Björn Springorum — Spiegel des Bösen

Björn Springorum - Spiegel des Bösen14.März 2017

Spie­gel des Bösen” von dem deut­schen Autoren Björn Springo­rum ist ein fan­tas­ti­scher Hor­ror­ro­man, der sei­ne Leser in ein unheil­vol­les Grand­ho­tel in die Alpen ent­führt, in dem es nicht mit rech­ten Din­gen zuzu­ge­hen scheint. Eine Geschich­te über Geis­ter der Ver­gan­gen­heit, eine unge­sühn­te Schuld und ein lie­ben­des Paar, das dem Bösen zu trot­zen wagt. Ein biss­chen “Shining”-Atmosphäre und schön schau­rig! Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 15-jäh­ri­ge Sophie fährt mit ihren Eltern in den Urlaub. Für vier Tage in die Alpen in ein rie­si­ges Hotel, das nach 100 Jah­ren wie­der neu eröff­net hat. “Jetzt sah Sophie es vor sich aus dem Nebel auf­ra­gen. Das berühm­te und legen­dä­re Grand­ho­tel Raben­fels. Nun, zumin­dest, wenn sie ihrem Vater so zuhör­te. Für sie war es ein Hotel, das zwang­haft ver­sucht hat­te, sich an der abge­le­gens­ten und ödes­ten, mög­li­cher­wei­se auch käl­tes­ten Stel­le des Uni­ver­sums nie­der­zu­las­sen — und erfolg­reich gewe­sen war. Das Hotel befand sich am Ende der Welt, hoch oben auf einem schrof­fen und fros­ti­gen Fels­pla­teau, umge­ben von der­art spit­zen und stei­len Ber­gen, dass es nicht mal als Win­ter­sport­ort taug­te.” (Zitat S.10) Auf die Zeit mit ihren Eltern an die­sem selt­sa­men Ort freut Sophie sich nicht gera­de. Bereits nach zwei Tagen zählt sie die Stun­den, die sie es hier noch aus­hal­ten muss. Denn das Hotel ist ihr irgend­wie nicht ganz suspekt. Schon bei ihrer Anrei­se, als sie hät­te schwö­ren kön­nen, eine Frau von einem Turm hin­ab­fal­len gese­hen zu haben, tun alle die­se Wahr­neh­mung als eine Fan­ta­sie ab. Es gab kei­nen Unfall. Da wur­de nie­mand gefun­den. Punkt. Ihr Vater, der Schrift­stel­ler ist und einen Roman über das Hotel schrei­ben will, ist ohne­hin ganz ange­tan von dem alten Gemäu­er: “Er war regel­recht beses­sen von der Björn Springorum - Spiegel des BösenGeschich­te des Hau­ses, von sei­ner angeb­lich so prunk­vol­len Ver­gan­gen­heit, von all den Geheim­nis­sen und Mythen, die sich um das Grand­ho­tel Raben­fels rank­ten. […] Sophie spür­te rein gar nichts vom angeb­li­chen Glanz der Ver­gan­gen­heit. Für sie war das Hotel ein gewal­ti­ger Staub­fän­ger. Wie­so eröff­ne­te man ein Hotel wie­der, wenn man mit der Reno­vie­rung noch gar nicht fer­tig war?” (Zitat S.15) Über­all hän­gen Spie­gel in den Flu­ren. Und Sophie fühlt sich merk­wür­dig beob­ach­tet. Auch erschei­nen ihr man­che Gän­ge, auf denen sie sich bewegt, auf ein­mal völ­lig anders aus­zu­se­hen, als zuvor. Bil­det sie sich das nur ein? Hat sie sich ein­fach ver­lau­fen? Oder stimmt tat­säch­lich irgend­et­was nicht mit die­sem komi­schen Hotel? Als Sophie eines Mor­gens erwacht und ihre Eltern spur­los ver­schwun­den schei­nen, gerät sie lang­sam in Panik. Vor allem als sie bemerkt, dass sie von nie­man­dem