April Genevieve Tucholke — All the strangest things are true.

April Genevieve Tucholke All the strangest things are true

03.Februar 2017

All the stran­gest things are true.” ist ein Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin April Gene­vie­ve Tuchol­ke. Über das Erwach­sen­wer­den, über uner­wi­der­te Lie­be und die Bezie­hung zwi­schen drei Jugend­li­chen. Erzählt aus drei Per­spek­ti­ven. Eine Geschich­te, die anders ist, abseits des Main­streams — für Leser beson­de­rer Bücher. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die fan­ta­sie­vol­le, aber etwas son­der­ba­re Wink bezeich­net ihre zahl­rei­chen Geschwis­ter als “Wai­sen­kin­der”, weil sie alle kei­nen Vater mehr haben und ihre Mut­ter, die als Wahr­sa­ge­rin arbei­tet, sie oft sich selbst über­lässt. Die­se liest ihren Kun­den aus Tee­blät­tern oder aus Kar­ten. Jetzt hat sie Wink vor­her­ge­sagt, dass sie und der neue Jun­ge, der neben­an ein­ge­zo­gen ist, eine gemein­sa­me Geschich­te haben wer­den. Der Jun­ge, der einen eben­so außer­ge­wöhn­li­chen Namen wie sie trägt: Mid­ni­ght. Die­ser ist froh umge­zo­gen zu sein. Weg von Pop­py, dem Mäd­chen, für das er schon seit frü­hes­ter Kind­heit geschwärmt hat. Die er geküsst und mit der er geschla­fen April Genevieve Tucholke All the strangest things are truehat. Die aber eigent­lich nicht ihn, son­dern einen ande­ren Jun­gen will. “Spä­tes­tens im Abschluss­jahr sieht in der Schu­le kei­ner mehr bes­ser aus als du, Mid­ni­ght. […] Dar­um habe ich dich als Ers­ten ran­ge­las­sen. Ich hät­te es ger­ne mit ihm gemacht. Er ist der ein­zi­ge Jun­ge, den ich jemals lie­ben wer­de. Aber du weißt abso­lut nichts über ihn und ich den­ke nicht dar­an, dir irgend­et­was über ihn zu ver­ra­ten.” (Zitat S.7) Pop­py stammt aus einem rei­chen Eltern­haus. Sie ist berech­nend und weiß, was sie will. Und was sie will, das kriegt sie für gewöhn­lich. Nur den einen eben nicht. Und das ist Leaf, Winks älte­rer Bru­der. Er ist der Ein­zi­ge, der sie durch­schaut. Um ihn zu bekom­men, ist Pop­py bereit alles zu tun…

