“Friday I’m in Love” ist der neueste Roman der amerikanischen Autorin Camryn Garrett (übersetzt von Isabel Abedi). Eine Party, die ein Leben verändert? Darauf hofft die Schwarze Protagonistin Mahalia, die ihre Queerness mit einer Party feiern möchte. Denn abgesehen von ihrer besten Freundin weiß niemand über ihr Coming-out Bescheid, vor allem ihre Mutter nicht. Doch Mahalia ist von Geldnöten geplagt, muss jeden Cent zusammenkratzen, um die Party ihrer Träume überhaupt feiern zu können. Dann verliebt sie sich auch noch in ihre neue Mitschülerin, streitet sich mit ihrer besten Freundin und ihre Mutter wird krank. Alles scheint drunter und drüber zu gehen. Wird sie ihre Party trotzdem feiern können? Eine locker-leicht zu lesende, sehr unterhaltsame LGBTQIA+ Romance mit einer sympathischen Protagonistin, in der auch ernste Themen wie Rassismus, Geldsorgen und das emotionale Auf und Ab einer ersten Liebe eine Rolle spielen. Für Jugendliche ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.
South Carolina. Die 16-jährige Mahalia ist auf der Sweet-Sixteen-Party ihrer besten Freundin Naomi eingeladen. Seit Mahalia klein ist, hat sie sich solch eine Party selbst gewünscht, aber aufgrund von Geldnöten konnte ihre Mutter ihr diese leider nicht finanzieren. “Rechnungen müssen bezahlt werden, Mahalia. Miete und Strom und Heizkosten und Essen, all diese Rechnungen. Oder hättest du lieber deine Party und würdest dafür den Rest des Jahres hungern?” (Zitat aus “Friday I’m in Love” S.10) Ihr Vater ist abgehauen und hat
jetzt eine neue Familie, “vergisst” zwischendurch mal den Unterhalt zu zahlen. Mahalias Mutter arbeitet in einem Pflegeheim, um irgendwie über die Runden zu kommen. Naomis Familie hingegen ist vermögend. Für sie ist so eine Party kein Problem. Ein Lichtblick für Mahalia ist an dem Abend zumindest die Bekanntschaft mit einem Mädchen auf der Damentoilette, als sie ihr verlaufenes Make-up erneuern will und diese ihr hilft. “Ich weiß nicht mal, wie dieses Mädchen heißt, aber sie ist mir so nah, und ich kann nicht aufhören sie anzuschauen. Sie drückt das Tuch gegen meine Wange und tupft sanft. Ich beobachte, wie sich ihre dunklen Augenbrauen konzentriert zusammenziehen. Ihre Berührung ist warm. Jeder Teil meines Körpers ist warm. “Da”, sagt sie und schmatzt anerkennend mit den Lippen. “Perfekt.” Das ist sie absolut. Und sie ist auch das Einzige, an das ich den ganzen restlichen Abend denken kann.” (Zitat S.20) Bald stellt sich heraus, dass sie Siobhan heißt und sogar neu in ihre Klasse kommt! Mahalia steht auf Mädchen. Doch das weiß eigentlich nur Naomi. Ihrer Mutter oder anderen Mitschüler:innen hat sie nie davon erzählt. Als sie sich mit Naomi über ihr Coming-out unterhält, hat sie plötzlich eine Eingebung. Wieso
nicht doch eine Party feiern, wenn schon keine Sweet-Sixteen-Party, dann zumindest eine Coming-out-Party? “Ich stelle mir meine eigene Coming-out-Party vor, auf der ich im Regenbogenkleid in den Ballsaal komme, während irgendwo eine Regenbogenkonfettikanone losgeht und Tegan und Sara im Hintergrund spielen. Ich würde im Mittelpunkt stehen. Meine Sexualität feiern, anstatt sie aufs Abstellgleis zu rangieren, wo ich nur mit Naomi drüber reden kann.” (Zitat S.35ff) Sie müsste auch nicht allen persönlich davon erzählen oder einen Post auf Instagram verfassen, der dann sowieso nicht kommentiert wird. Eifrig beginnen Naomi und Mahalia Pläne zu schmieden und Letztere beginnt fleißig zu sparen. Wird sie es schaffen die Party ihrer Träume zu feiern? Und kann das etwas werden zwischen ihr und Siobhan? Die eigentlich einen Freund hat? Es liegen einige Hürden auf Mahalias Weg…
