Chris Kaspar — Forget me someday

20.August 2023

Die deut­sche Autorin Chris Kas­par hat mal eben das Gen­re gewech­selt. Nach zwei gelun­ge­nen Thril­lern ist “For­get me some­day” ihre ers­te Lie­bes­ge­schich­te — und was will man sagen! — auch die­ses Gen­re beherrscht sie per­fekt! Die Geschich­te einer jun­gen Mode­influen­ce­rin, die einen Nach­ruf auf den Adre­na­lin­jun­kie und Drauf­gän­ger Kill schrei­ben soll, um ein Sti­pen­di­um zu ergat­tern. Die­ser ist alles ande­re als tot, stellt sich vor sei­ner gro­ßen Fan­ge­mein­de den wag­hal­sigs­ten Chal­lenges. Heim­lich schleicht sich Ale­na in Kills Leben, um pri­va­te Infor­ma­tio­nen über den Influen­cer zu erhal­ten, der kaum etwas von sich preis gibt. Dass sie dabei jedoch ihr Herz ver­liert, war nie Teil des Plans… Ein Roman vol­ler Adre­na­lin, Roman­tik und einer tol­len, humor­vol­len Note. Mit rasan­ten, pfif­fi­gen und sehr erfri­schen­den Dia­lo­gen und jeder Men­ge Tief­gang. Ein herr­li­ches Lese­ver­nü­gen!! @Chris Kas­par: ger­ne mehr davon! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Nach einem Streit hat Ale­na hat mit ihrer Mut­ter gebro­chen und ihre Beau­ty-Influen­cer­kar­rie­re an den Nagel gehängt. Jetzt arbei­tet sie in einem Pla­ne­ta­ri­um als Putz­hil­fe und hofft auf ein Sti­pen­di­um bei einem gro­ßen Online­ma­ga­zin. Wenn sie die­ses erhält, steht ihrem Traum nichts mehr im Wege: ein Stu­di­um im Bereich Medi­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft. Denn sie will end­lich auf eige­nen Bei­nen ste­hen und nicht mehr von ihrer Mut­ter abhän­gig sein, die ihren gan­zen Beau­ty-Social-Media-Auf­tritt gema­nagt hat. Und tat­säch­lich — Ale­na hat es in die End­run­de mit ein paar ande­ren Finalist*innen geschafft. Nun muss sie nur noch eine Auf­ga­be meis­tern: “Sie wol­len, dass ich einen Nach­ruf in ein Tik­Tok ver­pa­cke?” “Ganz genau. Die Details zur Auf­ga­be schickt dir mei­ne Assis­ten­tin per Mail. […] Sei krea­tiv, alles ist erlaubt, nichts ist ver­bo­ten. Je exklu­si­ver das Mate­ri­al des­to bes­ser.” (Zitat aus “For­get me some­day” S.11) Sie soll mehr über den bekann­ten Influen­cer Kill her­aus­fin­den, über des­sen Pri­vat­le­ben so gut wie gar nichts bekannt ist. Die­ser führt ein so wag­hal­si­ges Leben, dass es sich lohnt einen Nach­ruf bereits vor­zu­be­rei­ten: “Kili­an “Kill” Jan­sen, zwan­zig Jah­re alt, gebo­ren in Ham­burg, ist ein deut­scher Web­vi­deo­pro­du­zent, des­sen Vide­os sich vor allem um Extrem­sport und Life­style dre­hen. Sein Kanal “Kill Your Fears” gehört zu den meist­abon­nier­ten You­Tube-Kanä­len Deutsch­lands.” (Zitat S.24) Kei­ner weiß, war­um Kill so risi­ko­be­reit ist und sein Leben stän­dig aufs Spiel setzt. Des­halb Kasimiraver­sucht Ale­na mehr über ihn her­aus­zu­fin­den. Bei einer Chall­enge auf den Glei­sen eines Bahn­hofs, die er mit ver­bun­de­nen Augen über­quert, ret­tet sie ihm völ­lig unge­plant das Leben. “Du schul­dest mir was, fin­dest du nicht?” “ICH? DIR?” […] “Siehst du hier noch ande­re Leu­te, die mei­ne Chall­enge ver­saut haben? Wie gesagt, das war live.” Ich boh­re mei­nen Zei­ge­fin­ger in sei­ne Brust. “Ich. Hab. Dir. Das. Leben. Geret­tet. Ver­dammt!” Bei jedem Wort pik­se ich ihn mit der Fin­ger­spit­ze.” (Zitat S.46ff) Doch Ale­na revan­chiert sich und ver­schafft ihm Zutritt zum Pla­ne­ta­ri­um, wo er sei­ne nächs­te Klet­ter-Chall­enge ver­an­stal­ten will. Dabei kommt sie ihm uner­war­tet näher…

