“Mein größter Wunsch” ist ein Roman der amerikanischen Autorin Barbara O’Connor, die hierfür mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Die Geschichte eines Mädchens, deren Mutter depressiv ist und deren Vater im Gefängnis sitzt, und die nun zu ihrer Tante und ihrem Onkel ziehen muss. Das passt der 10-jährigen Charlie überhaupt nicht. Und so gibt sie sich wenig Mühe in der Schule und auch bei Howard, der unbedingt ihr Freund sein möchte. Sie wird ja ohnehin nicht lange bleiben und hoffentlich bald zu ihrer Mutter zurückkehren. Doch dann taucht ein streunender Hund auf, ohne ein richtiges Zuhause, so wie Charlie. Klar, dass sie möchte, dass der Hund ihr gehört. Aber Wish, so wie sie ihn nennt, ist gar nicht so einfach zu fangen… Eine bewegende Geschichte über die Sehnsucht nach Familie, Freundschaft und die Kraft des Wünschens. Über die Suche nach dem richtigen Platz im Leben und dem Gück, das manchmal viel näher ist, als man denkt. Unterhaltsam und berührend erzählt. Für jüngere Leser:innen ab 9 Jahren.
Colby, North Carolina. Hierhin hat es die 10-jährige Charlemagne, genannt Charlie, verschlagen. Weil ihr Vater, den alle “Klopper” nennen, sich ständig prügelt, im Gefängnis gelandet ist (warum, das hat ihr keiner so genau erklärt). Und weil ihre Mutter gesundheitlich nicht in der Lage dazu ist, sich
um sie zu kümmern. “Ich brauche auch keine Kristallkugel, um zu wissen, dass Mama genau jetzt, in dieser Minute, im Bett liegt, die Vorhänge zugezogen und neben ihr auf dem Nachttisch leere Coladosen. Dort bleibt sie den ganzen Tag. Wenn ich da wäre, würde sie sich einen Dreck darum scheren, ob ich zur Schule gehe oder auf dem Sofa hocke, Fernsehen gucke und Kekse zum Mittagessen futtere.” (Zitat aus “Mein größter Wunsch” S.10ff) Deshalb muss sie zu ihrer Tante und ihrem Onkel ziehen. Dabei möchte Charlie doch nur wieder nach Hause zu ihrer Mutter. Deshalb ist sie auch nicht besonders fleißig in der Schule, freundlich zu ihren Mitschüler:innen. Denn sie wird ja ohnehin bald wieder heimfahren. Ganz bestimmt. “Wenn meine Mama wieder festen Boden unter den Füßen hat.” “Wie lange dauert das?” Ich blickte aus dem Fenster. “Nicht lang.” Aber der Knoten in meinem Magen verriet mir, dass das eine Lüge war. Und die Angst, die mein Herz umklammerte, ließ mich ahnen, dass meine Mama womöglich nie wieder festen Boden unter die Füße bekommen würde.” (Zitat S.17) Jeden Tag wünscht sich Charlie etwas. Das macht sie schon so, seit sie in der vierten Klasse ist. Nutzt jede sich ihr bietende
Gelegenheit für einen Wunsch. Was sie sich wünscht, das verrät sie nicht. Auch dem humpelnden Howard nicht, der sich bald mit ihr anfreundet. Nur, dass es jeden Tag derselbe Wunsch ist und dass er noch nie in Erfüllung gegangen ist. Dann taucht auf einmal ein streunender Hund auf, der Charlie in seinen Bann zieht. “Darf ich ihn behalten, wenn ich ihn fange?” “Ich glaube, der will lieber ein Streuner sein”, erwiderte er. Ich wusste es besser. Ich kannte das Gefühl, eine Streunerin zu sein, kein Zuhause zu haben, von niemandem gewollt zu werden. Er war ein Kämpfer. Genau wie ich. Wir hatten viel gemeinsam, dieser Hund und ich. Plötzlich wurde ich von Liebe überwältigt. Liebe für dieses rappeldürre Tier. Ich gab mir ein stummes Versprechen. Ich schwor mir hier und jetzt: Dieser Hund würde mir gehören.” (Zitat S.39ff) Bald setzt Charlie alles daran, den Hund, den sie Wish nennt, zu fangen. Baut zusammen mit Howard eine Falle. Es scheint schwieriger als gedacht, einen streunenden Hund zu fangen und vor allem ihn zu behalten…
