Chris Kaspar — Pride & Pretty: Einen Tod musst du sterben

Kasimira9.April 2022

End­lich wie­der ein neu­er Thril­ler von der deut­schen Autorin Chris Kas­par“Pri­de & Pret­ty: Einen Tod musst du ster­ben” heißt ihr aktu­el­les Werk und stellt neben Mob­bing und dem Aus­tausch von Gos­sip vor allem Rache in den Vor­der­grund. Ein jun­ges Mäd­chen, das sich in eine ange­sag­te Cli­que ein­schleicht, um Ver­gel­tung zu üben und bald dar­auf erpresst wird. Eine schon etwas anspruchs­vol­le­re Geschich­te, die es in sich hat und immer wie­der raf­fi­nier­te Wen­dun­gen nimmt. Span­nungs­tech­nisch auf höchs­tem Niveau — die­ses Buch wird einen so schnell nicht mehr los­las­sen! Für Jugend­li­che ab 16 Jah­ren und Erwachsene.

Lynn hat es geschafft. Sie, die Neue am Col­le­ge, hat sich in DIE Cli­que der Schu­le ein­ge­schli­chen: die “Pret­ty Pen­nies”, bestehend aus Evie, ihrem Freund Pat und Vin­ce, der ihr Herz höher schla­gen lässt. Doch eigent­lich hat Lynn kei­ne Zeit für amou­rö­se Gefüh­le. “Vin­ce hält mich. Sei­ne Arme sind eine Zwangs­ja­cke, in die ich ich frei­wil­lig habe ein­wi­ckeln las­sen. Ich könn­te mich aus ihr befrei­en, weiß jedoch, dass zu viel davon abhängt, es nicht zu tun. In mir tobt ein Kampf, wie jedes Mal, wenn ich Vin­ce gegen­über­ste­he. Er ist mein Feind, nur mein Herz scheint das anders zu sehen. (Zitat aus “Pri­de & Pret­ty: Einen Tod musst du ster­ben” S.62) Denn sie hat einen Plan. Oder zumin­dest fast. Denn sie willKasimira Rache neh­men. An den “Pret­ty Pen­nies”. “Vin­ce’ Herz ist da. Schlägt. Bald wer­de ich es bre­chen. Ich weiß noch nicht, wie. Aber es ist nur eine Fra­ge der Zeit, bis ich fin­de, wonach ich schon seit Mona­ten suche.” (Zitat S.63) Und des­halb tut Lynn so, als sei sie eben­falls reich, obwohl genau das Gegen­teil der Fall ist. Obwohl sie sich mit Second-Hand-Kla­mot­ten oder mal einer geklau­ten Son­nen­bril­le über Was­ser hält. Sich in einer Dro­ge­rie regel­mä­ßig mit teu­ren Duft­pro­ben ein­deckt, um den Anschein zu erwe­cken eine von ihnen zu sein. Lynn hat es sogar geschafft, die “Pret­ty Pen­nies” glau­ben zu las­sen von ganz beson­de­rer Abstam­mung zu sein: Schon mal von The Lon­don Eye gehört?” “TLE? Die Gos­sip-App?” Ich nicke. “Der Erfin­der ist total para­no­id und lebt sehr zurück­ge­zo­gen. Man weiß fast nichts über ihn, nur, dass er eine Toch­ter hat.” Jetzt schien ihm ein Licht auf­zu­ge­hen. “Ver­ste­he. Du hast sie glau­ben las­sen, du wärst…?” (Zitat S.45) Als angeb­li­che Toch­ter die­ses berühm­ten Man­nes kann Lynn zumin­dest erklä­ren, war­um sie auf Fotos nicht drauf sein will oder war­um die “Pret­ty Pen­nies” ihre Iden­ti­tät nicht ver­ra­ten dür­fen. Doch dann ist da Kasimiranoch der Jun­ge, namens Bacon, der auch auf ihre neue Schu­le geht. “Bacon ist mit­tel­groß, ein biss­chen schlak­sig, hat brau­ne kurz rasier­te Haa­re. Alles in allem wirkt er ein­fach… nor­mal. Er gehört zu der Sor­te Schü­ler, die man bei einem Klas­sen­aus­flug an der Rast­stät­te ver­gisst.” (Zitat S.34) Das ein­zig Auf­fäl­li­ge an ihm ist ein Tat­too der Stra­ßen­kar­te Lon­dons auf dem Ober­arm. In der Schu­le wird er von den “Pret­ty Pen­nies” extrem gemobbt. Doch er ist lei­der auch der­je­ni­ge, der Lynns Ver­gan­gen­heit kennt: “Weil er weiß, dass ICH nicht echt bin. Weil er weiß, wer in MEINEM Kel­ler ein­ge­sperrt ist. Weil er mei­ne Bezie­hung zu den Pret­ty Pen­nies mit einem Fin­ger­schnip­sen been­den kann — bevor ich mein Ziel erreicht habe.” (Zitat S.35) Das darf auf gar kei­nen Fall pas­sie­ren. Doch als Bacon Lynn erpresst, ihr zu hel­fen, den teu­ren Tes­la aus Pats Gara­ge zu klau­en, gera­ten die Din­ge all­mäh­lich außer Kon­trol­le. Und plötz­lich ist Bacon tot…