April Genevieve Tucholke All the strangest things are trueAll the stran­gest things are true.” ist kein Buch, das man so ein­fach durch­schaut. Zu Beginn hat­te ich kei­ne Ahnung, in wel­che Rich­tung die Geschich­te gehen wür­de. Lie­be? Freund­schaft? Dra­ma? Dazu die drei unter­schied­li­chen Erzähl­per­spek­ti­ven, die drei indi­vi­du­el­len Cha­rak­te­re, die April Gene­vie­ve Tuchol­ke sehr gut gezeich­net hat, vor allem die Bezie­hun­gen der drei unter­ein­an­der: “Wenn ich mit Wink zusam­men war, fühl­te es sich irgend­wie so an, wie wenn ich allein war, und damit mei­ne ich nicht ein­sam. Schließ­lich begriff ich, dass ich mich mit Wink so wohl­fühl­te, weil sie mich nicht taxier­te. Sie woll­te gar nicht wis­sen, ob ich sexy, cool, lus­tig oder beliebt war. Sie stand nur vor mir und ließ mich wei­ter sein, wer ich gera­de war.” (Zitat S.19) Auf was wird der Roman hin­aus­lau­fen? Was wird pas­sie­ren? Lan­ge Zeit steht der Leser im Dunk­len. Wink, die gro­ße Lese­rat­te, die ihren Geschwis­tern regel­mä­ßig aus mär­chen­haf­ten, aben­teu­er­li­chen Büchern vor­liest, sagt, dass jede Geschich­te einen Hel­den und einen Schur­ken braucht. Wer ist Held und wer ist Schur­ke? “Pop­py stand im stau­bi­gen Son­nen­schein mei­nes Zim­mers in einem dün­nen wei­ßen Som­mer­kleid und der Haut, in der sie gebo­ren war, mehr nicht. April Genevieve Tucholke All the strangest things are trueWie konn­te sich unter einer so wei­chen, zar­ten, makel­lo­sen Haut wie Pop­pys ein so schwar­zes Herz ver­ste­cken? Wie konn­te es sein, dass nichts davon zu sehen war, nicht die kleins­te Spur?” (Zitat S.28) Sind die Rol­len so offen­sicht­lich, wie sie schei­nen oder ist alles ganz anders? April Gene­vie­ve Tuchol­ke macht es ihren Lesern nicht leicht. Auch muss man beim Lesen manch­mal ein wenig Aus­dau­er bewei­sen. Mal plät­schert die Geschich­te etwas vor sich hin, mal nimmt sie an Fahrt auf. Aber immer wie­der wird man mit wun­der­schö­nen Bil­dern ver­wöhnt: “Ich war immer noch von Lie­be zu Pop­py erfüllt […] Das war im letz­ten Som­mer und ich war in ihr gefan­gen wie eine wei­che wei­ße Wol­ke in einem schwar­zen Gewit­ter.” (Zitat S.67) und  “Es war noch dun­kel, aber bald grau­te der Mor­gen. Ich sah, wie die Däm­me­rung am Hori­zont ihre Kral­len in die Nacht schlug.” (Zitat S.123) Eine der Meta­phern ist beson­ders aus­drucks­stark: “Pop­py schmieg­te eine Wan­ge an mei­ne Wan­ge. Sie hak­te ihre Augen in mei­ne Haut und zog mein Gesicht zu ihrem nach unten wie einen Fisch an der Angel. Ich wehr­te mich. Aller­dings nicht so stark, wie ich eigent­lich woll­te. Pop­py bekam immer, was sie woll­te. So war das eben mit Pop­py.” (Zitat S.23) Die Autorin arbei­tet auch viel mit Wie­der­ho­lun­gen von Wör­tern, um April Genevieve Tucholke All the strangest things are trueEmo­tio­nen über die Spra­che zu ver­mit­teln: “Mei­ne Eltern dach­ten, ich wäre noch Jung­frau. Sie rede­ten in mei­ner Gegen­wart nie über Sex und wei­ger­ten sich, zur Kennt­nis zu neh­men, dass ich erwach­sen war, nur weil sie ihren däm­li­chen klei­nen Baby­en­gel für immer und ewig behal­ten woll­ten. Und das mach­te mich so wütend wütend wütend, die gan­ze Zeit, die gan­ze Zeit.” (Zitat S.13) Die Spra­che ist zuwei­len ein­fach und schlicht, dann wie­der kraft­voll, atmo­sphä­risch und poe­tisch. Der Roman ist ein Ver­wirr­spiel. Das Ende muss­te ich zwei Mal lesen. Und schwan­ken zwi­schen der Beant­wor­tung der Fra­ge: gefällt mir das jetzt, die­ses Buch oder gefällt es mir nicht? Die­se Fra­ge darf jeder Leser dann für sich selbst beant­wor­ten…

LesealternativenEin Ende in einem Buch, das einen das gan­ze Buch über­den­ken lässt? Das ist mir auch bei “Cache” von Mar­le­ne Röder so ergan­gen. Ein Roman, der anspruchs­voll und mit Geschich­ten durch­wo­ben ist, ist eben­so “Eis­vo­gel­som­mer” von Jan De Lee­uw. Nichts ist so wie es scheint, das erlebt man in “Schö­ne Mäd­chen bren­nen nicht” von Lynn Wein­gar­ten. Du magst einen Titel lesen, der aus drei Per­spek­ti­ven erzählt wird? Dann greif zu “Die Atten­tä­ter” von Anto­nia Michae­lis (bril­lant, aber sprach­lich noch anspruchs­vol­ler), “Zwei oder drei Din­ge, die ich dir nicht erzählt habe” von Joy­ce Carol Oates oder “Auch dein Tod ändert nichts” von Celia Rees. Oder — wenn dir “All the stran­gest things are true.” gefal­len hat — lies noch ein ande­res Buch von April Gene­vie­ve Tuchol­ke: “Fürch­te nicht das tie­fe blaue Meer” (ein Mys­te­ry­thril­ler).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20232-9
Erscheinungsdatum: 17.Januar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 224 
Übersetzer: Anne Brauner
Originaltitel: "Wink Poppy Midnight" 
Originalverlag: Penguin Random House

Amerikanisches Originalcover:
April Genevieve Tucholke All the strangest things are true
Amerikanischer Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(3 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.