Chris Kaspar — Watched: Du sollst nicht lügen

16.Januar 2022

Wat­ched: Du sollst nicht lügen” von der deut­schen Autorin Chris Kas­par ist ein Thril­ler, der es in sich hat — er nimmt die sie­ben Tod­sün­den als Mit­tel für eine fes­seln­de Geschich­te. Ein jun­ges Mäd­chen, das von der Gesell­schaft geäch­tet wird, weil sie am Tod eines Jun­gen schuld ist und nun von einem Unbe­kann­ten sie­ben Auf­ga­ben erhält, die den sie­ben Tod­sün­den ent­spre­chen. Wenn sie die­se nicht aus­führt, wird jemand zu Scha­den kom­men. Ein packen­des, mit einer beson­de­ren sar­kas­ti­schen Note erzähl­tes Buch über dunk­le Geheim­nis­se, Schuld und ein per­fi­des Spiel, das mit der Prot­ago­nis­tin getrie­ben wird. Für Jugend­li­che ab 14 und Erwach­se­ne, die raf­fi­niert erzähl­te Thril­ler lieben.

Die 17-jäh­ri­ge Rena ist schuld an Joes Tod. Joe, mit dem sie zusam­men war. “Joe war beliebt, kei­ne Fra­ge. Kapi­tän der Schwimm­mann­schaft, nicht auf den Kopf gefal­len und abso­lu­ter Mäd­chen­schwarm. Aber das ist nicht der Haupt­grund, war­um jeder ihn mag… moch­te, ver­dammt! — son­dern, dass er ein­fach nett war.” (Zitat aus “Wat­ched: Du sollst nicht lügen” S.11) Jetzt wird sie von allen gehasst. Ihre Social-Media-Accounts schaut sie sich nicht mehr an. “Damit ich das Schlacht­feld in den Kom­men­ta­ren unter mei­nen Bil­dern nicht sehe.” (Zitat S.12) Ihre Freun­din­nen sind nicht mehr ihre Freun­din­nen. Doch dann spielt ihr ein Unbe­kann­ter, der sich Luci­fer nennt, ein KasimiraHan­dy zu. Ein Han­dy, auf dem immer mehr Nach­rich­ten ein­tru­deln. Luci­fer will sie fer­tig machen. “Die Ankla­ge lau­tet: Ver­stö­ße gegen 2 Gebo­te. Du sollst nicht töten. Du sollst nichts Fal­sches gegen dei­nen Nächs­ten aus­sa­gen. […] Aber die Leu­te dür­fen nicht wei­ter auf dei­ne Lügen­mär­chen rein­fal­len. Sie müs­sen erfah­ren, wie böse du wirk­lich bist. Ein­mal Sün­de­rin, immer Sün­de­rin. Ein­mal Lüg­ne­rin immer Lüg­ne­rin. Sie­ben Tod­sün­den. Eine Ent­schei­dung! Bist du bereit es mit allen sie­ben auf­zu­neh­men?(Zitat S.39ff) Luci­fer scheint es ernst zu mei­nen. Als Rena das Han­dy aus­stellt, ist ihre Schwes­ter auf ein­mal ver­schwun­den. Taucht ver­letzt wie­der auf. Sie muss sich an die Regeln hal­ten. Sei­ne per­fi­den Auf­ga­ben erfül­len, sonst pas­siert etwas Schlim­mes. Aber auch wenn Rena auf sein Spiel ein­steigt und immer mehr zur Außen­sei­te­rin und Aus­ge­sto­ße­nen wird, gibt sie nicht auf, her­aus­zu­fin­den, wer hin­ter all dem steckt…