Das Cover ist abso­lut anspre­chend und inter­es­sant gestal­tet. Im Hin­ter­grund dann noch der Lon­do­ner Stadt­plan, sehr tref­fend. Die­ser setzt sich auch im Innen­teil der Klap­pen­bro­schur fort und bil­det auf einer Legen­de sogar wich­ti­ge Schau­plät­ze der Geschich­te ab. Der Thril­ler wird meist durch­ge­hend aus Lynns Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt und die Kapi­tel sind mit eng­li­schen Sprich­wör­ter ver­se­hen. Nur gele­gent­lich lockern Grup­pen­chat­ge­sprä­che der “Pret­ty Pen­nies” den KasimiraLese­fluss auf oder die Ein­blen­dung der Gos­sip-App “The Lon­don Eye”. So wie auch gleich zu Beginn, wenn dort ein Video von Bacon hoch­ge­la­den wird, das zunächst noch nicht frei­ge­schal­tet und von nie­man­dem gese­hen wer­den kann. Bacon, von dem man schon zu Beginn weiß, dass er einen ganz beson­de­ren Plan ver­folgt, wen­det sich in sei­ner Anspra­che direkt an die Cli­que: “Will­kom­men in Bacon’s Last Will, lie­be Pret­ty Pen­nies! Schön, dass ihr auf Play gedrückt habt. […] Denn wenn ihr die­ses ers­te Video seht, habt ihr euer Ziel erreicht. Glück­wunsch, ihr habt mich gekillt: Bacon, euren Dorn im Auge. Die Welt wird sehr bald erfah­ren, was ihr getan habt.” (Zitat S.10) Denn auch Bacon will Rache üben. Er will alles offen legen, was die Cli­que getan hat und dafür geht er sogar über sei­ne eige­ne Lei­che (pas­send zum Titel): “Selbst wenn ihr es schafft, euch aus einer Ankla­ge frei­zu­kau­fen — euer Image könnt ihr nur schwer wie­der zusam­men­kle­ben. Es wird Ris­se haben, die kein Anstrich der Welt über­de­cken kann. Zum ers­ten MaKasimiral in eurem Leben seid ihr macht­los. Geld hilft euch jetzt nicht wei­ter. Einen Toten könnt ihr nicht zum Schwei­gen brin­gen.” (Zitat S.11) Sei­ne Beweg­grün­de für die Rache wer­den mit jedem neu­en Video wei­ter offen gelegt. Bei Lynn hin­ge­gen erfährt man bis auf ein paar Andeu­tun­gen lei­der nicht viel. Ihre Hand­lun­gen und Beweg­grün­de waren mir in eini­ger Hin­sicht manch­mal etwas zu schwam­mig und unaus­ge­reift: “Jeder hat min­des­tens eine Lei­che im Kel­ler. Ich muss nur eine aus­gra­ben, die alle drei Pret­ty Pen­nies zusam­men ver­steckt haben — und die gibt es ganz bestimmt.” (Zitat S.64) Das wirkt etwas plan­los. Zudem will sie mal ein gewis­ses Beweis­vi­deo unbe­dingt ver­nich­ten und dann doch wie­der gegen die “Pret­ty Pen­nies” ver­wen­den, wie genau sie sich die­se Erpres­sung aber vor­stellt, wird nicht erläu­tert. Den­noch erhält man span­nungs­tech­nisch bei Chris Kas­par wirk­lich das vol­le Paket. Es ist eigent­lich nahe­zu unmög­lich das Buch aus den Hän­den zu legen, weil stän­dig etwas pas­siert! Ihr Schrei­stil ist flüs­sig und sie ver­wen­det eine sehr meta­phern­rei­che Spra­che, wie zum Bei­spiel: “Die Wor­te schme­cken wie eine Hand­voll Reiß­nä­gel.” (Zitat S.126). Außer­dem schafft sie erneut (wie auch schon in “Wat­ched: Du sollst nicht lügen”) eine