Der Roman mit dem wirk­lich außer­ge­wöhn­lich schö­nen Cover (inklu­si­ve hap­tisch spür­ba­rer Glit­zer­ef­fekt) spielt in Ham­burg und wird Kasimiradurch­ge­hend aus Ale­nas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Dadurch erscheint Bad Boy Kill noch etwas geheim­nis­vol­ler, da man sei­ne Gedan­ken­gän­ge nicht kennt. Das Set­ting in “For­get me some­day” ist über­aus fas­zi­nie­rend: “Mit Anfang zwan­zig hat Kill schon alles erreicht, wovon ande­re ihr Leben lang träu­men: Ruhm und Reich­tum. Er könn­te sofort alles ste­hen und lie­gen las­sen und auf die Baha­mas aus­wan­dern. Trotz­dem tritt er sein Leben mit Füßen, indem er es in jeder Chall­enge wie­der aufs Spiel setzt. Die Fra­ge nach dem War­um bleibt unbe­ant­wor­tet.” (Zitat S.27) Ein Influen­cer, der sein Leben ris­kiert und eine Prot­ago­nis­tin, die ein dop­pel­tes Spiel spielt, aber durch all­mäh­lich ent­ste­hen­de Gefüh­le höchst durch­ein­an­der gebracht wird. Die Geschich­te ist gleich von Anfang an span­nend und sehr unter­halt­sam gemacht. Chris Kas­par hat eine sehr flüs­si­ge Erzähl­art und ich lie­be die­sen rot­zig-fre­chen, Kasimirasar­kas­ti­schen Ton­fall der Prot­ago­nis­tin! Die Dia­lo­ge sind gran­di­os, vor allem zwi­schen Ale­na und Kill — vol­ler Fun­ken sprü­hen­der Wort­ge­fech­te, einem stän­di­gen Hin- und Her, einem Rausch der Gefüh­le, einer Ach­ter­bahn der Emo­tio­nen. Auch die Sprü­che der Neben­fi­gu­ren, zum Bespiel San­dro, sind toll und geben dem Roman einen beson­de­ren Pfiff. Es wer­den außer­dem aller­lei schrä­ge, skur­ri­le Infor­ma­tio­nen über Tie­re mit ein­ge­bun­den, die Ale­na in den unmög­lichs­ten Situa­tio­nen ein­fal­len. Denn sie ist ein gro­ßer Fan von Tier­do­kus: “Bei ihnen konn­te ich voll und ganz abschal­ten. Weil alles, was dar­in gezeigt wur­de, echt war. Tie­re wol­len nie­man­dem gefal­len. Es gibt kei­ne Fil­ter. Kein Click­bait. Kein fal­sches Lächeln. Nie­mand, der mir etwas andre­hen will und sei es nur ein Lebens­ge­fühl. So wie ich es tag­täg­lich getan hat­te. Mit jeder Koope­ra­ti­on ver­kauf­te ich mich ein Stück­chen mehr” (Zitat S.107) Aber auch “Der klei­ne Prinz” von Antoine de Saint-Exupé­ry spielt eine bedeut­sa­me Rol­le. “For­get me some­day”Kasimira besitzt die rich­ti­ge Mischung aus Roman­tik, Humor und Ernst­haf­tig­keit. Spricht neben Ängs­ten, toxi­schen Bezie­hun­gen und Risi­ko­be­reit­schaft, auch die Schat­ten­sei­ten der Social-Media-Welt an: “Jeden Tag hab ich gepos­tet oder war live. Mein Pri­vat­le­ben war viel, aber nie beson­ders pri­vat. […] Manch­mal fühlt es sich so an, als wür­de ich nicht mir gehö­ren… son­dern allen, die mir fol­gen.” (Zitat S.79) Der Roman regt zum Nach­den­ken an und zeigt, wie das Bedürf­nis nach Bestä­ti­gung und Aner­ken­nung ins Gegen­teil umschla­gen kann. “Was mich natür­lich nie davon abhielt, vor jedem Live und jeder Sto­ry die Reg­ler der Beau­ty­fil­ter weit nach rechts zu schie­ben. Es war wie eine Sucht. Ich woll­te per­fekt aus­se­hen. Erst als ich das Make-up weg­ließ, wur­de mir bewusst, wie sehr es zusam­men mit den Fil­tern zu einer Mas­ke gewor­den war, hin­ter der ich mich jah­re­lang ver­steckt hat­te.” (Zitat S.15) Dies pas­siert jedoch ganz unauf­dring­lich und ohne hoch erho­be­nem Zei­ge­fin­ger. Dann gibt es noch ein wei­te­res The­ma, das jedoch nicht genannt wer­den kann, ohne zu spoi­lern und das auf sehr inter­es­san­te Wei­se in das Buch ein­ge­baut wird. Das Ende der Geschich­te — wow! Hier hat mich die Autorin mit einer völ­lig uner­war­te­ten Wen­dung ver­blüfft! Chapeau.

Dir gefällLesealternativent Chris Kas­pars Erzähl­stil? Dann lies noch ihre ande­ren zwei Bücher, wel­ches bei­de Thril­ler sind: “Wat­ched: Du sollst nicht lügen” und “Pri­de & Pret­ty: Einen Tod musst du ster­ben”, wel­che ich bei­de sehr emp­feh­len kann. Ein wenig muss­te ich gleich an “Cat­ching Fee­lings” von Kira Licht den­ken, hier schleicht sich der Prot­ago­nist heim­lich in eine Deli­ka­tess­fa­brik ein, um mehr über den Besit­zer und des­sen kri­mi­nel­len Machen­schaf­ten her­aus­zu­fin­den und ver­liebt sich uner­war­tet in des­sen Toch­ter. Ein dop­pel­tes Spiel spielt auch die Prot­ago­nis­tin in der zwei­tei­li­gen (Fantasy-)Reihe “Die Lügen­die­bin” von Saskia Lou­is. Die Schat­ten­sei­ten des Influen­cer­le­bens ent­deckt zudem die Haupt­fi­gur in dem gelun­ge­nen “Off­line ist es nass, wenn’s reg­net” von Jes­si Kir­by.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Planet! (Thienemann-Esslinger)
ISBN: 978-3-522-50761-5
Erscheinungsdatum: 28.Juli 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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