Ann-Kristin Gelder — The Evil of Salwood

Kasimira20.Oktober 2021

The Evil of Sal­wood” von der deut­schen Autorin Ann-Kris­tin Gel­der ist ein Hor­ror-Mys­te­ry­thril­ler, der sei­ne Leser in ein abge­le­ge­nes Dorf ent­führt, das von einem Bann­kreis aus Salz umge­ben ist. Wer die­sen ver­lässt, trifft auf die Geis­ter und bezahlt dies nicht sel­ten mit Wahn­sinn oder mit sei­nem Leben. Eine Grup­pe Jugend­li­cher will als Mut­pro­be genau dem auf den Grund gehen und gerät in größ­te Gefahr. Eine atmo­sphä­ri­sche, sehr tem­po­reich erzähl­te Geschich­te, die hef­ti­ge The­men wie sexu­el­le Gewalt oder Exor­zis­mus nicht aus­spart, aber auch eine Lie­bes­ge­schich­te beinhal­tet. Ein Lese­high­light unter den Hor­ror­bü­chern! Für ner­ven­star­ke Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne, die sich schön gru­seln möchten.

Sal­wood. Ein klei­nes Dorf, das aus der Zeit gefal­len scheint. 200 Ein­woh­ner leben hier. Das Dorf ist so klein, dass es inner­halb von einer Vier­tel­stun­de von einem zum ande­ren Ende zu durch­que­ren ist. Hier lebt auch die 16-jäh­ri­ge Faye mit ihren Eltern. Der Vater ist der Rever­end des Ortes. Das Beson­de­re an Sal­wood — es ist umge­ben von einem Bann­kreis aus Salz. Einem Schutz­kreis, der die bösen Geis­ter der Außen­welt nicht näher tre­ten lässt. Schon die Kin­der wer­den von ihren Eltern dem­entspre­chend erzo­gen und gewarnt, ja nicht über die Außen­gren­ze des Dor­fes zu tre­ten, weil dies sonst Kasimiraböse enden kann. Doch eines Nachts wol­len ein paar Jugend­li­che genau dies tun. Eine Mut­pro­be wagen. Auch Faye, die eher eine Außen­sei­te­rin ist und end­lich dazu­ge­hö­ren möch­te, ist dabei. “Die düs­te­re Vor­ah­nung beim Gedan­ken an unser Vor­ha­ben beglei­te­te mich schon die gan­ze Woche und wur­de mit jedem Tag stär­ker. Jetzt, da die Mut­pro­be unmit­tel­bar bevor­stand, hat­te auch mei­ne Unru­he ihren Höhe­punkt erreicht. Ich wuss­te, dass es klü­ger gewe­sen wäre, im Bett zu blei­ben” (Zitat S.11) Doch ehe die Jugend­li­chen die Gren­ze über­tre­ten kön­nen, taucht plötz­lich Ezra auf, eben­falls ein Außen­sei­ter: “Tut das nicht. […] bleibt weg von der Gren­ze. Es hat einen Grund, dass nur die aus­ge­bil­de­ten Salz­trä­ger nach drau­ßen gehen, und selbst für die­se bleibt es ein gro­ßes Rest­ri­si­ko. Fragt Isaac, sofern er irgend­wann wie­der spre­chen kann. Es ist Kasimiragefähr­lich.” (Zitat S.22) Isaac hat außer­halb der Gren­ze sei­nen Talis­man ver­lo­ren und wur­de von den Geis­tern über­fal­len. Sitzt jetzt im Ker­ker und wird von Fayes Vater bald exor­ziert, weil er völ­lig wahn­sin­nig gewor­den ist. Doch Vin­ce, Amber und Rowan wol­len sich von ihrem Vor­ha­ben nicht abhal­ten las­sen. Sie wol­len den Talis­man fin­den, das Risi­ko auf sich neh­men und die Hel­den des Dor­fes wer­den. Nur Hana und Faye haben Zwei­fel. Doch sie gehen mit, über­schrei­ten die Grenz­li­nie, so wie Ezra, der sich ihnen anschließt, um ihnen bei­zu­ste­hen. Denn er weiß, dass das Salz­amu­lett um sei­nen Hals ihn schüt­zen wird. Dass sie sich am bes­ten an den Hän­den hal­ten soll­ten und dass ein Bind­fa­den, an einen Baum gebun­den, ihnen den Weg aus dem dich­ten, undurch­dring­ba­ren Nebel zurück zei­gen wird. Doch nicht alle von ihnen wer­den die­sen Aus­flug über­le­ben und es wird Fol­gen haben…