Das farbenfrohe Cover macht ordentlich was her und ist perfekt gewählt! Der Titel, der aus dem Lied von The Cure stammt, was
ebenfalls eingangs zitiert wird und auch später eine Rolle spielt, hat außerdem — selbst beim Lesen — Ohrwurmpotential;-) Der Roman ist in mehrere Teile eingeteilt, die mit Monaten gekennzeichnet werden und von April bis Juni gehen. Er wird durchgehend aus der Ich-Perspektive von Mahalia erzählt und zwischenzeitlich durch Einschübe einer Playlist-Auflistung samt Kommentaren ergänzt. Die Sprache ist sehr angenehm und flüssig, teils mit etwas sarkastischem Humor durchzogen: “So eine Location können sich nur Naomis Eltern leisten. So eine Location hätte ich mir für meine nicht existente Party gewünscht. Aber das ist jetzt auch egal. Für meinen Sweet-Sixteen bin ich zu spät dran und so etwas wie ein Sweet-Seventeen existiert nicht. Die nächstbeste große Party an meinem Horizont ist wohl am ehesten eine Hochzeit oder eine Beerdigung.” (Zitat S.12ff) “Friday I’m in Love” ist eine Melange aus Sehnsüchten, Träumen, Musik, erster Liebe und Queerness. Manchmal konzentriert sich die Geschichte sehr auf Details, wie eine Party am besten geplant werden kann, welches Kleid anzuziehen ist, welche Musik spielen soll, oder was für eine Geschichtsprojekt in der
Schule alles unternommen werden muss. Dennoch ist “Friday I’m in Love” unterhaltsam zu lesen, das liegt vor allem an der Protagonistin, die sich zuweilen recht kluge Gedanken macht und auch die Leser:innen mit ihren Überlegungen zum Sinnieren bringen könnte: “Dass sich Menschen die gay sind, outen müssen, kommt mir ungerecht vor. Warum sollte hetero der Standard sein?” Ich kann Naomi nicht mal übelnehmen, dass sie mir das Wort abschneidet. Ehrlich gesagt, ist das auch eine meiner Lieblingsstellen im Film. Warum sollte hetero der Standard sein? Ich hab meiner Mom nicht erzählt, dass ich Mädchen mag, und irgendwie wünsche ich mir, ich müsste es nicht. Ich wünsche mir, dass niemand mich einfach für hetero hält.” (Zitat S.34) Auch mit dem Thema Rassismus setzt sich Mahalia auseinander, als beispielsweise im Deutschunterricht aus Huckleberry Finn von Mark Twain laut vorgelesen wird und sich ihre Mitschüler:innen förmlich darum reißen, weil sie das N‑Wort aussprechen dürfen (auf dieser Stelle weist der Arena-Verlag sinnvollerweise mit einer Triggerwarnung zu Anfang des Buches bereits hin). “Ich bin nicht der Typ, der sich aufregt, wenn Rapper das N‑Wort in ihren Songs
benutzen oder wenn es im Fernsehen vorkommt, aber das liegt normalerweise daran, dass es in diesen Fällen Schwarze Menschen sind. […] Aber die Tatsache, dass meine Mutter das Wort nie ausspricht und ich gesehen habe, dass Schwarze Studierende wie Naomis Bruder Marcus Ärger kriegten, weil sie es taten, während Mr Lewis ohne Einwand hinnimmt, dass nicht-Schwarze Schüler:innen aus seiner Klasse das Wort laut vorlesen? Dass er sie nicht mal ausbremst, um mit uns darüber zu sprechen, warum es daneben