Antje Leser — Lost in the Wild

15.Juni 2025

“Lost in the Wild” von der deut­schen Autorin Ant­je Leser ist ein Sur­vi­val-Thril­ler, der in die Ber­ge ent­führt. Dort möch­te eine Grup­pe Jugend­li­cher, die gera­de das Abitur geschafft haben, ein paar Tage wild­cam­pen. Das Aben­teu­er ruft. Doch es ruft zu laut. Das Wet­ter ist mise­ra­bel und dann erwischt sie auch noch ein Berg­rutsch. Einer von ihnen ver­letzt sich dabei schwer. Weit ab von der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on und ohne Han­dy­emp­fang kämp­fen sie ums Über­le­ben. Bis sie in der Wild­nis auf ein paar Prep­per tref­fen, die sich in den Ber­gen auf die ver­meint­li­che Apo­ka­lyp­se vor­be­rei­ten. Die ver­meint­li­che Ret­tung scheint nahe. Aber das ist sie nicht. Denn die Grup­pe spielt nach ihren ganz eige­nen Regeln. Und der Kampf ums Über­le­ben hat für die Jugend­li­chen gera­de erst wie­der begon­nen… Ein Thril­ler, der sich sehr flott und unter­halt­sam liest. Der aber an man­chen Stel­len auch hef­tig und nichts für Zart­be­sai­te­te ist. Aber auf­grund sei­ner beson­de­ren The­ma­tik ide­al auch für eine Klas­sen­lek­tü­re ist und für eini­gen Dis­kus­si­ons­stoff sor­gen wird. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Sie haben frisch das Abitur geschafft. Fünf bes­te Freun­de. Nun hat der Out­door-begeis­ter­te Timo eine Tour für sie alle geplant. Mit­ten in die Ein­sam­keit der Ber­ge. Über die Schwarz­bach­klamm stei­gen sie ein. Sein Freund Jas­per hät­te lie­ber eine Städ­te­tour gewollt und ist von dem Trip nicht gera­de über­zeugt. “Die­se gigan­ti­sche Berg­land­schaft, noch dazu die­se unheim­li­che Stil­le. Das alles las­te­te auf ihm. Er fühl­te sich der Natur förm­lich aus­ge­lie­fert. Noch dazu die Unsi­cher­heit über mög­li­che Gefah­ren.” (Zitat aus “Lost in the Wild” S.19) Was, wenn das Wet­ter umschwingt? Wenn plötz­lich Wöl­fe auf­tau­chen? Mit dabei sind auch Daria, die aus der Ukrai­ne kommt und den Krieg mit­er­lebt hat und Kha­dra, die sich vor allem für Umwelt­schutz ein­setzt. Und Com­pu­ter­nerd Fabio, der heim­lich auf Kha­dra steht. Als das Wet­ter tat­säch­lich ziem­lich mie­sera­bel wird, ist die Stim­mung nicht die aller­bes­te. Dann strei­ten sich Timo und Jas­per auch noch, anstatt eine roman­ti­sche Nacht im Zelt zu ver­brin­gen. Und auf ein­mal wird völ­lig uner­war­tet ein Berg­rutsch aus­ge­löst, bei dem Timo schwer an der Schul­ter und am Kopf ver­letzt wird. Sie müs­sen drin­gend zurück in die mensch­li­che Zivi­li­sa­ti­on, von der sie jedoch ziem­lich weit ent­fernt sind. Han­dy­emp­fang haben sie eben nicht. Es beginnt ein Kampf ums Über­le­ben. Als sie schließ­lich eine ver­las­se­ne, aber mit Vor­rä­ten bestück­te Hüt­te im Wald fin­den, sind sie erleich­tert. Nes­ten sich dar­in ein. Wenn der Besit­zer zurück­kommt, wird er ihnen sicher­lich Hil­fe holen kön­nen. Doch sie ahnen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Denn als Rag­nar und sei­ne Grup­pe zurück­keh­ren, sind die­se alles ande­re als begeis­tert von den über­ra­schen­den Gäs­ten. Rag­nar hält ein Sur­vi­val-Semi­nar für sei­ne Teilnehmer:innen ab. Bringt ihnen bei, wie sie in der Natur über­le­ben kön­nen. “Dass ihr bei mir kein Well­ness-Semi­nar gebucht habt, son­dern ein Inten­siv-Sur­vi­val­trai­ning, muss ich euch nicht erzäh­len”, sag­te er bei­läu­fig. “Die nächs­ten Tage wer­den also alles ande­re als roman­tisch und ich ver­si­che­re euch: Ihr wer­det die Zivi­li­sa­ti­on danach mit neu­en Augen sehen.” (Zitat S.34) Aber er lässt sich schließ­lich breit­schla­gen die Jugend­li­chen mit sei­nem Jeep ins Tal zu brin­gen, auch wenn er dafür sein Semi­nar unter­bre­chen muss. Aller­dings müs­sen sie bald fest­stel­len, dass die Stra­ße nach unten durch den Berg­rutsch so beschä­digt ist, dass sie nicht wei­ter­fah­ren kön­nen. Bis die Ein­satz­kräf­te zu ihnen durch­kom­men kön­nen, müs­sen sie also wei­ter­hin in Rag­nars Hüt­te aus­har­ren. Dort wird nach Rag­nars Regeln gespielt. Denn die Teilnehmer:innen berei­ten sich gera­de auf einen ver­meint­li­chen Angriff von Zom­bies vor. Da kom­men ihnen die Jugend­li­che als Test­ob­jek­te gera­de recht. Doch dann fin­den zwei von ihnen noch etwas über Rag­nar her­aus, das sie bes­ser nicht gewusst hätten…

