Endlich wieder ein neuer Thriller von der deutschen Autorin Chris Kaspar! “Pride & Pretty: Einen Tod musst du sterben” heißt ihr aktuelles Werk und stellt neben Mobbing und dem Austausch von Gossip vor allem Rache in den Vordergrund. Ein junges Mädchen, das sich in eine angesagte Clique einschleicht, um Vergeltung zu üben und bald darauf erpresst wird. Eine schon etwas anspruchsvollere Geschichte, die es in sich hat und immer wieder raffinierte Wendungen nimmt. Spannungstechnisch auf höchstem Niveau — dieses Buch wird einen so schnell nicht mehr loslassen! Für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene.
Lynn hat es geschafft. Sie, die Neue am College, hat sich in DIE Clique der Schule eingeschlichen: die “Pretty Pennies”, bestehend aus Evie, ihrem Freund Pat und Vince, der ihr Herz höher schlagen lässt. Doch eigentlich hat Lynn keine Zeit für amouröse Gefühle. “Vince hält mich. Seine Arme sind eine Zwangsjacke, in die ich ich freiwillig habe einwickeln lassen. Ich könnte mich aus ihr befreien, weiß jedoch, dass zu viel davon abhängt, es nicht zu tun. In mir tobt ein Kampf, wie jedes Mal, wenn ich Vince gegenüberstehe. Er ist mein Feind, nur mein Herz scheint das anders zu sehen.” (Zitat aus “Pride & Pretty: Einen Tod musst du sterben” S.62) Denn sie hat einen Plan. Oder zumindest fast. Denn sie will
Rache nehmen. An den “Pretty Pennies”. “Vince’ Herz ist da. Schlägt. Bald werde ich es brechen. Ich weiß noch nicht, wie. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich finde, wonach ich schon seit Monaten suche.” (Zitat S.63) Und deshalb tut Lynn so, als sei sie ebenfalls reich, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist. Obwohl sie sich mit Second-Hand-Klamotten oder mal einer geklauten Sonnenbrille über Wasser hält. Sich in einer Drogerie regelmäßig mit teuren Duftproben eindeckt, um den Anschein zu erwecken eine von ihnen zu sein. Lynn hat es sogar geschafft, die “Pretty Pennies” glauben zu lassen von ganz besonderer Abstammung zu sein: “Schon mal von The London Eye gehört?” “TLE? Die Gossip-App?” Ich nicke. “Der Erfinder ist total paranoid und lebt sehr zurückgezogen. Man weiß fast nichts über ihn, nur, dass er eine Tochter hat.” Jetzt schien ihm ein Licht aufzugehen. “Verstehe. Du hast sie glauben lassen, du wärst…?” (Zitat S.45) Als angebliche Tochter dieses berühmten Mannes kann Lynn zumindest erklären, warum sie auf Fotos nicht drauf sein will oder warum die “Pretty Pennies” ihre Identität nicht verraten dürfen. Doch dann ist da
noch der Junge, namens Bacon, der auch auf ihre neue Schule geht. “Bacon ist mittelgroß, ein bisschen schlaksig, hat braune kurz rasierte Haare. Alles in allem wirkt er einfach… normal. Er gehört zu der Sorte Schüler, die man bei einem Klassenausflug an der Raststätte vergisst.” (Zitat S.34) Das einzig Auffällige an ihm ist ein Tattoo der Straßenkarte Londons auf dem Oberarm. In der Schule wird er von den “Pretty Pennies” extrem gemobbt. Doch er ist leider auch derjenige, der Lynns Vergangenheit kennt: “Weil er weiß, dass ICH nicht echt bin. Weil er weiß, wer in MEINEM Keller eingesperrt ist. Weil er meine Beziehung zu den Pretty Pennies mit einem Fingerschnipsen beenden kann — bevor ich mein Ziel erreicht habe.” (Zitat S.35) Das darf auf gar keinen Fall passieren. Doch als Bacon Lynn erpresst, ihr zu helfen, den teuren Tesla aus Pats Garage zu klauen, geraten die Dinge allmählich außer Kontrolle. Und plötzlich ist Bacon tot…
Das Cover ist absolut ansprechend und interessant gestaltet. Im Hintergrund dann noch der Londoner Stadtplan, sehr treffend. Dieser setzt sich auch im Innenteil der Klappenbroschur fort und bildet auf einer Legende sogar wichtige Schauplätze der Geschichte ab. Der Thriller wird meist durchgehend aus Lynns Sicht in der Ich-Perspektive erzählt und die Kapitel sind mit englischen Sprichwörter versehen. Nur gelegentlich lockern Gruppenchatgespräche der “Pretty Pennies” den
Lesefluss auf oder die Einblendung der Gossip-App “The London Eye”. So wie auch gleich zu Beginn, wenn dort ein Video von Bacon hochgeladen wird, das zunächst noch nicht freigeschaltet und von niemandem gesehen werden kann. Bacon, von dem man schon zu Beginn weiß, dass er einen ganz besonderen Plan verfolgt, wendet sich in seiner Ansprache direkt an die Clique: “Willkommen in Bacon’s Last Will, liebe Pretty Pennies! Schön, dass ihr auf Play gedrückt habt. […] Denn wenn ihr dieses erste Video seht, habt ihr euer Ziel erreicht. Glückwunsch, ihr habt mich gekillt: Bacon, euren Dorn im Auge. Die Welt wird sehr bald erfahren, was ihr getan habt.” (Zitat S.10) Denn auch Bacon will Rache üben. Er will alles offen legen, was die Clique getan hat und dafür geht er sogar über seine eigene Leiche (passend zum Titel): “Selbst wenn ihr es schafft, euch aus einer Anklage freizukaufen — euer Image könnt ihr nur schwer wieder zusammenkleben. Es wird Risse haben, die kein Anstrich der Welt überdecken kann. Zum ersten Ma