ist?” (Zitat S.54) Ein großer, bedeutsamer Aspekt in “Friday I’m in Love” sind vor allem die Geldsorgen der Hauptfigur. Dies ist in dem Roman sehr gut gelöst, da bei jedem Kapitelbeginn Mahalias aktueller Kontostand eingeblendet wird, welche Ausgaben sie hat und was ihr Sparziel ist. Wie teuer der Alltag eines Mädchens ist, das für Benzin- und Handykosten selbst aufkommen muss, aber auch Partyutensilien kaufen muss, lässt sich so transparent mitverfolgen. Aber auch in ihrer Freundschaft zu Naomi, die keinerlei Geldnöte hat, gibt es Reibereien. Diese möchte ihr helfen und ihr das fehlende Geld für die Party einfach geben, was Mahalia jedoch keinesfalls annehmen
möchte. “Dass sie mir im Februrar fünfhundert Dollar zu meinem Geburtstag gegeben hat, ist schlimm genug. Ich hab versucht, es ihr zurückzuzahlen, und sie war tatsächlich sauer auf mich. Bis jetzt hat Geld noch nie eine so große Rolle in unserer Freundschaft gespielt. Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, das zu vermeiden.” (Zitat S.47) Die Romanik kommt in dem Roman auch nicht zu kurz, dafür sorgen gelegentliche, schön beschriebene Momente wie dieser: “Sie schüttelt den Kopf, aber als sie ihre Hand vom Mund nimmt, erscheint dahinter ein Lächeln. Und so fühlt sich das Zusammensein mit ihr gerade für mich an — als würde alles in mir lächeln.” (Zitat S.82) Man fiebert mit der Protagonistin einfach mit, hofft und bangt mit ihr und wünscht sich, dass der Traum von ihrer Party und ihrem Coming-out sich erfüllen wird. Dass dann doch alles ganz anders kommt, wie geplant, scheint vorprogrammiert zu sein (vor allem hinsichtlich Mahalias schwindender Finanzen). Das Ende liest sich sehr berührend.
Du magst den Erzählstil von Camryn Garrett? Sie hat bereits ein weiteres Buch im Deutschen veröffentlicht: “Off the Record: Unsere Worte sind unsere Macht”.
Sehr unterhaltsam und bewegend geschrieben, es thematisiert #metoo. Sich trauen sich zu outen, darüber kannst du auch in dem sehr gelungenen Roman von Meredith Russo lesen: “Birthday: Eine Liebesgeschichte”. Eine äußerst empfehlenswerte Neuerscheinung ist außerdem “Six times we kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)” von Tess Sharpe oder lies “Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle” von Anne Freytag. Empfehlen kann ich ebenso “More happy than not” von Adam Silvera, “Mut.Machen.Liebe” von Hans-Jörg Nessensohn und “Eine Handvoll Lila” von Ashley Herring Blake. Noch mehr Bücher zu Homosexualität und Transidentität findest du unter den jeweiligen Links.
Bibliografische Angaben:Verlag: Arena ISBN: 978-3-401-60738-2 Erscheinungsdatum: 17.Mai 2024 Einbandart: Broschur Preis: 18,00€ Seitenzahl: 312 Übersetzer*in: Isabel Abedi Originaltitel: "Friday I'm in Love" Originalverlag: Penguin Random House Amerikanisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
------------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Camryn Garrett Bilder im Textbeitrag nach Cover: KI generiert, außer das letzte Bild

Verlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60738-2
Erscheinungsdatum: 17.Mai 2024
Einbandart: Broschur
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 312
Übersetzer*in: Isabel Abedi
Originaltitel: "Friday I'm in Love"
Originalverlag: Penguin Random House
Amerikanisches Originalcover:
