Chelsey Philpot — Ein anderes Paradies

Chelsey Philpot Ein anderes Paradies29.Mai 2018

Ein ande­res Para­dies” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin Chel­sey Phil­pot ist ein Roman über eine beson­de­re Fami­lie, über Anzie­hung, gesell­schaft­li­chen Sta­tus und die Zer­brech­lich­keit die­ser Welt. Bedäch­tig erzählt. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Neu­eng­land. St. Anne’s, ein Mäd­chen­in­ter­nat. Seit drei Jah­ren teilt sich die jun­ge Char­lot­te schon ein Zim­mer mit Rosa­lie, ist befreun­det mit ihr und noch drei ande­ren Mäd­chen. Bis sie eines Nachts eher zufäl­lig auf die neu­rei­che, belieb­te Julia stößt, die unter ihrem Zim­mer­fens­ter in die Büsche kotzt. Deren Freun­din­nen haben die Betrun­ke­ne im Stich gelas­sen. Es ist Char­lot­te, die sich dem Mäd­chen annimmt und es vor der Inter­nats­lei­te­rin ret­tet, die sie fast ent­deckt hät­te. Und zugleich ist die­se Nacht der Beginn einer uner­war­te­ten Freund­schaft. Bald gibt es nur noch Char­lie — wie die neue Freun­din sie nennt — und Julia. Julia und Char­lie. Bis Char­lie in den Feri­en ein­ge­la­den wird, auch den Rest der Fami­lie Buchan­an ken­nen­zu­ler­nen. Eine ganz beson­de­re Fami­lie, in die sie sofort herz­lich auf­ge­nom­men wird. Die Anzie­hung der Buchan­ans war so stark und so ele­men­tar wie die Wir­kung des Mon­des auf die Gezei­ten, und wenn ich mit ihnen zusam­men war, war ich glück­lich im war­men Wider­schein des Lichts. Falls sie wuss­ten, wel­cher Zau­ber von ihnen aus­ging, lie­ßen sie es nie­mals erken­nen. Selbst­ver­trau­en war so sehr Teil ihre Wesens, dass ihre Voll­kom­men­heit mir unzwei­fel­haft als das Werk von Mäch­ten erschien, die ich nicht ver­stand.” (Zitat aus “Ein ande­res Para­dies” S.9) Eine ganz beson­de­re Anzie­hung ver­spürt Char­lie auch Juli­as Bru­der, Sebas­ti­an, gegen­über. Aber aus Rück­sicht auf Julia ver­drängt sie ihre Gefüh­le. Beschließt die nächs­te Ein­la­dung der Fami­lie nicht anzu­neh­men. “Die Vor­stel­lung, Julia eine Woche lang nicht zu sehen und sie alle zu ver­pas­sen, war mir uner­träg­lich. Aber der Gedan­ke, ihm zu begeg­nen, war mir eben­falls uner­träg­lich. Fast so uner­träg­lich, wie ihn nicht zu sehen.” (Zitat S.210) Doch dann beginnt ihre Fas­sa­de zu brö­ckeln. Und nicht nur ihre. Auch die der Fami­lie Buchan­an. Die nicht so per­fekt ist, wie sie zu sein scheint…