KasimiraKnal­lig und doch irgend­wie düs­ter, so wirkt das Cover von “Wat­ched: Du sollst nicht lügen”. Die Grund­idee mit den sie­ben Tod­sün­den fand ich sehr gelun­gen. Hier­zu gibt es im Jugend­buch bis nur weni­ge Alter­na­ti­ven (sie­he unten). Der Thril­ler wird haupt­säch­lich aus Renas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Sie ist eher sprö­der, kan­ti­ger Cha­rak­ter, hat sich in der Ver­gan­gen­heit nicht beson­ders vor­bild­lich ver­hal­ten hat, konn­te eifer­süch­tig und bestim­mend sein. Fas­zi­nie­rend ist vor allem, wie sie immer wie­der ihre Gedan­ken­gän­ge abbil­det, eine Art zwei­tes Ich, das sie “die Bes­ser­wis­se­rin” nennt, das alles, was sie tut nega­tiv und äußerst fies kom­men­tiert: “Wenn Augen­rin­ge der neue Look wären, hät­test du heu­te den Sty­ling-Jack­pot geknackt. Wie immer in den letz­ten 48 Tagen, 10 Stun­den und 18 Minu­ten sitzt die Bes­ser­wis­se­rin kichernd auf dem Lügen­berg, der seit ihrem Ein­zug ste­tig wächst.” (Zitat S.22) Zuerst ist dies etwas befremd­lich, passt dann aber doch sehr gut zur Geschich­te und ist fast erfri­schend anders. Eine wei­te­re gele­gent­li­che Per­spek­ti­ve ist eben­falls sehr außer­ge­wöhn­lich. Denn es erzählt tat­säch­lich der tote KasimiraJoe sei­ne Sicht der Din­ge, wäh­rend er auf den Ein­lass in die Him­mels­pfor­ten war­tet, und zwar dem Him­mels­wär­ter, der ihn aus irgend­ei­nem Grund noch nicht ein­tre­ten las­sen will. In einem gut inein­an­der­pas­sen­den Geflecht von sich abwech­seln­den Per­spek­ti­ven ent­steht ein immer kla­re­res Bild über die Zusam­men­hän­ger. Denn Chris Kas­par hält den Span­nungs­bo­gen hoch und ver­rät nicht all­zu viel. Wie Joe gestor­ben ist, was zwi­schen den Freun­din­nen, die sich nun gegen­sei­tig has­sen, vor­ge­fal­len ist, all das wird dem Leser lan­ge Zeit ver­schwie­gen. “Jetzt ist Til­li eine Frem­de für mich. Und ich bin eine Frem­de für sie. Das, was frü­her mal tie­fe Freund­schaft war, ist in Hass umge­schla­gen. Nur weiß ich nicht genau, wer von uns bei­den die ande­re mehr hasst.” (Zitat S.10) Rät­sel über Rät­sel, Geheim­nis um Geheim­nis, das gelüf­tet wer­den muss. Noch dazu die unheil­vol­le und letz­te Per­spek­ti­ve, die für eine Men­ge Auf­re­gung sorgt — die des Unbe­kann­ten selbst: Luci­fer: “Bald erfah­ren alle die Wahr­heit über sie, denn Luci­fers Gericht ist gna­den­los. So etwas wie Ver­ge­bung exis­tiert bei ihm nicht. Sein Zorn ist uner­mess­lich, und sei­ne Rache wird grau­sam sein. (KasimiraZitat S.15) Wer steckt hin­ter all dem? Was ist in der Ver­gan­gen­heit vor­ge­fal­len? Und vor allem was wird am Ende sein? Wenn sie alle sie­ben Auf­ga­ben erfüllt, alle sie­ben Tod­sün­den über­stan­den hat? Was wird das aus ihr gemacht haben? Denn das Luci­fer sie am Boden sehen und kom­plett zer­stö­ren will, das ist offen­sicht­lich: “Am liebs­ten wür­de Luci­fer sie anschrei­en. Sie packen. Schüt­teln. Ihr Schmer­zen zufü­gen. Aber das darf er nicht. Noch nicht. Er hat einen Plan. Er muss dafür sor­gen, dass die Leu­te in die­sem Pro­vinz­nest nicht ver­ges­sen, was die­ses dum­me Mäd­chen getan hat. Und wozu es fähig ist.” (Zitat S.15) Die Spra­che von Chris Kas­par ist sehr flüs­sig. An man­chen Stel­len mit eini­gen Meta­phern gespickt, die ein tol­les Bild im Kopf ent­ste­hen las­sen: “Die Wald­lich­tung mit­samt der Kapel­le hät­te eine per­fek­te Vor­la­ge für eins von Kin­ka­des Gemäl­den abge­ge­ben. Zu idyl­lisch. Zu kit­schig. Zu per­fekt. Too much von allem. Zumin­dest frü­her, bevor die uralte Eiche dar­auf­ge­kippt ist wie ein betrun­ke­ner Rie­se auf eine Park­bank.” (Zitat S.80) Beim Ende muss man ordent­lich mit­den­ken, wenn sich alles auf­löst. Man­ches hab ich tat­säch­lich noch ein zwei­tes Mal lesen müs­sen, um die Zusam­men­hän­ge bes­ser ein­zu­ord­nen. Aber sehr raf­fi­niert gemacht!

Freue dich bald auf etwas Neu­es von Chris Kas­par:Pri­de & Pret­ty: Einen Tod musst du ster­ben”, die­ses erscheint Anfang April 2022. Im Jugend­buch gibt es kaum Titel, in denen die 7 Tod­sün­den Lesealternativeneine Rol­le spie­len. Lies hier­zu die Seven Sin”-Rei­he von Lana Rotaru oder — was sehr span­nend ist: “Sali­gia: Spiel der Tod­sün­den” von Swant­je Opper­mann. Oder “Die 7 Tod­sün­den” von Ste­phan Sigg, eine Samm­lung von 7 Kurz­ge­schich­ten über die Tod­sün­den — ein sehr lesens­wer­tes Buch. Als Alter­na­ti­ve zu “Wat­ched: Du sollst nicht lügen” könn­te ich mir auch Ner­ve: Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen” von Jean­ne Ryan vor­stel­len. Ein Spiel, das alles ver­än­dert? Das fin­dest du in “Ere­bos” und “Erebos2” von Ursu­la Pozn­an­ski, in “Panic: Wer Angst hat, ist raus!” von Lau­ren Oli­ver und in dem schon etwas älte­ren “Got­cha!” von Shel­ley Hrd­litsch­ka. Zwei wirk­lich über­zeu­gen­de Emp­feh­lun­gen sind auch “Secret Game” von Ste­fa­nie Has­se und “Match­box Boy” von Ali­ce Gaba­thuler (Geheim­tipp!). Rache spielt zudem in “Spiel des Lebens” von Veit Etzold eine Rol­le. Rät­sel lösen, sonst pas­siert (sei­nem Vater) etwas, das muss auch die Haupt­fi­gur in “Cra­zy Games” von Mir­jam Mous. Eben­so hef­tig und vol­ler Ner­ven­kit­zel ist “Won­der­land” von Chris­ti­na Stein.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Moon Notes
ISBN: 978-396976-013-0
Erscheinungsdatum: 8.Oktober 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 338
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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