Die deutsche Autorin Chris Kaspar hat mal eben das Genre gewechselt. Nach zwei gelungenen Thrillern ist “Forget me someday” ihre erste Liebesgeschichte — und was will man sagen! — auch dieses Genre beherrscht sie perfekt! Die Geschichte einer jungen Modeinfluencerin, die einen Nachruf auf den Adrenalinjunkie und Draufgänger Kill schreiben soll, um ein Stipendium zu ergattern. Dieser ist alles andere als tot, stellt sich vor seiner großen Fangemeinde den waghalsigsten Challenges. Heimlich schleicht sich Alena in Kills Leben, um private Informationen über den Influencer zu erhalten, der kaum etwas von sich preis gibt. Dass sie dabei jedoch ihr Herz verliert, war nie Teil des Plans… Ein Roman voller Adrenalin, Romantik und einer tollen, humorvollen Note. Mit rasanten, pfiffigen und sehr erfrischenden Dialogen und jeder Menge Tiefgang. Ein herrliches Lesevernügen!! @Chris Kaspar: gerne mehr davon! Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Nach einem Streit hat Alena hat mit ihrer Mutter gebrochen und ihre Beauty-Influencerkarriere an den Nagel gehängt. Jetzt arbeitet sie in einem Planetarium als Putzhilfe und hofft auf ein Stipendium bei einem großen Onlinemagazin. Wenn sie dieses erhält, steht ihrem Traum nichts mehr im Wege: ein Studium im Bereich Medien- und Kommunikationswissenschaft. Denn sie will endlich auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr von ihrer Mutter abhängig sein, die ihren ganzen Beauty-Social-Media-Auftritt gemanagt hat. Und tatsächlich — Alena hat es in die Endrunde mit
ein paar anderen Finalist*innen geschafft. Nun muss sie nur noch eine Aufgabe meistern: “Sie wollen, dass ich einen Nachruf in ein TikTok verpacke?” “Ganz genau. Die Details zur Aufgabe schickt dir meine Assistentin per Mail. […] Sei kreativ, alles ist erlaubt, nichts ist verboten. Je exklusiver das Material desto besser.” (Zitat aus “Forget me someday” S.11) Sie soll mehr über den bekannten Influencer Kill herausfinden, über dessen Privatleben so gut wie gar nichts bekannt ist. Dieser führt ein so waghalsiges Leben, dass es sich lohnt einen Nachruf bereits vorzubereiten: “Kilian “Kill” Jansen, zwanzig Jahre alt, geboren in Hamburg, ist ein deutscher Webvideoproduzent, dessen Videos sich vor allem um Extremsport und Lifestyle drehen. Sein Kanal “Kill Your Fears” gehört zu den meistabonnierten YouTube-Kanälen Deutschlands.” (Zitat S.24) Keiner weiß, warum Kill so risikobereit ist und sein Leben ständig aufs Spiel setzt. Deshalb
versucht Alena mehr über ihn herauszufinden. Bei einer Challenge auf den Gleisen eines Bahnhofs, die er mit verbundenen Augen überquert, rettet sie ihm völlig ungeplant das Leben. “Du schuldest mir was, findest du nicht?” “ICH? DIR?” […] “Siehst du hier noch andere Leute, die meine Challenge versaut haben? Wie gesagt, das war live.” Ich bohre meinen Zeigefinger in seine Brust. “Ich. Hab. Dir. Das. Leben. Gerettet. Verdammt!” Bei jedem Wort pikse ich ihn mit der Fingerspitze.” (Zitat S.46ff) Doch Alena revanchiert sich und verschafft ihm Zutritt zum Planetarium, wo er seine nächste Kletter-Challenge veranstalten will. Dabei kommt sie ihm unerwartet näher…
Der Roman mit dem wirklich außergewöhnlich schönen Cover (inklusive haptisch spürbarer Glitzereffekt) spielt in Hamburg und wird
durchgehend aus Alenas Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch erscheint Bad Boy Kill noch etwas geheimnisvoller, da man seine Gedankengänge nicht kennt. Das Setting in “Forget me someday” ist überaus faszinierend: “Mit Anfang zwanzig hat Kill schon alles erreicht, wovon andere ihr Leben lang träumen: Ruhm und Reichtum. Er könnte sofort alles stehen und liegen lassen und auf die Bahamas auswandern. Trotzdem tritt er sein Leben mit Füßen, indem er es in jeder Challenge wieder aufs Spiel setzt. Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet.” (Zitat S.27) Ein Influencer, der sein Leben riskiert und eine Protagonistin, die ein doppeltes Spiel spielt, aber durch allmählich entstehende Gefühle höchst durcheinander gebracht wird. Die Geschichte ist gleich von Anfang an spannend und sehr unterhaltsam gemacht. Chris Kaspar hat eine sehr flüssige Erzählart und ich liebe diesen rotzig-frechen,
