Ashley Herring Blake — Liebe ist wie Drachensteigen

Ashley Herring Blake Liebe ist wie Drachensteigen2.März 2017

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Ash­ley Her­ring Bla­ke hat einen ganz beson­de­ren Roman geschrie­ben: “Lie­be ist wie Dra­chen­stei­gen”. Anmu­tig und feder­leicht, aber genau­so bedeu­tungs­schwer und schmerz­voll. Eine Geschich­te über den Ver­lust von Ver­trau­en, zer­bro­che­ne Fami­li­en und die Lie­be, die sich trotz allem in die Her­zen schleicht. Ein bewe­gen­des und zugleich roman­ti­sches Buch! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Had­ley fühlt sich nicht mehr wohl zu Hau­se. Alles ist anders gewor­den in ihrer Fami­lie, seit ihr Vater fremd­ge­gan­gen ist. Eines Tages kam es raus, als lau­ter klei­ne Papier­fet­zen an der Haus­tü­re kleb­ten, auf denen jemand Unbe­kann­tes von den Taten des Vaters berich­te­te: “Es tut mir nicht mal leid, dass mein Dad auf­ge­flo­gen ist. Es tut mir nicht mal leid, dass er gede­mü­tigt wur­de. Aber ich wer­de nie ver­ges­sen, wie es sich ange­fühlt hat, als ich die­se Wor­te sah, als ihre Bedeu­tung lang­sam durch mei­ne Ungläu­big­keit sicker­te. Ich hat­te das Gefühl, ein Teil mei­nes Lebens wür­de direkt vor mei­nen Augen zer­stört.” (Zitat aus “Lie­be ist wie Dra­chen­stei­gen” S.54) Jetzt knutscht Had­ley ger­ne mal mit ande­ren Jungs, ganz unver­bind­lich, ein­fach um sich abzu­len­ken und nicht mehr an das Dra­ma daheim den­ken zu müs­sen: “Ich fing an, nach etwas zu suchen, was mich Ashley Herring Blake Liebe ist wie Drachensteigenver­ges­sen ließ, dass ich ein­sam war, sogar dann wenn ich mit Kat zusam­men war. Ich fing an, mich nach irgend­ei­ner Bestä­ti­gung zu seh­nen, irgend­ei­ner Gebor­gen­heit, die ich von mei­nen Eltern nicht mehr bekam — oder bekom­men woll­te. Selbst Kat schien sich davor zu fürch­ten, mich anzu­fas­sen, als wäre ich eine Gra­na­te und ein fes­ter Ruck wür­de genü­gen und ich wür­de explo­die­ren. Das ist das Gute an Ker­len. Sie haben nie Angst, einen anzu­fas­sen.” (Zitat S.54ff) Bis Had­ley eines Tages Sam ken­nen­lernt, der irgend­wie anders ist und mit dem sie an einem Schul­pro­jekt arbei­ten muss. Auch er hat Pro­ble­me in sei­ner Fami­lie. Sei­ne Mut­ter ist eben­falls fremd­ge­gan­gen und der Vater hat die Fami­lie dar­auf­hin ver­las­sen. Bis Sam auf etwas völ­lig Uner­war­te­tes stößt: Had­leys Nach­na­men. Ich rei­be mir die Stirn. Das kann nicht sein. Ich weiß, das ist ein ziem­lich sel­te­ner Nach­na­me, aber es kann auf kei­nen Fall sein, dass es die St.Clair ist. […] “Bist du sicher?”, fra­ge ich. “Ist sie schon seit der Neun­ten hier?” […] “Nee, sie ist zu Schul­jah­res­be­ginn hier­her­ge­zo­gen. Irgend­wann im Som­mer.” “Von wo?” “Kei­ne Ahnung, Mann. Nash­ville, glau­be ich.” Ich mer­ke, wie mir die Kinn­la­de run­ter­fällt.” (Zitat S.40) Denn Sam kennt den Nach­na­men des Man­nes, mit dem sei­ne Mut­ter die Fami­lie betro­gen hat: es ist Had­leys Vater…

