Ava Reed — Die Stille meiner Worte

Ava Reed - Die Stille meiner Worte28.März 2018

Die deut­sche Auto­rin und Blog­ge­rin Ava Reed hat end­lich mal wie­der ein neu­es Buch geschrie­ben“Die Stil­le mei­ner Wor­te” heißt das aktu­el­le Werk, das nicht nur mit einem bild­schö­nen Cover ver­zau­bert, son­dern vor allem mit der kraft­vol­len, poe­ti­schen Spra­che! Eine Geschich­te über das Zer­bre­chen, über Trau­er und Schuld. Und über einen ganz beson­de­ren Ort, um all dies zu ver­ar­bei­ten. Ein her­aus­ra­gen­des, äußerst ergrei­fen­des Buch. Lese­tipp! Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Han­nah ist in tie­fer Trau­er ver­sun­ken. “Alles in mir schmerzt. Es ist die Art von Schmerz, die so stark ist, dass man ihn nicht mehr zei­gen kann, weil er eine Gren­ze über­schrit­ten hat. Die Art, die man nicht her­aus­las­sen kann, weil jeder Schrei, jedes Wort und jede Trä­ne zu wenig wären für ihn.” (Zitat aus “Die Stil­le mei­ner Wor­te” S.11) Han­nah spricht nicht mehr. Sie bringt kein ein­zi­ges Wort mehr her­aus. Seit Izzy tot ist. Ihre Zwil­lings­schwes­ter. Denn nun wird sie nie wie­der ganz sein. “Du bist gegan­gen und du hast so viel mit­ge­nom­men. Es ist, als hät­test du mir mein Wor­te genom­men, mei­ne Spra­che und Stim­me. Als hät­test du mir einen Flü­gel zum Flie­gen geraubt.” (Zitat S.16) Ihren Eltern geht Han­nah aus dem Weg. Ihre Näch­te sind vol­ler Alp­träu­me und die Tage gefüllt mit Erin­ne­run­gen an ihre Schwes­ter. Ihre Haa­re hat sie nun blau­schwarz gefärbt, damit sie nicht mehr so blond sind und sie an Izzy den­ken las­sen. An die sie sowie­so die gan­ze Zeit denkt. Der Han­nah jeden TagAva Reed - Die Stille meiner Worte einen Brief schreibt und ihn dann anschlie­ßend ver­brennt. “Aus mei­nen Gedan­ken wur­den Wor­te, die nun ver­bren­nen und wie­der zu Gedan­ken wer­den. Aber jetzt habe ich das Gefühl, sie gesagt zu haben. Still und doch so laut.” (Zitat S.24) Doch dann schi­cken ihre Eltern sie eines Tages weg. In ein Inter­nat, das auf Fäl­le wie sie spe­zia­li­siert ist. Nach St. Anna. Obwohl Han­nah dort gar nicht hin will. Dann fah­ren sie als Ein­füh­rungs­tra­di­ti­on auch noch drei Wochen lang in ein Camp an einen See. Mit dabei ist Levi, der schon seit 6 Jah­ren im Inter­nat ist. “Levi. Der Jun­ge aus dem Bus. Der mich am See beob­ach­te­te und der mit nie­man­dem redet. Der Jun­ge, der abseits­steht.” (Zitat S.129) Doch eben­falls mit ihm will Han­nah eigent­lich nichts zu tun haben. Mit nie­man­dem. Sie will eigent­lich nur wei­ter­hin ihrer Schwes­ter Brie­fe schrei­ben und die­se dann ver­bren­nen. Auch wenn sie das nun heim­lich nachts am See tun muss. “Ich will nicht, dass mir andau­ernd Fra­gen gestellt wer­den, auf die ich ohne­hin nicht ant­wor­ten kann. Ich will Pri­vat­sphä­re. […] Und am wenigs­tens will ich ange­starrt wer­den. Nicht von frem­den Men­schen, nicht von die­sem komi­schen Jun­gen. Er hat kein Recht dazu, nie­mand hier hat das, denn so, wie ich das sehe, hat hier jeder sein eige­nes Päck­chen zu tra­gen. Sie sol­len meins in Ruhe las­sen!” (Zitat S.103) Aber Han­nah hat ihre Kat­ze mit in das Camp geschmug­gelt. Izzys Kat­ze, um die sie sich nun küm­mern will. Um das geheim zu hal­ten ist dum­mer­wei­se auf Hil­fe ange­wie­sen…