sarkastischen Tonfall der Protagonistin! Die Dialoge sind grandios, vor allem zwischen Alena und Kill — voller Funken sprühender Wortgefechte, einem ständigen Hin- und Her, einem Rausch der Gefühle, einer Achterbahn der Emotionen. Auch die Sprüche der Nebenfiguren, zum Bespiel Sandro, sind toll und geben dem Roman einen besonderen Pfiff. Es werden außerdem allerlei schräge, skurrile Informationen über Tiere mit eingebunden, die Alena in den unmöglichsten Situationen einfallen. Denn sie ist ein großer Fan von Tierdokus: “Bei ihnen konnte ich voll und ganz abschalten. Weil alles, was darin gezeigt wurde, echt war. Tiere wollen niemandem gefallen. Es gibt keine Filter. Kein Clickbait. Kein falsches Lächeln. Niemand, der mir etwas andrehen will und sei es nur ein Lebensgefühl. So wie ich es tagtäglich getan hatte. Mit jeder Kooperation verkaufte ich mich ein Stückchen mehr” (Zitat S.107) Aber auch “Der kleine Prinz” von Antoine de Saint-Exupéry spielt eine bedeutsame Rolle. “Forget me someday”
besitzt die richtige Mischung aus Romantik, Humor und Ernsthaftigkeit. Spricht neben Ängsten, toxischen Beziehungen und Risikobereitschaft, auch die Schattenseiten der Social-Media-Welt an: “Jeden Tag hab ich gepostet oder war live. Mein Privatleben war viel, aber nie besonders privat. […] Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich nicht mir gehören… sondern allen, die mir folgen.” (Zitat S.79) Der Roman regt zum Nachdenken an und zeigt, wie das Bedürfnis nach Bestätigung und Anerkennung ins Gegenteil umschlagen kann. “Was mich natürlich nie davon abhielt, vor jedem Live und jeder Story die Regler der Beautyfilter weit nach rechts zu schieben. Es war wie eine Sucht. Ich wollte perfekt aussehen. Erst als ich das Make-up wegließ, wurde mir bewusst, wie sehr es zusammen mit den Filtern zu einer Maske geworden war, hinter der ich mich jahrelang versteckt hatte.” (Zitat S.15) Dies passiert jedoch ganz unaufdringlich und ohne hoch erhobenem Zeigefinger. Dann gibt es noch ein weiteres Thema, das jedoch nicht genannt werden kann, ohne zu spoilern und das auf sehr interessante Weise in das Buch eingebaut wird. Das Ende der Geschichte — wow! Hier hat mich die Autorin mit einer völlig unerwarteten Wendung verblüfft! Chapeau.
Dir gefäll
t Chris Kaspars Erzählstil? Dann lies noch ihre anderen zwei Bücher, welches beide Thriller sind: “Watched: Du sollst nicht lügen” und “Pride & Pretty: Einen Tod musst du sterben”, welche ich beide sehr empfehlen kann. Ein wenig musste ich gleich an “Catching Feelings” von Kira Licht denken, hier schleicht sich der Protagonist heimlich in eine Delikatessfabrik ein, um mehr über den Besitzer und dessen kriminellen Machenschaften herauszufinden und verliebt sich unerwartet in dessen Tochter. Ein doppeltes Spiel spielt auch die Protagonistin in der zweiteiligen (Fantasy-)Reihe “Die Lügendiebin” von Saskia Louis. Die Schattenseiten des Influencerlebens entdeckt zudem die Hauptfigur in dem gelungenen “Offline ist es nass, wenn’s regnet” von Jessi Kirby.
Bibliografische Angaben:Verlag: Planet! (Thienemann-Esslinger) ISBN: 978-3-522-50761-5 Erscheinungsdatum: 28.Juli 2023 Einbandart: Broschur Preis: 15,00€ Seitenzahl: 384 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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Verlag: Planet! (Thienemann-Esslinger)
ISBN: 978-3-522-50761-5
Erscheinungsdatum: 28.Juli 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 384
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