KasimiraWun­der­schön und äußerst pas­send ist das Cover von “The Evil of Sal­wood” gestal­tet. Das Salz kann man auf­grund der reli­ef­ar­ti­gen Prä­gung förm­lich mit den Fin­gern auf dem Buch erspü­ren! In den Innen­sei­ten des Schutz­um­schlags ver­birgt sich außer­dem eine sehr inter­es­san­te Zeich­nung des klei­nen Dor­fes. Die Geschich­te star­tet mit einem Pro­log, der 200 Jah­re zuvor in dem Salz­berg­werk nahe der Stadt spielt, in dem Berg­ar­bei­ter mit einem aus­bre­chen­den Feu­er kon­fron­tiert und in der Mine ein­ge­schlos­sen und von Gesteins­ma­ßen begra­ben wer­den. Der Haupt­teil wird zunächst aus Fayes Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve begon­nen, wech­selt spä­ter dann aber auch zu Ezras Sicht. Schon der Anfang, aber auch vie­le wei­te­re Stel­len, sind sehr atmo­sphä­risch, düs­ter und mit­rei­ßend geschrie­ben: “Es war stock­fins­ter. Die Son­ne war längst unter­ge­gan­gen, und das Licht des Mon­des kämpf­te aus­sichts­los gegen die dich­te Nebel­de­cke an, die Sal­wood von allen Sei­ten umgab.” (Zitat S.11) Das Set­ting des mit­tel­al­teKasimirarlich anmu­ten­des Dor­fes ist per­fekt gewählt, es gibt kei­ne Elek­trik, nur eine Feu­er­stel­le im Haus, weni­ge Zim­mer und das Was­ser muss vom Brun­nen geholt wer­den. Auch so man­che Tra­di­tio­nen, wie das Fest zur Salz­wen­de, in der jun­ge Frau­en ihre Jung­fräu­lich­keit ver­lie­ren, spie­len eine Rol­le. Die Grund­idee mit dem Bann­kreis ist sehr fas­zi­nie­rend gestal­tet. Alles wirkt zu Beginn sehr geheim­nis­voll und schon ein wenig gru­se­lig: Ihr wer­det die Ori­en­tie­rung ver­lie­ren, blind im Nebel her­um­ir­ren, bis sie einen Weg in euch gefun­den haben und euch aus­höh­len. Einen nach dem ande­ren. Jeg­li­cher Zwei­fel an den Geschich­ten erlosch. Ich konn­te spü­ren, wie die See­len über mich und um mich her­um glit­ten, als wür­den sie nach Schwach­stel­len suchen, von denen ich nicht ein­mal wuss­te, wie sie aus­sa­hen.” (Zitat S.29) Man­che Sze­nen wer­den dann schon recht deut­lich geschil­dert, bei­spiels­wei­se den Tod einer der Neben­fi­gu­ren: “Der Nebel sKasimirachien ihr die Luft zum Atmen zu rau­ben, sie lang­sam zu ersti­cken. Sie hat­te bei­de Hän­de an ihren Hals gelegt, und die Augen so weit auf­ge­ris­sen, dass sie fast aus den Höh­len tra­ten.” (Zitat S.37) Eben­so die Exor­zis­mus-Sze­ne wird den Lesern so eini­ges abver­lan­gen, auch wenn doch so eini­ges aus­ge­blen­det wird, wer­den auf­grund der Schil­de­rung der Werk­zeu­ge, die ver­wen­det wer­den, der Fan­ta­sie kei­ne Gren­zen gesetzt. Tat­säch­lich ist in “The Evil of Sal­wood” eben­so eine Lie­bes­ge­schich­te ent­hal­ten, in der zudem ero­ti­sche Momen­te nicht aus­ge­spart wer­den. Am Anfang gab es ein paar Sze­nen, die zunächst nicht ganz so authen­tisch wir­ken — hin­sicht­lich der Ver­hal­tens­wei­se der Per­son — aber im Nach­hin­ein Sinn erge­ben und ver­ständ­lich sind. Sprach­lich gese­hen ist der Hor­ror-Mys­te­ry­thril­ler sehr schön geschrie­ben, Ann-Kris­tin Gel­der hat eine sehr ange­neh­me Erzähl­wei­se, bei der sich jedes Wort am rich­ti­gen Platz anfühlt. Span­nungs­tech­nisch fliegt man buch­stäb­lich über die Sei­ten und fie­bert begeis­tert mit. Vor allem das Ende hat es in sich und sorgt für ner­ven­zer­rei­ßen­de Dramatik!

Fazit: Kann ich abso­lut empfehlen!

Dir gefällt der Erzähl­stil von Ann-Kris­tin Gel­der? Dann lies noch ihr ande­res JugeLesealternativenndbuch “On:Off”. Außer­dem hat sie noch unter dem Psyeud­onym Cla­ra Bene­dict die “Aura”-Rei­he geschrie­ben: “Die Gabe” (Band1), “Der Ver­rat” (Band 2) und “Der Fluch” (Band 3). Du möch­test noch mehr über das The­ma Exor­zis­mus lesen? Dann lies zum Bei­spiel “Die Unbarm­her­zi­gen” von Dani­elle Vega (Ach­tung, nichts für Zart­be­sai­te­te!), “Teu­fel­sen­gel” von Moni­ka Feth, “Spi­rit — Du gehörst mir” von Car­rie Jones und Ste­ven E. Wedel oder “Susan­nah — Auch Geis­ter kön­nen sich ver­lie­ben” von Meg Cabot. Ein klei­nes Dorf, in dem die Din­ge etwas anders lau­fen? Das hat mich auch ein wenig an “The Grace Year” von Kim Lig­gett erin­nert. Oder lies Toch­ter der Flut” von Jake Hal­pern & Peter Kuja­win­ski, das auf einer Insel spielt. Hor­ror­bü­cher, die noch rela­tiv neu sind und die ich sehr emp­feh­len kann, wären zudem “Die Nacht der Acht” von Phil­ip Le Roy, “The Woods”-Tri­lo­gie von Nova Hill und (neu auf­ge­legt mit ande­rem Cover): “Jemand ist in dei­nem Haus” von Ste­pha­nie Per­kins. Ande­re tol­le Bücher aus die­sem Gen­re fin­dest du in die­sem Spe­cial.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann-Esslinger
ISBN: 978-3-522-20276-3
Erscheinungsdatum: 21.September 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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