l in eurem Leben seid ihr machtlos. Geld hilft euch jetzt nicht weiter. Einen Toten könnt ihr nicht zum Schweigen bringen.” (Zitat S.11) Seine Beweggründe für die Rache werden mit jedem neuen Video weiter offen gelegt. Bei Lynn hingegen erfährt man bis auf ein paar Andeutungen leider nicht viel. Ihre Handlungen und Beweggründe waren mir in einiger Hinsicht manchmal etwas zu schwammig und unausgereift: “Jeder hat mindestens eine Leiche im Keller. Ich muss nur eine ausgraben, die alle drei Pretty Pennies zusammen versteckt haben — und die gibt es ganz bestimmt.” (Zitat S.64) Das wirkt etwas planlos. Zudem will sie mal ein gewisses Beweisvideo unbedingt vernichten und dann doch wieder gegen die “Pretty Pennies” verwenden, wie genau sie sich diese Erpressung aber vorstellt, wird nicht erläutert. Dennoch erhält man spannungstechnisch bei Chris Kaspar wirklich das volle Paket. Es ist eigentlich nahezu unmöglich das Buch aus den Händen zu legen, weil ständig etwas passiert! Ihr Schreistil ist flüssig und sie verwendet eine sehr metaphernreiche Sprache, wie zum Beispiel: “Die Worte schmecken wie eine Handvoll Reißnägel.” (Zitat S.126). Außerdem schafft sie erneut (wie auch schon in “Watched: Du sollst nicht lügen”) eine Persönlichkeit innerhalb
einer Persönlichkeit. So steht die Figur “Bloody Jacky” für einen Spitznamen aus Lynns Vergangenheit und andere (traumatische?) Geschehnisse, die man als Leser noch nicht kennt und wird in einen mentalen Keller eingesperrt, aus dem sie nicht herausdarf: “Bloody Jacky stößt einen gequälten Schrei aus. Sie trommelt mit ihren Fäusten gegen die Innenseite MEINER Kellertür. Zum Glück ist sie fest verschlossen, und den Schlüssel habe ich weggeworfen.” (Zitat S.44) Natürlich macht sich “Bloody Jacky” immer wieder bemerkbar und macht geheimnisvolle Andeutungen, die miträtseln lassen, was damals passiert sein könnte und warum Lynn diese ganze Rachegeschichte überhaupt beginnt. Toll fand ich auch die Metapher für ihr Lügengerüst, den “Memory Palace”, welches sogar ganze eigene Kapitel bekommt: “Dafür habe ich MEINEN Memory Palace. Es ist nämlich verdammt schwer, bei so vielen Lügen den Überblick zu behalten. Jede einzelne ist in MEINEM Gedächtnispalast fest verankert. In Räumen, Gegenständen, Bildern. Je absurder, dest
o besser zu merken — und genau darum geht es ja schließlich.” (Zitat S.25) Lynn durchlebt Lügen wie Erinnerungen immer wieder, um sie sich besser einzuprägen. Beim Klauen gestürzt? Das kann man natürlich niemandem erzählen. In einem Fitnessstudio auf dem Laufband hingefallen? Viel besser;-) Das Ende sorgt noch einmal für mächtig Wirbel und wartet mit so einigen Überraschungen auf! Allerdings raucht auch einem auch ein wenig der Kopf vor lauter Einordnung der Zusammenhänge. Hier muss man schon ziemlich mitdenken, bis man alles versteht oder noch einmal querlesen. Durchkonstruiert bis zum bitteren Ende.
Dir gefällt Chris Kaspars Buch? Dann lies unbedingt noch ihren ersten Thriller (unabhängig voneinander zu lesen): “Watched: Du sollst nicht lügen”. Irgendwie musste ich von der Geschichte her sofort auch an “One of us is lying” von Karen M.McManus denken, das ein paar Parallelen hat und an “Bad Boys & Little Bitches” von Andreas Götz. Gut könnten dir zudem “Secret Game” von Stefanie Hasse oder “Matchbox Boy” von Alice Gabathuler gefallen. Um Rache geht es ebenfalls in dem spannenden Thriller “Spiel des Lebens” von Veit Ezold, der auch in London spielt und in der Reihe von Elizabeth Miles: “Im Herzen die Rache” (Band 1). Oder lies “Auge um Auge” von Jenny Han und Siobhan Vivian (ebenfalls Band 1 einer Reihe) und “The Black Coats: …denn wir vergeben keine Schuld” von Colleen Oakes.
Bibliografische Angaben:Verlag: Moon Notes ISBN: 978-396976-026-0 Erscheinungsdatum: 7.April 2022 Einbandart: Broschur Preis: 15,00€ Seitenzahl: 320 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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Verlag: Moon Notes
ISBN: 978-396976-026-0
Erscheinungsdatum: 7.April 2022
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 320
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