Das Cover ist wunderschön gestaltet und ein echter Hingucker. Der Roman wird durchgehend aus Charlies Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Er ist in Kapitel eingeteilt (mit einem Inhaltsverzeichnis am Anfang, was fast etwas unnötig ist, da hier nur die Seitenzahl und die Kapitelnummern genannt werden). Zu Beginn kommt die Protagonistin fast etwas unsympathisch und spröde herüber. Verhält sich abweisend und ablehnend. Selbst, dass sie den Hund “besitzen” will, wirkt eher etwas egoistisch als fürsorglich. Dennoch fühlt man mit Charlie mit. Ein Mädchen, das sich eine raue Schale angeeignet hat. Das von der Mutter nicht wirklich gewollt wird. Sogar ihre ältere Schwester, die bei einer Freundin untergekommen ist, interessiert sich bei den wenigen Telefonaten, die die Geschwister miteinander führen, kaum für das, was Charlie tut. Auch mit ihrer Tante und ihrem Onkel kommt das Mädchen anfangs kaum klar. An manchen Stellen war mir Charlies Verhalten jedoch fast etwas zu sprunghaft dargestellt. Beispielsweise ist sie Howard gegenüber sehr distanziert, will ihm nicht erzählen, warum sie so mies drauf ist. Und dann — Sekunden später ‑erzählt sie ihm plötzlich doch alles. Auch das erste Aufeinandertreffen mit dem Hund und einer
plötzlich aufflammenden Liebe für diesen passierte in etwas zu wenig Sätzen, dafür, dass der Hund eine so große Bedeutung in der Geschichte hat. Die Thematik mit den Wünschen ist jedoch sehr sensibel und passend dargestellt. “Verdammt! Ich hatte 11:11 verpasst. Ich habe eine Liste von allen möglichen Gelegenheiten, bei denen man sich etwas wünschen darf. Wie zum Beispiel, wenn man ein weißes Pferd sieht oder die Schirmchen einenr Pusteblume abbläst. Um Punkt 11:11 auf die Uhr zu schauen, steht auch auf meiner Liste. Das hatte mr ein alter Mann erzählt.” (Zitat S.13) Was dieser eine Wunsch ist, das verrät Barbara O’Connor ihren Leser:innen zunächst noch nicht. Nur, dass es immer derselbe ist. Und dass er für Charlie sehr wichtig ist. Im Laufe des Buches macht Charlie dann doch eine glaubwürdige Wandlung durch. Das Mädchen, das zunächst niemanden an sich heranlassen möchte, das gleich ausrastet, lernt mit ihren Gefühlsausbrüchen umzugehen, reflektiert ihr Verhalten und kann Nähe zulassen. Ein Happy-end rundet die Geschichte passend ab.
Im Deutschen gibt es außer “Der größte Wunsch” leider noch nichts, was übersetzt wurde. Im Englischen gibt es noch eine (eigenständige) Fortsetzung des Buches: “Dream”. Ein Mädchen ist diesmal im Vordergrund, die ebenfalls in Colby lebt und sogar mit Charlie und Howard befreundet ist. Eine Zeit woanders wohnen und gar keine Lust darauf? Das findest du auch in den folgenden drei, empfehlenswerten Büchern: “Gras unter meinen Füßen” von Kimberly Brubaker Bradley, “Altas, Elena und das Ende der Welt” von Anna Woltz und “Der Sommer, in dem fast alles passiert ist” von Iben Akerlie. Sehr ans Herz legen kann ich dir auch diese Wohlfühlromane: “Lisa mit einem Herz drum rum” von Kjersti Annesdatter Skomsvold und “Alpakas, Agate und mein neues Leben” von Erin Bow oder auch “Jasper und das Lied der Nachtigall” von Sarah Ann Juckes.
Bibliografische Angaben:Verlag: Loewe ISBN: 978-3743221482 Erscheinungsdatum: 12.Juni 2025 Einbandart: Hardcover Preis: 12,95€ Seitenzahl: 240 Übersetzer*in: Alexandra Ernst Originaltitel: "Wish" Originalverlag: Farrar, Straus & Giroux Inc Amerikanisches Originalcover:
Die Autorin erzählt mehr über ihr Buch (auf Englisch):
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(4 von 5 möglichen Punkten)
--------------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Barbara O'Connor

Verlag: Loewe
ISBN: 978-3743221482
Erscheinungsdatum: 12.Juni 2025
Einbandart: Hardcover
Preis: 12,95€
Seitenzahl: 240
Übersetzer*in: Alexandra Ernst
Originaltitel: "Wish"
Originalverlag: Farrar, Straus & Giroux Inc
Amerikanisches Originalcover:
Die Autorin erzählt mehr über ihr Buch (auf Englisch):