Ashley Herring Blake Liebe ist wie DrachensteigenLie­be ist wie Dra­chen­stei­gen” fällt mit einem beson­de­ren, fili­gran gestal­te­tem Cover auf. Ver­schnör­kelt, roman­tisch — anders. Eben typisch Magel­lan Ver­lag. Die Geschich­te selbst wird aus zwei Per­spek­ti­ven erzählt: aus Had­leys und aus Sams Sicht. Ihre Namen eben­falls zu Beginn des Kapi­tels in Schnör­keln ein­ge­fasst, so dass man gut erken­nen kann, um wes­sen Blick­win­kel es sich gera­de han­delt. Der Roman an sich ist sehr behut­sam und gefühl­voll erzählt. Allen vor­an die fami­liä­re Situa­ti­on bei Had­ley zu Hau­se: “Aber die­ses Dra­chen­fest… wir neh­men schon dar­an teil, seit du drei warst. Es gehört zu unse­rer Fami­lie. Kön­nen wir nicht wenigs­tens ver­su­chen, wie­der zur Nor­ma­li­tät zurück­zu­keh­ren?” Nor­ma­li­tät? Dad ver­sucht seit Mona­ten krampf­haft, zur Nor­ma­li­tät zurück­zu­keh­ren, und hat immer noch nicht kapiert, dass sie nicht mehr exis­tiert.” (Zitat S.48) Wie es sich anfühlt, wenn man sich in sei­nen eige­nen vier Wän­den nicht mehr hei­misch füh­len kann, das schil­dert Ash­ley Her­ring Bla­ke sehr authen­tisch. Und zeigt an ihren Prot­ago­nis­ten, wel­che Aus­wir­kun­gen so ein Zusam­men­bre­chen fami­liä­rer Struk­tu­ren haben kann: Had­ley, die sich in bedeu­tungs­lo­se Tur­te­lei­en stürzt, um ihre Lee­re zu fül­len. Livy, Sams Schwes­ter, die Asth­ma­an­fäl­le hat, seit sie ihre Mut­ter in fla­gran­ti erwischt haben. Den Schmerz zu ken­nen, sich nicht mehr unein­ge­schränkt auf sei­ne engs­ten Ange­hö­ri­gen ver­las­sen zu kön­nen, entAshley Herring Blake Liebe ist wie Drachensteigentäuscht zu wer­den und das Ver­trau­en in jeman­den ver­lo­ren zu haben, die­ses Gefühl ken­nen Had­ley und Sam bei­de: “Der Schmerz strahlt in hei­ßen Wel­len von ihm ab und ist mir so ver­traut, dass ich kaum atmen kann. Da ist plötz­lich die­ses ver­wir­ren­de Gefühl der Ver­bun­den­heit mit ihm. Ganz zart und neu und auf­re­gend. Wäh­rend ich mit Sam auf die­sem Hügel sit­ze, erscheint alles in mei­nem Leben weni­ger beängs­ti­gend.” (Zitat S.193) Trotz die­ser Gemein­sam­keit bleibt eine gewis­se Romeo-und-Julia-Atti­tü­de an ihrer erwa­chen­den Lie­be haf­ten. Wer­den sie die­se Hür­de über­ste­hen? Das darf der Leser bald her­aus­fin­den, wenn die Geschich­te — übri­gens gespickt mit tol­len Dia­lo­gen — auf ein sehr emo­tio­na­les Ende zusteu­ert.

Eine Romeo & Julia-ähn­li­che Lie­bes­ge­schich­te, die an einem Fami­li­en­ge­heim­nis zu schei­tern droht, das fin­dest du auch in “Ich gegen dich” von Jen­ny Down­ham. All ihre Pro­ble­me ver­gisst die ProLesealternativentago­nis­tin auch in “Von wegen Lie­be” von Cody Keplin­ger, wenn sie ein­fach mal so einen ande­ren Jun­gen küsst, um sich abzu­len­ken. Zer­bro­che­ne Fami­li­en auf­grund einer Schei­dung erlebst du in “Getrenn­te Wege: Wenn eine Fami­lie zer­bricht” von Bri­git­te Blo­bel und in “Char­lot­tes Traum” von Gabi Kres­leh­ner. Der Vater ist fremd­ge­gan­gen? Das fin­dest du in “Was ich mir am meis­ten wün­sche” von Jac­que­line Wil­son und “Aber sonst geht’s mir gut” von Peter Strot­mann. Sei­ne Mut­ter mit einem ande­ren in fla­gran­ti erwischt, das hat die Haupt­per­son in dem Mys­te­ry­thril­ler “Die­se Stun­de gehört mir nicht” von Edward Hogan. Eine sehr gute Alter­na­ti­ve ist vor allem “Stern­schnup­pen­träu­me” von Julie Leu­ze, in der zwei Jugend­li­che mit unter­schied­li­chen Fami­li­en­pro­ble­men sich inein­an­der ver­lie­ben. Auch in “Der Geschmack von Som­mer­re­gen” ver­bin­det die Autorin eine schö­ne Lie­bes­ge­schich­te mit Schwie­rig­kei­ten in der Fami­lie. Oder lies “Wenn du mich küsst” von Julia­na Stone, eine traum­haf­te Lie­bes­ge­schich­te mit schmerz­vol­lem Hin­ter­grund.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-5024-0
Erscheinungsdatum: 18.Januar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€ 
Seitenzahl: 336 
Übersetzer: Birgit Salzmann
Originaltitel: "Suffer love" 
Originalverlag: Houghton Mifflin Harcourt

Amerikanisches Originalcover:
Ashley Herring Blake Liebe ist wie Drachensteigen

Kasimiras Bewertung:

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Amerikanisches Cover: Homepage von Ashley Herring Blake

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