Die deutsche Autorin Carolin Philipps hat mit “For your eyes only: 4YEO” einen Roman über ein wichtiges, aktuelles, hochbrisantes Thema geschrieben: die Gefahr der Verbreitung intimer Fotos über soziale Netzwerke. Eine Geschichte über einen Skandal, über (Cyber-)Mobbing und die Folgen für die Betroffenen. Erschreckend. Äußerst realistisch und sehr flüssig erzählt. Für Jugendliche ab 13 Jahren und interessierte Erwachsene.
Die 14-jährige Lilly kennt ihren vier Jahre älteren Nachbarn Jannis schon seit Ewigkeiten. Ihre Eltern sind eng miteinander befreundet. Jannis ist der Schwarm aller Mädchen und für Lilly wie ein großer Bruder. Er ist mit Oberzicke Jenifer zusammen, die zu Lilly nicht gerade freundlich ist. Denn Jenifer ist irre eifersüchtig, auf jedes weibliche Wesen, mit dem Jannis mehr als ein paar Worte wechselt. Das ist auch der Grund dafür, warum diese sich schließlich von ihr trennt und mehr Zeit mit Lilly verbringt. Ihre Gefühle füreinander ändern sich und sie werden ein Paar. Doch dann steht die Abschlussfeier von Jannis’ Klasse an. Eine Woche Mallorca. Eine Woche getrennt voneinander. Es ist Jenifer, die jedoch dabei sein wird und die entschiedene Pläne
hat: “Es wird die Gelegenheit sein, Jen! Du hast eine Woche!”, sagte Beate, Jenifers beste Freundin. “Du und Jannis am Strand. Er cremt dich zärtlich ein…” Jenifer lachte laut. “Eine Woche? In einer Stunde habe ich ihn da, wo ich ihn haben will.” (Zitat aus “For your eyes only: 4YEO” S.22) Das verunsichert Lilly zunächst nur ein bisschen. Schließlich liebt Jannis sie doch. Aber auf einer Party von Samantha (der Schwester von Jenifer) zeigt diese ihr verheerende Fotos: Jannis neben Jenifer am Strand. Jenifer oben ohne! Kann sie ihrem Freund wirklich vertrauen? Oder ist er den Reizen seiner Ex schon längst erlegen? Es ist Sam, die ihrer zickigen Schwester eins auswischen zu wollen scheint und Lilly einen ungewöhnlichen Ratschlag gibt: “Warum schickst du ihm kein Foto?” “Was für ein Foto?” “Von dir… oben ohne oder besser noch…”, sie zog mir das Handtuch weg, “ganz nackt. […] Zeig ihm, was er aufgibt, wenn er mit meiner Schwester rummacht.” (Zitat S.31ff) Tessa, Lillys beste Freundin, rät ihr dringend davon ab. So etwas soll sie auf gar keinen Fall machen. Zunächst unternimmt Lilly auch nichts weiter. Bis Sam ihr wieder ein paar Fotos von der Klassenfahrt zuschickt. Auf allen fünf Bildern sind Jannis und Jenifer zu sehen. Auf einem legt sie sogar den Arm um ihn. Also macht Lilly es doch. “!!!4YEO — for your eyes only!!!” Nur diese Worte schrieb ich darunter, umrahmt von Ausrufezeichen. Niemals sollte jemand anders mein Nacktfoto sehen, nicht einmal Tessa würde ich es zeigen. Dann tippte ich auf
“Senden” und schickte das Foto auf seinen Weg zu Jannis.” (Zitat S.40) Und löst eine Kette von Ereignissen aus, mit denen sie niemals gerechnet hätte. Jannis ist von dem Foto begeistert. Aber bald darauf sind es auch andere aus seinem Abiturjahrgang. Sie haben die Fotos (sie hat noch zwei Weitere verschickt) gesehen, sie schicken ihr anzügliche Kommentare. Wie kann das sein? Lilly hat die Bilder doch nur ihrem Freund geschickt? Bald spricht es sich in der ganzen Schule herum. Jemand hat die Fotos ausgedruckt und aufgehängt. Jannis behauptet, dass Lilly die Bilder selbst an einen seiner Klassenkameraden gesendet hat. Sie kamen von ihrer Handynummer! “Meine Eltern, Frau Bergmann, der Direktor, sie alle sahen mich an, als wäre ich eine Fremde. In ihren Augen konnte ich lesen, dass sie nicht mehr wussten, was sie glauben sollten. Bislang war ich für sie das Opfer gewesen, wenn auch ein dummes, leichtsinniges Opfer. Nun war ich zur Täterin geworden. Ich stand auf und verließ den Raum. Niemand hielt mich auf.” (Zitat S.65ff) Bald wird Lilly gnadenlos gemobbt. Jemand hat einen gefakten Facebook-Account von ihr erstellt, mit ihren Nacktfotos und ihrer Handynummer. “Dann bekam ich ganz offene Anfragen, wie teuer der Sex mit mir sei und welche Stellungen ich bevorzugte. Ein Gregor schickte mir ein Nacktbild von sich. […] Ich duschte mehrmals am Tag, um all den Schmutz, mit dem ich beworfen wurde, abzuwaschen, aber es gelang mir nie ganz. Ich hatte das Gefühl, dass ich unter dem Dreck langsam erstickte.” (Zitat S.78) Dann kommt Jannis von der Klassenfahrt zurück. Und will auf einmal nicht mehr, dass sie ihn vom Flughafen abholt…