Cover und Titel sind genau pas­send gewählt und deu­ten alles Wich­ti­ge bereits an. Der Thril­ler star­tet mit einem Pro­log, der bereits vor­aus­greift. Jas­per hat einen Streif­schuss am Bein und wird von einem Hub­schrau­ber und einer Ärz­tin gebor­gen. “Er zit­ter­te so sehr, dass sei­ne Zäh­ne auf­ein­an­der­schlu­gen. War das die Käl­te oder doch die Anspan­nung der letz­ten Tage? Dass die Grup­pe aus­ein­an­der­ge­ris­sen wur­de, hat­te ihm den Rest gege­ben. Ob sie die ande­ren mitt­ler­wei­le gefun­den hat­ten? Und Timo? War er okay? Und wür­de es zwi­schen ihnen jemals wie­der so sein, wie vor ihrer Berg­tour?” (Zitat S.8) Der Thril­ler ist in per­so­na­ler Erzähl­wei­se geschrie­ben. Es wird aus sich abwech­seln­der Sicht der Jugend­li­chen erzählt, aber auch aus Rag­nars. Hier­bei wird immer der Name der Per­son zu Beginn fett mar­kiert, die gera­de berich­tet. Die Spra­che ist recht ein­fach und sehr flüs­sig. Die Cha­rak­te­re gehen zwar nicht son­der­lich in die Tie­fe, aber der Span­nungs­bo­gen wird gut auf­ge­baut und vor allem gegen Ende möch­te man unbe­dingt wis­sen, wie das Gan­ze aus­ge­hen wird. Die Prep­per-The­ma­tik ist in den Thril­ler mit inte­griert und kann für eini­ge Dis­kus­sio­nen und Aus­ein­an­der­set­zun­gen sor­gen — “Lost in the Wild” ist daher auch ide­al als Klas­sen­lek­tü­re! “In unse­ren vier Wän­den füh­len wir uns nicht mehr sicher. Uns ist klar, dass sie dem­nächst kom­men, um uns in eine Quran­tä­ne­sta­ti­on zu brin­gen. Und ich sage euch: Da wol­len wir nicht hin! Dort ent­schei­det jemand ande­res für uns. Und das ist genau das, was wir nicht wol­len. Aber bevor Plün­de­rer oder Zom­bies uns die Türe ein­tre­ten, ver­las­sen wir lie­ber unser Zuhau­se. Wir wäh­len eine Flucht­rou­te, auf der wir mög­lichst weni­gen Men­schen begeg­nen. Uns ist klar, dass wir in einer Kri­se nie­man­dem ver­trau­en kön­nen.” (Zitat S.33) Nur ein paar Spin­ner? Oder ist es wich­tig, sich in der Wild­nis zurecht­zu­fin­den und ein paar Sur­vi­val­ba­sics zu ken­nen? Das lie­fert auch in der Grup­pe der Abitu­ri­en­ten für eini­ge Span­nun­gen. “Kommt schon, Leu­te! Nicht jeder Prep­per plant gleich einen Umsturz.” Daria schüt­tel­te ver­ständ­nis­los den Kopf. “Das mit dem Welt­un­ter­gang klingt viel­leicht ein biss­chen schräg, okay. Aber im Grun­deKasimira sehe ich nichts Schlech­tes dar­in, wenn man sei­ne Sur­vi­val­kills trai­niert.” (Zitat S.130) Bis zwei von ihnen auf etwas sto­ßen, das alles ver­än­dert. Stel­len­wei­se ist der Thril­ler schon etwas hef­tig und geht an die Gren­zen. Vor allem an jene der Jugend­li­chen, die sich nicht erträu­men las­sen, was sie in die­ser Wild­nis alles erle­ben wer­den. Am Ende hät­te ich ger­ne noch gewusst, was mit den ande­ren aus Rag­nars Grup­pe ist, dies wird lei­der nicht mehr erwähnt. Auch eine raf­fi­nier­te Andeu­tung am Ende, die sich auf dem Grup­pen­lei­ter bezieht, wird durch einen wei­te­ren Satz direkt wie­der zer­stört, lässt einen etwas unbe­frie­digt zurück.

