Barbara O’Connor — Mein größter Wunsch

29.Juli 2025

“Mein größ­ter Wunsch” ist ein Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Bar­ba­ra O’Con­nor, die hier­für mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­net wur­de. Die Geschich­te eines Mäd­chens, deren Mut­ter depres­siv ist und deren Vater im Gefäng­nis sitzt, und die nun zu ihrer Tan­te und ihrem Onkel zie­hen muss. Das passt der 10-jäh­ri­gen Char­lie über­haupt nicht. Und so gibt sie sich wenig Mühe in der Schu­le und auch bei Howard, der unbe­dingt ihr Freund sein möch­te. Sie wird ja ohne­hin nicht lan­ge blei­ben und hof­fent­lich bald zu ihrer Mut­ter zurück­keh­ren. Doch dann taucht ein streu­nen­der Hund auf, ohne ein rich­ti­ges Zuhau­se, so wie Char­lie. Klar, dass sie möch­te, dass der Hund ihr gehört. Aber Wish, so wie sie ihn nennt, ist gar nicht so ein­fach zu fan­gen… Eine bewe­gen­de Geschich­te über die Sehn­sucht nach Fami­lie, Freund­schaft und die Kraft des Wün­schens. Über die Suche nach dem rich­ti­gen Platz im Leben und dem Gück, das manch­mal viel näher ist, als man denkt. Unter­halt­sam und berüh­rend erzählt. Für jün­ge­re Leser:innen ab 9 Jahren.

Col­by, North Caro­li­na. Hier­hin hat es die 10-jäh­ri­ge Char­le­ma­gne, genannt Char­lie, ver­schla­gen. Weil ihr Vater, den alle “Klop­per” nen­nen, sich stän­dig prü­gelt, im Gefäng­nis gelan­det ist (war­um, das hat ihr kei­ner so genau erklärt). Und weil ihre Mut­ter gesund­heit­lich nicht in der Lage dazu ist, sich um sie zu küm­mern. “Ich brau­che auch kei­ne Kris­tall­ku­gel, um zu wis­sen, dass Mama genau jetzt, in die­ser Minu­te, im Bett liegt, die Vor­hän­ge zuge­zo­gen und neben ihr auf dem Nacht­tisch lee­re Cola­do­sen. Dort bleibt sie den gan­zen Tag. Wenn ich da wäre, wür­de sie sich einen Dreck dar­um sche­ren, ob ich zur Schu­le gehe oder auf dem Sofa hocke, Fern­se­hen gucke und Kek­se zum Mit­tag­essen fut­te­re.” (Zitat aus “Mein größ­ter Wunsch” S.10ff) Des­halb muss sie zu ihrer Tan­te und ihrem Onkel zie­hen. Dabei möch­te Char­lie doch nur wie­der nach Hau­se zu ihrer Mut­ter. Des­halb ist sie auch nicht beson­ders flei­ßig in der Schu­le, freund­lich zu ihren Mitschüler:innen. Denn sie wird ja ohne­hin bald wie­der heim­fah­ren. Ganz bestimmt. “Wenn mei­ne Mama wie­der fes­ten Boden unter den Füßen hat.” “Wie lan­ge dau­ert das?” Ich blick­te aus dem Fens­ter. “Nicht lang.” Aber der Kno­ten in mei­nem Magen ver­riet mir, dass das eine Lüge war. Und die Angst, die mein Herz umklam­mer­te, ließ mich ahnen, dass mei­ne Mama womög­lich nie wie­der fes­ten Boden unter die Füße bekom­men wür­de.” (Zitat S.17) Jeden Tag wünscht sich Char­lie etwas. Das macht sie schon so, seit sie in der vier­ten Klas­se ist. Nutzt jede sich ihr bie­ten­de Gele­gen­heit für einen Wunsch. Was sie sich wünscht, das ver­rät sie nicht. Auch dem hum­peln­den Howard nicht, der sich bald mit ihr anfreun­det. Nur, dass es jeden Tag der­sel­be Wunsch ist und dass er noch nie in Erfül­lung gegan­gen ist. Dann taucht auf ein­mal ein streu­nen­der Hund auf, der Char­lie in sei­nen Bann zieht. “Darf ich ihn behal­ten, wenn ich ihn fan­ge?” “Ich glau­be, der will lie­ber ein Streu­ner sein”, erwi­der­te er. Ich wuss­te es bes­ser. Ich kann­te das Gefühl, eine Streu­ne­rin zu sein, kein Zuhau­se zu haben, von nie­man­dem gewollt zu wer­den. Er war ein Kämp­fer. Genau wie ich. Wir hat­ten viel gemein­sam, die­ser Hund und ich. Plötz­lich wur­de ich von Lie­be über­wäl­tigt. Lie­be für die­ses rap­pel­dür­re Tier. Ich gab mir ein stum­mes Ver­spre­chen. Ich schwor mir hier und jetzt: Die­ser Hund wür­de mir gehö­ren.” (Zitat S.39ff) Bald setzt Char­lie alles dar­an, den Hund, den sie Wish nennt, zu fan­gen. Baut zusam­men mit Howard eine Fal­le. Es scheint schwie­ri­ger als gedacht, einen streu­nen­den Hund zu fan­gen und vor allem ihn zu behalten…