Per­sön­lich­keit inner­halbKasimira einer Per­sön­lich­keit. So steht die Figur “Bloo­dy Jacky” für einen Spitz­na­men aus Lynns Ver­gan­gen­heit und ande­re (trau­ma­ti­sche?) Gescheh­nis­se, die man als Leser noch nicht kennt und wird in einen men­ta­len Kel­ler ein­ge­sperrt, aus dem sie nicht her­aus­darf: “Bloo­dy Jacky stößt einen gequäl­ten Schrei aus. Sie trom­melt mit ihren Fäus­ten gegen die Innen­sei­te MEINER Kel­ler­tür. Zum Glück ist sie fest ver­schlos­sen, und den Schlüs­sel habe ich weg­ge­wor­fen.” (Zitat S.44) Natür­lich macht sich “Bloo­dy Jacky” immer wie­der bemerk­bar und macht geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen, die mit­rät­seln las­sen, was damals pas­siert sein könn­te und war­um Lynn die­se gan­ze Rache­ge­schich­te über­haupt beginnt. Toll fand ich auch die Meta­pher für ihr Lügen­ge­rüst, den “Memo­ry Palace”, wel­ches sogar gan­ze eige­ne Kapi­tel bekommt: “Dafür habe ich MEINEN Memo­ry Palace. Es ist näm­lich ver­dammt schwer, bei so vie­len Lügen den Über­blick zu behal­ten. Jede ein­zel­ne ist in MEINEM Gedächt­nis­pa­last fest ver­an­kert. In Räu­men, Gegen­stän­den, Bil­dern. Je absur­der, destKasimirao bes­ser zu mer­ken — und genau dar­um geht es ja schließ­lich.” (Zitat S.25) Lynn durch­lebt Lügen wie Erin­ne­run­gen immer wie­der, um sie sich bes­ser ein­zu­prä­gen. Beim Klau­en gestürzt? Das kann man natür­lich nie­man­dem erzäh­len. In einem Fit­ness­stu­dio auf dem Lauf­band hin­ge­fal­len? Viel bes­ser;-) Das Ende sorgt noch ein­mal für mäch­tig Wir­bel und war­tet mit so eini­gen Über­ra­schun­gen auf! Aller­dings raucht auch einem auch ein wenig der Kopf vor lau­ter Ein­ord­nung der Zusam­men­hän­ge. Hier muss man schon ziem­lich mit­den­ken, bis man alles ver­steht oder noch ein­mal quer­le­sen. Durch­kon­stru­iert bis zum bit­te­ren Ende.

LesealternativenDir gefällt Chris Kas­pars Buch? Dann lies unbe­dingt noch ihren ers­ten Thril­ler (unab­hän­gig von­ein­an­der zu lesen): “Wat­ched: Du sollst nicht lügen”. Irgend­wie muss­te ich von der Geschich­te her sofort auch an “One of us is lying” von Karen M.McManus den­ken, das ein paar Par­al­le­len hat und an “Bad Boys & Litt­le Bit­ches” von Andre­as Götz. Gut könn­ten dir zudem “Secret Game” von Ste­fa­nie Has­se oder “Match­box Boy” von Ali­ce Gaba­thuler gefal­len. Um Rache geht es eben­falls in dem span­nen­den Thril­ler “Spiel des Lebens” von Veit Ezold, der auch in Lon­don spielt und in der Rei­he von Eliza­beth Miles: “Im Her­zen die Rache” (Band 1). Oder lies “Auge um Auge” von Jen­ny Han und Siob­han Vivi­an (eben­falls Band 1 einer Rei­he) und “The Black Coats: …denn wir ver­ge­ben kei­ne Schuld” von Col­le­en Oakes.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Moon Notes
ISBN: 978-396976-026-0
Erscheinungsdatum: 7.April 2022
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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