Antje Leser — Luftschlösser sind schwer zu knacken

Kasimira31.August 2020

Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” ist ein Roman der deut­schen Autorin Ant­je Leser, die ihre Leser in die Welt der Home­ja­cker ent­führt. Meist orga­ni­sier­te Ban­den, die Auto­schlüs­sel aus Häu­sern klau­en, um dann die Fahr­zeu­ge zu ent­wen­den. Ein jun­ges Mäd­chen, die mit ihrer Fami­lie die­ser kri­mi­nel­len Tätig­keit nach­geht, trifft auf einen Jun­gen, den sie beklau­en soll und in den sie sich ver­liebt. Ein inter­es­san­tes Set­ting, ein bild­hüb­sches Cover — unter­halt­sam erzählt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Wäh­rend sei­ne Eltern in der Kari­bik unter­wegs sind — sein Vater beruf­lich und sei­ne Mut­ter, um ihn zu besu­chen — hütet der 17-jäh­ri­ge Jonas allei­ne das Haus. “…das Ein­zi­ge, was mich momen­tan wirk­lich antörn­te, war Musik. Ich woll­te Songs schrei­ben, pro­gram­mie­ren, Loo­ps mixen und Leu­te zum Aus­ras­ten brin­gen. Jede freie Minu­te ver­brach­te ich am Key­board, pro­bier­te Sounds, kom­bi­nier­te Beats, sang Tex­te ein.” (Zitat aus “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” S.7) Ein paar Songs hat er auch auf sei­nem Han­dy gespei­chert. Bis ihm die­ses eines Tages geklaut wird. Von einer Ein­bre­che­rin, die er in Fla­gran­ti zwar erwischt, aber nichtKasimira fest­hal­ten kann. Auf der Flucht hängt sie ihn mühe­los ab. Die 15-jäh­ri­ge Nika wur­de von ihrem Onkel nach Deutsch­land geholt und dar­in aus­ge­bil­det, in Häu­ser ein­zu­bre­chen. Mit ihren zwei Cou­sins Pavel und Igor, die sich ihr gegen­über jedoch manch­mal äußerst unkor­rekt und gewalt­tä­tig ver­hal­ten, macht sie gemein­sa­me Sache. “Pavel war unser Scout. Er kund­schaf­te­te die Gegend aus, beob­ach­te­te die Men­schen und fand her­aus, wo sie wohn­ten, wann sie zur Arbeit gin­gen und wel­che Autos sie fuh­ren. Dann erstat­te­te er Igor Bericht. Der besprach sie mit Stjepan und die­ser gab grü­nes Licht, sobald er einen Abneh­mer gefun­den hat­te.” (Zitat S.17) Sjepan ist der Chef. An ihn müs­sen sie auch alles abge­ben, dür­fen nichts behal­ten, was sie in den Häu­sern erbeu­ten. Doch Nika ver­letzt die­se Regel. Sie behält Jonas Han­dy. Ohne jeman­den davon zu erzäh­len. Uner­war­tet stößt sie auf Jonas Musik, die sie selt­sam berührt: “Eigent­lich scha­de, dass ich den Men­schen, der hin­ter all die­sen Songs steck­te, nie ken­nen­ler­nen wür­de. Aber ich muss­te mich an unse­ren Codex hal­ten: kei­ne Kon­tak­te außer­halb der Fami­lie. Außer­dem wür­de er mich ohne­hin nicht ken­nen­ler­nen wol­len. Nach allem, 
Kasimirawas pas­siert war.”
(Zitat S.62) Aber Jonas ist schlau. Er hat eine Mög­lich­keit gefun­den sein Han­dy zu orten und macht sich auf die Suche nach Nika. Uner­war­tet kom­men die bei­den sich näher und gera­ten in gro­ße Gefahr.…