Das Cover ist wun­der­schön gestal­tet und ein ech­ter Hin­gu­cker. Der Roman wird durch­ge­hend aus Char­lies Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Er ist in Kapi­tel ein­ge­teilt (mit einem Inhalts­ver­zeich­nis am Anfang, was fast etwas unnö­tig ist, da hier nur die Sei­ten­zahl und die Kapi­tel­num­mern genannt wer­den). Zu Beginn kommt die Prot­ago­nis­tin fast etwas unsym­pa­thisch und sprö­de her­über. Ver­hält sich abwei­send und ableh­nend. Selbst, dass sie den Hund “besit­zen” will, wirkt eher etwas ego­is­tisch als für­sorg­lich. Den­noch fühlt man mit Char­lie mit. Ein Mäd­chen, das sich eine raue Scha­le ange­eig­net hat. Das von der Mut­ter nicht wirk­lich gewollt wird. Sogar ihre älte­re Schwes­ter, die bei einer Freun­din unter­ge­kom­men ist, inter­es­siert sich bei den weni­gen Tele­fo­na­ten, die die Geschwis­ter mit­ein­an­der füh­ren, kaum für das, was Char­lie tut. Auch mit ihrer Tan­te und ihrem Onkel kommt das Mäd­chen anfangs kaum klar. An man­chen Stel­len war mir Char­lies Ver­hal­ten jedoch fast etwas zu sprung­haft dar­ge­stellt. Bei­spiels­wei­se ist sie Howard gegen­über sehr distan­ziert, will ihm nicht erzäh­len, war­um sie so mies drauf ist. Und dann — Sekun­den spä­ter ‑erzählt sie ihm plötz­lich doch alles. Auch das ers­te Auf­ein­an­der­tref­fen mit dem Hund und einer plötz­lich auf­flam­men­den Lie­be für die­sen pas­sier­te in etwas zu wenig Sät­zen, dafür, dass der Hund eine so gro­ße Bedeu­tung in der Geschich­te hat. Die The­ma­tik mit den Wün­schen ist jedoch sehr sen­si­bel und pas­send dar­ge­stellt. “Ver­dammt! Ich hat­te 11:11 ver­passt. Ich habe eine Lis­te von allen mög­li­chen Gele­gen­hei­ten, bei denen man sich etwas wün­schen darf. Wie zum Bei­spiel, wenn man ein wei­ßes Pferd sieht oder die Schirm­chen einenr Pus­te­blu­me abbläst. Um Punkt 11:11 auf die Uhr zu schau­en, steht auch auf mei­ner Lis­te. Das hat­te mr ein alter Mann erzählt.” (Zitat S.13) Was die­ser eine Wunsch ist, das ver­rät Bar­ba­ra O’Con­nor ihren Leser:innen zunächst noch nicht. Nur, dass es immer der­sel­be ist. Und dass er für Char­lie sehr wich­tig ist. Im Lau­fe des Buches macht Char­lie dann doch eine glaub­wür­di­ge Wand­lung durch. Das Mäd­chen, das zunächst nie­man­den an sich her­an­las­sen möch­te, das gleich aus­ras­tet, lernt mit ihren Gefühls­aus­brü­chen umzu­ge­hen, reflek­tiert ihr Ver­hal­ten und kann Nähe zulas­sen. Ein Hap­py-end run­det die Geschich­te pas­send ab.

LesealternativenIm Deut­schen gibt es außer “Der größ­te Wunsch” lei­der noch nichts, was über­setzt wur­de. Im Eng­li­schen gibt es noch eine (eigen­stän­di­ge) Fort­set­zung des Buches: “Dream”. Ein Mäd­chen ist dies­mal im Vor­der­grund, die eben­falls in Col­by lebt und sogar mit Char­lie und Howard befreun­det ist. Eine Zeit woan­ders woh­nen und gar kei­ne Lust dar­auf? Das fin­dest du auch in den fol­gen­den drei, emp­feh­lens­wer­ten Büchern: “Gras unter mei­nen Füßen” von Kim­ber­ly Bru­bak­er Brad­ley, “Altas, Ele­na und das Ende der Welt” von Anna Woltz und “Der Som­mer, in dem fast alles pas­siert ist” von Iben Aker­lie. Sehr ans Herz legen kann ich dir auch die­se Wohl­fühl­ro­ma­ne: “Lisa mit einem Herz drum rum” von Kjer­s­ti Annes­dat­ter Skoms­vold und “Alpa­kas, Aga­te und mein neu­es Leben” von Erin Bow oder auch “Jas­per und das Lied der Nach­ti­gall” von Sarah Ann Juckes.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3743221482
Erscheinungsdatum: 12.Juni 2025
Einbandart: Hardcover
Preis: 12,95€
Seitenzahl: 240
Übersetzer*in: Alexandra Ernst
Originaltitel: "Wish"
Originalverlag: Farrar, Straus & Giroux Inc

Amerikanisches Originalcover:











Die Autorin erzählt mehr über ihr Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Barbara O'Connor

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