Cherie Priest — Ich bin Princess X

Cherie Priest Ich bin Princess X12.Januar 2016

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Che­rie Priest hat mit “Ich bin Princess X” ein rich­tig coo­les Buch geschrie­ben. Über Freund­schaft, einen beson­de­ren Comic und ein ver­schwun­de­nes Mäd­chen. Ein Roman mit ein­ge­füg­ten Comic­tei­len. Flott und sehr unter­halt­sam erzählt. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren.

Seat­tle. Libby und May haben eigent­lich nicht viel gemein­sam. Sie ken­nen gera­de mal den Namen der jeweils ande­ren. Freun­din­nen sind sie schon gar nicht. Das ändert sich, als sie auf­grund eines Gips­beins und eines ärzt­li­chen Attests wegen Asth­ma zusam­men eine Frei­stun­de auf dem Spiel­platz ver­brin­gen. Ein paar Krei­de­stü­cke lie­gen dort auf dem Boden her­um. Eine Hor­de neu­gie­ri­ge Kin­der beob­ach­tet die Mäd­chen. Bis Libby auf eine Idee kommt: “Hey, wollt ihr mir beim Zeich­nen zuschau­en?” Die Vor­schul­kin­der tausch­ten unsi­che­re Bli­cke. “Kommt schon”, ermu­tig­te Libby sie, “Ich male alles, was ihr wollt. Ich kann das ziem­lich gut.” (Zitat aus “Ich bin Princess X” S.6) Und das kann Libby tat­säch­lich. Sie zeich­net einen Hund, ein Spuk­haus und schließ­lich auf Wunsch eines Kin­des eine Prin­zes­sin, die in dem Haus leben soll: “…ein Mäd­chen mit blau­em Haar in einem Prin­zes­sin­nen­kleid mit Puff­är­meln, das eine gro­ße gol­de­ne Kro­ne und rote Chucks trug.” (Zitat S.7). Sie tauf­ten sie “Princess X”. Und irgend­wie ist die­se Prin­zes­sin zugleich Sym­bol für den Beginn ihrer Freund­schaft. Denn Libby und May las­sen sich Cherie Priest Ich bin Princess Ximmer neue Aben­teu­er für “Princess X” ein­fal­len. Libby zeich­net sie und May schreibt die Geschich­te dazu. Sie erschaf­fen ein gan­zes Fan­ta­sie­reich. Wer­den zu bes­ten Freun­din­nen. Doch dann stürzt Libby eines Tages mit dem Auto ihrer Mut­ter, die am Steu­er ein­ge­schla­fen ist, von einer Brü­cke in einen Fluss. Die Mut­ter fand man tot am Steu­er. Libbys völ­lig unkennt­li­che Lei­che ein paar Tage spä­ter. Nur anhand ihrer Klei­dung und ihres Schü­ler­aus­wei­ses in ihrer Jacken­ta­sche konn­te man sie iden­ti­fi­zie­ren. Seit­dem träumt May immer wie­der, dass ihre bes­te Freun­din doch noch über­lebt hat. Dass sie sich ret­ten konn­te. Doch das konn­te sie nicht. Libby ist tot. May war auf ihrer Beer­di­gung (der Sarg­de­ckel war lei­der nicht auf­zu­krie­gen). Dum­mer­wei­se ist neben Libby nun auch noch Princess X ver­schwun­den. Denn als May ein paar Tage nach der Beer­di­gung sich die gan­zen Ord­ner und Comic­strips, die sie in der letz­ten Zeit geschaf­fen hat­ten, holen woll­te, muss­te sie fest­stel­len, dass Libbys gan­zes Haus leer­ge­räumt war. Der Vater hat­te nur das Nötigs­te gepackt und den Rest ent­sor­gen las­sen. Und so sehr May auch in Second­hand­lä­den und ande­ren Geschäf­ten nach den Kis­ten mit ihren gemein­sa­men Geschich­ten sucht, sie fin­det sie nicht. Bis sie drei Jah­re spä­ter plötz­lich — nach der Tren­nung ihrer Eltern — für eini­ge Zeit von Atlan­ta, wo sie mit ihrer Mut­ter gelebt hat, zurück zu ihrem Vater nach Seat­tle kommt und auf merk­wür­di­ge Auf­kle­ber stößt. Auf­kle­ber, die in der gan­zen Stadt ver­teilt sind. Auf­kle­ber, auf denn Princess X zu sehen ist! Nach eini­gen Recher­chen bekommt May her­aus, dass es eine mys­te­riö­se Web­sei­te gibt, auf der ein Comic über Princess X zu lesen ist. Ein Comic, wel­cher gro­ße Berühmt­heit erlangt und vie­le Fans hat. Nur, dass nie­mand weiß, wer dahin­ter steckt. Die Geschich­te kennt May nicht, aber die Zeich­nun­gen ver­ra­ten ihr, dass nur eine die Erzäh­le­rin und Zeich­ne­rin sein kann: Libby! Ist sie noch am Leben? Mit dem Com­pu­ter­ex­per­ten Patrick, der sich nur Trick nennt, ver­sucht sie aus dem Comic her­aus­zu­le­sen, was mit ihrer bes­ten Freun­din pas­siert sein könn­te…

