vor­bo­ten des Grau­ens, das die Leser erwar­ten wird. Etwas, was auch die Jugend­li­chen schnell begrei­fen: “Das kann nicht sein”, stot­tert er, “Das kann nicht Colin sein. Da müs­sen sie einen Feh­ler gemacht haben!” Und noch wäh­rend ich daste­he und alle um mich her­um schrei­en, heu­len oder kot­zen, sagt mein Ver­stand in nüch­ter­ner Klar­heit: Jetzt ist es so weit. Das ver­damm­te Spiel hat begon­nen.” (Zitat S.145) All dies wird äußerst beklem­mend und ein­dring­lich erzählt. Ner­ven­auf­rei­bend!

Fazit: Ein mit­rei­ßen­der, abso­lut span­nen­der Thril­ler, der sei­nen Lesern eini­ges abver­langt!

Eine gute Alter­na­ti­ve zu “Won­der­land” ist “Cra­zy games: Der per­fek­te Tag, der in der Höl­le endet” von Mir­jam MousLesealternativen, in dem eben­so eine Ent­füh­rung statt­fin­det und ein Jun­ge Auf­ga­ben erfül­len muss, um den Tod sei­nes Vaters zu ver­hin­dern. Oder lies “Spiel des Lebens” von Veit Etzold, in dem ein Mäd­chen in einer vor­ge­ge­be­nen Zeit Rät­sel lösen muss, sonst stirbt jemand. (Abson­der­li­che) Spie­le im Jugend­buch — das gibt es jede Men­ge: Got­cha” von Shel­ley Hrd­litsch­ka fand ich zum Bei­spiel echt super oder “Panic: Wer Angst hat ist raus!” von Lau­ren Oli­ver oder “Ner­ve: Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen” von Jean­ne Ryan. Pas­send wäre viel­leicht auch “Play2live” von Kirs­ty McK­ay oder der schon etwas älte­rer Titel “Das Haus der Trep­pen” von Wil­liam Slea­tor. Du kannst natür­lich auch noch den ers­ten Thril­ler (unab­hän­gig von “Won­der­land”) von Chris­ti­na Stein lesen: “Stum­me Angst”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer
ISBN: 978-3-7335-0289-8
Erscheinungsdatum: 25.August 2016
Einbandart: Broschur
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 384 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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