mehr wahr­ge­nom­men wird. Sie ist irgend­wie unsicht­bar gewor­den für ihre Mit­men­schen. Nur der Con­cier­ge kann sie selt­sa­mer­wei­se sehen. Und er bit­tet sie schnell mög­lichst in die Kel­ler zu gehen. Zu den ande­ren, die so sind wie sie. Wel­che ande­ren? Sophie trifft dort unten tat­säch­lich auf Drei, die es ähn­lich ergan­gen ist wie ihr: auch sie haben ihre Eltern ver­misst. Und seit­dem war­ten sie. Björn Springorum - Spiegel des BösenAlles, was wir wis­sen, ist, dass wir hier unten war­ten sol­len, wenn wir nicht wol­len, dass uns oder unse­ren Eltern etwas pas­siert. Und genau das tun wir, falls du nichts dage­gen hast.” Oh Mann. Sophie sah sich die­se unglei­che Trup­pe noch mal genau­er an. Ging man ein­zig und allein von der Klei­dung aus, saßen die drei nicht erst seit ges­tern hier unten fest. Son­dern seit vie­len, vie­len Jah­ren. Jahr­zehn­ten, um genau zu sein.” (Zitat S.65) Einer der Drei ist Max, der Jun­ge, mit dem Sophie sich uner­war­tet gut ver­steht. Dem sie sich nahe­fühlt, obwohl sie sich eigent­lich gar nicht rich­tig ken­nen. Und mit dem sie dem Rät­sel um das schau­ri­ge Hotel auf den Grund gehen will…

Spie­gel des Böses” ver­fügt über ein auf­fäl­li­ges, pas­send düs­te­res Cover und zu Beginn jedes Kapi­tels schwarz umran­de­te Sei­ten, die bereits bei Betrach­tung des Buch­blocks stark auf­fal­len. Dun­kel und unheil­voll, ganz so wie die Geschich­te, die fast durch­ge­hend in der per­so­na­len Erzähl­wei­se aus Sophies Sicht erzählt wird. Die Kapi­tel sind nicht all­zu lang und als Über­schrif­ten sind inter­es­san­ter­wei­se immer die Orte gewählt, an denen die Haupt­per­son sich gera­de befin­det, wie zum Bei­spiel “Die Hotel­hal­le”, “Der See” oder “Der Las­ten­auf­zug”. Mal etwas ande­res;-) Die Spra­che ist ein­fach und teil­wei­se mit eher kür­ze­ren Sät­zen gespickBjörn Springorum - Spiegel des Bösent: “Sie konn­te nicht weg­se­hen. Sie konn­te sich nicht bewe­gen. Es war wie in einem die­ser Träu­me. Sie stand ein­fach nur da, starr­te die­se Frau an. Ihr Gesicht ver­än­der­te sich, fiel in sich zusam­men. Anders konn­te es Sophie nicht sagen. Ihr Kör­per krümm­te sich, ihr Kleid ver­rot­te­te an ihrem Kör­per. All das sah Sophie, obwohl die Frau eigent­lich viel zu weit ent­fernt war. Sie sprang in die Tie­fe. Da end­lich schrie Sophie.” (Zitat S.12) Das Erzähl­tem­po ist daher eher flott, wobei es für mich nach dem echt gut erzähl­ten Anfang ein paar klei­ne­re Län­gen gab. Gru­se­li­ge Momen­te sind auf jeden Fall an der Tages­ord­nung, wenn Sophie von dem Geist einer mys­te­riö­sen Frau ver­folgt und ange­grif­fen wird oder mit einer Hor­de von über­di­men­sio­nal gro­ßen Spin­nen zu kämp­fen hat. “Mit jedem Schritt wur­de der Nebel dich­ter. So etwas hat­te Sophie noch nie erlebt: Schon nach weni­gen Metern konn­te sie das See­ufer nicht mehr sehen, kurz dar­auf wur­de ihre aus­ge­streck­te Hand voll­stän­dig vom Nebel geschluckt. Wür­de