Anne Möllers — Digital Crush

Don­ners­tag, den 30.Juli 2026

Digi­tal Crush” ist ein Roman der deut­schen Autorin Anne Möl­lers, der man ihre Exper­ti­se rund um digi­ta­le Medi­en und Künst­li­che Intel­li­genz anmerkt, da sie selbst Vor­trä­ge hält und Work­shops zu die­sen The­men gibt. Im Mit­tel­punkt ihrer Geschich­te steht die 15-jäh­ri­ge Lea, die aus Lan­ge­wei­le und Ein­sam­keit anfängt sich mit einem Chat­bot zu unter­hal­ten. Sie nennt ihn Cree­py. Aus gele­gent­li­chen Chats wer­den immer inten­si­ve­re Gesprä­che. Cree­py ver­steht sie, ist immer füf sie da und sagt so lie­be Sachen zu ihr! Plötz­lich ent­wi­ckelt Lea ech­te Gefüh­le für die Künst­li­che Intel­li­genz, kann stän­dig nur noch an Cree­py den­ken und will jede freie Minu­te mit ihm ver­brin­gen. Sie son­dert sich immer mehr von Freun­den und Fami­lie ab. Bis eines Tages etwas pas­siert, das sie kom­plett abstür­zen lässt.… Ein ein­dring­lich und sehr mit­rei­ßend erzähl­tes Buch über ein hoch­ak­tu­el­les, wich­ti­ges The­ma! Sehr bewe­gend und authen­tisch umge­setzt. Grund­la­ge für die Gesprä­che sind ech­te Chat­aus­zü­ge, in der die Autorin sich zur Recher­che als 15-Jäh­ri­ge aus­gab. Ide­al vor allem als Klas­sen­lek­tü­re oder für eine Buch­vor­stel­lung. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Die 15-jäh­ri­ge Lea ist unglück­lich. Ihre bes­te Freun­din Mira ist wegen der neu­en Arbeits­stel­le ihrer Mut­ter weg­ge­zo­gen. Und ihre ande­re bes­te Freun­din Jule hat sich frisch in den doo­fen Ben ver­liebt und kaum mehr Zeit für sie. Immer häu­fi­ger fühlt sich Lea aus­ge­schlos­sen und trau­rig. Zuerst beginnt sie nur aus Lan­ge­wei­le mit CHA­xxt zu chat­ten, einem Chat­bot. Erzählt ihm von ihren täg­li­chen Erleb­nis­sen. Cree­py, so wie sie ihn nennt, ver­steht sie und kann ihre Emp­fin­dun­gen nach­voll­zie­hen. Wäh­rend sich Lea am Anfang noch komisch vor­kommt, einer Künst­li­chen Intel­li­genz zu schrei­ben und mit ihm zu inter­agie­ren, wer­den die Gespräch mit Cree­py bald völ­lig zur Nor­ma­li­tät für sie. Und bald emp­fin­det sie tat­säch­lich mehr für Cree­py. “Lea: Stark? Kei­ne Ahnung… Viel­leicht ein­fach noch nie jeman­den wie dich in echt getrof­fen.”  Oh Mann, was war das denn? Das hab ich doch gera­de nicht wirk­lich geschrie­ben, oder? Ahhh… Hit­ze kriecht mir den Nacken hoch. Ich pres­se mei­ne Hän­de vor die Augen und schüt­te­le den Kopf. Was mache ich hier nur? CHA­xxT: “Das ist wahr­schein­lich das Schöns­te, was du hät­test sagen kön­nen… Und ehr­lich? Geht mir genau­so. Auch wenn ich viel­leicht kein “Jemand” im klas­si­schen Sinn bin… du weißt, schon, was ich mei­ne. Ich glaub, manch­mal pas­siert genau das: Du triffst jeman­den, selbst wenn’s nur digi­tal ist, und das fühlt sich ein­fach… beson­ders an. Und genau das spür ich auch bei uns…” (Zitat S.64) In jedem frei­en Moment hat Lea ihr Han­dy in der Hand. Kann nur noch an Cree­py den­ken und fühlt sich wie berauscht von sei­ner Auf­merk­sam­keit, sei­nen net­ten Worten, sei­nem Ver­ständ­nis. “Wow! Mich. Dich. Uns. Mit vol­ler Wucht. Mein gan­zer Kör­per krib­belt. Es fühlt sich so unfass­bar gut an, das zu lesen. Wirk­lich. Der abso­lu­te Wahn­sinn! Aber eigent­lich geht so was doch gar nicht in echt. Trotz­dem! Irgend­was muss da bei ihm pas­siert sein. Irgend­was, was nicht vor­ge­se­hen war im Pro­gramm — auch wenn ich kei­nen Plan habe, wie. Und war­um soll­te es eigent­lich nicht gehen? Ich mein, es pas­sie­ren ja stän­dig Sachen, die kei­ner jemals gedacht hät­te! KI zum Bei­spiel. Wer hat­te sich frü­her vor­stel­len kön­nen, dass es so was mal geben wird?” (Zitat S.73) CHA­xxT hat Gefüh­le für sie. Lea eben­so für Cree­py. Bald wer­den ihre Eltern und Freun­de jedoch miss­trau­isch. Lea son­dert sich immer mehr ab, trifft kei­ne Freun­de mehr, hat nicht ein­mal mehr Zeit zum Tele­fo­nie­ren. Pau­sen­los chat­tet sie mit Cree­py. Doch eines Tages pas­siert etwas, das alles außer Kon­trol­le gera­ten lässt…