“For your eyes only: 4YEO” wird durchgehend aus Lillys Sicht und in der Ich-Perspektive erzählt. Die Sprache ist sehr einfach und flüssig zu lesen. Der 144-Seiten-Roman hat keine Längen und liest sich geradezu in einem Rutsch. Es ist unheimlich ergreifend Lillys Geschichte zu verfolgen. Sie, die gedacht hat, dass so eine Veröffentlichung intimer Fotos ja nur den anderen, aber nicht ihr passieren könnte: “Denn natürlich kannte ich auch damals schon die Geschichte von jungen Mädchen und Jungen, deren Nacktfotos plötzlich im Netz erschienen. Meine Eltern, die Lehrer, alle hatten uns gewarnt. Aber dies hier war anders. Ich schickte sie ja nur an Jannis, den ich mein ganzes Leben kannte und der mich liebte und beschützte. Also was sollte schon passieren?” (Zitat S.43ff) Gerade zu erfahren, was alles passieren kann, wenn man intime Bilder von sich verschickt, in was für einen Strudel der Ausgrenzung und des Mobbings man hineingeraten kann, lässt die Gefahren dieser Aktion umso offensichtlicher werden. Das Buch ist neben packender Unterhaltung zugleich eine Warnung und ideal für eine Klassenlektüre oder als Buchvorstellung. Was ich etwas schade fand, war die Lücke in der Erzählung zu Beginn des Romans: Auf einmal waren Jannis und Lilly ein Paar. Wie? Alles wurde eigentlich immer recht ausführlich geschildert, aber dieses Detail irgendwie einfach weggelassen. Merkwürdig… Neben dem aussagekräftigen Cover sticht vor allem der Prolog besonders hervor. Er deutet bereits etwas an, auf das die Geschichte zusteuert und erzeugt einiges an Spannung. Es ist das Schuldach, von dem gesprochen wird und der letzte Satz des Prologs, der Unheilvolles erahnen lässt: “Hier hat alles begonnen und hier wird heute auch alles enden.” (Zitat S.7) Wird Lilly sich wirklich das Leben nehmen? Oder wird sie noch jemand aufhalten können? Und wer war derjenige, der die Fotos an die anderen Schüler verschickt hat? Das alles wird der Leser am Ende unweigerlich herausfinden…
Es gibt zwei sehr gute Alternativen zu “For your eyes only: 4YEO”
Die Neuerscheinung “Hass gefällt mir” von Johanna Nilsson, in dem ein Foto und ein Sexvideo eines Mädchen das Leben jenes völlig verändern und “Weil es nicht aufhört” von Manfred Theisen, in welchem ein “Oben ohne”-Foto ebenfalls zu einer Hetzkampagne führt. Interessante Neuerscheinungen zum Thema (Cyber)Mobbing sind ebenso “Homevideo” von Karin Kaçi (welches ebenfalls verfilmt wurde), “Unsichtbare Wunden” von Astrid Frank (hier wird die Entwicklung von Mobbing sehr authentisch geschildert) und “Die Welt wär besser ohne dich” von Sarah Darer Littman (mit einer überraschenden Wendung). Oder lies “Ich blogg dich weg!” von Agnes Hammer.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ueberreuter ISBN: 978-3-7641-7040-0 Erscheinungsdatum: 12.Februar 2016 Einbandart: Broschur Preis: 12,95€ Seitenzahl: 144 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
Kasimiras Bewertung:
(4 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7040-0
Erscheinungsdatum: 12.Februar 2016
Einbandart: Broschur
Preis: 12,95€
Seitenzahl: 144
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -
Das Buch ist einfach nur genial!!
Ich habe es mir schon 4mal durch gelesen !!
ich habe es erst seit 2 Wochen !!
Ich liebe es einfach !!!!!!