Chelsey Philpot Ein anderes ParadiesEin ande­res Para­dies” fällt gleich schon durch sein beson­de­res Cover auf (bezieht sich auf die Hard­co­ver-Aus­ga­be, sie­he unten). Ele­gant. Unnah­bar. Unauf­dring­lich. Und gleich­zei­tig irgend­wie fas­zi­nie­rend. Adjek­ti­ve, die zum Teil auch auf die Fami­lie Buchan­an zutref­fen. Die Prot­ago­nis­tin, die den Roman durch­weg in der Ich-Per­spek­ti­ve schil­dert, ver­fällt den Rei­zen genau jener Fami­lie: “An die­sem Abend, als Julia, Sebas­ti­an und Cor­de­lia ein­träch­tig neben­ein­an­der­stan­den und war­te­ten, ein­fach abwar­te­ten, ob sich irgend­wer ein Herz fas­sen wür­de, ihnen etwas zu sagen — das war der Augen­blick, in dem ich mich in die Buchan­ans ver­lieb­te.” (Zitat S. 173) Das Buch glie­dert sich in meh­re­re Tei­le: Nach einem Pro­log star­tet “Der Anfang”, es fol­gen “Die Mit­te” und “Das Ende” und schließ­lich “Ein neu­er Anfang”. Beglei­tet wer­den die­se Ein­tei­lun­gen von latei­ni­schen Zita­ten. Jeder Teil besteht aus meh­re­ren Kapi­teln, an deren Enden sich ein sehr kur­zer Abschnitt anreiht, der eine Extra­über­schrift hat und meist beson­de­re Erin­ne­run­gen der Haupt­fi­gur schil­dert oder Din­ge beschreibt, die sie in ihrer Andenken­kis­te auf­be­wahrt. Der Pro­log macht bereits äußerst neu­gie­rig auf die­se außer­ge­wöhn­li­che Fami­lie: “Selbst heu­te, wo ich weiß, dass Charme und Macht und ja, auch die Lie­be die dun­kels­ten Win­kel des Her­zens ver­ber­gen kön­nen, wür­de ich es wie­der tun, alles. […] Ich wür­de das alles wie­der tun, ein­fach nur, um einen Moment lang eine von ihnen gewe­sen zu sein, eine von den gro­ßen Buchan­ans.” (Zitat S.10) Was ist das Geheim­nis die­ser Fami­lie? Die Wahr­heit wird in dem Roman Chelsey Philpot Ein anderes Paradieserst am Ende gelüf­tet. Es gibt Andeu­tun­gen, die sehr gemäch­lich gestreut wer­den. Gemäch­lich fand ich lei­der auch das Erzähl­tem­po der Geschich­te, wel­che wirk­lich viel Poten­ti­al hat, aber zu oft lang­sam vor sich hin­plät­schert. Die Dia­lo­ge wir­ken manch­mal etwas holp­rig und vie­len Neben­säch­lich­kei­ten wird gro­ßen Raum gelas­sen. Ange­sichts des inter­es­san­tes Plots hät­te ich da irgend­wie mehr erwar­tet… scha­de. Gut gefal­len hat mir jedoch die Stim­mung, die Chel­sey Phil­pot zuwei­len sehr gut her­über­bringt: “Die Luft hing vol­ler Musik, lau­ter Stim­men und noch etwas, das ich nicht so recht zu fas­sen bekam — Glück, aber ein Glück, das auf der Kip­pe stand; Freu­de, die umso bedeu­tungs­vol­ler war, weil sie nur flüch­tig war. Es war eine Sze­ne, die man von Wei­tem ein­fan­gen muss­te, wenn man sie malen woll­te, da die Far­ben immer mehr ver­schwam­men, je näher man her­an­ging. Es war wild und wun­der­bar. Erschre­ckend und ele­gant.” (Zitat S. 158ff) Man spürt förm­lich, dass bald etwas pas­sie­ren wird. Doch man­che Dra­ma­tik (die “ver­bo­te­ne” Lie­be zwi­schen Char­lie und Sebas­ti­an), die den Lese­fluss stei­gert, wird zu schnell auf­ge­löst. Aber… am bes­ten selbst lesen und eine eige­ne Mei­nung bil­den!

LesealternativenEin Roman, an den ich sofort den­ken muss­te, als ich von “Ein ande­res Para­dies” hör­te, bezie­hungs­wei­se es las, war “Solan­ge wir lügen”  von E.Lockhart. Hier steht eben­falls eine sehr ver­mö­gen­de Fami­lie im Mit­tel­punkt des Gesche­hens, die ein schreck­li­ches Geheim­nis hütet. Die wohl bes­te Lese­al­ter­na­ti­ve, zudem rich­tig klas­se erzählt. Inhalt­li­che Kon­kur­renz macht aber auch “Fami­lie Grace, der Tod und ich” von Lau­re Eve. Reich­tum, die High Socie­ty und der Blick hin­ter die Fas­sa­de, das fin­dest du auch in “Sweet lies: In gefähr­li­cher Gesell­schaft” von Lili Pelo­quin. Du magst Geschich­ten über Fami­li­en, in denen nicht alles so per­fekt ist, wie es scheint? Dann lies “Glücks­dra­chen­zeit” von Kat­rin Zip­se oder Nichts ist so per­fekt wie das Leben” von Chris­ti­ne Hur­ley Der­i­so.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31719-3
Erscheinungsdatum: 31.Mai 20158
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 8,99€
Seitenzahl: 400
Übersetzer: Birgit Schmitz
Originaltitel: "Even in Paradise"
Originalverlag: HarperCollins

Deutsches Originalcover:
Chelsey Philpot Ein anderes Paradies











Amerikanisches Originalcover:
Chelsey Philpot Ein anderes Paradies











Trailer zum Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(2,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

---------------------------------------------------------------------------------
Amerikanisches Cover: Homepage von Chelsey Philpot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.