Ava Reed - Die Stille meiner WorteDie Stil­le mei­ner Wor­te” (sel­ten har­mo­nie­ren Titel, Inhalt und Cover so gut mit­ein­an­der!) beginnt mit einer Musik­lis­te zum Buch und einen Vor­wort, in dem Ava Reed ein paar inter­es­san­te Wor­te an ihre Leser rich­tet: “Für dich: Weil du das hier liest. Ver­giss nicht, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein.” (Zitat S.5) Auch Han­nah ist “nicht okay”. Ihre Trau­er erlebt man vor allem zu Beginn äußerst inten­siv und schmerz­voll. Von daher ist der Roman kein ein­fa­ches Buch, aber eines, das unheim­lich schön erzählt ist und mit einer gigan­ti­schen Spra­che (!) auf­war­tet und manch klu­gen Wor­ten:  “In die­sem Moment wün­sche ich mir, die Mau­ern in mir wären fort, damit ich ihn anschrei­en kann. Ihn und die gan­ze Welt. Aber es funk­tio­niert nicht, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll. Weil kei­nes der unzäh­li­gen Wor­te etwas ändern wür­de. Kein ein­zi­ges! Nichts, außer dass sie gesagt wur­den und nicht zurück­ge­nom­men wer­den kön­nen. Sind sie ein­mal gespro­chen, hal­len sie nach und ver­klin­gen nie, denn Wor­te sind Kin­der der Ewig­keit. (Zitat S.13) Immer wie­der wer­den Brie­fe an Izzy abge­druckt, die in hand­schrift­li­cher Form ver­fasst und mit Tin­ten­fle­cken an den Sei­ten ver­se­hen sind. Das Buch ist in Kapi­tel unter­teilt und wird mal aus Han­nahs Sicht, mal aus Levis Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Kur­ze Über­schrif­ten unter dem Namen mit poe­tisch Worten/Lebensweisheiten lei­ten die Kapi­tel ein. Und die gan­ze Zeit fragt man sich: was ist mit Izzy pas­siert? Wor­an ist sie gestor­ben? War­um schreibt Han­nah ihr in einem Brief zum Bei­spiel “Du wirst mir nie ver­zei­hen. Ich weiß das alles und trotz­dem schrei­be ich wei­ter. Weil es ein letz­ter Anker ist.” (Zitat S.47)? Was hat sie getan? Ava Reed - Die Stille meiner WorteUm ihre Trau­er zu ver­ar­bei­ten, muss sie sich öff­nen. Und baut so all­mäh­lich Kon­takt zu Levi, aber auch zu ihrer Zelt­be­woh­ne­rin Sarah auf, die ihr eige­nes (gro­ßes) Päck­chen zu tra­gen hat. Dass man eine Kon­takt­auf­nah­me und Ver­ar­bei­tung von Trau­er ohne Dia­lo­ge der Prot­ago­nis­ten auf­bau­en kann, erscheint schwie­rig. Ava Reed meis­tert die­se zar­te Annä­he­rung sehr gelun­gen. Man hät­te eine Lie­bes­ge­schich­te erwar­ten kön­nen, doch davon gibt es tat­säch­lich nur Andeu­tun­gen. Ob Freund­schaft oder Lie­bes­be­zie­hung — das bleibt der Fan­ta­sie des Lesers selbst über­las­sen. Auf jeden Fall erwar­ten ihn am Ende eine glaub­haf­te Wand­lung der Haupt­fi­gu­ren und ein Wort mit acht Buch­sta­ben: H O F F N U N G.

Fazit: Bis auf die For­mu­lie­rung “ein Lächeln zupft an sei­nen Lip­pen”, die ich etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig fand und die öfters in dem Roman vor­kommt, kann ich abso­lut nichts an “Die Stil­le mei­ner Wor­te” aus­set­zen! Eine sehr loh­nens­wer­te Geschich­te, die man so schnell nicht ver­ges­sen wird und der ich jede Men­ge Leser wün­sche!

Wenn dir das Buch gefal­len hat, dann lies doch noch die ande­ren Bücher von Ava Reed wie zum Bei­spiel “Die Spie­gel-Saga”: Spie­gel­split­ter” (Band 1) und “Spie­gel­staub” (Band 2), die bei­de 2015 erschienLesealternativenen. Anschlie­ßend folg­ten “For Good: Über die Lie­be und das Leben” (2016) und “Mond­prin­zes­sin” (eben­falls 2016). Rich­tig toll fand ich “Wir flie­gen, wenn wir fal­len” — eine sehr gute Alter­na­ti­ve zu “Die Stil­le mei­ner Wor­te”. Ein wenig muss­te ich von der tol­len Spra­che und der Ernst­haf­tig­keit her auch an “Was fehlt, wenn ich ver­schwun­den bin” von Lil­ly Lind­ner den­ken. Eine Zwil­lings­schwes­ter, die ver­stor­ben ist? Das fin­dest du in dem Span­nungs­ro­man “Die See­le mei­ner Schwes­ter” von Tri­sha Lea­ver und “In dei­nem Licht und Schat­ten” von Loui­sa Reed (bril­lant und noch ein Geheim­tipp lei­der). Zwei bewe­gen­de Schwes­tern­ge­schich­ten sind “Bet­ween love and fore­ver” von Eliza­beth Scott und Ich lebe lebe lebe” von Ali­son McG­hee. Mehr Schwes­tern­ge­schich­ten kannst du noch in die­sem Spe­cial ent­de­cken! Eine Haupt­per­son, die schweigt, das erlebst du zum Bei­spiel in “Speech­less” von Han­nah Har­ring­ton, Schwei­gen ist Gold­fisch” von Anna­bel Pit­cher oder “Die Wahr­heit, wie Del­ly sie sieht” von Kathe­ri­ne Han­nig­an. Eine gelun­ge­ne Neu­erschei­nung über Jugend­li­che, die sich in einer psych­ia­tri­schen Ein­rich­tung am Meer ihren Pro­ble­men stel­len, ist eben­so “Mein Som­mer auf dem Mond” von Adria­na Popes­cu.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7079-4
Erscheinungsdatum: 9.März 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,95€ 
Seitenzahl: 320 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Die Autorin erzählt von ihrem Buch:

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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