Cherie Priest Ich bin Princess XIch bin Princess X” fällt mit dem beson­de­ren Cover irgend­wie auf und zugleich aus dem Rah­men. Comic? Gra­phic Novel? Roman? Letz­te­res ist auf jeden Fall Haupt­be­stand­teil der Geschich­te. Pas­send zum Inhalt wer­den gele­gent­lich Aus­schnit­te des Comics gezeigt, den May auf der Inter­net­sei­te ent­deckt. Die Zeich­nun­gen sind alle­samt in schwarz-lila Töten gehal­ten, eben­so wie die Kapi­tel, die durch einen Hea­der ein­ge­lei­tet wer­den, der die Augen­par­tie von Princess X’ Gesicht zeigt. Gera­de die Mischung von Text und Comic macht einen beson­de­ren Reiz beim Lesen aus, wobei der Comic­teil wirk­lich nur spo­ra­disch auf­tritt und kein zu gro­ßes Gewicht erhält (wie dies in ande­ren Büchern der Fall ist). Gut gefal­len hat mir auch die flüs­si­ge Erzähl­wei­se. Die Geschich­te wird äußerst tem­po­reich erzählt. Die Spra­che ist locker und sehr ange­nehm zu lesen. Span­nung wird rasch erzeugt und man möch­te unbe­dingt wis­sen, was hin­ter dem Rät­sel um Princess X steckt. Und rät­seln darf man in dem Roman jede Men­ge. Denn in dem Comic der Web­sei­te sucht Princess X nach vier Schlüs­seln, die sie ret­ten wer­den. Par­al­lel dazu sucht auch May nach die­sen Schlüs­seln, im ech­ten Leben. Wel­che Spu­ren hat Libby ihr hin­ter­las­sen und wohin wer­den sie füh­ren? Der Böse­wicht aus dem Comic ist ihr und Trick dabei immer dicht auf den Fer­sen…

LesealternativenDu magst Geschich­ten im Comic­stil? Neben den bekann­ten “Greg’s Tage­bü­chern” von Jef­frey Kin­ney gibt es hier auch für Mäd­chen inter­es­san­te Alter­na­ti­ven: die “Dark Dia­ries”-Rei­he von Rachel Renée Rus­sell, die “Nas­hör­ner”-Rei­he von Ulri­ke Leis­ten­schnei­der und die “End­lich beliebt”-Reihe von Amy Igna­tow. Als gute Alter­na­ti­ve zu “Princess X” könn­te ich mir auch die “Ruby Red­fort”-Rei­he von Lau­ren Child vor­stel­len. Hier ist die Haupt­fi­gur auch mun­ter am Rät­sel­lö­sen. Gefällt dir die Kom­bi­na­ti­on vir­tu­el­le Welt und ech­tes Leben? Dann lies doch das bekann­te “Ere­bos” von Ursu­la Pozn­an­ski, in dem sich die­se Gren­zen eben­falls zu ver­mi­schen schei­nen. Eine etwas mär­chen­haf­te­re Vari­an­te mit eben­so ein­ge­scho­be­ner Geschich­te ist “Mein Herz zwi­schen den Zei­len” von Jodi Picoult und ihrer Toch­ter Saman­tha van Leer. Oder ver­such es mal mit dem span­nen­den “Spiel des Lebens” von Veit Etzold, in wel­chem auch aller­lei Rät­sel gelöst wer­den müs­sen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Bloomoon
ISBN: 978-3-8458-1299-8
Erscheinungsdatum: 12.Januar 2016
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 12,99€
Seitenzahl: 272
Übersetzer: Doris Hummel
Illustrator: Kali Ciesemier
Originaltitel: "I am Princess X"
Originalverlag: Scholastic
Amerikanisches Originalcover:
Cherie Priest Ich bin Princess X








Amerikanischer Trailer:

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Scholastic

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