“The Hive: Wenn die Königin fällt” ist ein dystopischer Thriller der britischen Autorin Anna February, der in eine unterirdische Kolonie entführt, in einer nach dem Klimawandel zerstörten Welt. Wie in einem Bienenstock leben die Menschen dort im “Hive”. Es gibt zwei Königinnen, die über alles regieren. Eine Schar voll Aszendenten, die die nächsten Anwärter auf den Thron oder den Rat des Hives sind und Arbeiter, die verschiedene Dienste leisten. Ein strenges Reglement bestimmt den Alltag. Wer krank oder alt ist oder Fehler macht, könnte bei der nächsten Auslese aussortiert werden, wird nach draußen geschickt oder getötet. Auch die Möglichkeit sich fortzupflanzen wird nur von den Königinnen bestimmt. Alles geschieht für die Gemeinschaft und zum Wohl des Hives. Arenite ist mit der Aszendentin Euphemia schon seit Geburt durch ein Schutzschild verbunden. Sie würde ihr Leben für Euphemia geben und wurde nur dazu ausgebildet, um sie zu beschützen. Doch dann wird ihr Schützling eines Tages ermordet und Arenite für die Täterin gehalten. Eigentlich hätte sie gar nicht überleben dürfen. Stirbt der Schützling, so stirbt das Schild automatisch. Arenite hat drei Tage Zeit ihre Unschuld zu beweisen, sonst wird sie hingerichtet werden. Dabei hilft ihr der königliche Außenseiter Nikolos. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Bald geschieht der nächste Mord… Ein äußerst faszinierendes Buch, das schon recht anspruchsvoll und komplex ist, aber spannend und unterhaltsam geschrieben ist. Eine interessante Mischung aus Dystopie und Krimi. Ein außergewöhnliches Leseerlebnis! Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Die große Flut hat als Folge des Klimawandels die Erde nahezu unbewohnbar gemacht. Doch es gibt den Hive. Eine neue Lebensform, ähnlich wie einen Bienenstock. Ein riesiges, kammernähnliches Gebilde, eine große unterirrdische Kolonie im Meer. Ein großer Blitzableiter
an der Kuppe versorgt die Menschen mit Energie. Es regieren zwei Königinnen über den Hive. Die entscheiden, wer geboren werden darf und wer aussortiert wird, weil er überflüssig ist, denn die Ressourcen im Hive sind begrenzt. Alles geschieht zum Wohl der Königinnen und der Gemeinschaft. Die Cutter dienen der königlichen Familie. Die Miner arbeiten unten in der Wabe und dürfen die oberen Etagen nicht betreten. “Da sie kleiner und schwächer sind als wir, brauchen sie weniger Nahrung, sodass sie in der Regel die ersten Betroffenen sind, wenn die Königinnen Vorräte einsparen wollen.” (Zitat aus “The Hive: Wenn die Königin fällt” S.19) Außerdem gibt es noch den Apex, den königlichen Rat des Hives, bestehend aus fünf Mitgliedern. Die Aszendeten sind die nächste Generation und Anwärter auf den Thron oder können Mitglied des Rats werden. Hier leben auch Arenite und Euphemia. Letztere ist Aszendentin und hofft darauf eines Tages selbst Königin zu werden. “Die königliche Familie bewohnt die oberen Stockwerke des Hives. Euphemia verbringt viel Zeit in ihrer eignen Etage, um Allianzen zu schmieden. Ganz gleich, welche Mädchen einmal Königinnen sein werden, als solche werden sie auch darüber entscheiden, wer die übrigen
fünf Plätze im neuen Apex einnimmt — deshalb ist es für sie wichtig, von den anderen Aszendenten gemocht zu werden.” (Zitat S.16) Arenite ist seit Geburt an mit Euphemia verbunden, durch ein Schutzband und wurde darin ausgebildet sie zu verteidigen. “Ich bin ein Schutzschild und dazu erzogen worden, nur einem einzigen Zweck zu dienen: die Person zu schützen, die mir anvertraut wurde. Ich sollte keine Angst vor Blitzen haben. Ich sollte vor gar nichts Angst haben.” (Zitat S.9) Doch nun wird Euphemia getötet und Arenite sieht nur den vermummten Täter flüchten. Kann ihr aber nicht mehr helfen. Eigentlich hätte