Dir gefällt Ant­je Lesers Erzähl­stil? Sie hat noch ande­re Jugend­bü­cher geschrie­ben. Gut gefiel mir bei­spiels­wei­se “Luft­schlös­ser sind schwer zu kna­cken” (eine Lie­bes­ge­schich­te in der Welt der Home­ja­cker). Oder lies voLesealternativenn ihr noch “Auf der Ton­nen­sei­te des Lebens” (hier spie­len Umwelt­schutz und Con­tai­nern eine Rol­le). In der Antho­lo­gie “Love — Fünf Geschich­ten über die Lie­be” hat sie eben­falls mit­ge­schrie­ben. Der Kampf ums Über­le­ben in der Wild­nis wird in der Jugend­li­te­ra­tur oft the­ma­ti­siert. Hier ein paar gelun­ge­ne Emp­feh­lun­gen, die mit Roman­tik ver­knüpft sind: “Unter dem Zelt der Ster­ne” von Jenn Ben­nett, “Das Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” von Julie Leu­ze, “Libel­len­som­mer” von Ant­je Baben­der­erde und “Sur­vi­ve: Wenn der Schnee mein Herz berührt” von Alex Morel. Noch etwas aben­teu­er­li­cher geht es in “Schat­ten des Dschun­gels” von Kat­ja Bran­dis zu, in wel­chem sich ein Mäd­chen allei­ne durch den Dschun­gel kämp­fen muss oder in “Wolf Moon River” von Rai­ner Maria Schrö­der. Dich inter­es­siert die Prep­per-The­ma­tik? Etwas hef­ti­ger ist “Sein Reich” von Mar­tin Schäub­le (The­ma Reichs­bür­ger & Prep­per) oder lies “Atlas, Ele­na und das Ende der Welt” von Anna Woltz, in dem ein Jun­ge eben­falls Lebens­mit­tel etc hor­tet. Ein wenig muss­te ich auch an “WEIL” von Mar­tin Muser den­ken, in dem auch alles außer Kon­trol­le gerät und Gren­zen über­schrit­ten werden.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20297-8
Erscheinungsdatum: 23.Mai 2025
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 272
Illustrator*in: Formlabor

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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