“Spiegel des Bösen” von dem deutschen Autoren Björn Springorum ist ein fantastischer Horrorroman, der seine Leser in ein unheilvolles Grandhotel in die Alpen entführt, in dem es nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Eine Geschichte über Geister der Vergangenheit, eine ungesühnte Schuld und ein liebendes Paar, das dem Bösen zu trotzen wagt. Ein bisschen “Shining”-Atmosphäre und schön schaurig! Für Jugendliche ab 13 Jahren und interessierte Erwachsene.
Die 15-jährige Sophie fährt mit ihren Eltern in den Urlaub. Für vier Tage in die Alpen in ein riesiges Hotel, das nach 100 Jahren wieder neu eröffnet hat. “Jetzt sah Sophie es vor sich aus dem Nebel aufragen. Das berühmte und legendäre Grandhotel Rabenfels. Nun, zumindest, wenn sie ihrem Vater so zuhörte. Für sie war es ein Hotel, das zwanghaft versucht hatte, sich an der abgelegensten und ödesten, möglicherweise auch kältesten Stelle des Universums niederzulassen — und erfolgreich gewesen war. Das Hotel befand sich am Ende der Welt, hoch oben auf einem schroffen und frostigen Felsplateau, umgeben von derart spitzen und steilen Bergen, dass es nicht mal als Wintersportort taugte.” (Zitat S.10) Auf die Zeit mit ihren Eltern an diesem seltsamen Ort freut Sophie sich nicht gerade. Bereits nach zwei Tagen zählt sie die Stunden, die sie es hier noch aushalten muss. Denn das Hotel ist ihr irgendwie nicht ganz suspekt. Schon bei ihrer Anreise, als sie hätte schwören können, eine Frau von einem Turm hinabfallen gesehen zu haben, tun alle diese Wahrnehmung als eine Fantasie ab. Es gab keinen Unfall. Da wurde niemand gefunden. Punkt. Ihr Vater, der Schriftsteller ist und einen Roman über das Hotel schreiben will, ist ohnehin ganz angetan von dem alten Gemäuer: “Er war regelrecht besessen von der
Geschichte des Hauses, von seiner angeblich so prunkvollen Vergangenheit, von all den Geheimnissen und Mythen, die sich um das Grandhotel Rabenfels rankten. […] Sophie spürte rein gar nichts vom angeblichen Glanz der Vergangenheit. Für sie war das Hotel ein gewaltiger Staubfänger. Wieso eröffnete man ein Hotel wieder, wenn man mit der Renovierung noch gar nicht fertig war?” (Zitat S.15) Überall hängen Spiegel in den Fluren. Und Sophie fühlt sich merkwürdig beobachtet. Auch erscheinen ihr manche Gänge, auf denen sie sich bewegt, auf einmal völlig anders auszusehen, als zuvor. Bildet sie sich das nur ein? Hat sie sich einfach verlaufen? Oder stimmt tatsächlich irgendetwas nicht mit diesem komischen Hotel? Als Sophie eines Morgens erwacht und ihre Eltern spurlos verschwunden scheinen, gerät sie langsam in Panik. Vor allem als sie bemerkt, dass sie von niemandem mehr wahrgenommen wird. Sie ist irgendwie unsichtbar geworden für ihre Mitmenschen. Nur der Concierge kann sie seltsamerweise sehen. Und er bittet sie schnell möglichst in die Keller zu gehen. Zu den anderen, die so sind wie sie. Welche anderen? Sophie trifft dort unten tatsächlich auf Drei, die es ähnlich ergangen ist wie ihr: auch sie haben ihre Eltern vermisst. Und seitdem warten sie.