sie ebenfalls sterben sollen, denn wenn ein Schützling stirbt, stirbt das Schutzschild automatisch. Niemand kann sich erklären, wieso Arenite überlebt hat. Aber sie wird zur Mörderin erklärt und soll nun hingerichtet werden. “Gefangen in den Fischtunneln unter der Meeresoberfläche, um zu ertrinken, wenn das Wasser hereinflutet. Eingemauert in einer dunklen Zelle, um zu verhungern. An den Turm gekettet, um von innen zu verbrennen, wenn der Blitz in den Körper schießt. Oder der erbarmungslosen Hitze der Sonne im Sonnenraum ausgesetzt, um gegrillt zu werden. Wasser und Gestein, Sturm und Sonne: die vier
Kräfte, die unser Leben bestimmen. Und eine von ihnen wird mein Ende sein.” (Zitat S.58) Drei Tage hat Arenite Zeit ihren Mörder zu finden. Dabei soll sie Nikolos — ein königlicher Außenseiter und Meister der dunklen Künste — unterstützen, der den Fall aufklären soll. Er soll sein eigenes Schutzschild ermordet haben und ist ebenfalls von Arenites Schuld überzeugt. Hat Arenite überhaupt noch eine Chance? Dann geschieht ein weiterer Mord. Und es wird nicht der Letzte bleiben…
Das Cover ist sehr gelungen, dazu der Schimmer der Goldfolie. Der Titel perfekt gewählt (The Hive = Der Bienenstock). Denn der Titel ist Programm in dem Buch, das System der Kolonie geht tatsächlich auf das Vorbild eines Bienenschwarms zurück: “Die Bienenkönigin war das Herz des Bienenstocks und diejenige, die neues Leben hervorbrachte. Alle anderen Bienen lebten und starben nur, um ihr zu dienen und sie zu beschützen, denn ohne sie wäre ihre Art dem Untergang geweiht gewesen. Wenn sie bedroht war, opferten die anderen ihr Leben. Alle dachten und handelten
tatsächlich wie ein einziger Organismus, der von ihr kontrolliert wurde: Es war das gemeinsame Bewusstsein des Bienenstocks. Und das war es auch, was die Menschen nach der großen Flut brauchten — den Willen, ihr Leben zum Wohl des Ganzen hinzugeben, statt sinnlos zu kämpfen und sich dabei selbst zu zerstören.” (Zitat S.171ff) Der dystopische Thriller wird durchgehend aus Arenites Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Er ist in Kapitel eingeteilt mit Zeitangaben (Z.B. “zwei Tage später” alles auf den ersten Mord bezogen) und teilweise tauchen Überschriften auf wie “Erster Mord”, “Zweiter Mord”. Man darf in dem Buch fleißig mitraten, wer der Täter gewesen sein könnte. Anna Februray macht es ihren Leser:innen hierbei nicht leicht. An sich ist “The Hive: Wenn die Königin fällt” schon ein etwas anspruchsvolleres Buch. Man erhält zwar einen Stammbaum der königlichen Familie und ihrer Aszendenten und jeweiligen Schilder, aber es sind unglaublich viele Personen, die man zuordnen muss. Details, die man im Fortlauf der Geschichte behalten muss, um alles einzuordnen. Teilweise konnte ich nicht alle Gedankengänge der Protagonisten bei der Tätersu
che nachvollziehen. Dennoch ist das Grundsetting des Buches absolut gelungen und sehr faszinierend. Ein System, das scheinbar zu funktionieren scheint, aber auch erschreckend ist: “Drohnen über vierzig werden zu fünfundsiebzig Prozent reduziert.” (Zitat S.11) Auch die Auslese, an der die Aszendenten maßgeblich beteiligt sind, liefert jede Menge Diskussionsstoff. Darf man Menschen einfach so aussortieren? Nur, weil sie nicht mehr jung genug, funktionsfähig oder fehlerlos sind? Sie werden dann einfach nach draußen gelassen. “Kein Wunder, dass niemand den Hive verlässt, der nicht dazu gezwungen ist. Wir führen unser gesamtes Leben unter der Erde, in den hohlen Adern dieser Insel, weil sie unsere einzige Zuflucht vor dem gnadenlosen Himmel und der tosenden See ist, die uns umgibt.” (Zitat S.14) Was dort draußen ist, das hätte ich mir noch ein wenig ausführlicher gewünscht, hier gibt es nur Andeutungen, auch von anderen Menschen außerhalb hätte ich gerne noch mehr erfahren. Höchst diskutabel ist auch die Tatsache, dass allein die Königinnen über die weitere Fortpflanzung bestimmen: “Nur die königliche Familie besitzt die Fähigkeit, die seit der Gründung des Hives durch ihre verehrte Vorfahrin Mel