man es über­spitzt for­mu­lie­ren wol­len, könn­te man den­ken, dass jemand etwas dage­gen hat­te, dass sie das Hotel ver­ließ.” (Zitat S.35) Neben viel Atmo­sphä­re und ein paar sehr eigen­tüm­li­chen Figu­ren erwar­tet den Leser auch eine klei­ne Lie­bes­ge­schich­te, die sicBjörn Springorum - Spiegel des Bösenh zwi­schen Max und Sophie ent­wi­ckelt, von daher gibt es — abge­se­hen von schau­ri­gen Situa­tio­nen — auch ein paar roman­ti­sche Momen­te: “…längst war da etwas, von dem sie nicht wuss­te, wie sie es ein­zu­ord­nen hat­te. Etwas, das ihr gut­tat. Oft tra­fen sich ihre Bli­cke, und im Lau­fe der Zeit dau­er­te es immer län­ger, bis einer von bei­den die Augen abwand­te. Die­ses woh­li­ge Krib­beln durch­ström­te ihren Kör­per häu­fi­ger und häu­fi­ger — ein Gefühl, das sie ange­sichts ihrer hoff­nungs­lo­sen Situa­ti­on anfangs unter­drück­te und irgend­wann bewusst zuließ.” (Zitat S.119ff) Zwi­schen­durch gibt es immer wie­der Sei­ten, die mit hell­gräu­li­cher Schrift bedruckt sind und begin­nend mit dem Jah­re 1883 von der Ver­gan­gen­heit einer unbe­kann­te Per­son erzäh­len, die in dem Grand­ho­tel gelebt hat. Die Spu­ren­su­che nach dem Rät­sel um das Hotel liest sich daher ganz unter­halt­sam, wenn auch der Span­nungs­bo­gen lei­der nicht immer gehal­ten wer­den kann. Trotz­dem ein ange­neh­mes Lese­ver­gnü­gen. Und das Ende ist wie­der rich­tig schön dra­ma­tisch!

Wenn dir “Spie­gel des Bösen” gefal­len hat, dann lies doch noch die ande­ren Bücher, die Björn Springo­rum geschrie­ben hat: “Herbst­brin­ger” (2013), Das Amu­lett der Ewig­keit” (2015, geLesealternativenmein­sam mit Susan­ne Glanz­ner) und Der Ruf des Hen­kers” (2016). Als gute Alter­na­ti­ve könn­te ich mir auch “Dark­me­re Sum­mer” von Helen Mas­lin und “Ophe­lia und das Geheim­nis des magi­schen Muse­ums” von Karen Fox­lee vor­stel­len! Merk­wür­di­ge Din­ge, die in einem Hotel vor sich gehen, kannst du in “Das Nagur­ski-Expe­ri­ment: In der Gruft der Mön­che” von THILO, “War­ren der 13. und das Magi­sche Auge” von Tania del Rio und noch gru­se­li­ger in FEAR STREET: Stim­men der Fins­ter­nis” von Hor­ror­meis­ter L.R.Stine ent­de­cken. Mit sprach­li­chem Anspruch und auch echt schau­rig sind die fan­tas­ti­schen Bücher von Car­los Ruiz Zafon: “Der Fürst des Nebels”, “Der Mit­ter­nachts­pa­last” und “Der dunk­le Wäch­ter” (genannt die “Nebel”-Tri­lo­gie; aber auch unab­hän­gig von­ein­an­der zu lesen). Du magst Hor­ror? Sehr ger­ne gele­sen habe ich die Roma­ne von Rhi­an­non Las­sither (“Böses Blut” und “Der 13.Gast”) und “Sag nie ihren Namen” von James Daw­son. Noch mehr Hor­ror-Rezen­sio­nen fin­dest du hier.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann-Esslinger
ISBN: 978-3-522-20230-5
Erscheinungsdatum: 16.Februar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 352 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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