“Alles, was wir wissen, ist, dass wir hier unten warten sollen, wenn wir nicht wollen, dass uns oder unseren Eltern etwas passiert. Und genau das tun wir, falls du nichts dagegen hast.” Oh Mann. Sophie sah sich diese ungleiche Truppe noch mal genauer an. Ging man einzig und allein von der Kleidung aus, saßen die drei nicht erst seit gestern hier unten fest. Sondern seit vielen, vielen Jahren. Jahrzehnten, um genau zu sein.” (Zitat S.65) Einer der Drei ist Max, der Junge, mit dem Sophie sich unerwartet gut versteht. Dem sie sich nahefühlt, obwohl sie sich eigentlich gar nicht richtig kennen. Und mit dem sie dem Rätsel um das schaurige Hotel auf den Grund gehen will…”
“Spiegel des Böses” verfügt über ein auffälliges, passend düsteres Cover und zu Beginn jedes Kapitels schwarz umrandete Seiten, die bereits bei Betrachtung des Buchblocks stark auffallen. Dunkel und unheilvoll, ganz so wie die Geschichte, die fast durchgehend in der personalen Erzählweise aus Sophies Sicht erzählt wird. Die Kapitel sind nicht allzu lang und als Überschriften sind interessanterweise immer die Orte gewählt, an denen die Hauptperson sich gerade befindet, wie zum Beispiel “Die Hotelhalle”, “Der See” oder “Der Lastenaufzug”. Mal etwas anderes;-) Die Sprache ist einfach und teilweise mit eher kürzeren Sätzen gespick
t: “Sie konnte nicht wegsehen. Sie konnte sich nicht bewegen. Es war wie in einem dieser Träume. Sie stand einfach nur da, starrte diese Frau an. Ihr Gesicht veränderte sich, fiel in sich zusammen. Anders konnte es Sophie nicht sagen. Ihr Körper krümmte sich, ihr Kleid verrottete an ihrem Körper. All das sah Sophie, obwohl die Frau eigentlich viel zu weit entfernt war. Sie sprang in die Tiefe. Da endlich schrie Sophie.” (Zitat S.12) Das Erzähltempo ist daher eher flott, wobei es für mich nach dem echt gut erzählten Anfang ein paar kleinere Längen gab. Gruselige Momente sind auf jeden Fall an der Tagesordnung, wenn Sophie von dem Geist einer mysteriösen Frau verfolgt und angegriffen wird oder mit einer Horde von überdimensional großen Spinnen zu kämpfen hat. “Mit jedem Schritt wurde der Nebel dichter. So etwas hatte Sophie noch nie erlebt: Schon nach wenigen Metern konnte sie das Seeufer nicht mehr sehen, kurz darauf wurde ihre ausgestreckte Hand vollständig vom Nebel geschluckt. Würde man es überspitzt formulieren wollen, könnte man denken, dass jemand etwas dagegen hatte, dass sie das Hotel verließ.” (Zitat S.35) Neben viel Atmosphäre und ein paar sehr eigentümlichen Figuren erwartet den Leser auch eine kleine Liebesgeschichte, die sic
h zwischen Max und Sophie entwickelt, von daher gibt es — abgesehen von schaurigen Situationen — auch ein paar romantische Momente: “…längst war da etwas, von dem sie nicht wusste, wie sie es einzuordnen hatte. Etwas, das ihr guttat. Oft trafen sich ihre Blicke, und im Laufe der Zeit dauerte es immer länger, bis einer von beiden die Augen abwandte. Dieses wohlige Kribbeln durchströmte ihren Körper häufiger und häufiger — ein Gefühl, das sie angesichts ihrer hoffnungslosen Situation anfangs unterdrückte und irgendwann bewusst zuließ.” (Zitat S.119ff) Zwischendurch gibt es immer wieder Seiten, die mit hellgräulicher Schrift bedruckt sind und beginnend mit dem Jahre 1883 von der Vergangenheit einer unbekannte Person erzählen, die in dem Grandhotel gelebt hat. Die Spurensuche nach dem Rätsel um das Hotel liest sich daher ganz unterhaltsam, wenn auch der Spannungsbogen leider nicht immer gehalten werden kann. Trotzdem ein angenehmes Lesevergnügen. Und das Ende ist wieder richtig schön dramatisch!
Wenn dir “Spiegel des Bösen” gefallen hat, dann lies doch noch die anderen Bücher, die Björn Springorum geschrieben hat: “Herbstbringer” (2013), “Das Amulett der Ewigkeit” (2015, ge
meinsam mit Susanne Glanzner) und “Der Ruf des Henkers” (2016). Als gute Alternative könnte ich mir auch “Darkmere Summer” von Helen Maslin und “Ophelia und das Geheimnis des magischen Museums” von Karen Foxlee vorstellen! Merkwürdige Dinge, die in einem Hotel vor sich gehen, kannst du in “Das Nagurski-Experiment: In der Gruft der Mönche” von THILO, “Warren der 13. und das Magische Auge” von Tania del Rio und noch gruseliger in “FEAR STREET: Stimmen der Finsternis” von Horrormeister L.R.Stine entdecken. Mit sprachlichem Anspruch und auch echt schaurig sind die fantastischen Bücher von Carlos Ruiz Zafon: “Der Fürst des Nebels”, “Der Mitternachtspalast” und “Der dunkle Wächter” (genannt die “Nebel”-Trilogie; aber auch unabhängig voneinander zu lesen). Du magst Horror? Sehr gerne gelesen habe ich die Romane von Rhiannon Lassither (“Böses Blut” und “Der 13.Gast”) und “Sag nie ihren Namen” von James Dawson. Noch mehr Horror-Rezensionen findest du hier.
Bibliografische Angaben:Verlag: Thienemann-Esslinger ISBN: 978-3-522-20230-5 Erscheinungsdatum: 16.Februar 2017 Einbandart: Hardcover Preis: 14,99€ Seitenzahl: 352 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
Kasimiras Bewertung:
(3,5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Thienemann-Esslinger
ISBN: 978-3-522-20230-5
Erscheinungsdatum: 16.Februar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 352
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -