Cecily von Ziegesar — Dark horses

Cecily von Ziegesar Dark horses17.Juli 2018

Dark hor­ses” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin (mit den deut­schen Adels­wur­zeln) Ceci­ly von Zie­ge­sar ist — nach ihrer Erfolgs­rei­he “Gos­sip Girl”ein in sich abge­schlos­se­ner Roman. Eine Geschich­te über Ver­lust, Schuld, Eifer­sucht und die Freund­schaft zu einem außer­ge­wöhn­li­chen Pferd. Wer hier eine 0–8-15-Pferdegeschichte ver­mu­tet, der wird rasch eines Bes­se­ren belehrt wer­den. Düs­ter, unheil­voll und gran­di­os erzählt! Jetzt neu als Taschen­buch erschie­nen. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und für Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Mer­ritt ist durch den Tod ihrer Groß­mut­ter völ­lig aus der Bahn gewor­fen wor­den. Sie hat wochen­lang in der Schu­le gefehlt, ihre Ter­mi­ne beim Psy­cho­lo­gen ein­fach nicht wahr­ge­nom­men und ist auf ihrer neu­en Schu­le immer mehr zur Außen­sei­te­rin gewor­den: “Gran-Jo war der wich­tigs­te Mensch in mei­nem Leben gewe­sen und mit einem Mal war sie nicht mehr da. Tat mir ja leid, dass ich mei­ne Trau­er um sie nicht so abstel­len konn­te.” (Zitat S.13) Mer­ritt betrinkt sich und schmeißt irgend­wel­che Schmerz­ta­blet­ten ein, um sich zu betäu­ben. So auch am Abend vor dem anste­hen­den Col­le­ge-Ein­stu­fungs­test. Wäh­rend des Tests am nächs­ten Tag steht sie dann ein­fach auf und geht. Geht zum Haus ihrer ver­stor­be­nen Groß­mut­ter und deren eben­falls toten Pferd Noble. Alles übers Rei­ten und über Pfer­de, das hat ihre Groß­mut­ter ihr bei­ge­bracht. Bis sie bei einem Unfall Cecily von Ziegesar Dark horsesums Leben kam. Und jetzt hat Mer­ritt nichts mehr. In dem Haus wohnt bereits jemand anders und ein frem­des Pferd steht auf der Kop­pel. Als ihre Eltern sie schließ­lich fin­den und abho­len, kommt das jun­ge Mäd­chen direkt nach “Good Fen­ces”, eine Art Kli­nik, die mit alters­schwa­chen oder aus­ge­mus­ter­ten Pfer­den arbei­tet, die sie zu The­ra­pie­zwe­cken ein­setzt. Auch Mer­ritt bekommt ein “eige­nes” Pferd: Red. “Sei­ne Augen hat­ten einen wun­der­schö­nen Bern­stein­ton, oran­ge­braun mit gol­de­nen Spren­keln dar­in. Er war noch grö­ßer, als ich zuerst gedacht hat­te, und ein wirk­lich pracht­vol­les Tier.” (Zitat S.81) Red ist unbe­re­chen­bar und gefähr­lich. Er muss meis­tens einen Maul­korb tra­gen, weil er sonst das Gat­ter öff­net und aus dem Stall aus­bricht und die ande­ren Pfer­de gleich mit befreit. Doch selt­sa­mer­wei­se ver­ste­hen Mer­ritt und er sich aus­ge­zeich­net. Wer­den ein unschlag­ba­res Team. Bis das Mäd­chen erken­nen muss, dass Red noch eine wei­te­rer dunk­le Sei­te an sich hat…

Dark hor­ses” besticht durch ein aus­ge­zeich­ne­tes Cover! Ein ech­ter Hin­gu­cker und kein typi­sches “Mäd­chen-rei­tet-auf-Pferd-hei­le-Welt-Cover”. Das Buch nimmt einen nicht nur optisch, son­dern auch inhalt­lich gleich gefan­gen — denn eCecily von Ziegesar Dark horsess beginnt mit einem Pro­log und einer ganz beson­de­ren Erzähl­per­spek­ti­ve: der eines Pfer­des! Red, der zu erklä­ren ver­sucht, war­um sie für immer zusam­men­ge­hö­ren. Er und Mer­ritt, die die zwei­te Sicht­wei­se in “Dark hor­ses” ein­nimmt. Abwech­selnd und in Ich-Per­spek­ti­ve berich­ten die bei­den aus ihrem Leben. Gera­de Reds Gedan­ken zu lesen, ist sehr über­ra­schend und unge­wöhn­lich: “Bea­tri­ce war für mei­ne Pfle­ge zustän­dig und sie erle­digte ihre Arbeit ordent­lich, das muss­te man ihr las­sen. Mein Fell glänz­te, mei­ne Hufe waren gefet­tet und aus­ge­kratzt, die Ein­streu in mei­nem Unter­stand war makel­los und mei­ne Was­ser­ei­mer stets sau­ber geschrubbt. Aber nie sag­te sie etwas Net­tes zu mir oder kraul­te mich hin­ter den Ohren, wie es die ande­ren Mäd­chen mit ihren Pfer­den taten.” (Zitat S.52) Ein Pferd zu einem Hauptcha­rak­ter in einem Roman zu machen (wenn es nicht gera­de ein Buch für klei­ne­re Kin­der ist), auf die­se Idee muss man erst ein­mal kom­men! Die Geschich­te liest sich daher eigent­lich durch­ge­hend inter­es­sant und fas­zi­nie­rend und ist sehr flüs­sig geschrie­ben. Auch wenn man rasch ahnt, dass Red nicht das zu Mäd­chen­träu­men gewor­de­ne Mus­ter­ex­em­plar schlecht­hin ist: “So stan­den wir also da und war­te­ten, bis mei­ne Tem­pe­ra­tur fer­tig gemes­sen war. Mer­ritt sah zu Boden. Sie war anders als die ande­ren Mäd­chen, irgend­wie selt­sam — als hät­te das Leben sie schon ein biss­chen kaputt gemacht, aber nicht so nie­der­träch­tig und ver­dor­ben wie Bea­tri­ce. Oder ich.” (Zitat S.94) Gera­de die­ser dunk­le Aspekt des Buches macht “Dark hor­ses” Cecily von Ziegesar Dark horseszu etwas ganz Beson­de­rem und in gewis­ser Wei­se zu einer Art “Anti-Pfer­de-Geschich­te” — jen­seits aller typi­schen Kli­schees. Gut gefal­len haben mir auch man­che unty­pi­schen Cha­rak­te­re, wie zum Bei­spiel die Eltern von Mer­ritt: libe­ra­le, Mara­thon lau­fen­de Pro­fes­so­ren, die stän­dig gesun­de Sachen essen und Sät­ze wie die­se hier von sich geben: Wir haben uns zuerst ganz schön Sor­gen gemacht, dass du so kurz vor dem Abschluss die Schu­le abge­bro­chen hast, aber jetzt ergibt das wirk­lich alles einen Sinn”, fuhr Dad fort. “Du brauch­test ein­fach dei­ne Frei­heit. Die meis­ten dei­ner Klas­sen­ka­me­ra­den gehen nach der Schu­le aufs Col­le­ge, das sind noch mal vier Jah­re. Ann und du habt ein­fach einen ande­ren, direk­te­ren Weg ein­ge­schla­gen. War­um Zeit an der Uni ver­schwen­den? Ihr habt eure Kar­rie­re doch schon begon­nen!” (Zitat S.206) Zum Ende des Buches hin hät­te ich mir irgend­wie noch etwas mehr erwar­tet. Scha­de… Aber trotz allem ein tol­ler Roman.

Fazit: Eine außer­ge­wöhn­li­che Geschich­te, die man so schnell nicht ver­ges­sen wird!

Du magst den Erzähl­stil in “Dark hor­ses”? Dann lies noch die bekann­ten ande­ren Rei­hen von Ceci­ly von Zie­ge­sar: “Gos­sip Girl” undLesealternativen “It Girl”. Ein Roman aus dem Blick­win­kel des Pferds erzählt davon gibt es nur sehr weni­ge Jugend­bü­cher: “Gefähr­ten” von Micha­el Mor­pur­go, “Sieh es mit mei­nen Augen: Eine Geschich­te aus Sicht eines Pfer­des” von Marie-The­re­se Gold­mann (mit einem ver­dammt ähn­li­chen Cover!) und “Geroni­mo — Mit den Augen eines Pfer­des” von Lydia Albers­mann. Ein Mäd­chen, das eben­falls in eine Kli­nik kommt und zu sich selbst fin­den muss, fin­dest du in “Alles so leicht” von Meg Has­ton oder in dem tol­len “Clean” von Juno Daw­son. Wenn du noch eine ande­re “typi­sche”, aber toll geschrie­be­ne Pfer­de­ge­schich­te lesen möch­test, dann greif zu “Nur die­ser eine Som­mer…” von Becky Citra oder zu “Dark Hor­se Moun­tain” von Kyra Ditt­mann, das auch sehr lesens­wert ist.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-74893-5
Erscheinungsdatum: 17.Juli 2018
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 8,95€ 
Seitenzahl: 418 
Übersetzer: Sandra Knuffinke
Originaltitel: "Dark horses"
Originalverlag: Soho Teen

Amerikanisches Originalcover:
Cecily von Ziegesar Dark horses

Kasimiras Bewertung:

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Amerikanisches Cover: Homepage von Soho Teen

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