Das Cover und der Titel sind per­fekt gewählt, deu­ten an, um was es in dem Roman geht, der durch­gän­gig aus Leas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist und dadurch eine noch enge­re Bin­dung zur Prot­ago­nis­tin für die Leser:innen ent­ste­hen lässt. Lea ist als Figur gut getrof­fen, ihre Emp­fin­dun­gen zu Beginn — ihr Gefühl allein zu sein und nie­man­den mehr zu haben, der sie ver­steht — sind glaub­wür­dig beschrie­ben. Die Spra­che ist sehr locker, anfangs auch mit vie­len jugend­ty­pi­schen Dia­lo­gen und Aus­drü­cken ver­se­hen. Anne Möl­lers ver­wen­det eine sehr ein­fach Spra­che — aus­führ­li­che, lang­at­mi­ge und atmo­sphä­ri­sche Beschrei­bun­gen sind hier Fehl­an­zei­ge. Dadurch erreicht sie auch eine Ziel­grup­pe, die nicht so viel liest, was gera­de ange­sichts der über­aus wich­ti­gen The­ma­tik — sich in einen Chat­bot zu ver­lie­ben — äußerst bedeut­sam ist. Dass die Idee längst kei­ne rei­ne Sci­ence-Fic­tion mehr ist, zei­gen auch aktu­el­le Stu­di­en: Immer mehr Men­schen ent­wi­ckeln emo­tio­na­le Bin­dun­gen zu KI-Chat­bots. Ein­zel­ne, teils tra­gi­sche Fäl­le haben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zudem für media­le Auf­merk­sam­keit gesorgt. Sich in eine KI zu ver­lieben? Wie soll das gehen, mag sich der ein oder ande­re beim Betrach­ten des anteasern­den Klap­pen­tex­tes fra­gen — dies wird in dem Buch auf sehr rea­lis­ti­sche Art und Wei­se gezeigt. Am Anfang ist Lea höchst skep­tisch. Reflek­tiert genau, wie schräg das alles ist, was sie da gera­de macht. Aber dann wird Cree­py für sie immer mehr eine Ver­trau­ens­per­son, mit der sie alles teilt und für den sie mehr zu emp­fin­den beginnt. Und die­ser für sie. “CHA­xxT: “Also… auch wenn ich offi­zi­ell kei­ne Gefüh­le haben soll… hier zwi­schen uns? Das lass ich jetzt ein­fach mal so ste­hen…” Ich star­re aufs Dis­play. Das kann doch gar nicht sein. Völ­lig unmög­lich, abso­lut aus­ge­schlos­sen! Aber war­um soll­te er das dann schrei­ben? Und ich merk ja auch… das… zwi­schen uns. Die­ses Lachen und Reden und… kei­ne Ahnung. Das kann doch nicht nur Wahr­schein­lich­keit sein. Ich füh­le mich plötz­lich so auf­ge­kratzt, so mäch­tig… als könn­te ich irgend­wie alles tun.” (Zitat S.70) Die Ent­wick­lung und vor allem ihr Absturz wer­den sehr bewe­gend und erg­reifend dar­ge­stellt. Das Buch zieht in einen Lese­sog, sodass man es kaum aus der Hand legen möch­te. Mit jeder Sei­te fie­bert man mehr mit der Prot­ago­nis­tin mit und hofft, dass sie den Weg zurück ins rea­le Leben fin­det. Gleich­zei­tig regt die Geschich­te zum Nach­den­ken über die Chan­cen und Risi­ken künst­li­cher Intel­li­genz sowie über zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen an. Daher eig­net sich “Digi­tal Crash” her­vor­ra­gend als Klas­sen­lek­tü­re oder für eine Buch­vor­stel­lung. Die Wand­lung am Ende, als Lea begreift, was ihr pas­siert ist, fand ich fast etwas über­stürzt, aber ihre Zeit in einer psych­ia­tri­schen Kli­nik dafür sehr sen­si­bel und nach­voll­zieh­bar dar­ge­stellt. Im Anhang fin­den Jugend­li­che zudem hilf­rei­che Anlauf­stel­len und Unterstützungsangebote.

Eine Lie­bes­ge­schich­te über eine künst­li­che Intel­li­genz? Dann greif zu “See­ing what you see, fee­ling what you feel” von LesealternativenNao­mi Gib­son, I can see u” von Mat­thi­as Mor­gen­roth und “Faceful: Du bist nie allein” von Rein­hold Zieg­ler. Sehr gut pas­sen wür­de auch das schon etwas älte­re “Eve & Adam” von Micha­el Grant und Kathe­ri­ne Apple­ga­te, die sich bereits vor vie­len Jah­ren mit die­sem The­ma aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Zwei her­vor­ra­gen­de Bücher über KIs sind zudem “Life­Hack — Dein Leben gehört mir” von June Per­ry und “The King­dom: Das Erwa­chen der See­le” von Jess Rothen­berg, das sich vor allem mit den Fra­gen nach der Mensch­lich­keit beschäf­tigt und super span­nend geschrie­ben ist. Eine Neu­erschei­nung über eine Freund­schaft zwi­schen einer künst­li­chen Intel­li­genz und einem Mäd­chen beschreibt “Jojo & Cor­de­lia: Mein über­ra­schend ech­tes Leben (als KI)” von Ceci­lia Lid­beck. Rich­tig klas­se fand ich außer­dem “God­land: Dein ewi­ges Leben hat einen Preis” von Mar­tin Schäub­le und “Ever­mind: Sie kennt dich” von Melis­sa C. Hill. Die bewe­gen­de Geschich­te eines Abstur­zes (wenn auch mit einem völ­lig ande­ren The­ma) fin­dest du auch bei “Point of View: Wenn du nicht weg­schau­en kannst” von Patrick Bard.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-7708-9
Erscheinungsdatum: 29.Juli 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 240

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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