issa seit Jahrhunderten weitergegeben wurde: die Fähigkeit, sich ungehindert fortzupflanzen und die Kunst der Medizin und der Genetik zu nutzen, um auch anderen zum Kindersegen zu verhelfen. Ohne diese Gabe wären wir alle längst ausgestorben. Sie ist so kostbar und wichtig, dass nur die Königinnen sie anwenden dürfen. Deshalb erhalten alle Aszendenten ein Verhütungsimplantat, das bei den Mädchen, die zu Königinnen ausgewählt werden, wieder enfernt wird, während es die anderen für immer behalten.” (Zitat S.71ff) Indiviualität und eigenes Denken werden in “The Hive: Wenn die Königin fällt” klein gehalten. Auch Arenite ist seit Geburt an so konditioniert worden, dankbar für ihr eingeschränktes Leben zu sein, ohne ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Hierbei macht sie eine glaubhafte Wandlung innerhalb des Buches durch, entwickelt sich weiter. Eine sehr sehr zarte Slow Burn Romance ist in die Geschichte mit eingeflochten, die aber tatsächlich ohne körperliche Annäherung (Kuss) auskommt, was in sehr wenigen Büchern der Fall ist. Die Sprache von Anna Februrary ist angenehm und
teils etwas antiquierter und gewählter, passt aber zum System des Hives: “Doch fürchte ich ein wenig, dass Königin Sirene es nicht gutheißen wird — da ich schon nicht den Anstand hatte zu sterben, als die Zeit dafür gekommen war, wird sie vermutlich denken, ich sollte zumindest so zerlumpt und halb verhungert bleiben, wie ich bin. In gewisser Weise bin ich sogar geneigt, ihr recht zu geben. Andererseits wäre nur ein Bad besser als frische Klamotten, und da Ersteres nicht infrage kommt, nehme ich mit dem Zweiten vorlieb.” (S.116) Zum Ende hin wird es ungemein spannend und es erwartet die Leser:innen noch die ein oder andere überraschende Wendung. Das Buch ist in sich abgeschlossen, hätte aber grundsätzlich noch viel Potential für eine Fortsetzung.
Du magst Dystopien? Zwei Alternativen, die mir direkt in den Sinn kamen, sind “RC 2722: Gefährliche Freiheit” und “New Earth Project: Tödliche Hoffnung” von David Moitet (hier leben die Protagonisten auch in einem unterirrdischen Schutzbunker bzw in einer Glaskuppel, beide Bücher unabhängig voneinander zu lesen) oder die “Godsped”-Trilogie von Beth Revis. Gut könnte ich mir auch “Breathe: Gefangen unter Glas” von Sarah Crossan vorstellen oder die “Eleria”-Trilogie von Ursula Poznanski. Du möchtest noch andere Bücher lesen, in denen Bienen eine große Rolle spielen? Lies zum Beispiel “Bienenkönigin” von Claudia Praxmayer (faszinierend und sehr flott erzählt!), “Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete” von Robin Stevenson oder “Zweet” von Marit Kaldhol (wunderschön!) und “Das Nest” von Kenneth Oppel (für Nervenstarke! Horror, aber sehr gelungen). Etwas kämpferischer wären “Stormglass. Angriff der Killerbienen” von Andy Deemer und “Infinity Drake: Scarlattis Söhne” von John McNally.
Bibliografische Angaben:Verlag: Karibu ISBN: 978-39612-9511-1 Erscheinungsdatum: 6.August 2025 Einbandart: Broschur Preis: 16,99€ Seitenzahl: 352 Übersetzer*in: Knut Krüger Originaltitel: "The Hive" Originalverlag: Chicken House Britisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
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Verlag: Karibu
ISBN: 978-39612-9511-1
Erscheinungsdatum: 6.August 2025
Einbandart: Broschur
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 352
Übersetzer*in: Knut Krüger
Originaltitel: "The Hive"
Originalverlag: Chicken House
Britisches Originalcover:

