“Silver & Poison: Das Elexier der Lügen” von der deutschen Autorin Anne Lück ist der erste Teil einer zweibändigen Urban-Romantasy-Reihe, der in ein magisches New York entführt. Dort lebt eine junge Frau namens Avery, die eine besondere Gabe hat: sie kann mittels ihrer außergewöhnlichen Cocktails die Gefühle anderer Menschen beeinflussen. Noch andere Magier leben in der Stadt und bald gibt es immer mehr Tote unter ihnen. Gemeinsam mit einem attraktiven Detective versucht Avery dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Doch auch sie hat einiges vor dem Detective zu verbergen… Eine fantastische, schön-spannende Mischung aus Romantik, Magie und jeder Menge Emotionen. Ein literarischer Cocktail, den man definitiv empfehlen kann! Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Die 19-jährige Avery lebt mit ihrem Bruder Ellis in New York. Weil ihr Großvater mittlerweile in einem Altersheim wohnt, haben sie nicht nur dessen Haus, sondern auch seinen Pub übernommen und daraus einen legendären Club gemacht. “Jeder wollte plötzlich in diesen exklusiven Laden, jeder wollte ihn einmal von innen sehen und die legendären Cocktails probieren — die, von denen man auf der Straße flüsterte, dass sie eigenartige Dinge mit den Gefühlen der Menschen anstellten. Das Rhapsody war innerhalb kürzester Zeit von einem Geheimtipp zu einem “Du kannst mir nicht ernsthaft erzählen, dass du da noch nie gewesen bist”-Ort geworden” (Zitat aus “Silver & Poison” S.16ff) Avery mixt dort ihre besonderen Cocktails, die sie mit ihrer Magie anreichert. Sie ist eine Poisoner, so wie ihr Bruder, auch wenn ihre Gabe ein wenig
schwächer ist als seine. “…wir produzierten kein Gift. Wir konnten die Beschaffenheit der Getränke und Tinkturen mit unserer Magie so ändern, dass sie furchtbare Angst hervorriefen, die sogar zu einem Herzstillstand führen konnte — oder auch ein unbändiges Gefühl des Glücks. oder ganz andere Emotionen. Es gab eigentlich kaum Grenzen. Wir waren wie Produzenten von Drogen, die im Körper nicht nachweisbar waren.” (Zitat S.56) Doch was Ellis nicht ahnt, ist, dass Avery auch Mitglied in einer der gefährlichsten Gangs New Yorks ist. Als Jugendliche ist sie an die falschen Leute geraten und steht nun in der Schuld von Mafiaboss Dorian Mars, der die Gabe von Magiern ausnutzt, um sie für seine Zwecke zu missbrauchen. Immer wieder schickt er Abtrünnige zu Avery, die in deren Cocktails statt Glücksgefühlen, Angst und Panik mischt, um sie Dorian in die Hände zu treiben. Als Averys Fähigkeiten sich plötzlich zu verändern drohen und immer mehr tote Magier in der Stadt gefunden werden, muss sie sich auf eine Zusammenarbeit mit Adam Hayes einlassen. “Hayes war
seit über einem Jahr Leiter der Taskforce des NYPD, die sich mit magischen Fällen beschäftigte, und er wusste, dass ich das wusste. Obwohl unsere Existenz gewissermaßen streng geheim war, wussten einige Leute, in denen kein magisches Blut floss, Bescheid — besonders in den höheren Rängen der Polizei.” (Zitat S.45) Hayes, der den Mitgliedern von Dorian Mars schon seit Längerem auf der Spur ist. Dem sie unweigerlich näher kommt…
Das Cover von “Silver & Poison: Das Elexier der Lügen” ist ein Traum, dazu der wunderschöne, farbige Buchschnitt (der Erstauflage) — perfekt in Szene gesetzt! Der Roman wird durchgehend aus Averys Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Das Setting mit dem Club und die Idee mit den magischen Cocktails fand ich sehr gelungen und erfrischend anders: “Ich konnte mich noch gut an die Polizeikontrollen erinnern, die es in der Anfangszeit des Rhapsody — und auch jetzt n