Das Cover von “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” ist ein ech­ter Hin­gu­cker, der Titel äußerst gelun­gen! Der Roman wird aus zwei sich meist abwech­seln­den Ich-Per­spek­ti­ven erzählt — die der bei­den Haupt­cha­rak­te­re Jonas und Nika. Die Spra­che ist locker und ein­fach. Was für mich nicht so glaub­wür­dig her­über­kam, ist die Ent­wick­lung der Lie­bes­ge­schich­te. Wäh­rend sie zunächst ein­fach nur her­um­knut­schen, weil ein ande­res befreun­de­tes Paar dies eben auch tut, wird plötz­lich schon von Ver­liebt­heit gespro­chen: “Ich hat­te mich in Jonas ver­liebt. Und einen Men­schen, den man lieb­te, den beklau­te man nicht. Bas­ta!” (Zitat S.88) Das wirkt ein biss­chen plump, auf For­mu­lie­run­gen wie “…ich hör­te auf zu den­ken und ließ mich Kasimirahin­ein­zie­hen in die­sen Stru­del aus Lust und Lei­den­schaft.” (Zitat S.80) kom­men etwas flach her­über. Aber das ist wirk­lich schon mein ein­zi­ger Kri­tik­punkt. Denn das The­ma des Home­jackings, das Ant­je Leser gewählt hat, ist im Jugend­buch wirk­lich eine Sel­ten­heit und es ist höchst fas­zi­nie­rend dar­über zu lesen. Es ist hef­tig mit­zu­be­kom­men, in wel­chem Umfeld vor allem Nika groß gewor­den ist, die im Alter von 5 Jah­ren bereits von ihrer Oma an einen “Onkel” übergeben/verkauft wor­den ist, um es in Deutsch­land bes­ser zu haben. Und ange­lernt wur­de in Häu­ser ein­zu­bre­chen und zu steh­len. Mit gefälsch­ten Päs­sen ihres Onkels aus­ge­stat­tet und einem jün­ge­ren, nicht straf­mün­di­gen Alter. Aber auch Gewalt beherrscht ihren All­tag: “Frü­her hat­te Igor mir Angst ein­ge­jagt. Er hat­te mich oft ver­prü­gelt, wenn wir zusam­men unter­wegs waren und es mit der Beu­te nicht so recht geklappt hat­te. Wenn Stjepan Stress mach­te, war Igor immer bereit, mir die Schuld in die Schu­he zu schie­ben. Und Stjepan glaub­te ihm meis­tens.” (Zitat S.15) Nika wird sogar — als sie sich ihrer Kasimira“Fami­lie” mehr­fach wider­setzt — ein­ge­sperrt und nur zu den Die­bes­tou­ren her­aus­ge­las­sen und in ein Bor­dell gebracht, unter Andro­hung, dort für immer blei­ben und arbei­ten zu müs­sen, wenn sie nicht spurt. Har­te The­men wie Ver­wahr­lo­sung, Ban­den­kri­mi­na­li­tät, Men­schen­han­del und Zwangs­pro­sti­tu­ti­on wer­den in “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” nicht aus­ge­spart. Span­nungs­tech­nisch darf sich der Leser da vor allem im hin­te­ren Teil des Buches auf eini­ges gefasst machen. Das Ende ist passend.

Ant­je Leser hat noch ande­re Bücher geschrie­ben, hier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum: “Muse­ums­Meu­te Ams­ter­dam: Unterm Gras” (ab 9), “Sprüt­ze und Flit­ze: Zwei Zum­bol­de für alle Fäl­le” (ab 8) und “Holun­der Trotz: Ein Troll für alle Fäl­le” (ab 10). ÜbLesealternativener Home­jacking ist mir tat­säch­lich nur ein TKKG”-Hör­spiel bekannt: “Home­ja­cker machen Über­stun­den”, ansons­ten gibt es kein Jugend­buch über die­se spe­zi­el­le Ein­bruchs­art. Eine sehr gute inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” in Bezug auf das Ein­bre­chen und Steh­len (zwar nicht von Autos, aber von Tafel­sil­ber & Schmuck) ist “Ste­aling Hea­ven” von Eli­sa­beth Scott, hier wur­de die Prot­ago­nis­tin von ihrer Mut­ter aus­ge­bil­det und möch­te eigent­lich am liebs­ten damit auf­hö­ren. Über Dieb­stäh­le und Ein­brü­che kannst du auch noch die­se Bücher lesen: “Cat­wo­man: Die­bin von Got­ham City” von Sarah J. Maas, “City of Thie­ves” von Nata­lie C.Anderson, die “Schat­ten­die­bin”-Rei­he von Cathe­ri­ne Egan, “Cat Deal: Nach allen Regeln der Kunst” von Kate Frey oder “Amy: Per­fek­te Die­bin” von Colin Mul­hern. Rich­tig klas­se ist zudem die etwas action­rei­che­re “Secret Zero”-Rei­he von Mor­gan Dark. Du magst eine roman­ti­sche Lie­bes­ge­schich­te lesen, in der die Mafia eine Rol­le spielt? Hier kann ich das schon etwas älte­re, aber höchst packen­de “Tod oder Lie­be” von Manue­la Sal­vi emp­feh­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-5049-3
Erscheinungsdatum: 15.Juli 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 304
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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