och regelmäßig — zur Genüge gab. An die Cops, die immer wieder auftauchten und unsere Drinks in Labore schickten, aber nie etwas fanden. Weil es keine Drogen darin gab. Keine Erklärung für die Wirkung, die sie entfalteten. Denn für die meisten Menschen existierte Magie nicht.” (Zitat S.26) Ein Cocktail, der für einen Abend glücklich macht? Der Gefühle entfalten kann? Eine ideale Basis für eine ausufernde Geschichte wie “Silver und Poison” es eine ist. Der Roman entfaltet sich langsam, es dauert etwas, bis man alle Zusammenhänge begreift. Was Avery kann, welche Bedeutung die Gang für sie hat, warum sie dort Mitglied ist, wie sie zu Adam Hayes steht und welche anderen Magier es außer ihr noch gibt. Während sie eine Poisoner ist, gibt es außerdem noch Narrative und Artists, welche alle unterschiedliche Fähigkeiten haben und an ihrem Geruch erkennbar sind. “Es war Magie, die ich wahrnahm, aber nicht die von alten Büchern und Geheimnissen, wie die Narratives sie verströmten. Und auch nicht die von mit Blut vermischtem Wein, süß und gefährlich und betörend, die an den Poisonern haftete. Wie an Ellis. Wie an mir. Es roch eher, als hätte Lawson gerade erst ein riesiges Gemälde beendet und wäre danach direkt in den Club gestürzt. Der Duft von Farbe, Öl und Freiheit begleitete den Mann. Er war unverkennbar ein Artist.” (Zitat S.33) Dies wird in einem kurzen Glossar am Ende des Buches ebenfalls noch einmal
sehr kurz umrissen. Die Charaktere sind sehr schön skizziert. Die toughe Avery, die auch einige düstere Geheimnisse hat und Adam, der am Anfang zwar eher seltener erwähnt wird, aber sehr interessant beschrieben ist: “Waldgrün. Ich konnte beinahe die Tannen riechen, als ich in seine Augen blickte. Sie verdunkelten sich innerhalb eines Wimpernschlages, als wäre ein Gewitter über ihnen zusammengezogen. “Avery.” Seine Stimme war eine immer wieder irritierende Mischung aus rauchigem Gangsterboss und Erotik-Hörbuchsprecher” (Zitat S.43) Gerade Gefühle und Stimmungen zu beschreiben, gelingt Anne Lück äußerst gut. Die Liebesgeschichte nimmt erst ab der Mitte des Buches richtig Fahrt auf. Hier sind die Gegensätze bei den beiden richtig schön ausgearbeitet: “Wir standen auf völlig gegensätzlichen Seiten: Hayes, der gute Detective, der im letzten Jahr unzählige Gangmitglieder festgenommen hatte, und ich, eine von Dorians Leuten, die mit ihrer Magie Menschen in den Tod trieb. Allein der Gedanke, dass er mir irgendwann auf die Schliche kommen könnte, trieb mir erneut den Angstschweiß auf die Stirn.” (Zitat S.47) Das Ende des Romans wird noch einmal richtig schön fesselnd und endet mit einem fiesen Cliffhänger, der äußerst neugierig auf die Fortsetzung macht.
Dir gefällt Anne Lücks Erzählstil? Dann greif unbedingt
zum Abschluss der “Silver & Poison”-Reihe: “Die Essenz der Erinnerung”, welcher im September 2023 erscheinen wird. Die Autorin hat tatsächlich noch einen (New Adult-)Roman geschrieben, der in einer Bar spielt: “This is our show”. Ein (digitales) Jugendbuch von ihr ist außerdem “Von der Wahrscheinlichkeit, zwei Leben zu retten”. Oder lies ihre bekannte Krankenhaus-Reihe (für Erwachsene): “Das St.Alex”: “Nachtleuchten” (Band 1), “Tagmond” (Band 2) und “Abendstern” (Band 3). Gemeinsam mit anderen Autor*innen schrieb sie außerdem “Red River Lane” und “Christmas Kisses. Ein Adventskalender”. Eine gute Lesealternative zu “Silver & Poison” ist “Die Lügendiebin” und “Die Lügenkönigin” von Saskia Louis.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ravensburger ISBN: 978-3-473-58647-9 Erscheinungsdatum: 30.Januar 2023 Einbandart: Broschur Preis: 15,99€ Seitenzahl: 448 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: - Trailer zum Buch:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58647-9
Erscheinungsdatum: 30.Januar 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 15,99€
Seitenzahl: 448
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